Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Man kann sich denken, wie schnell der Befehl ausgeführt wurde.
Selbstverständlich konnte die Ankunft der Belle-Roulotte in Port-Clarence nicht unbemerkt bleiben. Noch niemals hatte ein ähnliches Fuhrwerk sich soweit - bis an die äußerste Grenze Nordamerikas - vorgewagt. Zum erstenmal erschienen französische Gaukler vor den verwunderten Blicken der Eingeborenen.
Eben zu jener Zeit befand sich außer der gewöhnlichen, aus Eskimos und Kaufleuten bestehenden Bevölkerung, eine gewisse Anzahl russischer Beamten in Port-Clarence. Es waren diejenigen, welche nach der Annektierung Alaskas durch die Vereinigten Staaten den Befehl erhalten hatten, sich über die Meerenge zurück entweder auf die Tschuktschen-Halbinsel an der asiatischen Küste, oder aber nach Petropawlowsk, der Hauptstadt von Kamtschatka, zu begeben. Diese Beamten schlossen sich der ganzen Bevölkerung an, um der Familie Cascabel einen guten Empfang zu bereiten; und man muß gestehen, daß die Aufnahme insbesondere seitens der Eskimos eine sehr herzliche war.
Es waren dies dieselben Eskimos, welchen der berühmte Seefahrer Nordenskjöld zwölf Jahre später, zur Zeit seiner kühnen Entdeckung der nordöstlichen Durchfahrt, in diesen Landstrichen begegnen sollte. Damals waren einige dieser Eingeborenen bereits mit Revolvern und Schnellfeuergewehren, den ersten Gaben der amerikanischen Civilisation, bewaffnet.
Da die Sommersaison kaum beendet war, hatten die Einwohner von Port-Clarence ihre Winterwohnungen noch nicht bezogen. Sie hausten in kleinen Zelten, die aus dickem, buntem Baumwollenzeuge elegant hergestellt und durch Kräutergeslechte gefestigt waren. Im Innern derselben fand sich mancherlei Küchengeräte aus Kokosnüssen vor.
Als Clou-de-Girofle dies Geräte zum erstenmal erblickte rief er:
»Sieh da! in den Wäldern des Eskimolandes wachsen Kokospalmen!«
»Wenn.« antwortete ihm Herr Sergius, »diese Nüsse nicht etwa durch die Walfischfänger, die Port-Clarence anlaufen, von den Inseln des Stillen Oceans herübergebracht und hier gegen andere Waren ausgetauscht worden sind.«
Und Herr Sergius hatte recht. Überhaupt war der Verkehr zwischen Amerikanern und Eingeborenen zu dieser Zeit bereits ein sehr reger. Es vollzog sich eine Fusion zwischen ihnen, welche der Entwicklung der Eskimorasse zum großen Vorteil gereichen sollte.
Mit Bezug auf letztere ist zu bemerken und wird späterhin ersichtlich sein, daß keine Ähnlichkeit in Typus oder Sitten zwischen den Eskimos amerikanischen Ursprungs und den Eingeborenen Sibiriens besteht. Die alaskischen Stämme verstehen nicht einmal die Sprache, welche westlich von der Beringstraße gesprochen wird. Da ihr Idiom indessen stark mit englischen und russischen Wörtern versetzt ist, fiel es nicht allzu schwer, sich mit ihnen zu unterhalten.
So kam es denn, daß die Familie Cascabel schon in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft mit den um Port-Clarence verstreut lebenden Eingeborenen in Verbindung zu treten suchte. Und als sie in den Zelten dieser wackeren Leute gastfreundlich aufgenommen wurde, zögerte sie nicht, ihnen die Pforten der Belle-Roulotte zu öffnen - was sie nicht zu bereuen hatte.
