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Pelagia und der rote Hahn

Электронная книга - «Pelagia und der rote Hahn». Краткое содержание книги:

Als ebenso kluge wie charmante Begleiterin ist Schwester Pelagia ihrem Bischof Mitrofani unentbehrlich geworden, und so begleitet sie ihn auf einer Schiffsreise von Moskau nach Zarinin. Schon bald werden ihre kriminalistischen Fähigkeiten auf eine erneute Probe gestellt: Ein Passagier wird nachts in seiner Kabine im Schlaf überrascht und umgebracht. Es handelt sich um den Anführer einer zum Judentum konvertierten Gruppe orthodoxer Russen, die auf dem Weg nach Jerusalem ist, ins Heilige Land. Diese Gruppe hatte dem Ermordeten nicht nur ihre gesamte Reisekasse anvertraut, sondern ihn auch als ihren »Messias« verehrt. Doch seinen bürgerlichen Namen und seine Herkunft scheint niemand auf dem Schiff zu kennen. So steuert man den nächsten Hafen an, wo Sergej Sergejewitsch Dolinin, ein hoher Beamter des russischen Innenministeriums, bereits auf Pelagia wartet, um mit ihr die Ermittlungen aufzunehmen. Er hat den Geburtsort des »Messias« in Erfahrung gebracht, und so machen sich die beiden zu diesem im Ural gelegenen Ort auf. Dort angekommen, finden sie schnell den eigentlichen Namen des Opfers heraus: Pjotr Scheluchin. Dolinin scheint sich mit dieser Auskunft zu begnügen und reist zurück nach St. Petersburg. Doch Pelagia kann sich damit nicht zufrieden geben: Die neugierige Nonne setzt ihre Nachforschungen fort – und wird selbst zur Gejagten, als man zum ersten Mal versucht, sie umzubringen. Der Mörder heftet sich fortan an ihre Fersen und zwingt sie zu einer weiten Reise, die sie bis nach Jerusalem führt . . .
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In Berditschewski selbst dagegen war die Glut des Schwärmers und Fantasten mit der Zeit nur immer stärker geworden. Wie jeden normalen Mann ließen ihn schöne und attraktive Frauen nicht kalt (und die hat es zu allen Zeiten immer im Überfluss gegeben), aber wenn ihm eine mal ganz besonders gefiel, bekam er es mit der Angst: Um Gottes willen, was ist, wenn ich mich auf einmal verliebe?, dachte er dann voller Panik, und sogleich malte ihm seine Fantasie die schrecklichsten Folgen aus, sah er die herzzerreißendsten Dramen auf sich zukommen, und er beeilte sich, einen möglichst großen Abstand zwischen sich und die gefährliche Person zu bringen. Nein, das war für einen achtbaren Mann schlichtweg unzulässig: sich in eine fremde Frau zu verlieben, wo er doch zu Hause eine treue Mascha mit dreizehn Sprösslingen hatte!

Und bis zu diesem Tage hatte der Herrgott Matwej Benzionowitsch ja auch geschont und ihn zumindest nicht übermäßig in Versuchung geführt, oder sagen wir so: Eine Versuchung, die dem Versuchten klar vor Augen liegt, ist ja genau genommen keine wirkliche. Insofern waren all die lasziven Circen, vor denen Berditschewski zurückschauderte, vermutlich gar keine echte Gefahr für ihn: Wer gewarnt ist, rüstet sich, heißt es ja. Aber wie es nun einmal ist, lauerte das Verderben auf den tugendhaften Berditschewski gerade da, wo er es am wenigsten erwartete.

Aber wer käme denn auch auf den Gedanken, die Versuchung könnte ihm in Gestalt einer Nonne begegnen? Niemand!

Erstens ist eine Nonne ja ein geschlechtsloses Wesen, sozusagen.

Zweitens war Schwester Pelagia überhaupt nicht sein Typ. Mollige Blondinen mit Grübchen ja, oder auch die kühlen Brünetten mit majestätischem Blick und zart geschwungenem, schutzlos weißem Hals, das waren die Frauen, bei denen Matwej Benzionowitsch normalerweise das Flattern kriegte. Aber die hier war rothaarig und voller Sommersprossen, und eine Brille hatte sie auch noch.

Drittens kannte er diese Person schon eine halbe Ewigkeit, sie war gewissermaßen ein guter Kamerad, folglich, wie es unter Männern ein weit verbreiteter Irrtum ist, im romantischen Sinne keine Gefahr. Dabei ereignen sich doch gerade in dieser Konstellation die meisten Dramen: Man kennt eine Frau schon wer weiß wie lange und hat sich nie für sie interessiert, und dann passiert irgendeine an sich vollkommen unbedeutende Kleinigkeit, und plötzlich ist da um sie herum so ein gewisser flirrender Dunst, eine Art leuchtende Aura. Man fasst sich ans Herz und stöhnt: Wie konntest du nur so blind sein, wo waren bloß deine Augen? Und schon ist es zu spät – man sitzt in der Falle – das Schicksal hat zugeschlagen, wie man so schön sagt.

Tja, und genau das war Berditschewski widerfahren – Dunst, Aura, Griff ans Herz.

Am Anfang war da nur die Bewunderung für ihren Verstand, ihre Tapferkeit und ihr Talent. Zu diesem Zeitpunkt hätte Matwej Benzionowitsch seine Gefühle für Pelagia als respektvoll und freundschaftlich bezeichnet, und er dachte keine Sekunde darüber nach, warum ihm in ihrer Gegenwart so wohl zumute war. Das war doch ganz normal unter Freunden, oder?

