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Kater Brown und die Klostermorde

Электронная книга - «Kater Brown und die Klostermorde». Краткое содержание книги:

In der idyllischen Eifel ist die Hölle los - und das ausgerechnet dort, wo man es am wenigsten erwartet hätte: im Klosterhotel Zur inneren Einkehr. Hier stößt die Klosterkatze Kater Brown während eines nächtlichen Streifzugs auf eine grausam zugerichtete Leiche. Wer hat den Hotelgast ermordet und in den Brunnen geworfen? Zusammen mit der Reisejournalistin Alexandra begibt sich Kater Brown auf Spurensuche.
Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis geschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sander’schen Familienkater Paulchen Panther.
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Der Mönch drehte sich zu Bruder Andreas um und wollte die Frage eben weitergeben, da antwortete der jüngere Mann bereits: »Er hat darauf bestanden, das Zimmer von Herrn Wilden zu bekommen.«

»Was?«, riefen Alexandra, Tobias und auch Bruder Johannes wie aus einem Mund.

»Ja, er war heute Mittag am Empfang an Bruder Jonas geraten«, erklärte Bruder Andreas. »Mit seiner … energischen Art hat er unseren jungen Bruder in Grund und Boden geredet, bis der ihm das Zimmer überlassen hat.«

»Das heißt, er hat die Möglichkeit gehabt, Wildens Habseligkeiten in aller Ruhe zu durchsuchen«, folgerte Alexandra ärgerlich. »Und er hatte genug Zeit, um mögliche Beweise und Informationen beiseitezuschaffen oder in seinen Besitz zu bringen, um selbst daraus Profit zu ziehen.« Sie stieß frustriert den Atem aus. »Das hatte uns gerade noch gefehlt!«

»Und falls er Wilden selbst umgebracht hat, dann hatte er jetzt alle Zeit der Welt, um nach Notizen zu suchen, die belegen könnten, dass er sich nicht erst heute Morgen von zu Hause auf den Weg hierher gemacht hat, sondern bereits gestern Abend in der Nähe des Klosters war«, ergänzte Tobias düster. »Das macht uns die Arbeit nur noch schwieriger.«

»So ein Mist!« Alexandra stand da und starrte auf den Bildschirm. »Können Sie mir das da bitte als Tabelle ausdrucken, Bruder Andreas?«, fragte sie dann.

Der Mönch nickte und beugte sich wieder über die Tastatur.

»Ich möchte Wildens Weg Schritt für Schritt aufgelistet haben«, erklärte sie, »und zwar in der Reihenfolge, in der er von den Leuten gesehen wurde. Vielleicht hat ja noch jemand Bernd Wildens zufriedenen Gesichtsausdruck bemerkt und hat irgendeine Erklärung dafür.«

Der Drucker auf dem Beistelltisch erwachte zum Leben und spuckte kurz darauf zwei Blätter aus, die Alexandra an sich nahm.

»Danke, Bruder Andreas«, sagte sie und drehte sich zu Tobias und dem älteren Mönch um. »Wir werden zuerst mit Assmann sprechen, danach nehmen wir uns die Mitarbeiter vor.« Sie überflog die Liste und schüttelte den Kopf. »Von Ihren Brüdern hat ihn sonst niemand gesehen, also müssen wir mit ihnen auch nicht reden. Aber mit den Gästen … Sagen Sie, Bruder Johannes … Ich befürchte, dass diese Befragungen mehr als eine halbe Stunde in Anspruch nehmen werden. Das heißt, wir werden nicht vor zehn Uhr fertig sein. Lässt es sich irgendwie einrichten, dass heute Abend ausnahmsweise der Strom etwas später abgestellt wird?«

»Ja, sicher, das ist kein Problem«, beteuerte der Mönch. Er gab Bruder Andreas ein Zeichen, sich darum zu kümmern, woraufhin der wieder zum Telefonhörer griff und einen der anderen Mönche anrief.

»Gut, Ihnen beiden vielen Dank«, sagte sie und nickte Tobias zu, der noch schnell sein Glas Trappistenbier austrank, ehe er sich zu ihr gesellte.

»Na, dann wollen wir mal!«, brummte er. »Wird bestimmt eine angenehme Plauderrunde!«

»In seinem Quartier finden Sie Herrn Assmann jetzt aber nicht«, rief Bruder Andreas den beiden nach, bevor sie das Zimmer verlassen konnten. »Er ist in Saal II …«

»Dort findet heute Abend doch der zweite Teil unseres Schweigeseminars statt«, warf Bruder Johannes irritiert ein. »Herr Assmann kann nicht einfach bei Teil zwei einsteigen, wenn er den ersten Teil versäumt hat!« Seinen beiden Gästen erklärte er: »Teil zwei vertieft die Grundlagen des konstruktiven Schweigens aus dem ersten Teil, aber ohne dieses Grundlagenwissen ist es nicht möglich, die Übungen des zweiten Teils zu verinnerlichen. Er … er stört dort nur die anderen! Bruder Markus kann den Kurs unter solchen Umständen doch gar nicht zu Ende führen!«

»Bruder Markus ist längst nicht mehr im Kurs«, ließ der jüngere Mönch ihn leise wissen.

