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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Sie hätten von einem Militärgericht abgeurteilt und zum Tod durch Erschießen verurteilt gehört, doch das verhinderte das Gesetz, dem zufolge seit Neuestem politische Verfahren von Zivilgerichten zu führen waren. Die Hinrichtungsform der Zivilgerichte war das Schafott.

Die Guillotine ist entehrend, das Füsilieren ist es nicht. Vor einem Militärtribunal hätten die Gefangenen alles gestanden; vor dem Zivilgericht stritten sie alles ab.

Unter den Namen d’Assas, d’Adler, de Montbar und de Morgan verhaftet, erklärten sie, diese Namen noch nie gehört zu haben und folgendermaßen zu heißen: Louis-André de Jahiat, geboren in Bâgé-le-Châtel, Departement Ain, siebenundzwanzig Jahre alt; Raoul-Frédéric-Auguste de Valensolles, geboren in Sainte-Colombe, Departement Rhône, neunundzwanzig Jahre alt; Pierre-Auguste de Ribier, geboren in Bollène, Departement Vaucluse, sechsundzwanzig Jahre alt, und Charles de Sainte-Hermine, geboren in Besançon, Departement Doubs, vierundzwanzig Jahre alt.

18

Charles de Sainte-Hermine (2)

Die Gefangenen gestanden, sich zusammengerottet zu haben mit dem Ziel, sich den Banden Monsieur de Teyssonnets anzuschließen, der in den Bergen der Auvergne eine Armee aufstellte; sie leugneten jedoch beharrlich, jemals das Geringste mit den Wegelagerern namens d’Assas, Adler, Montbar und Morgan zu tun gehabt zu haben. Dies konnten sie umso unbesorgter tun, als die Überfälle auf die Postkutschen stets von Maskierten verübt worden waren; nur in einem einzigen Fall war das Gesicht eines ihrer Anführer zu sehen gewesen, und das war der Fall meines Bruders.  

Während des Überfalls auf eine Eilpost zwischen Lyon und Vienne hatte ein zehn- oder zwölfjähriger Knabe, der sich im Wagen des Aufsehers befand, dessen Pistole ergriffen und auf die Compagnons de Jéhu geschossen. Der Aufseher hatte aus Vorsicht keine Kugeln geladen gehabt, doch die Mutter des Knaben, die das nicht wissen konnte, war vor Angst um ihr Leben und das ihres Kindes ohnmächtig geworden. Mein Bruder hatte sich sogleich um sie gekümmert, hatte ihr Riechsalz gegeben und versucht, sie zu beruhigen. Mit einer ihrer Bewegungen hatte sie Morgan versehentlich die Maske abgestreift und das Gesicht des Grafen von Sainte-Hermine erblickt.  

Doch die Sympathie, die den Angeklagten entgegengebracht wurde, war so groß, dass jedes ihrer Alibis durch Briefe und Zeugenaussagen bestätigt wurde, und auch die Dame, die das Gesicht des Banditen Morgan gesehen hatte, sagte aus, sie erkenne ihn in keinem der vier Angeklagten wieder.

In der Tat hatte nur der Staatsschatz unter ihren Überfällen zu leiden gehabt, was niemanden groß interessierte, da niemand zu sagen gewusst hätte, wem dieser gehörte.

Sie standen im Begriff, freigesprochen zu werden, als der Vorsitzende des Gerichts sich unvermutet und überraschend an die Dame wandte, die ohnmächtig geworden war, und sie fragte: ›Madame, wären Sie so freundlich, mir zu sagen, welcher dieser Herren so ritterlich war, Ihnen die Hilfe zukommen zu lassen, die Ihr Zustand verlangte?‹

Überrumpelt von dieser unerwarteten Höflichkeit, in dem Glauben, während ihrer Abwesenheit seien Geständnisse erfolgt, und in der Überzeugung, durch ihre Worte nun dem Angeklagten nicht mehr zu schaden, sondern ihm vielleicht sogar zu nützen, wies die Dame auf meinen Bruder und sagte: ›Herr Vorsitzender, das war der Graf von Sainte-Hermine.‹

Da sie alle das gleiche Alibi hatten, fielen alle vier in diesem Augenblick dem Henker anheim.

›Zum Henker, Hauptmann‹, sagte Jahiat und betonte das Wort ›Hauptmann‹, ›das wird dich lehren, ritterlich zu sein.‹

Ein Freudenschrei ertönte mitten im Gerichtshof: der Schrei der Diana de Fargas, die ihren Triumph auskostete.

›Madame‹, sagte mein Bruder mit einer Verbeugung zu der Dame, die ihn wiedererkannt hatte, ›Sie haben soeben vier Köpfe auf einmal rollen lassen.‹

Als sie erkannte, was sie angerichtet hatte, warf die Dame sich auf die Knie und bat um Verzeihung.