Aber dann, eines schönen, eines ganz besonders strahlenden Tages, kurz nach ihrer Rückkehr aus Stroganowka, ereignete sich jene berühmte verhängnisvolle Kleinigkeit. So deutlich hatte sich dieser Augenblick dem Staatsanwalt ins Gedächtnis eingeprägt, dass er nur die Augen zu schließen brauchte, um alles wieder vor sich zu sehen.

Pelagia schnitt gerade Rosen an, die aus der Orangerie für den Bischof gebracht worden waren. Dabei fiel ihr die Schere in eine wassergefüllte Kristallvase. Sie streifte den Ärmel hoch, um die Hand ins Wasser zu tauchen – und plötzlich stockte Matwej Benzionowitsch das Herz. Niemals im Leben hatte er etwas so Sinnliches gesehen wie diesen schlanken, entblößten Arm, der da aus dem schwarzen Kuttenärmel hervorschaute und sich ins perlende Nass senkte. Sein Mund war plötzlich staubtrocken, er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und sah der Schwester ins Gesicht, als sei es das erste Maclass="underline" Wie weiß ihre Haut war, über und über wie mit goldenem Blütenstaub bedeckt, und die Augen voller sanftem Licht. . . Dieses Gesicht konnte man nicht eigentlich hübsch oder wenigstens ebenmäßig nennen, aber es war in jedem Falle und ohne jeden Zweifel wunderschön.

An diesem Tage verließ Berditschewski den Bischof sehr früh, indem er dringende Pflichten vorschob. Er war wie betäubt, er ging wie ein Betrunkener. Als er nach Hause kam, sah er seine Frau ängstlich an – wenn er sie plötzlich nicht mehr liebte? Würde er seine Maschenka jetzt nicht mehr durch die barmherzige Brille der Liebe sehen, sondern so, wie sie wirklich war: aufgequollen, geschäftig, mit grober Stimme?

Es kam noch schlimmer. Die Liebe zu seiner Frau war zwar nicht abhanden gekommen, aber sie nahm nicht mehr den zentralen Platz in seinem Leben ein.

Da Matwej Benzionowitsch ein Mensch mit redlichem Charakter und ausgeprägtem Verantwortungsgefühl war, quälte er sich fürchterlich. Wie gemein und schmutzig war das doch: Ein Mann von vierzig Jahren wendet sich von seiner Frau ab, die den Reiz der Jugend verloren hat, und verliebt sich in eine andere – als sei die Ehefrau schuld daran, dass sie dahinwelkte, indem sie ihm Kinder gebar und ihm ein friedliches, glückliches Leben bescherte!

An den beiden ersten Abenden nach der furchtbaren Erkenntnis mied der Staatsanwalt das Haus des Bischofs, weil er wusste, dass er Pelagia dort antreffen konnte.

Am dritten Tag jedoch hielt er es nicht mehr aus. »Ich werde Mascha niemals verlassen und niemals verraten«, sagte er sich, »aber man darf seinem Herzen nicht Gewalt antun. Zum Glück ist sie eine Nonne, und es ist unmöglich, doppelt unmöglich, ach was, im Quadrat unmöglich.«

Damit war sein Gewissen beruhigt, und er nahm seine Besuche beim Bischof wieder auf.

Er sah Pelagia an, er hörte ihr zu. Er war glücklich, auf eine bittere, grimmige Weise glücklich. So sehr glaubte er an die Unmöglichkeit dessen, dass er es sich zur Regel machte, die Nonne jeden Tag in seiner Kalesche nach Hause zu bringen. Diese Fahrten waren von nun an für Matwej Benzionowitsch das wichtigste Ereignis des Tages, seine geheime Wonne, und er wartete darauf schon vom frühen Morgen an.

Zehn Minuten Fahrt, zehn Minuten auf dem schmalen Sitz neben ihr. Manchmal, in einer Kurve, berührten sich ihre Ellenbogen. Pelagia natürlich bemerkte das gar nicht, aber der Staatsanwalt spürte dann, wie ihn von seinem vegetativen Nervenzentrum aus eine süße Woge durchlief.

Und dann gab es ja noch das Dessert: ihr die Hand zu reichen, wenn sie aus der Kutsche stieg. Nonnen tragen keine Handschuhe. Ihre Haut berühren – ganz, ganz leicht, und die Berührung ein wenig, kaum eine Sekunde lang, hinauszögern. Was war das Entzücken der Wollust im Vergleich zu diesen kurzen Augenblicken?

Die meiste Zeit während der Fahrt schwiegen sie. Pelagia schaute irgendwohin, und Berditschewski demonstrierte mit seinem ganzen Äußeren, dass er sich vollkommen auf das Lenken des Pferdes konzentrierte. Doch dabei träumte er, sie wären Mann und Frau und kehrten gerade von einem Besuch nach Hause zurück. Gleich würden sie ihre Wohnung betreten, und sie würde ihn flüchtig auf die Wange küssen und ins Bad gehen, um sich fürs Zubettgehen fertig zu machen . . .

***

In solchen Augenblicken hatte Matwej Benzionowitsch die zauberhaftesten Träume, vor allem wenn der Frühlingsabend sich von seiner besten Seite zeigte, so wie heute. Um sich die Illusion noch einen Augenblick zu erhalten, erlaubte sich der Staatsanwalt eine kleine Freiheit: Er verabschiedete sich nicht, wie gewöhnlich, schon bei der Kutsche von ihr, sondern begleitete sie noch bis zur Treppe.

So bereitete er sich ein wahrhaft orgiastisches Fest: Nicht genug damit, dass er leicht ihre Hand drückte, als er ihr aus dem Wagen half, nein, anschließend reichte er ihr auch noch den Arm.

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