Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Ein Reverend? Du meinst einen Geistlichen? Einen Küster?« Ich überlegte, ob der Kirchenvorsteher ein Schild mit »Keine Anlegestelle!«errichtet und das Boot zur Strafe weggekarrt hatte.
»Ja. In einer Robe.«
»Professor Peddick«, sagte ich.
»Mit weißem Haar?« fragte Terence. »Und einem Schnurrbart wie Lammkoteletts?«
Sie nickte, packte die Katze unter den Vorderpfoten und hielt sie vor sich wie eine Puppe. »So ein böser, böser Hund! Dir solche Angst einzujagen!«
Die Katze schlief weiter.
»Komm jetzt«, sagte Terence, der bereits wieder ein Stück entfernt war. »Wir hätten gleich daran denken sollen«, fuhr er fort, als der böse Hund und ich ihn eingeholt hatten, »daß es Professor Peddick war, der das Boot holte. Er kann nicht weit gekommen sein.«
Er wies auf den Fluß, der sich langsam durch flache Felder südwestlich schlängelte. »Sieht aus wie die Ebene von Marathon.«
Es stimmte, so weit ich das beurteilen konnte, aber entweder war Professor Peddick dies nicht zum Bewußtsein gekommen, oder er konnte schneller rudern, als ich dachte. Weder er noch das Boot waren zu sehen.
Terence schien das nicht zu irritieren. »Wir werden ihn bald entdecken.«
»Und wenn nicht?«
»Fünf Meilen von hier ist eine Schleuse. Dort muß er auf jeden Fall warten.«
»Fünf Meilen?« fragte ich ermattet.
»Wir müssen ihn einholen. Das Schicksal will es so. Denk an Antonius und Cleopatra.«
Noch eine Liebesgeschichte, die kein gutes Ende nahm.
»Hätte sich Antonius von einer Nichtigkeit wie einem verlorengegangenen Boot aufhalten lassen? Obwohl es in seinem Fall wohl eher eine Barke gewesen wäre.«
Wir kämpften uns weiter voran. Die victorianische Sonne brannte auf uns herab, Terence marschierte in mörderischem Tempo voran und verglich Tossie mit Engeln, Elfen, Luftgeistern und Cleopatra (ein wirklich schlimmes Ende!). Cyrils Gangart glich der eines Menschen, der an einem bathaanischen Todesmarsch[40] teilnahm. Ich dachte sehnsüchtig an Schlaf und versuchte auszurechnen, wie lange ich nun bereits an einem Stück wach war.
Ich war seit zehn Uhr hier, und meine Taschenuhr sagte, nun sei es bereits fast vier, das waren also sechs Stunden. Im Laboratorium hatte ich drei Stunden bei den Vorbereitungen für den Sprung verbracht, eine Stunde davor in Dunworthys Büro. Ich war eine halbe Stunde auf dem Sportgelände in Oxford gewesen und eine weitere im Krankenhaus. Das machte bereits elf Stunden, die zwei Stunden, die ich mit der Suche nach des Bischofs Vogeltränke und die eine, die ich auf der Suche nach der Kathedrale zugebracht hatte, noch nicht gerechnet. Dazu kamen fünf Stunden, die ich auf dem Herbstbasar und bei der Alteisensammelaktion verbracht hatte. Das ergab insgesamt neunzehn.
Wann war ich auf dem Basar gewesen, morgens oder nachmittags? Nachmittags, denn ich wollte gerade zum Abendessen in mein Zimmer gehen, als Lady Schrapnell mich erwischte und zu den Wohltätigkeitsbasaren verdonnerte.
Nein, das war am Tag zuvor gewesen. Oder noch früher. Wie lange hatte ich die Wohltätigkeitsbasare besucht? Jahre. Ich war seit Jahren wach.
»Wir werden aufgeben müssen«, sagte ich erschöpft und dachte daran, wie weit es bis Oxford war. Vielleicht konnten wir in der Kirche in Iffley schlafen. Nein, sie hatte ja nur bis vier Uhr geöffnet. Und bestimmt gab es da ein Schild »Schlafen in den Kirchenbänken untersagt!«,welches an das Regal mit den Gesangbücher geheftet war.
»Schau, dort!« schrie Terence. Er zeigte auf eine weidenbedeckte Insel in der Flußmitte. »Dort ist er!«
Es war eindeutig Professor Peddick. Er stand mit flatternder Robe über die Böschung gebeugt und spähte durch sein Monokel ins Wasser.
»Professor Peddick!« rief Terence ihm zu, und der Professor bekam fast das Übergewicht. Er packte einen nicht sehr vertrauensvoll aussehenden Weidenast und richtete sich daran auf. Dann justierte er sein Monokel und schaute in unsere Richtung.
