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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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›Sie wollen ihn rächen?‹

›Ich gäbe mein Leben um das seiner Mörder.‹

›Und wenn ich Ihnen einen Weg anböte herauszufinden, wer ihn ermordet hat, würden Sie annehmen?‹

Diana zögerte kurz, dann sagte sie heftig: ›Ich würde annehmen.‹

›Gut‹, sagte Barras, ›helfen Sie uns, und wir werden Ihnen helfen.‹

›Was soll ich tun?‹

›Sie sind schön, sehr schön sogar.‹

›Es geht hier nicht um meine Schönheit‹, sagte Diana ohne jede Schüchternheit.

›Im Gegenteil‹, sagte Barras, ›im Gegenteil, es geht in erster Linie darum. In dem großen Kampf, den wir das Leben nennen, wurde der Frau die Schönheit gegeben, und zwar nicht bloß als Geschenk des Himmels, an dem sich das Auge eines Liebhabers oder Gatten erfreuen mag, sondern als Waffe, die gleichermaßen zum Angriff wie zur Verteidigung dient.‹

›Sprechen Sie weiter‹, sagte Diana.

›Die Compagnons de Jéhu haben vor Cadoudal keine Geheimnisse. Er ist ihr wahrer Anführer, für ihn arbeiten sie; er weiß die Namen all ihrer Mitglieder vom ersten bis zum letzten Mann.‹

›Und weiter?‹, fragte Diana.

›Weiter? Nichts einfacher als das. Sie reisen in die Bretagne, gesellen sich zu Cadoudal, gerieren sich als Opfer Ihres Eintretens für die royalistische Sache, verschaffen sich sein Vertrauen, und Sie werden leichtes Spiel haben: Cadoudal wird sich unweigerlich in Sie verlieben, und früher oder später werden Sie die wahren Namen der Männer erfahren, nach denen wir vergeblich suchen. Teilen Sie uns die Namen mit, mehr verlangen wir nicht von Ihnen, und Ihre Rache wird befriedigt werden. Und falls Ihr Einfluss so weit reicht, dass sie sogar diesen halsstarrigen Sektierer dazu bewegen können, sich wie die anderen zu unterwerfen, dann muss ich Ihnen sicherlich nicht eigens sagen, wie großzügig die Regierung -‹

Diana streckte gebieterisch die Hand aus. ›Sehen Sie sich vor, Citoyen Direktoriumsmitglied, noch ein Wort, und Sie beleidigen mich.‹

Und nach kurzem Schweigen: ›Ich bedinge mir vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit aus‹, sagte sie.

›Lassen Sie sich Zeit, Mademoiselle‹, sagte Barras. ›Ich werde Ihnen zu Diensten stehen.‹

›Morgen hier, um neun Uhr abends‹, sagte Mademoiselle de Fargas, nahm Barras ihren Dolch aus der Hand und den Brief ihres Bruders von dem Tisch, auf den sie ihn gelegt hatte, verbarg Brief und Dolch in ihrem Mieder, verneigte sich vor Barras und ging.

Am nächsten Tag kündigte man ihm um die gleiche Stunde Mademoiselle Diana de Fargas an.

Er eilte in das rosa Boudoir. ›Nun, meine schöne Nemesis?‹, fragte er.

›Ich habe mich entschieden, Monsieur; allerdings benötige ich einen Geleitbrief, mit dem ich mich vor den republikanischen Behörden ausweisen kann. In dem Leben, das ich führen werde, kann ich jederzeit bewaffnet auf Seiten der Gegner der Republikaner ergriffen werden; Sie lassen Frauen und Kinder erschießen, Sie führen einen Ausrottungskrieg: Das ist Ihre Sache, die Sie mit Gott abmachen müssen. Aber ich könnte dabei gefasst werden, und ich will auf keinen Fall füsiliert werden, bevor ich mich gerächt habe.‹

›Mit diesem Ansinnen habe ich gerechnet; und um Ihre Abreise nicht zu verzögern, habe ich bereits alle Ausweispapiere vorbereiten lassen, die Sie benötigen werden. Ordres des Generals Hédouville werden jene, vor denen Sie sich fürchten müssten, in Ihre Verteidiger verwandeln; und mit diesem Geleitbrief können Sie Bretagne und Vendée von einem Ende zum anderen bereisen.‹

›Sehr gut, Monsieur!‹, sagte Diana. ›Ich danke Ihnen.‹

›Darf ich Sie, ohne indiskret zu sein, fragen, wann Sie abzureisen gedenken? ‹

›Heute Abend noch; meine Pferde und meine Postkutsche erwarten mich am Zaun des Palais du Luxembourg.‹

›Erlauben Sie mir eine indiskrete Frage – es ist meine Pflicht, sie Ihnen zu stellen.‹

›Fragen Sie, Monsieur.‹

›Haben Sie Geld?‹

›Ich habe sechstausend Francs in Gold in dieser Kassette bei mir, was mehr als sechzigtausend Francs in Assignaten entspricht. Sie sehen, dass ich unbesorgt auf eigene Faust Krieg führen kann.‹

Barras reichte der schönen Besucherin die Hand, doch sie schien diese Aufmerksamkeit nicht zu bemerken.