Zu spät!

Ich war im Gerichtshof und hätte fast das Bewusstsein verloren. Meine Liebe zu meinem Bruder war der Sohnesliebe nahe.

Noch am selben Tag wurden die Gefangenen, die ihre ganze Fröhlichkeit wiedererlangt hatten und nichts mehr abstritten, zum Tode verurteilt.

Drei der Angeklagten weigerten sich, gegen das Urteil Berufung einzulegen, während Jahiat, der vierte, hartnäckig darauf beharrte und sagte, er habe einen Plan. Um von seinen Gefährten nicht verdächtigt zu werden, aus Angst vor dem Sterben so zu handeln, erklärte er ihnen, er habe zarte Bande zu der Tochter des Gefängniswärters geknüpft und hoffe, während der Frist von sechs oder acht Wochen, die ihnen die Berufung verschaffen würde, durch sie eine Fluchtmöglichkeit zu finden.

Die drei anderen machten keine Schwierigkeiten mehr und unterzeichneten ihre Berufungsgesuche.

Bei dem Gedanken an eine eventuelle Flucht klammerte sich jede dieser jungen Seelen wieder an das Leben. Nicht dass sie den Tod gefürchtet hätten, doch ein Tod auf dem Schafott bot keinen Reiz und keinen Ruhm. Also ließen sie Jahiat zum Nutzen und Frommen ihres Zirkels seinem Verführungsvorhaben nachgehen und bemühten sich, so fröhlich wie möglich zu leben.

Die Berufung, die nur ein Kassationsgesuch war, ließ ihnen keinerlei Hoffnung: Der Erste Konsul hatte sich unmissverständlich geäußert; er wollte all diese Banden um jeden Preis vernichten und ausrotten.

Zur großen Verzweiflung der ganzen Stadt waren unsere Helden, die jedermanns Sympathie hatten, dem Tod geweiht. Ich ließ nichts unversucht, um zu meinem Bruder zu gelangen, doch vergebens.

Die Sympathie, die den Angeklagten entgegengebracht wurde, konnte wahrhaftig nicht verwundern: Sie waren jung, strahlend schön, bewundernswert elegant, selbstsicher, ohne arrogant zu sein, liebenswürdig zum Publikum und höflich zu ihren Richtern, wenn auch bisweilen spöttisch. Und sie entstammten den vornehmsten Familien der Gegend.

Diese vier Angeklagten, deren Ältester keine dreißig Jahre alt war, die sich gegen die Guillotine wehrten, aber nicht gegen das Füsilieren, die den Tod verlangten, die zugaben, ihn verdient zu haben, allerdings den Tod eines Soldaten, waren bewundernswert in ihrer Jugend, ihrem Mut und ihrer Großherzigkeit.

Wie man sich denken kann, wurde die Berufung abgelehnt.

Jahiat war es gelungen, Charlotte, die Tochter des Gefängniswärters, in ihn verliebt zu machen, doch der Einfluss des schönen Kindes reichte nicht aus, um den Gefangenen einen Weg zur Flucht zu verschaffen. Nicht dass der Oberwärter, ein wackerer Mann namens Comtois, im Herzen Royalist, doch vor allem ein redlicher Mann, die Angeklagten nicht zutiefst bedauert hätte. Einen Arm hätte er geopfert, um Ungemach von ihnen abzuhalten, doch er war nicht bereit, sich mit sechzigtausend Francs bestechen zu lassen, um ihnen die Flucht zu ermöglichen.

Drei Gewehrschüsse verrieten den Verurteilten, dass ihr Urteil nicht aufgehoben worden war.

Am Abend desselben Tages brachte Charlotte jedem der Gefangenen ein Paar geladene Pistolen und einen Dolch in ihr Verlies; mehr konnte das arme Kind nicht für sie tun.

Die drei Gewehrschüsse, die den Verurteilten ihr Schicksal mitteilten, hatten den Polizeikommissar erschreckt, der alle Bewaffneten zusammenzog, deren er habhaft werden konnte.

Um sechs Uhr morgens wurde auf der Place du Bastion das Schafott errichtet; sechzig Kavalleristen hatten vor dem Gitter des Gefängnishofs Aufstellung genommen. Hinter den Kavalleristen drängten sich an die tausend Zuschauer.

Die Hinrichtung war für sieben Uhr vorgesehen. Um sechs Uhr betraten die Gefängniswärter das Verlies der Gefangenen, die sie am Abend unbewaffnet und in Ketten zurückgelassen hatten. Die Gefangenen waren ohne Fesseln und bis zu den Zähnen bewaffnet. Zudem hatten sie sich wie Athleten für den Kampf gerüstet: den Oberkörper entblößt, die Hosenträger auf der Brust gekreuzt, die breiten Gürtel um die Taille mit Waffen gespickt.

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