Kater Brown und die Klostermorde
- Автор: Sander Ralph
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Kater Brown und die Klostermorde». Краткое содержание книги:
Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis geschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sander’schen Familienkater Paulchen Panther.
»Um diese Zeit?« Der Mönch schüttelte ratlos den Kopf. »Ja … da müssen Sie nach Neuerburg zu Doktor Erzbauer. Warten Sie, ich suche Ihnen die Adresse raus.« Noch während er redete, lief er vor ihnen her in Richtung Foyer.
»Du fährst«, entschied sie. »Ich kümmere mich unterwegs um Kater Brown.«
Bruder Johannes hielt ihnen einen Zettel hin, auf dem er in aller Eile die Adresse des Tierarztes sowie die Fahrtroute vermerkt hatte. »Das sind ungefähr zwanzig Kilometer, also werden Sie wohl um die fünfundzwanzig Minuten benötigen. Ich werde Doktor Erzbauer anrufen und Sie ankündigen«, sagte er und eilte mit ein paar ausholenden Schritten zur Tür, um sie aufzuschließen und sie ihnen aufzuhalten.
Tobias öffnete kurz darauf die Wagentür und klappte den Sitz zurück. »Ich nehme an, du möchtest mit dem kleinen Kerl hinten sitzen.«
Sie nickte und legte den Kater in seinem Deckenbett vorsichtig auf die Rückbank. Dabei fiel ihr Tobias’ schwarze Laptop-Tasche hinter dem Fahrersitz auf. »Du hast doch einen Mobilfunk-Stick?«
»Ja klar«, konnte er noch antworten, dann war sie auch schon eingestiegen. Als er kurz darauf den Motor startete, war Alexandra bereits damit beschäftigt, den Computer hochzufahren.
»Passwort?«, fragte sie ungeduldig.
»Skywalker.«
Sie tippte es ein, dann öffnete sie den Browser. »Bitte beeil dich, Tobias!«, forderte sie ihn auf, als er den Wagen zur Parkplatzausfahrt lenkte.
»Nach der Zeichnung zu urteilen müssen wir am Schullandheim vorbei, um nach Neuerburg zu kommen«, sagte Tobias. Nachdem er auf die Landstraße eingebogen war, gab er Gas.
»Wir fahren nicht nach Neuerburg«, antwortete Alexandra und tippte hastig auf der Tastatur herum.
Mit fliegenden Fingern zog sie ihr Handy hervor, wählte eine Nummer und wartete. »Ist da die Praxis Paressi? Ja, ich habe hier einen Kater, der vermutlich vergiftet wurde … Nein, bewusstlos … Ja, wir sind in Lengenich … Nein, nach Neuerburg ist es zu weit, finde ich … Ja, gut, vielen Dank … In zwanzig Minuten, würde ich sagen … Ja, bis gleich.«
Als sie das Gespräch beendet hatte, sah sie im Lichtschein, den der Monitor des Laptops verbreitete, dass Tobias den Kopf schüttelte.
»Wieso fahren wir nicht zu Doktor Erzbauer nach Neuerburg?«
»Wir fahren nach Echternacherbrück«, erklärte Alexandra. »Das ist ein wenig näher als Neuerburg. Trotzdem: Beeil dich!«, bat sie und vergrößerte auf dem Laptop die Karte mit der Fahrtroute.
»Ich würde meinen Führerschein zwar noch gern eine Weile behalten …«
Alexandra schien ihn gar nicht gehört zu haben. Sie schaute konzentriert an der Kopfstütze vorbei durch die Windschutzscheibe in die Dunkelheit. »Da vorne links, der Hauptstraße nach.«
Bäume und Büsche zuckten im Scheinwerferlicht vorüber, während Alexandra sich nervös auf die Unterlippe biss und immer wieder einen besorgten Blick auf den bewusstlosen Kater Brown warf. Alexandras Herz klopfte zum Zerspringen! Hoffentlich erreichten sie die Tierarztpraxis noch rechtzeitig!
»Da ist es!«, sagte Alexandra erleichtert, als sie um zwei Minuten nach elf mit quietschenden Reifen in der Einfahrt zu einem Einfamilienhaus am Ufer der Sauer zum Stehen kamen. In weiser Voraussicht hatte die Ärztin die Leuchtreklame eingeschaltet, die auf die Tierarztpraxis hinwies.
Kaum hatte Tobias den Wagen geparkt, sprang er auch schon hinaus und öffnete die Tür, um Alexandra, die den Kater aufgenommen hatte, beim Aussteigen zu helfen.
»Denk an das Fleisch!«, rief sie ihm zu und eilte über den Rasen zu einer Treppe, die in die im Souterrain gelegene Praxis führte.
Als Tobias ins Sprechzimmer kam, hatte Alexandra der Ärztin bereits alles erklärt, was sie über den Zustand des Katers wusste. Kater Brown lag auf einem Behandlungstisch aus glänzendem Edelstahl, der zum Teil von einer Plastikmatte bedeckt war.