»Nicht mehr im Kurs? Was soll das heißen?«

»Er … er hat vor einer Viertelstunde die Flucht ergriffen.« Nach kurzem Schweigen ergänzte Bruder Andreas: »Vor Herrn Assmann.«

»Vor einer Viertelstunde?«, warf Tobias ein. »Woher wissen Sie das? Da waren Sie doch hier bei uns.«

Der jüngere Mönch sah ihn mit reumütiger Miene an und hielt sein Handy hoch. »Bruder Markus hat uns allen eine SMS geschickt, um uns mitzuteilen, dass er den Kurs unterbrochen hat.«

Bruder Johannes zog das Mobiltelefon aus der Tasche seiner braunen Kutte. »Oh, tatsächlich, da ist eine SMS. Davon hatte ich gar nichts mitbekommen.« Er öffnete sie und stutzte, dann sagte er ein wenig pikiert zu Bruder Andreas: »Ich darf wohl davon ausgehen, dass er den Namen Assmann nur versehentlich verkehrt geschrieben hat.«

»Ganz sicher«, erwiderte Bruder Andreas. Er schien jedoch ein Grinsen unterdrücken zu müssen. Bruder Johannes schüttelte betrübt den Kopf. »Es ist schon weit gekommen, wenn unsere Gäste mit ihrem Verhalten meine Brüder in die Flucht schlagen können. Wie dem auch sei. Ich werde auf jeden Fall mit Bruder Markus reden. Er kann doch nicht einfach seine Pflicht vernachlässigen – egal, wie Assmann sich aufgeführt hat!«, schimpfte er. »Frau Berger, Herr Rombach, ich nehme an, Sie begeben sich jetzt gleich zu Saal II?«

»Ja, wir wissen schließlich nicht, wann die Gruppe morgen abreisen wird, daher …«, begann Tobias.

Der ältere Mönch schüttelte den Kopf und hob eine Hand. »Sofern Herr Assmann nicht etwas anderes bestimmt, werden die Leute erst am Montag abreisen. Das Programm, für das sie sich entschieden hatten, ist zu umfangreich, um es an einem Wochenende zu absolvieren. Anreise am Freitag, Abreise am Montag, schließlich soll das Ganze auch in Ruhe geschehen.« Er zog die Schultern hoch. »Den Weg zur inneren Ausgeglichenheit findet man nicht, wenn man sich einem Termindruck aussetzt, sondern nur durch die Ruhe selbst.«

»Das leuchtet ein«, erwiderte Tobias. »Trotzdem sollten wir auf unsere Fragen so bald wie möglich eine Antwort bekommen. Schließlich möchten wir den Kreis der Verdächtigen auch mal irgendwann einengen können.«

»Das verstehe ich nur zu gut«, sagte Bruder Johannes.

Kater Brown saß nun schon seit geraumer Zeit vor der Küchentür im hinteren Teil des Refektoriums und wartete ungeduldig darauf, dass ihm endlich jemand seine Futterschale füllte. Natürlich hätte er auch eine Maus oder einen unachtsamen Vogel fangen können, aber nach diesem aufregenden Tag stand Kater Brown nicht der Sinn nach körperlicher Ertüchtigung. Und überhaupt, was waren denn das für neue Sitten? Normalerweise bekam er doch um diese Zeit sein leckeres Feuchtfutter serviert!

Plötzlich hörte er Schritte. Endlich! Er spitzte die Ohren und drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Geräusche kamen. Ein Mann bog um die Ecke. Leider war es nicht der, der ihn normalerweise fütterte. Dennoch lief Kater Brown ihm ein Stück entgegen und strich ihm um die Beine. Dabei ließ er ein klägliches Miauen hören, das ihm diesmal besonders gut gelang, wie er zufrieden feststellte.

»Oh, du hast bestimmt Hunger, nicht wahr, mein Kleiner?«, sagte der Mann und ging langsam weiter, um ihm nicht wehzutun.

Kater Brown folgte ihm begeistert bis zur Küchentür.

»Du weißt, in die Küche darfst du nicht mit hinein. Warte hier, ich bringe dir etwas ganz besonders Leckeres.«

Kater Brown setzte sich hin und fuhr sich mit der Zunge über den Bart. Jetzt würde es nicht mehr lange dauern. Hm, etwas ganz besonders Leckeres hatte der Mann ihm versprochen! Geduldig wartete der Kater, den Blick starr auf die Küchentür gerichtet. Endlich wurde sie geöffnet, und der Mann trat wieder zu ihm.

»Hier«, sagte er, bückte sich und stellte ihm einen Teller hin.

Die Fleischbrocken waren von einer dunklen Soße bedeckt und rochen noch verlockender als sonst. Wie schlau, dass er auf das Futter von den Menschen gewartet hatte! So gut rochen Mäuse nicht – und sie schmeckten auch nicht so lecker.

»Guten Appetit«, wünschte der Mann ihm noch, sah ihm einen Moment beim Fressen zu und ging dann davon.

Weil Kater Brown so sehr mit dieser ungewohnten Köstlichkeit beschäftigt war, entging ihm der seltsame Glanz in den Menschenaugen.

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