Kater Brown und die Klostermorde
- Автор: Sander Ralph
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Kater Brown und die Klostermorde». Краткое содержание книги:
Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis geschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sander’schen Familienkater Paulchen Panther.
»Nein. Er hat definitiv erst am Freitagmorgen bei uns eingecheckt.«
»Dann hat er irgendwo anders übernachtet«, überlegte Tobias laut. »Aber wo könnte das gewesen sein?«
Bruder Johannes winkte ab. »Versuchen Sie gar nicht erst, das herauszufinden! Im Umkreis von wenigen Kilometern gibt es einige Dutzend private Unterkünfte, sodass Sie tagelang damit beschäftigt wären, die alle abzuklappern.«
Tobias zog einen Mundwinkel nach unten und gab einen resignierten Laut von sich.
»Wieso sagen Sie, dass Assmann kein Motiv gehabt haben könnte?«, griff Alexandra den verlorenen Gesprächsfaden wieder auf.
»So sehr, wie er sich über den Tod von Herrn Wilden aufgeregt hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass er damit etwas zu tun hat. Er war außer sich und hat jedem von uns die schlimmsten Vorwürfe gemacht. Bernd Wilden muss ihm als Mensch und als Vorgesetzter sehr viel bedeutet haben.«
»Das stimmt wohl.« Alexandra hob unschlüssig die Schultern. »Er hat ihm nachgeeifert, allerdings in einer maßlosen Form, so als wollte der Schüler den Meister noch übertreffen. Und außerdem bleiben Ungereimtheiten. Mit seinem Gehalt kann Assmann seine Anzüge und den Wagen, den er fährt, jedenfalls nicht finanzieren. Also könnte er es auf Wildens Posten abgesehen haben.«
»Oh, das habe ich nicht bedacht«, sagte der Mönch betroffen.
»Kurt Assmann ist zwar erst heute Nachmittag hier eingetroffen, aber solange wir keine Ahnung haben, wo er sich zwischen Freitagabend und Samstagmorgen aufgehalten hat, kommt er als möglicher Täter infrage.« Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: »Das wäre natürlich etwas, was Herr Pallenberg überprüfen müsste, weil dafür die Polizei in Kaiserslautern hinzugezogen werden muss. Doch der gute Mann hat ja vorgezogen, das Wochenende ganz in Ruhe zu verbringen.«
»Darüber bin ich auch nicht glücklich«, stimmte Bruder Johannes ihr zu. »Aber während Sie unterwegs waren, habe ich ein wenig herumtelefoniert, und es ist tatsächlich so, dass durch diese Demonstration in Trier die halbe Eifel polizeilich unterversorgt ist. Ich konnte niemanden erreichen, der bereit gewesen wäre, Pallenberg dazu zu verdonnern, sich sofort um die Sache zu kümmern.«
Alexandra nickte. Dass sie mit ihren Bemühungen diesbezüglich ebenfalls gescheitert war, behielt sie für sich.
»Ich wäre dann fertig, Bruder Johannes«, meldete sich in diesem Moment Bruder Andreas zu Wort, der bis jetzt an seinem Schreibtisch gesessen hatte und in seine Arbeit vertieft gewesen war.
»Ah, wunderbar!« Bruder Johannes griff nach der Fernbedienung für den Fernseher, als er auf einmal stutzte. »Lieber Himmel, wo habe ich denn bloß meine Manieren gelassen! Sie sitzen hier stundenlang auf dem Trockenen, dabei wollte ich Ihnen doch eine ganz besondere Spezialität anbieten.« Er stand auf und ging zu einer Kühltasche. Kurz darauf kam er mit vier Bierflaschen zurück, von denen er eine Bruder Andreas reichte. »Die hast du dir mehr als verdient«, merkte er an und stellte die anderen drei auf den niedrigen Tisch vor der Sitzgruppe. Nachdem er noch vier Biergläser geholt hatte, nahm er wieder Platz und hielt eine der Flaschen hoch. »Das ist ein sogenanntes Trappistenbier, ein Duc de Walthéry, das uns von einer Abtei in Belgien in der Nähe von Lüttich geliefert wird, die dieses Bier seit 1609 braut. Obwohl wir keine Trappisten sind, dürfen wir ausnahmsweise das Bier hier weiterverkaufen. Unser Glück ist, dass ein Bruder von Bruder Jonas in der belgischen Abtei lebt. Er hat dafür gesorgt, dass wir eine Verkaufslizenz von der Abbaye de Walthéry erhalten haben. Normalerweise darf ein Trappistenbier nur in der unmittelbaren Umgebung des jeweiligen Klosters verkauft werden.«
»Wie kommt es, dass Sie kein eigenes Bier brauen?«
Bruder Johannes zuckte mit den Schultern. »Wir haben ja nicht einmal das Geld, um die Kapelle aus eigenen Mitteln zu renovieren. Wie sollten wir da eine eigene Brauerei finanzieren?«
»Ja, die Kapelle wollte ich mir ja auch noch ansehen«, warf Alexandra ein und machte sich diesbezüglich eine Notiz.
