Die Klaue des Schlichters [The Claw of the Conciliator - de]
- Автор: Вулф Джин Родман
- Серия: Das Buch der Neuen Sonne #2
- Год: 1984
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-31009-8
- Переводчик: Reinhard Heinz
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Klaue des Schlichters [The Claw of the Conciliator - de]». Краткое содержание книги:
Ich bedankte mich und konnte vorauseilen, indem ich ging, während er noch am Schloß hantierte. Am ersten Treppenabsatz trat ich in einen Flur, bis er mich passierte.
Als er längst außer Sicht war, begab ich mich wieder in den Korridor zum Vorzimmer. Wenn mein Schwert tatsächlich in eine Wachstube geschafft worden war, hätte ich wohl kaum eine Möglichkeit, es wiederzuerlangen, außer durch List oder Gewalt, und bevor ich so etwas in Angriff nahm, wollte ich mich vergewissern, daß es nicht doch an zugänglicherer Stelle verwahrt sei. Obendrein schien es denkbar, daß Beuzec es bei seinen Kriech- und Versteckmanövern entdeckt hatte, worüber ich ihn befragen wollte.
Gleichzeitig bereiteten mir die Gefangenen des Vorzimmers große Sorge. Inzwischen (so stellte ich mir vor) hatten sie gewiß die Tür, die Jonas und ich offengelassen hatten, entdeckt und würden durch diesen Flügel des Hauses Absolut schwärmen. Es konnte nicht lange dauern, ehe einer ergriffen und die Suche nach den übrigen eingeleitet würde.
Als ich zur Tür der Kammer unter der Treppe gelangte, drückte ich das Ohr gegen das Blatt und hoffte, Beuzec umherhuschen zu hören. Es war aber mäuschenstill. Ich rief ihn leise beim Namen, ohne eine Antwort zu erhalten, und versuchte dann, die Tür mit der Schulter aufzudrücken. Sie gab nicht nach, aber wäre ich gegen sie angerannt, hätte ich wohl zu großen Lärm veranstaltet. Schließlich gelang es mir, den Stahl, den ich von Vodalus erhalten hatte, zwischen Tür und Pfosten zu stemmen, bis das Schloß ausbrach.
Beuzec war unauffindbar. Nach kurzer Suche entdeckte ich in der Rückwand der Kammer ein Loch, das in eine hohle Mauernische führte. Durch diese Öffnung mußte er in die Kammer eingedrungen sein, um sich ein Plätzchen zu finden, wo er seine Glieder ausstrecken könnte, und durch diesen Spalt war er wieder geflohen. Man sagt, solche Alkoven im Haus Absolut würden von einer Spezies weißer Wölfe bewohnt, die sich, aus den nahegelegenen Wäldern kommend, vor langer Zeit dort eingenistet hätten. Vielleicht ist er diesen Kreaturen zum Opfer gefallen; ich habe ihn seither nicht wieder gesehen.
In jener Nacht versuchte ich nicht, ihm zu folgen, sondern zog die Kammertür wieder zu und tarnte den angerichteten Schaden, so gut es ging. Erst jetzt fiel mir die Symmetrie des Korridors auf: der Eingang zum Vorzimmer in der Mitte, die vernagelten Türen zu beiden Seiten davon, die Treppe an jedem Ende. Wenn dieses Hypogeum für Vater Inire bereitgestellt worden ist (wie der Aufseher gesagt hatte und der Name andeutete), so muß diese Wahl zumindest teilweise aufgrund seiner spiegelbildlichen Einteilung getroffen worden sein. Falls dem so war, befand sich unter der anderen Treppe bestimmt eine zweite Kammer.
XX
Bilder
Die Frage war, weshalb mich Odilo, der Aufseher, nicht dort hingeführt hatte; aber ohne lange nachzudenken, eilte ich durch den Korridor und erhielt, kaum angelangt, eine durchaus klare Antwort. Diese Tür war längst aufgebrochen – nicht nur das Schloß, das ganze Blatt war herausgerissen, so daß auf den Angeln nur noch zwei verblaßte Holzstückchen steckten, die verrieten, daß hier einst eine Tür den Zutritt verwehrt hatte. Die Lampe in der Kammer brannte nicht, so daß ihr Inneres der Dunkelheit und den Spinnen überlassen blieb.
