Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Man kann sich denken, dass Diana de Fargas, die sich wieder als Chouan gekleidet hatte und sich Porcia nannte, im Besitz aller erforderlichen Auskünfte, des bindenden Befehls, der Parolen und der Briefe Cadoudals und Coster Saint-Victors ohne Schwierigkeiten in die Kartause von Seillon eindringen konnte, in der sich die vier Anführer der Compagnons de Jéhu versammelt hatten.
Keiner von ihnen ließ sich träumen – nicht dass es sich um eine Frau handelte, was trotz der Männerkleidung leicht zu erkennen war, sondern dass es sich bei dieser Frau um Mademoiselle de Fargas handelte, die Schwester desjenigen, den sie ermordet hatten, um ihn für seinen Verrat zu bestrafen.
Da der Geldbetrag, den Cadoudal verlangte – hunderttausend Francs -, in der Abtei von Seillon nicht vollständig vorrätig war, verabredeten die Anführer sich für Mitternacht in den Höhlen von Ceyzériat, um Diana dort die fehlenden vierzigtausend Francs auszuhändigen.
Nachdem Diana Roland davon unterrichtet hatte, ließ dieser sofort den Gendarmeriehauptmann und den Dragoneroberst rufen, die in der Stadt stationiert waren.
Als sie eintrafen, wies er sich aus. In dem Dragoneroberst fand er ein passives Instrument vor; er stellte sich samt der Anzahl Soldaten, die Roland verlangen würde, zur Verfügung doch anders verhielt es sich mit dem Gendarmeriehauptmann, einem alten Haudegen voller Hass auf die Compagnons de Jéhu, die ihn, wie er sagte, seit drei Jahren zum Narren hielten.
Zehnmal hatte er sie erspäht, erblickt, verfolgt, und jedes Mal waren sie ihm entkommen, wie der alte Soldat gestehen musste, sei es, weil sie die besseren Pferde hatten, sei es, weil sie schlauer, geschickter oder strategisch überlegen waren.
Einmal war er zufällig im Wald von Seillon auf ihre Fährte gestoßen, ohne dass sie damit rechneten: Tapfer hatten sie sich dem Kampf gestellt, hatten drei seiner Männer getötet und sich mit zwei Verwundeten zurückgezogen.
Er hatte jede Hoffnung aufgegeben, ihrer jemals Herr zu werden, und hegte nur noch einen Wunsch, nämlich den, nie wieder von der Regierung gezwungen zu werden, sich mit ihnen zu befassen, als Roland ihn aus seiner Ruhe weckte oder, besser gesagt, aus dem Stupor riss, in den die Verzweiflung ihn gestürzt hatte.
Doch als Roland die Höhlen von Ceyzériat als den Treffpunkt erwähnte, der seiner Gefährtin genannt worden war, blickte der alte Hauptmann ihn nachdenklich an, nahm dann seinen Dreispitz ab, als wäre dieser dem ungehinderten Entfalten seiner Gedanken hinderlich, legte ihn auf den Tisch, blinzelte und sagte: ›Warten Sie, warten Sie! Die Höhlen von Ceyzériat, die Höhlen von Ceyzériat … die halten wir.‹
Und er setzte seinen Hut wieder auf.
Der Dragoneroberst lächelte von einem Ohr zum anderen. ›Er hält sie!‹, sagte er.
Roland und Diana wechselten einen zweifelnden Blick. Sie hatten keineswegs das gleiche Vertrauen wie der Oberst in den alten Hauptmann.
›Erklären Sie uns das‹, sagte Roland.
›Als die Demagogen die Kirche von Brou zerstören wollten‹, sagte der alte Hauptmann, ›hatte ich einen Einfall …‹
›Das wundert mich nicht‹, sagte Roland.
›Ich wollte nicht nur unsere Kirche retten, sondern auch die herrlichen Grabmale, die sich in ihr befinden.‹
›Und wie?‹, fragte Roland.
›Indem ich die Kirche zum Furagemagazin für die Kavallerie erklärte.‹
›Ich verstehe‹, sagte Roland, ›das Heu hat den Marmor gerettet. Sie haben recht, mein Freund, das ist ein Einfall.‹
›Und da die Kirche mir zugeteilt war, wollte ich sie in allen Einzelheiten erkunden.‹
›Hauptmann, wir lauschen Ihnen andächtig.‹
›Nun, am Ende der Krypta entdeckte ich eine kleine Tür, durch die man in ein Untergeschoss gelangt, und nach einem Weg von etwa einer Viertelmeile mündet dieses Untergeschoss, das mit einem Gitter verschlossen ist, in die Höhlen von Ceyzériat.‹
›Ha!‹, rief Roland. ›Ich beginne zu verstehen.‹
›Ich verstehe gar nichts‹, sagte der Dragoneroberst.