»Tut mir leid, aber das geht nicht. Sie ist zurzeit eine einzige große Baustelle. Auch wenn die Bauarbeiten momentan ruhen.«
»Wieso?«
»Weil die Bank den Kredit für die Renovierung nur häppchenweise freigibt.« Bruder Johannes seufzte frustriert. »Wenn drei Raten für den Hauptkredit pünktlich gezahlt worden sind, erhalten wir das nächste ›Häppchen‹ und können die Handwerker wieder herbeordern, damit sie weiterarbeiten.« Er legte den Kopf leicht schräg. »Ich habe natürlich auch Verständnis für die Vorgehensweise der Bank, und ich bin guter Dinge, dass wir bald in kürzeren Abständen diese Gelder zugeteilt bekommen, wenn sich unsere Zahlen weiter so entwickeln.«
Er öffnete vorsichtig den Bügelverschluss einer Bierflasche. Ein leises Zischen verriet das Entweichen der Kohlensäure. Dann schenkte er Alexandra ein.
»Bitte nur ein halbes Glas. Ich trinke selten Alkohol, und wenn ich das Etikett richtig deute, dann ist das ein ziemlich starkes Bier«, sagte sie.
»Ja, der Alkoholgehalt liegt bei fast zwölf Prozent, das ist in etwa die Obergrenze«, bestätigte der Mönch. Tobias wollte nach der Flasche greifen, doch der Mönch hielt ihn zurück. »Bitte nicht. Ein solches Bier muss man sehr vorsichtig einschenken, sonst kann es passieren, dass der Hefesatz im Glas landet, und das würde Ihnen gar nicht gefallen, das können Sie mir glauben. Als ich heute Nachmittag gehört habe, dass Sie noch mit mir reden wollen, habe ich ein paar Flaschen aus dem Keller geholt, deshalb auch die Kühltasche, damit das Bier nicht warm wird. Im Kühlschrank da drüben kann man es bedauerlicherweise nicht lagern, weil es dort zu kalt ist und das Bier dadurch trüb würde.«
Als Bruder Johannes allen eingeschenkt hatte, lehnte er sich in seinem Sessel zurück. »Und jetzt müssen Sie sich noch ein paar Minuten gedulden. Das Bier muss erst eine Weile atmen, sonst kann sich das Aroma nicht entfalten.«
Alexandra, die sich bei diesen Ausführungen allmählich zu langweilen begann, verdrehte im Stillen die Augen.
Auf das Zeichen des Mönchs hin griff sie wenig später nach ihrem Glas und trank einen Schluck Bier. »Uuuh«, machte sie und zog anerkennend eine Augenbraue hoch. »Das nenne ich wirklich stark, aber sehr … angenehm«, fügte sie schnell hinzu, um Bruder Johannes nicht zu enttäuschen. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie sich Tobias’ Mund zu einem amüsierten Grinsen verzog. »Weswegen wir jedoch eigentlich hier sind … Bruder Andreas hat doch inzwischen die Orts-und Zeitangaben der Mönche und der Gäste erfasst …«
Bruder Johannes lachte und schlug sich mit der Hand leicht gegen die Stirn. »Ja, natürlich.« Er nahm die Fernbedienung an sich und schaltete den Fernseher ein. »Das Gerät ist mit den Computern da drüben verbunden. Auf dem großen Bildschirm können wir besser sehen, was Bruder Andreas uns zeigen möchte.«
Alle sahen gebannt auf den Fernsehbildschirm. Ein Grundriss des Klosterhotels nahm Gestalt an; in einer Ecke wurde eine Uhr angezeigt, die in Fünfminutenintervallen umsprang, während sich zahlreiche Lichtpunkte durch den Grundriss bewegten.
Bruder Andreas hielt das Bild an und bewegte die Maus über die Anzeige auf dem Bildschirm. »Was Sie jetzt sehen, ist ein Zeitrafferfilm, der alle Eingaben gleichzeitig darstellt. Jeder Punkt auf dem Grundriss steht entweder für die Person, die für den fraglichen Zeitpunkt ihre Bewegungen durch das Gebäude so beschrieben hat, oder für die Mönche und Gäste, die diese Person dabei gesehen haben. Dieses Gesamtbild ist natürlich unübersichtlich, deshalb schlage ich vor, dass ich Ihnen zuerst einmal zeige, wann Herr Wilden wo im Haus beobachtet wurde. Ich kann jederzeit anhalten und Ihnen die Angabe einblenden, welche Person ihn jeweils bemerkt hat.«
Der Punkt, der Wilden darstellte, wanderte vom Foyer durch die Gänge zu den Gästequartieren. Dort hatte man Bernd Wilden gesehen, wie er sich in sein Zimmer zurückzog. Dann machte die Uhr einen Sprung von gut einer halben Stunde, und der Punkt geriet wieder in Bewegung. Er ging den Weg zurück, den er gekommen war, verließ das Gebäude und blinkte ein letztes Mal ein Stück vom Brunnen entfernt. Der Richtung nach zu urteilen, musste er auf dem Weg zum Parkplatz sein.