Ich hatte mich schon abgewandt und in Bewegung gesetzt, als ich innehielt unter dem Einfluß der Ahnung, einen Fehler zu begehen, die uns oft überkommt, ehe wir bis ins einzelne verstehen, woraus der Fehler besteht. Jonas und ich waren am späten Nachmittag ins Vorzimmer geworfen worden. In der Nacht kamen die jungen Beglückten mit ihren Geißeln. Am nächsten Morgen wurde Hethor ergriffen, wobei Beuzec offenbar den Prätorianern entkam, welche vom Aufseher die Schlüssel erhielten, um im Hypogeum nach ihm zu suchen. Als der gleiche Aufseher, Odilo, mir vorhin begegnete und ich ihm sagte, Terminus Est sei mir von einem Prätorianer abgenommen worden, hatte er vermutet, ich sei während des Tages, nach Beuzecs Flucht gekommen.
Was nicht der Fall gewesen war; und deshalb hätte der Prätorianer, der mein Terminus Est trug, es nicht in die verschlossene Kammer unter der zweiten Treppe legen können.
Ich kehrte wieder zur Kammer mit der herausgerissenen Tür zurück. Im Schein des schwachen Lichtes, das aus dem Korridor hineinfiel, erkannte ich, daß wie bei ihrem Zwilling Regale einst die Wände bedeckt hatten; nun war sie jedoch leer, da die Gestelle entfernt worden waren, um anderswo Verwendung zu finden, wie die unnütz aus den Mauern ragenden Stützen zeigten. Kein einziger anderer Gegenstand war zu sehen, aber mir leuchtete nun ein, daß kein Gardist, der beim Appell eine Inspektion über sich ergehen lassen müßte, den Fuß freiwillig in ein solches Loch voller Staub und Spinnweben setzen würde. Ohne mich damit aufzuhalten, erst den Kopf hineinzustecken, griff ich hinter den Pfosten der ausgebrochenen Tür und spürte – mit einem unbeschreiblichen Gefühl aus Triumph und Vertrautheit – das geliebte Heft in der Hand.
Ich war wieder ein ganzer Mann. Oder eigentlich mehr als ein Mann: ein Geselle der Zunft. Noch im Korridor vergewisserte ich mich, daß mein Brief noch in der Tasche der Scheide steckte, zog die Klinge, wischte sie ab, ölte sie und rieb sie wieder blank und ging davon, die Schneiden mit Finger und Daumen prüfend. Nun laßt den Jäger im Dunkeln erscheinen!
Mein nächstes Ziel war, Dorcas wiederzufinden, aber ich hatte keine Ahnung, wo Dr. Talos’ Truppe sich aufhielt, und wußte nur, sie sollten bei einem Thiasus in einem Garten auftreten – in einem der vielen Gärten dieses Parks. Würde ich nun bei Nacht nach draußen gehen, könnten mich die Prätorianer in meinem Schwarz wohl genauso schlecht erkennen wie ich sie. Allerdings fände ich schwerlich Hilfe oder Rat, und sobald sich der östliche Horizont unter die Sonne senkte, würde ich so rasch ergriffen wie damals, als Jonas und ich in die Anlagen geritten waren. Falls ich im Haus Absolut selbst bliebe, könnte ich, wie mich die Erfahrung mit dem Aufseher lehrte, wohl unbehelligt passieren und vielleicht sogar bei jemandem Auskunft einholen; ich kam tatsächlich auf die Idee, jedem, dem ich begegnete, zu erzählen, ich sei selbst zum Fest bestellt (denn daß zu den Feierlichkeiten auch eine Folterung gehören sollte, hielt ich nicht für unwahrscheinlich), habe aber das zugeteilte Quartier verlassen und mich verlaufen. Auf diese Weise gelang es mir vielleicht, den Aufenthaltsort von Dorcas und den übrigen ausfindig zu machen.
Meinen Plan überdenkend, bestieg ich die Treppe und bog beim zweiten Absatz in einen mir unbekannten Korridor ein. Er war viel länger und üppiger ausgestattet als derjenige vor dem Vorzimmer. Dunkle Bilder in goldenen Rahmen hingen an den Wänden, und auf Podesten dazwischen standen Urnen, Büsten und Schaustücke, für die ich keinen Namen wußte. Die Türen, die von diesem Flur abgingen, lagen hundert oder mehr Schritte auseinander, was auf große Räume dahinter schließen ließ; allesamt waren sie jedoch abgeschlossen, und als ich die einzelnen Klinken probierte, stellte ich fest, daß sie aus einem fremden Metall bestanden und eine mir unvertraute Form hatten, die für Menschenhände unzweckmäßig war.
Nachdem ich mindestens eine halbe Meile, wie mir schien, durch diesen Korridor gewandert war, sah ich weiter vorn einen Mann, der auf einem hohen Stuhl (wie ich zunächst dachte) saß. Beim Näherkommen entpuppte sich der Stuhl als Trittleiter, worauf ein Greis eines der Bilder reinigte.