Kater Brown und die Klostermorde
- Автор: Sander Ralph
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Kater Brown und die Klostermorde». Краткое содержание книги:
Ralph Sander arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzer und Autor. Unter diversen Pseudonymen sind von ihm etliche Krimis erschienen. Nachdem er bereits eine Reihe von fiktiven samtpfotigen Helden für seine Krimis geschaffen hat, entstand mit Kater Brown zum ersten Mal eine Figur nach einem realen Vorbild: dem Sander’schen Familienkater Paulchen Panther.
Alexandra stand auf und stellte sich vor den Fernseher. »Da wurde Wilden also zum letzten Mal gesehen, richtig?«
Bruder Andreas nickte.
»Um 21.50 Uhr«, sagte sie mehr zu sich selbst. »Und von wem?«
»Von Bruder Jonas.«
Sie griff nach dem Notizblock und schrieb etwas auf. »Mit ihm müssen wir noch reden, Tobias«, erklärte sie, dann bat sie Bruder Andreas, ihr zu zeigen, wo im Haus sich die anderen Personen zu diesem Zeitpunkt aufhielten. »Hm«, machte sie, als Dutzende Lichtpunkte aufleuchteten und neben jedem der dazugehörige Name angezeigt wurde. »Wenn alle Angaben der Wahrheit entsprechen, dann war um zehn vor zehn nur Bruder Jonas noch draußen. Die anderen, Gäste wie Mönche, befanden sich im Kloster, und zwar … jeder in seinem Zimmer, wenn ich mich nicht irre.«
»Ja, das ist richtig«, bestätigte Bruder Johannes. »Bruder Jonas hatte am Freitagabend die Aufgabe, kurz vor dem Zubettgehen noch eine Runde um das Kloster zu drehen und sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist und alle Türen verschlossen sind. Er hat dann nach der Rückkehr ins Kloster die Eingangstür hinter sich abgeschlossen.« Der Mönch kam zu ihr und zeigte auf den Lichtpunkt, der den fraglichen Mann darstellte. »Bruder Andreas, kannst du fünf Minuten vorgehen?«
»Schon erledigt.« Der Lichtpunkt befand sich nun innerhalb des Grundrisses, und nach weiteren fünf Minuten hatte er sich in eines der Quartiere für die Mönche weiterbewegt. Die Uhr schlug auf 22.00 Uhr um, von da an verharrten alle Punkte regungslos.
»Wenn Bruder Jonas die Tür zum Foyer abschließen sollte, muss er Wilden darauf hingewiesen haben, dass er nicht mehr ins Haus hereinkommt, wenn er tatsächlich zum Parkplatz weitergeht«, sagte Tobias und sah zu Bruder Johannes. »Können Sie Bruder Jonas gleich herbitten? Wir müssen wissen, worüber die beiden geredet haben.«
»Ich erledige das schon«, warf Bruder Andreas ein und griff nach dem Telefonhörer.
Währenddessen ging Alexandra die Namensliste der Mönche und die der Gäste durch und versah jeden Namen mit einem Häkchen, der den farbigen Punkten zugeordnet war. »Es sind alle vollzählig«, stellte sie schließlich fest. »Und jeder befindet sich in seinem Quartier … sofern alle die Wahrheit gesagt haben. Also gut …«
Kurz darauf klopfte es, die Tür wurde geöffnet, und Bruder Jonas trat ein. Wieder fielen Alexandra die tief liegenden Augen des jungen Mönchs auf.
»Wir haben festgestellt, dass Sie am Freitagabend Herrn Wilden offenbar als Letzter lebend gesehen haben«, begann sie. Wie ungeschickt von mir, dachte sie, als sie das Erschrecken sah, das sich auf Bruder Jonas’ Gesicht abzeichnete.
»Aber ich habe nicht …«, sagte er hilflos und sah sich erschrocken nach Bruder Johannes um.
»Nein, nein, Bruder Jonas, wir verdächtigen dich nicht, dass du Herrn Wilden etwas angetan haben könntest«, beruhigte ihn der ältere Mönch sofort. »Frau Berger und Herr Rombach wollten nur wissen, ob Herr Wilden noch etwas gesagt hat.«
»Oh.« Bruder Jonas atmete erleichtert auf. »Ich … hatte eben meine Runde um das Kloster beendet, als mir Herr Wilden entgegenkam. Ich sagte ihm, dass ich in ein paar Minuten abschließen würde, doch er winkte ab und erwiderte, ich müsse nicht auf ihn warten. Er habe am nächsten Morgen irgendwo einen Termin und wolle lieber noch am Abend hinfahren und die Nacht dort in einem Hotel verbringen. Ich habe mich daraufhin noch einmal vergewissert, um ein Missverständnis auch ganz sicher auszuschließen, und Herr Wilden hat dann bekräftigt, er müsse nicht zurück ins Kloster, ich könne ruhig abschließen. Er hatte vor, erst am Samstag zurückzukommen, vermutlich nicht vor Mittag, sagte er noch.«
»Und dann ist er direkt zum Parkplatz gegangen?«, hakte Tobias nach.
