Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Wie früher, sprachen sie auch jetzt nie von »ihm«; sie hatten die Vorstellung, daß sie durch Worte sich an der Erhabenheit des Gefühls, das in ihren Herzen lebte, versündigen würden; aber dieses Schweigen über ihn hatte die Wirkung, daß sie, ohne selbst sich dessen bewußt zu werden, seiner allmählich vergaßen.
Natascha wurde so mager und blaß und ihre Körperkräfte nahmen dermaßen ab, daß alle beständig von ihrer Gesundheit sprachen; und ihr war dies angenehm. Manchmal aber überkam sie plötzlich eine Angst nicht nur vor dem Tod, sondern auch vor Krankheit, Schwäche, Verlust ihrer Schönheit, und unwillkürlich betrachtete sie dann aufmerksam ihren nackten Arm und erschrak über seine Magerkeit, oder sie musterte morgens im Spiegel ihr langgezogenes und, wie es ihr vorkam, Mitleid erweckendes Gesicht. Sie hatte die Vorstellung, das müsse so sein, war aber doch traurig darüber.
Einmal ging sie schnell die Treppe hinauf und kam dabei stark außer Atem. Sofort ersann sie sich noch eine Verrichtung unten und lief dann von dort noch einmal nach oben, um ihre Kraft auf die Probe zu stellen und sich zu beobachten.
Ein andermal rief sie nach Dunjascha, und ihre Stimme kam dabei ins Zittern. Sie rief sie noch einmal, obgleich sie schon ihre Schritte hörte, und zwar mit dem Brustton, mit dem sie sang, und horchte, was er für einen Klang habe.
Sie wußte es nicht und hätte es nicht geglaubt: aber durch die Schlammschicht, die ihre Seele bedeckte und ihr undurchdringlich schien, kamen schon von unten dünne, zarte, junge Grasspitzen hindurch, von denen zu erwarten war, daß sie sich bald fester verwurzeln und mit ihren lebensfrischen Trieben den Kummer, welcher Natascha niederdrückte, so überdecken würden, daß er bald nicht mehr zu sehen und zu merken sein würde. Die Wunde heilte von innen heraus.
Ende Januar reiste Prinzessin Marja nach Moskau, und der Graf bestand darauf, daß Natascha mit ihr fahren sollte, um die dortigen Ärzte zu konsultieren.
IV
Nach dem Zusammenstoß bei Wjasma, wo Kutusow das Verlangen seines Heeres, den Feind zurückzuwerfen, abzuschneiden usw., nicht hatte zügeln können, ging der weitere Marsch der fliehenden Franzosen und der sie verfolgenden Russen ohne Kämpfe vor sich. Die Flucht war so eilig, daß die russische Armee, die die Franzosen verfolgte, ihnen nicht nachkommen konnte und die Pferde der Kavallerie und Artillerie den Dienst versagten und die Nachrichten über die Bewegungen der Franzosen stets unzuverlässig waren.
Die Mannschaften des russischen Heeres waren durch dieses ununterbrochene Marschieren, täglich vierzig Werst, so erschöpft, daß sie nicht schneller vorwärts konnten.
Um den Grad der Erschöpfung der russischen Armee zu begreifen, braucht man sich nur die Bedeutung der Tatsache klarzumachen, daß die russische Armee, die aus Tarutino in einer Stärke von hunderttausend Mann ausgerückt war und an Verwundeten und Gefallenen während des ganzen Marsches von Tarutino nicht mehr als fünftausend Mann, an Gefangenen nicht hundert verloren hatte, in Krasnoje nur noch fünfzigtausend Mann stark anlangte.
Der schnelle Marsch der Russen hinter den Franzosen her wirkte auf die russische Armee genau ebenso aufreibend wie die Flucht auf die Franzosen. Der Unterschied war nur der, daß die russische Armee nach ihrem eigenen Willen marschierte, ohne daß sie das Verderben zu fürchten gehabt hätte, wie es als drohende Wolke über der französischen Armee hing, und darin, daß die zurückbleibenden Maroden bei den Franzosen in die Hände des Feindes fielen, während die zurückbleibenden Russen in ihrer Heimat waren. Die Hauptursache für die Verringerung des napoleonischen Heeres war die Schnelligkeit des Marsches, und als zweifelloser Beweis dafür dient die entsprechende Verringerung der russischen Truppen.
Kutusows ganze Tätigkeit war, wie dies auch bei Tarutino und Wjasma der Fall gewesen war, nur darauf gerichtet, soweit es in seiner Macht stand, diese für die Franzosen unheilvolle Bewegung nicht zu hemmen (wie es die Herrschaften in Petersburg und die russischen Generale bei der Armee wollten), sondern sie zu fördern und die Bewegung der eigenen Truppen zu erleichtern.