Diese Eskimos sind übrigens auch viel civilisierter, als man im allgemeinen annimmt. Auf Grund der Kleidung, welche sie besonders während der kalten Jahreszeit tragen, stellt man sie sich als eine Art redender Seehunde, als Amphibien mit Menschengesichtern vor. Aber da irrt man sehr; und in Port-Clarence sind Repräsentanten der Eskimorasse weder abstoßend in ihrer Erscheinung, noch unangenehm im Umgang. Einige von ihnen treiben ihre Achtung vor der Mode sogar soweit, sich beinahe europäisch zu kleiden. Die meisten gehorchen einer gewissen Koketterie, welche den Anzug aus Renntier- oder Seehundsfell, den »Pask« aus Murmeltierpelz, die Tätowierung des Gesichts, das heißt einige leichte, Farbenzeichnungen auf dem Kinn, zuläßt. Die Männer haben kurze oder gar keine Bärte; in den Mundwinkeln gestatteten ihnen drei kunstvoll gestochene Löcher, kleine Ringe aus geschnitztem Bein zu tragen; der Nasenknorpel erhält ebenfalls einige Zieraten dieser Art.
Kurz, die Eingeborenen, welche der Familie Cascabel ihre Aufwartung zu machen kamen, hatten kein widerliches Aussehen - wie es bei den Samojeden oder anderen Bewohnern des asiatischen Küstengebiets nur zu oft der Fall ist. Die jungen Mädchen trugen Perlenschnüre in den Ohren und recht sein gearbeitete Armbänder von Eisen oder Kupfer an den Armen.
Auch waren es ehrliche Leute, rechtlich in ihrem geschäftlichen Verkehr, wenngleich sie übermäßig zu feilschen und zu betteln pflegten. Aber schließlich würde man zu streng verfahren, wenn man den Bewohnern der Polarregion diesen Fehler zum Vorwurf machen wollte.
Die vollkommenste Gleichheit herrscht unter ihnen. Sie haben nicht einmal Stammesoberhäupter. Was ihre Religion betrifft, so ist sie eine heidnische. Als Gottheiten beten sie geschnitzte, rot angestrichene Pfosten an, welche verschiedenartige Vögel mit weit ausgebreiteten Flügeln vorstellen. Sie haben reine Sitten, sehr entwickeltes Familiengefühl, Achtung vor den Eltern, Liebe zu den Kindern, Ehrfurcht vor den Toten, deren der Luft ausgesetzte Leichen in Festgewänder gehüllt sind und Waffen und Kähne bei sich haben.
Die Cascabels fanden diese täglichen Spaziergänge in der Umgebung von Port-Clarence sehr anziehend. Öfters besuchten sie auch eine alte, seinerzeit von Amerikanern gegründete Ölmühle, die damals noch in Betrieb war.
Das Land ist nicht arm an Bäumen und Pflanzen und bietet daher einen ganz andern Anblick, als die Tschuktschen-Halbinsel jenseits der Meerenge. Das rührt daher, daß eine aus den heißen Strichen des Stillen Oceans kommende warme
Strömung längs der Küste von einer, dem nördlichen Polarmeere entstammenden, kalten Strömung bespült wird.
Selbstverständlich hegte Herr Cascabel nicht die Absicht, den Einwohnern von Port-Clarence Vorstellung zu geben. Er traute der Sache nicht, und das mit Grund. Man bedenke: Wenn sich unter ihnen ebenso bedeutende Akrobaten, Gaukler, Clowns, wie unter den Indianern vom Fort Youkon befunden hätten!
Es war besser, den Ruf der Familie nicht ein zweites Mal auf's Spiel zu setzen.
Inzwischen vergingen die Tage, und es wurden deren wirklich mehr, als die kleine Truppe zum Ausruhen benötigte. In der That wären alle nach einwöchentlichem Aufenthalte in Port-Clarence imstande gewesen, den Anstrengungen einer Reise auf sibirischem Boden zu trotzen.
Aber die Meerenge war noch immer unwegsam für die Belle-Roulotte. Wenn die Temperatur zu Ende September und in diesen Breiten auch bereits unter Null gesunken war, so fror der Meerarm, welcher Asien von Amerika trennt, doch noch nicht zu. Zahllose Eisschollen trieben vorüber, welche sich an den Grenzen des Beringmeeres gebildet hatten und von der aus dem Stillen Ocean kommenden Strömung an der alaskischen Küste hin nach Norden getragen wurden. Aber man mußte warten, bis diese Schollen, gefestigt und aneinander gefroren, ein einziges ungeheures, unbeweglich und fahrbar zwischen beiden Kontinenten eingekeiltes Eisfeld ausmachten.