Sie verneigte sich untadelig und verließ den Raum.

›Was für eine bezaubernde Viper‹, sagte Barras. ›Ich wäre nicht gern derjenige, der ihr Blut erwärmt.‹

16

Mademoiselle de Fargas

Der Zufall wollte, dass Mademoiselle de Fargas und Coster Saint-Victor sich kurz vor dem Dorf La Guerche begegneten, anders gesagt, drei Wegstunden von Cadoudals Lager entfernt.

Coster Saint-Victor, einer der elegantesten Männer jener Zeit, der mit dem Ersten Konsul Bonaparte um die Gunst mehr als einer der hübschesten Schauspielerinnen wetteiferte, hatte kaum gesehen, dass eine schöne Frau in offener Kalesche vorbeifuhr, als er die erste Gelegenheit ergriff, sich ihr zu nähern, sobald die Kalesche langsamer wurde, was ihm umso leichter fiel, als er dem Postwagen zu Pferde folgte.

Diana wollte dem Fremden zuerst in kalter Würde begegnen, doch er begrüßte sie so höflich, und seine Worte und Komplimente waren so wohlgewählt, dass sie sich nur so lange unnahbar zeigte, wie es die guten Sitten unter Reisenden erforderten.

Zudem befand sie sich in einem ihr fremden Land, in dem an jeder Wegbiegung Gefahren lauern konnten. Der Reisende, der so offenkundig ihre Bekanntschaft gesucht hatte, schien mit dem Land bestens vertraut zu sein; er konnte ihr nützlich sein, ihr beispielsweise verraten, wo Cadoudal sich aufhielt.

Beide hatten einander Falschheiten anvertraut.

Coster Saint-Victor hatte gesagt, er heiße d’Argentan und sei Steuereinnehmer der Regierung in Dinan.

Diana hatte ihm erwidert, sie heiße Mademoiselle de Rotrou und sei Postverwalterin in Vitré.

Und von falscher Auskunft zu falscher Auskunft hatten sie einander eine wahre Auskunft offenbart: dass nämlich beide auf der Suche nach Cadoudal waren.

›Kennen Sie ihn?‹, hatte d’Argentan gefragt.

›Ich habe ihn nie gesehen‹, hatte Diana erwidert.

›Dann, Mademoiselle, wäre es mir eine Ehre, Ihnen meine Dienste anzubieten‹, hatte der falsche d’Argentan gesagt. ›Cadoudal ist mein Freund, und wir sind dem Ort, an dem wir ihm begegnen sollten, so nahe, dass ich Ihnen wohl ohne Gefahr offenbaren darf, dass ich nicht der Regierung, sondern ihm als Steuereinnehmer diene. Sollten Sie eine Empfehlung benötigen, Mademoiselle, wäre ich doppelt glücklich, dass der Zufall – oder soll ich sagen: die Vorsehung? – unsere Wege einander kreuzen ließ.‹

›Ich will Ihre Offenheit erwidern‹, sagte Diana, ›und Ihnen gestehen, dass ich so wenig Postverwalterin in Vitré bin, wie Sie Steuereinnehmer in Dinan sind. Ich bin die letzte Überlebende einer vornehmen royalistischen Familie, die auf Rache sinnt und bei ihm dienen will.‹

›Und in welcher Eigenschaft?‹, fragte d’Argentan.

›In der Eigenschaft einer Freiwilligen‹, erwiderte Diana.

Coster sah sie verblüfft an und sagte dann: ›Alles in allem, warum nicht? Dumouriez hatte zwei Demoiselles de Fernig als Aides de Camp. Wir leben in einer so verrückten Zeit, dass man sich auf alles einstellen muss, selbst auf Dinge, die man nicht glauben wollte.‹

Und damit war diese Frage erledigt.

In La Guerche waren sie einer Abteilung republikanischer Soldaten auf dem Weg nach Vitré begegnet.

Beim Verlassen des Dorfes stießen sie auf gefällte Bäume, die den Weg versperrten.

›Oh, zum Henker!‹, rief Coster. ›Es nähme mich nicht wunder, wenn Cadoudal hinter diesem Hindernis steckte!‹

Er hielt an, bedeutete Dianas Kutsche, ebenfalls zu halten, und ließ einmal den Ruf des Käuzchens und einmal den der Schleiereule ertönen.

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