»Ja.« Der junge Mönch nickte. »Jedenfalls ging er in diese Richtung weg. Ich habe mich ins Haus zurückgezogen und hinter mir abgeschlossen. Daher weiß ich nicht, wohin er tatsächlich gegangen ist.«
»Und Sie haben auch niemanden sonst gesehen, der sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Gebäude aufgehalten hat?«, wollte Alexandra wissen.
»Nein, ganz sicher nicht. Die anderen Gäste müssen sich alle im Kloster befunden haben. Wie meine Mitbrüder.«
»Ich dachte da eher an einen Fremden. An jemanden, der auf dem Parkplatz auf Wilden gewartet hat«, erläuterte sie. »Es könnte ja sein, dass Herr Wilden abgeholt werden sollte.«
Bruder Jonas schüttelte den Kopf. »Nein, da war niemand. Der Kontrollgang um das Kloster und die Kapelle schließt auch die Nebengebäude und den Parkplatz mit ein, und dort standen auch nur Ihre Wagen«, er deutete mit einer Kopfbewegung auf Alexandra und Tobias, »außerdem die von Wildens Mitarbeitern, sein Porsche und unser Transporter.« Er hob kurz die Schultern. »Hätte dort ein anderer Wagen gestanden, dann wäre mir das sicher aufgefallen, und ich hätte den Fahrer auf jeden Fall angesprochen. Immerhin gehört der Parkplatz zum Grundstück des Klosters, und wenn sich dort ein Fremder aufhält, frage ich ihn natürlich, was er da zu so später Stunde zu suchen hat.«
»Es kann aber sein, dass noch ein Wagen auf den Parkplatz gefahren ist, als Wilden auf dem Weg dorthin war?«
Er hob die Schultern. »Tja, Frau Berger, wie gesagt, solange ich noch vorn im Foyer war, habe ich nichts in der Art beobachtet. Wäre in der Zeit ein Wagen zum Kloster gekommen, hätte ich das Motorgeräusch eigentlich hören müssen.«
»Gut«, sagte Alexandra nachdenklich. »Und sonst ist Ihnen nichts Ungewöhnliches aufgefallen?«
»Nein … außer … Herr Wilden war recht guter Laune, jedenfalls für seine Verhältnisse. Sehen Sie, als er mir entgegenkam, da wusste ich ja, ich muss ihm sagen, dass ich in ein paar Minuten die Eingangstür abschließen würde. Um ehrlich zu sein, befürchtete ich einen Wutausbruch … Ich rechnete fest damit, dass Wilden von mir verlangen würde, bis zu seiner Rückkehr an der Tür auf ihn zu warten.«
»Und stattdessen?«
»Stattdessen sagte er zu mir: ›Ja, ja, machen Sie ruhig Ihre Arbeit.‹ Er erzählte mir von seinen Plänen, noch an diesem Abend wegzufahren, und machte einen fröhlichen … ja äußerst zufriedenen Eindruck. So als hätte er irgendetwas erreicht, was ihm wichtig war.«
Alexandra sah zu Tobias hinüber, der ihr zunickte. »Bruder Jonas, das wär’s für den Moment, vielen Dank«, sagte sie, und der junge Mönch verließ nach kurzem Gruß das Zimmer. »Bruder Andreas, können Sie die Informationen so filtern, dass wir uns ein Bild davon machen können, in welcher zeitlichen Abfolge Wilden vor dem Verlassen des Klosters wo gesehen wurde und wo sich jeweils die Person aufgehalten hat, von der er beobachtet wurde?«
»Einen Moment bitte.« Der Mönch tippte kurz auf seiner Tastatur herum und deutete dann mit einer Kopfbewegung auf den Bildschirm.
Alexandra ging einen Schritt zurück und betrachtete die Anzeige. »Hm«, machte sie. »Es sieht ganz so aus, als hätte Wilden fünf Minuten vor dieser kurzen Unterhaltung mit Bruder Jonas sein Zimmer verlassen und wäre dann zielstrebig in Richtung Parkplatz gegangen. Er wurde von allen nur aus der Ferne gesehen. Doch wieso war er wohl so gut gelaunt, als er das Kloster verließ?«
»Vielleicht hat ihn jemand angerufen und ihm etwas Erfreuliches mitgeteilt«, meinte Tobias. »Möglicherweise war ihm ja ein neuer Posten angeboten worden, der für ihn mehr Einfluss, mehr Macht über andere und natürlich auch mehr Geld bedeutete.«
»Was wir nicht herausfinden können, solange wir sein Handy nicht haben. Sollten wir Kurt Assmann fragen, ob er sich vorstellen kann, wieso sein Chef so zufrieden wirkte?« Alexandra sah auf die Uhr. »Viertel nach neun«, murmelte sie, dann fragte sie Bruder Johannes: »Welches Zimmer hat Herr Assmann?«