Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Doch ihr Oberhaupt war nicht da.
Wenn Roland und Diana ihr Coup gelänge, wäre der Erfolg dadurch geschmälert, dass sie Morgan nicht mit den anderen zusammen einfingen. Vielleicht käme Morgan im Verlauf der Nacht zurück, aber wann?
Alles war in die Wege geleitet, und es wäre sicherlich besser, drei Anführer zu fassen, als alle vier entwischen zu lassen. Und solange der vierte nicht das Land verließ, würde man ihn als Einzelnen leichter fassen können als vier Anführer mit ihren Helfern. Vielleicht würde er sich sogar stellen, wenn er keinen Rückhalt mehr hatte.
Zwei Blicke, zwischen Roland und Diana getauscht, genügten, und sie wussten, dass sich an ihren Plänen nichts geändert hatte.
Roland näherte sich der Wache und nannte das Passwort. Nach wenigen Sekunden taumelte die Wache und fiel mit dem Gesicht zu Boden. Roland hatte sie erstochen.
Die zweite Wache fiel wie die erste ohne einen Laut.
Und dann erschienen auf das vereinbarte Signal hin der Oberst und seine zwanzig Mann. Der Oberst war kein Mann von Geist, aber ein tapferer alter Haudegen, auf den nicht weniger Verlass war als auf seinen Säbel. Diesen Säbel zog er aus der Scheide und stellte sich an die Spitze seiner Männer. Roland ging zu seiner Rechten, Diana zu seiner Linken.
Sie hatten sich keine zwanzig Schritte vorwärtsbewegt, als zwei Gewehrschüsse ertönten: einer der Wegelagerer, die Montbar nach Ceyzériat geschickt hatte, war auf Rolands Dragoner gestoßen.
Die eine Kugel traf nicht, die andere zerschmetterte einem Mann den Arm.
Dann der Ruf: ›Zu den Waffen!‹
Im nächsten Augenblick zeigte sich im Lichtschein der brennenden Fackeln in einer der Kammern links und rechts des Hauptteils der Grotte ein Mann, der mit rauchendem Gewehr in der Hand um sein Leben rannte. ›Zu den Waffen!‹, schrie er. ›Zu den Waffen! Die Dragoner kommen!‹
›Ich bin der Kommandant!‹, rief Montbar. ›Löscht alle Lichter und zieht euch in die Kirche zurück.‹
Seine Männer gehorchten so prompt, wie man es tut, wenn man die Gefahr erkannt hat.
Montbar, der mit den verschlungenen Gängen der Höhlen vertraut war, verschwand darin mit seinen Gefährten, doch mit einem Mal war ihm, als höre er keine vierzig Schritte entfernt ein leise geäußertes Kommando und danach das Klicken, mit dem Gewehre geladen werden.
›Halt!‹, flüsterte er mit ausgebreiteten Armen.
›Feuer!‹, befahl eine Stimme.
›Flach auf den Boden!‹ rief Montbar.
Kaum hatte er diese Worte gesprochen, erleuchtete eine gewaltige Detonation die Höhle. Alle, die sich auf Montbars Befehl zu Boden geworfen hatten, spürten, wie die Kugeln über ihre Köpfe sausten. Zwei, drei Männer, die sich nicht rechtzeitig geduckt hatten oder den Befehl nicht verstanden hatten, wurden getötet.
In dem kurzzeitigen Lichtschein erkannten Montbar und seine Gefährten die Uniformen der Gendarmen.
›Feuer!‹, rief nun seinerseits Montbar; zwölf oder mehr Gewehrschüsse ertönten und erhellten abermals die Höhle.
Drei Compagnons de Jéhu lagen reglos da.
›Sie haben uns den Rückzug abgeschnitten‹, sagte Montbar. ›Wir müssen kehrtmachen; wenn wir überhaupt eine Chance haben, dann dem Wald entgegen.‹<
Er lief los, gefolgt von seinen Gefährten.
Eine zweite Gewehrsalve der Gendarmen war zu hören; ein Seufzen und das Geräusch eines Körpers, der zu Boden fiel, verrieten, dass sie nicht folgenlos geblieben war.
›Voran, Freunde‹, rief Montbar, ›verkaufen wir ihnen unsere Haut so teuer wie möglich!‹
Doch je weiter er vordrang, desto stärker fiel Montbar Rauchgeruch auf, der ihn beunruhigte. ›Mir scheint, diese Schufte wollen uns ausräuchern‹, sagte er.
›Das hatte ich befürchtet‹, sagte Adler.
›Sie glauben wohl, sie hätten es mit Füchsen zu tun.‹
›Unsere Krallen werden ihnen zeigen, dass wir Löwen sind.‹
Der Rauch wurde immer dichter, der Feuerschein greller. Sie erreichten die letzte Wegbiegung.