Dr. Paressi war eine zierliche Frau Mitte dreißig mit fast schwarzem Lockenkopf, bei deren Statur sich Alexandra unwillkürlich fragte, wie diese Frau wohl die Kraft aufbrachte, um einen schweren Hund, beispielsweise einen Berner Sennenhund oder einen Rottweiler, zu behandeln.
Dr. Paressi leuchtete Kater Brown mit einer schmalen Stifttaschenlampe in die Augen, horchte ihn gründlich ab und drückte vorsichtig die Kiefer auseinander, um ihm in den Rachen zu sehen.
»Davon hat er wohl gefressen«, erklärte Tobias und deutete auf den Teller mit den Fleischbrocken, den er auf dem Tresen links vom Behandlungstisch abstellte. »Ein wenig davon hat er erbrochen.«
»Wie viel er gefressen hat, wissen wir nicht«, ergänzte Alexandra. »Wir hatten ihn eine Weile nicht gesehen.«
»Ja, verstehe«, erwiderte die Tierärztin und fuhr mit der Untersuchung fort.
»Und? Was können Sie uns sagen?«, drängte Alexandra, die sich schreckliche Sorgen um Kater Brown machte.
»Ich möchte mich erst genauer äußern, wenn ich meine Untersuchung abgeschlossen habe«, erwiderte die Frau ruhig und sachlich. Ganz offensichtlich war sie den Umgang mit besorgten Tierhaltern gewohnt und ließ sich von deren Nervosität nicht anstecken. »Ich möchte Sie zu diesem Zeitpunkt weder unnötig aufregen noch bei Ihnen eine womöglich trügerische Zuversicht wecken. Ich werde den Kater behandeln. Aber Sie fahren jetzt bitte wieder nach Hause. Sobald ich Genaueres weiß, werde ich Sie anrufen. Geben Sie mir bitte Ihre Adresse und eine Telefonnummer, unter der ich Sie heute Nacht erreichen kann.« Sie reichte Tobias einen Zettel, er begann sofort zu schreiben. »Und das ist Ihr Kater?« Sie schaute Alexandra freundlich an.
»Nein, Kater Brown lebt im Klosterhotel ›Zur inneren Einkehr‹ in Lengenich. Dort wohnen wir zurzeit.«
»Und Sie sind zu mir gekommen, weil Ihnen die Praxis von Doktor Erzbauer zu weit entfernt schien?«
»Ja, eigentlich hatte man uns dorthin geschickt. Einer der Mönche wollte uns auch telefonisch bei ihm anmelden …«
»Hm«, murmelte die Ärztin, die nun mehrere Spritzen bereitlegte und Fläschchen mit farblosen Lösungen aus einem kleinen Kühlschrank nahm. »Bei ihm anmelden. Interessant.«
Alexandra sah hilfesuchend zu Tobias. »Warum das?«
Dr. Paressi schaute zwischen den beiden hin und her. »Nun, er wird Doktor Erzbauer nicht erreicht haben. Der Kollege ist leider vor etwa vier Wochen bei einer Wanderung in den Alpen tödlich verunglückt, und die Praxis ist seitdem geschlossen.«
Alexandra schnappte erschrocken nach Luft. »Dann … dann wären wir vergeblich zu ihm gefahren?«
Die Ärztin nickte. »Sie hätten einen großen Umweg fahren müssen und wären wahrscheinlich zu spät bei mir eingetroffen. Ein Glück für Kater Brown, dass Sie sich gleich anders entschieden hatten.« Während sie eine Spritze aufzog, fügte sie hinzu: »Über die genauen Hintergründe, wie der Kater an dieses Fleisch dort kam, werden Sie mich noch genauer informieren müssen. Aber nicht jetzt. Jetzt habe ich zu tun.«
»Sie sind doch auch der Meinung, dass Kater Brown vergiftet wurde, oder?«, vergewisserte sich Alexandra.
Die Ärztin nickte. »So sieht es für mich aus. Lassen Sie mich jetzt bitte meine Arbeit machen, ich rufe Sie an.«
Sie verabschiedeten sich und warfen einen letzten Blick auf den reglos auf dem Behandlungstisch liegenden Kater. »Viel Glück, mein Kleiner!«, raunte Alexandra ihm noch zu, dann kehrten sie zu Tobias’ Leihwagen zurück. Tobias hatte tröstend einen Arm um Alexandra gelegt.
In diesem Moment klingelte ihr Handy, und ihr blieb vor Schreck beinahe das Herz stehen. Sie wollte sich schon umdrehen und zurück in die Praxis laufen, als sie auf dem Display eine ihr fremde Handynummer sah. Das war nicht Dr. Paressis Nummer!
»Hallo?«, meldete sie sich zögerlich.
»Frau Berger?«, tönte eine aufgeregte Männerstimme an ihr Ohr. Schnell schaltete sie das Telefon auf Lautsprecher. »Hier ist Bruder Johannes.«