»Wir sind’s«, rief Terence, die Hände wie einen Trichter vor dem Mund. »St. Trewes und Henry. Wir suchen Sie die ganze Zeit.«
»Ah, St. Trewes«, rief Peddick zurück. »Kommen Sie herüber. Ich habe ein paar großartige Untiefen entdeckt, genau richtig, um Döbel zu fangen.«
»Sie müssen uns holen«, schrie Terence.
»Was gestohlen?« gab Peddick zurück. Jetzt geht’s von vorn los, dachte ich.
»HOLEN!« wiederholte Terence. »Sie haben das Boot.«
»Ah ja. Warten Sie.« Der Professor verschwand zwischen dichten Weidenbäumen.
»Hoffentlich hat er nicht vergessen, das Boot zu vertäuen«, sagte ich.
»Hoffentlich erinnert er sich daran, wo er es gelassen hat.« Terence ließ sich am Ufer nieder.
Ich hockte mich neben ihn, und Cyril legte sich hin, rollte sich sofort auf die Seite und begann zu schnarchen. Ich wünschte inbrünstig, es ihm gleichtun zu können.
Nun mußten wir den Professor den ganzen Weg nach Oxford zurückrudern, was mindestens drei Stunden in Anspruch nehmen würde, aber das nur, wenn wir ihn davon abhalten konnten, wegen jedem Fisch und jeder Wiese anzuhalten.
Aber vielleicht war das sogar das Beste. Verity hatte gesagt, ich solle Terence von Muchings End fernhalten, und das war damit sicher zu erreichen. Bis wir Oxford erreichten, würde es dunkel sein. Wir mußten dort die Nacht verbringen, und morgen früh konnte ich Terence vielleicht dazu überreden, flußaufwärts nach Parson’s Pleasure zu fahren. Oder nach London oder zu einem Pferderennen. An welchem Tag fand immer das Derby statt?
Oder vielleicht kehrte ihm nach einer ausgiebigen Nachtruhe der Verstand zurück und er erkannte, was für ein schnatterndes Gänschen Tossie war. Verblendung war ähnlich wie Zeitkrankheit nur ein Ungleichgewicht der Körperchemie, das von einem guten Nachtschlaf geheilt wurde.
Der Professor war immer noch verschwunden. »Er hat eine neue Sorte Döbel gefunden und uns vergessen«, sagte Terence, aber gerade da sahen wir das Boot um die Spitze der Insel herumfahren. Professor Peddicks Ärmel bauschten sich im Wind wie schwarze Segel, während er ruderte.
Das Boot glitt flußabwärts zu uns, und wir liefen holterdiepolter den Treidelpfad hinunter zu ihm, Cyril schwabbelnd hinter uns her.
Ich wandte mich um und drängte ihn zur Eile. »Hopp, Cyril«, sagte ich und prallte genau auf Terence, der wie angewurzelt dastand und auf das Boot starrte.
»Sie können sich nicht vorstellen, was ich für wunderbare Entdeckungen gemacht habe«, sagte Professor Peddick. »Diese Insel ist das genaue Abbild des Ortes, wo die Schlacht von Dunreath Mow stattfand.« Er hielt die Pfanne hoch. »Ich möchte Ihnen den doppelkiemigen blauen Döbel zeigen, den ich gefunden habe.«
Terence starrte immer noch sprachlos auf das Boot.
Ich konnte keine Kratzer oder Schrammen entdecken außer denen, die bereits dagewesen waren, als Jabez uns das Boot vermietet hatte, und ich sah auch keine Löcher. Alles wirkte trocken. Heck und Bug…
Die Bänke im Heck. Und der Bug. »Terence…«
»Professor Peddick«, sagte Terence mit gepreßter Stimme. »Was ist mit unseren Sachen passiert?«
»Sachen?« Professor Peddicks Stimme klang verwundert.
»Dem Gepäck. Neds Portmanteau, den Körben und…«
»Ah ja«, sagte der Professor. »Unter der Salix babylonica auf der anderen Seite der Insel. Ich werde Sie hinüberrudern wie Charon die Seelen über den Styx.«
Ich kletterte ins Boot und half Terence, Cyril hineinzubugsieren, indem ich die Vorderbeine des Hundes über die Ruderpinne legte, während Terence die Hinterbeine über den Bootsrand hob. Dann stieg er selbst ein.
40
Bathaan = philippinische Halbinsel, die amerikanische Soldaten 1942 monatelang erbittert gegen eine Übermacht japanischer Angreifer verteidigten, bis sie sich schließlich nach schwersten Verlusten ergeben mußten. — Anm. d. Ü.