Fünfzig Schritt vor dem Höhleneingang war ein Scheiterhaufen entzündet, nicht um sie auszuräuchern, sondern um Licht zu spenden. Im Feuerschein sah man die Karabinergewehre und Säbel der Soldaten schimmern.
›Auf‹, rief Montbar, ›sterben wir, aber töten wir zuerst!‹
Und er stürzte sich als Erster in den Lichtschein und schoss beide Läufe seines Jagdgewehrs auf die Dragoner ab. Dann schleuderte er sein nutzlos gewordenes Gewehr fort, zog die Pistolen aus dem Gürtel und warf sich mit gesenktem Kopf den Dragonern entgegen.
Ich will gar nicht erst versuchen«, fuhr der junge Graf fort, »Ihnen zu schildern, was sich daraufhin ereignete; es war ein entsetzliches Handgemenge, begleitet von einem Orkan der Verwünschungen, Gotteslästerungen und Schreie der Verwundeten, als dessen Blitze Pistolenschüsse den Rauch durchzuckten; und als die Pistolen abgeschossen waren, wurde zum Dolch gegriffen.
Die Gendarmen kamen mittlerweile hinzu und mischten sich unter die Kämpfenden, über die sich roter Rauch senkte, dann hob und sich wieder senkte. Wutgeheul war zu hören, Todesröcheln, das Seufzen Sterbender.
Dieses Gemetzel währte eine Viertelstunde oder vielleicht zwanzig Minuten; dann sah man in den Höhlen von Ceyzériat zwanzig Tote liegen: dreizehn Dragoner und Gendarmen, neun Compagnons de Jéhu.
Fünf Compagnons hatten überlebt; von der Übermacht überwältigt, von Wunden bedeckt, waren sie lebendigen Leibes gefangen genommen worden. Mademoiselle de Fargas bedachte sie mit dem Blick der antiken Nemesis. Die verbliebenen Gendarmen und Dragoner umringten sie mit gezücktem Säbel.
Der alte Hauptmann hatte einen gebrochenen Arm, dem Oberst war eine Kugel durch den Oberschenkel gefahren. Roland, über und über vom Blut seiner Gegner bespritzt, hatte keinen Kratzer abbekommen.
Zwei der Gefangenen mussten auf Bahren getragen werden.
Fackeln wurden entzündet, und man machte sich auf den Weg in die Ortschaft. Als man die Landstraße erreichte, war ein galoppierendes Pferd zu vernehmen. Roland blieb stehen und versperrte die Straße. ›Geht weiter‹, sagte er zu den anderen, ›ich werde abwarten, wer der Reiter ist.‹
›Wer da?‹, rief Roland, als der Reiter keine zwanzig Schritte mehr entfernt war.
›Ein weiterer Gefangener, Monsieur‹, erwiderte der Reiter. ›Ich konnte an dem Kampf nicht teilnehmen. Aber ich will das Schafott mit den anderen teilen! Wo sind meine Freunde?‹
›Dort, Monsieur‹, sagte Roland.
›Verzeihen Sie‹, sagte Morgan zu den Gendarmen, ›ich verlange einen Platz unter meinen drei Freunden, dem Vicomte de Jahiat, dem Grafen von Valensolles und dem Marquis de Ribier. Ich bin der Graf Charles de Sainte-Hermine.‹
Die drei Gefangenen stießen einen Ruf der Bewunderung aus, und in diesen Ruf mischte sich Dianas Freudenschrei. Sie hielt ihre Beute gepackt: Keiner der vier Anführer war ihr entkommen.
Am selben Abend wurden die vierhunderttausend Francs der Compagnons de Jéhu in die Bretagne expediert, wie Roland es Cadoudal zugesagt hatte.
Rolands Auftrag war beendet; die Compagnons de Jéhu waren der Justiz überantwortet. Roland kehrte zum Ersten Konsul zurück, reiste in die Bretagne, wo er sich erfolglos bemühte, Cadoudal für die Sache der Republik zu gewinnen, kehrte nach Paris zurück, begleitete den Ersten Konsul auf seinem Feldzug in Italien und fiel in der Schlacht von Marengo.
Diana de Fargas war zu verstrickt in ihren Hass und zu rachedurstig, als dass sie darauf verzichtet hätte, diese bis zur Neige auszukosten. Der Prozess stand bevor, sollte schnell geführt und mit einer vierfachen Hinrichtung beendet werden, der sie unbedingt beiwohnen wollte.
In Besançon von der Verhaftung meines Bruders informiert, eilte ich nach Bourg-en-Bresse, wo die Geschworenen tagen würden.
Die Untersuchung nahm ihren Verlauf.
Es gab insgesamt sechs Gefangene, die fünf aus der Höhle und den, der sich freiwillig gestellt hatte. Zwei waren so schwer verwundet, dass sie innerhalb von acht Tagen nach ihrer Festnahme an ihren Verletzungen starben.