Seit sich aber bei den Truppen eine starke Erschöpfung fühlbar machte und die gewaltigen Menschenverluste eintraten, die eine Folge des schnellen Marschierens waren, hatte Kutusow außer dem oben angegebenen Grund noch einen zweiten, der ihn veranlaßte, die Bewegungen der Truppen zu verlangsamen und abzuwarten. Der Zweck der russischen Truppen war die Verfolgung der Franzosen. Der Weg, den die Franzosen einschlugen, war unbekannt; je näher auf den Fersen daher unsere Truppen den Franzosen folgten, eine um so größere Strecke hatten sie zurückzulegen. Nur wenn sie in einiger Entfernung folgten, war es möglich, durch Benutzung des kürzesten Weges die Franzosen abzuschneiden. Alle die kunstvollen Manöver, die die Generale in Vorschlag brachten, liefen auf Truppenverschiebungen und Vergrößerung der Märsche hinaus, während doch das einzig vernünftige Ziel darin bestand, diese Märsche zu verkleinern. Und auf dieses Ziel war während des ganzen Feldzuges von Moskau bis Wilna Kutusows Tätigkeit gerichtet, nicht etwa nur gelegentlich und zeitweilig, sondern mit solcher Konsequenz, daß er es auch nicht ein einziges Mal aus den Augen verlor.
Kutusow wußte nicht mit dem Verstand oder durch die Wissenschaft, sondern er wußte und fühlte mit seinem ganzen russischen Wesen, was jeder russische Soldat fühlte: daß die Franzosen besiegt waren, daß die Feinde flohen und daß man sie hinausbegleiten mußte; zugleich aber fühlte er in vollem Einklang mit den Soldaten die ganze drückende Last dieses hinsichtlich der Schnelligkeit und der Jahreszeit unerhörten Marsches.
Aber die Generale, namentlich die nicht-russischen, die den Wunsch hatten sich auszuzeichnen, irgend jemand in Erstaunen zu versetzen, zu irgendeinem Zweck irgendeinen Herzog oder König gefangenzunehmen, diese Generale waren jetzt, wo doch jeder Kampf widerlich und sinnlos war, der Ansicht, gerade jetzt sei die richtige Zeit, um eine Schlacht zu liefern und irgend jemand zu besiegen. Kutusow zuckte nur die Achseln, wenn sie ihm einer nach dem andern allerlei Projekte zu Manövern mit diesen schlecht beschuhten, der Pelze entbehrenden, halb verhungerten Soldaten vorlegten, die in einem Monat ohne Schlachten auf die Hälfte zusammengeschmolzen waren und mit denen man, selbst wenn sich die weitere Verfolgung unter den günstigsten Umständen vollzog, bis zur Grenze noch eine weitere Strecke zu durchmessen hatte, als die bisher zurückgelegte.
Ganz besonders trat dieses Streben, sich auszuzeichnen und zu manövrieren, zurückzuwerfen und abzuschneiden, dann hervor, wenn die russischen Truppen auf die der Franzosen stießen.
So war dies bei Krasnoje der Fall, wo man eine der drei französischen Kolonnen zu finden erwartet hatte und auf Napoleon selbst mit dem ganzen Heer stieß. Trotz aller Mittel, die Kutusow anwandte, um diesem verderblichen Zusammenstoß auszuweichen und seine Truppen zu schonen, kam es doch zu einer drei Tage dauernden Bekämpfung der aufgelösten Scharen der Franzosen durch die erschöpften Soldaten der russischen Armee.
Toll hatte eine schriftliche Disposition verfaßt: »Die erste Kolonne marschiert usw.« Und wie immer verlief nichts der Disposition gemäß. Prinz Eugen von Württemberg beschoß die vorbeilaufenden Scharen der Franzosen von einem Berg aus und forderte Verstärkungen, die er aber nicht erhielt. Die Franzosen flüchteten in den Nächten um die Russen herum, zerstreuten sich, verbargen sich in den Wäldern und arbeiteten sich, ein jeder so gut er konnte, weiter vorwärts.
Miloradowitsch, der geäußert hatte, von dem ökonomischen Angelegenheiten seiner Abteilung wolle er nichts wissen, er, der niemals zu finden war, wenn man ihn brauchte, der Ritter ohne Furcht und Tadel, wie er sich selbst gern nannte, ein Freund von Unterhandlungen mit den Franzosen, schickte Parlamentäre, forderte zur Ergebung auf, verlor die Zeit und tat nicht, was ihm befohlen war.