›Es ist doch sonnenklar‹, warf Mademoiselle de Fargas ein.
›Erklären Sie es dem Oberst, Diana‹, sagte Roland, ›und zeigen Sie ihm, dass Sie nicht vergebens zwei Jahre lang Aide de Camp bei Cadoudal waren. ‹
›Ja, erklären Sie es mir‹, sagte der Oberst, der die Beine spreizte, sich auf seinen Säbel stützte und die Augen weit aufriß, so dass er beim Anblick des Himmels blinzeln musste.
›Gut‹, sagte Mademoiselle de Fargas. ›Der Hauptmann durchquert mit zehn oder fünfzehn Mann die Kirche von Brou und nimmt Aufstellung am Ende des Untergeschosses. Wir greifen mit etwa zwanzig Mann vom Höhleneingang aus an. Die Compagnons de Jéhu werden durch den zweiten Zugang fliehen wollen, von dem sie wissen, und dort werden sie auf den Hauptmann und seine Männer stoßen, so dass sie in der Falle stecken.‹<
›Meiner Treu! Ganz genau! Das ist es!‹, rief der Hauptmann voller Bewunderung, dass eine Frau seinen Plan erraten hatte.
›Wie dumm von mir!‹, sagte der Dragoneroberst und schlug sich mit der Hand vor die Stirn.
Roland nickte unauffällig, aber zustimmend. Dann wandte er sich an den Hauptmann: ›Aber worauf es ankommt, Hauptmann, ist, dass Sie zuerst da sind und durch die Kirche kommen. Die Gefährten Jéhus werden sich erst in der Dunkelheit in die Höhlen begeben und zweifellos von der anderen Seite aus. Ich werde mit Mademoiselle de Fargas kommen, als Chouans verkleidet. Ich werde die vierzigtausend Francs an mich nehmen, mich mittels der Parole den zwei Wächtern nähern und sie erdolchen. Das Geld werden wir verstecken und unter Bewachung eines Gendarmen zurücklassen. Dann kehren wir in die Höhle zurück und greifen die Compagnons de Jéhu an. Sie werden zu fliehen versuchen und hinter dem Gitter auf den Hauptmann und seine Gendarmen treffen, die ihnen den Weg versperren; sie werden in der Falle sitzen und sich entweder ergeben oder bis zum letzten Mann erschießen lassen müssen.‹
›Ich werde vor Tagesanbruch auf meinem Posten sein‹, sagte der Hauptmann. ›Ich nehme Lebensmittel für den ganzen Tag mit, und am Abend geht es auf in den Kampf!‹
Er zog den Säbel, führte einen Fechthieb gegen die Mauer und steckte den Säbel wieder in die Scheide.
Roland wartete, bis die heroische Geste ausgekostet war, und klopfte dem alten Soldaten dann auf die Schulter. ›An Ihrem Plan und an meinem gibt es nichts zu verändern. Um Mitternacht werden Mademoiselle de Fargas und ich in die Höhlen eindringen, um unser Geld in Empfang zu nehmen, und eine Viertelstunde später, beim ersten Gewehrschuss, den Sie hören: Auf in den Kampf, wie Sie sagen, mein lieber Hauptmann!‹
›Auf in den Kampf!‹, rief der Dragoneroberst wie ein Echo.
Roland wiederholte nochmals alles, was man vereinbart hatte, damit jeder sich gut einprägte, was er zu tun hatte, und verabschiedete sich dann von den beiden Offizieren, die er erst am Schauplatz ihres Kampfes wiedersehen würde.
Alles ging vor sich wie vereinbart.
Diana de Fargas und Roland betraten unter dem Namen und in der Kleidung von Bruyère und von Branche-d’Or die Höhlen von Ceyzériat, nachdem sie das Passwort mit den zwei Wachen getauscht hatten, die am Fuß des Hügels und am Eingang der Höhle stationiert waren.
Doch eine unerwartete Schwierigkeit stellte sich heraus: Morgan war in dringenden Angelegenheiten abwesend. Monbart und die zwei anderen Anführer d’Assas und Adler führten in seiner Abwesenheit das Kommando.
Sie hegten keinerlei Argwohn und übergaben Diana und Roland die vierzigtausend Francs.
Den getroffenen Vorbereitungen ließ sich ablesen, dass die Compagnons de Jéhus die Nacht in der Höhle verbringen wollten.