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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Roger pfiff respektvoll. Zehn Pfund waren ein respektables Sümmchen. Kein Vermögen, aber absolut genug für einen Neuanfang.

»Sehr schön«, sagte er. »Wusste er, dass Ihr hierherkommen wolltet?«

Bobby schüttelte den Kopf.

»Ich war mir ja selbst nicht sicher«, gab er zu. »Früher wäre ich es gewesen –« Er brach abrupt ab und warf einen Blick auf Malvas Grab, dann räusperte er sich und wandte sich erneut an Roger.

»Ich dachte, ich rede am besten mit Mr. Fraser, bevor ich eine Entscheidung treffe. Es könnte ja sein, dass es hier auch nichts mehr für mich gibt.« Es war als Aussage formuliert, doch die Frage war unüberhörbar. Jeder in Fraser’s Ridge kannte und akzeptierte Bobby; das war nicht das Problem. Doch jetzt, da Lizzie verheiratet war und Malva fort … Bobby suchte eine Frau.

»Oh … ich glaube, Ihr werdet willkommen sein«, sagte Roger mit einem nachdenklichen Blick auf Aidan, der kopfunter an den Knien von einem Ast baumelte, während ihn Jemmy mit Kiefernzapfen bewarf. Ihn durchfuhr ein höchst merkwürdiges Gefühl – irgendwo zwischen Dankbarkeit und Eifersucht, doch Letztere verdrängte er entschlossen.

»Aidan!«, rief er. »Jem! Zeit zu gehen!« Dann wandte er sich ganz beiläufig wieder an Bobby und sagte: »Ich glaube, Ihr habt Aidans Mutter noch nicht kennengelernt, Amy McCallum – eine junge Witwe, aye? Mit einem Haus und etwas Land. Sie arbeitet im Haupthaus, wenn Ihr mit zum Essen kommt …«

»Manchmal denke ich darüber nach«, gab Jamie zu. »Frage mich, verstehst du? Was, wenn ich es könnte? Wie würde es sein?«

Er sah Brianna an, lächelnd, aber etwas hilflos, und zuckte mit den Achseln.

»Was meinst du, Brianna? Was könnte ich dort tun? Wie würde es sein?«

»Nun, es –«, begann sie und hielt inne, während sie versuchte, ihn sich in dieser Welt vorzustellen – hinter dem Steuer eines Autos? Mit Anzug und Krawatte im Büro? Diese Vorstellung war so absurd, dass sie lachte. Oder mit Jem und Roger im Kino in einem Godzilla-Film?

»Was heißt Jamie rückwärts buchstabiert?«, fragte sie.

»Eimaj, nehme ich an«, erwiderte er verblüfft. »Wieso?«

»Ich glaube, du würdest gut zurechtkommen«, sagte sie und lächelte. »Egal. Du – nun ja, du könntest ja … Zeitungen herausgeben. Die Druckerpressen sind größer und schneller, und man braucht viel mehr Leute, um die Neuigkeiten zu sammeln, aber sonst – ich glaube nicht, dass es in dieser Zeit so viel anders ist als heute. Das kannst du doch.«

Er nickte, und zwischen seinen dichten Augenbrauen, die den ihren so ähnlich waren, bildete sich eine Falte der Konzentration.

»Wahrscheinlich«, sagte er ein wenig skeptisch. »Meinst du, ich könnte auch Farmer sein? Die Leute essen doch; jemand muss sie versorgen.«

»Ja, das könntest du.« Sie sah sich um und nahm aufs Neue die vertrauten Kleinigkeiten des Hofes wahr; die Hühner, die friedlich im Dreck scharrten, die weichen, verwitterten Bretter des Stalls, den Erdhügel am Fundament des Hauses, wo sich die weiße Sau ihre Höhle gegraben hatte. »Es gibt auch dort noch Menschen, die ihre Farmen genauso betreiben wie heute; kleine Höfe in den Bergen. Es ist ein hartes Leben –« Sie sah ihn lächeln und lachte auf. »Gut, es ist nicht härter, als es heute ist – aber in den Städten ist es sehr viel einfacher.«

Sie hielt inne und überlegte.

»Du brauchtest nicht zu kämpfen«, sagte sie schließlich.

»Nein? Aber du hast doch gesagt, es gibt Kriege.«

»Das stimmt«, sagte sie und wurde von eisigen Nadeln gestochen, als sich die Bilder in ihren Kopf bohrten: Felder voller Mohn, Felder voller weißer Kreuze – ein brennender Mann, ein nacktes Kind, das mit verbrannter Haut auf die Kamera zulief, das verzerrte Gesicht eines Mannes, eine Sekunde, bevor die Kugel in sein Gehirn eindrang. »Aber – aber es sind nur die jungen Männer, die dann kämpfen. Und nicht alle, nur manche.«

»Mmpfm.« Eine Minute überlegte er mit gerunzelter Stirn, dann betrachtete er sie forschend.

»Diese, deine Welt, dieses Amerika«, sagte er schließlich nüchtern. »Diese Freiheit, in die du zurückkehrst. Ihr Preis wird schrecklich sein. Glaubst du, sie ist ihn wert?«

Jetzt war es an ihr, zu schweigen und zu überlegen. Schließlich legte sie ihm die Hand auf den Arm – fest, warm, stabil wie Eisen.

»Es gibt fast nichts, was es wert wäre, dich zu verlieren«, flüsterte sie. »Aber vielleicht kommt das nah heran.«

Wenn es Winter wird auf der Welt und die Nächte lang werden, beginnen die Menschen, im Dunklen aufzuwachen. Zu langes Liegen im Bett verkrampft die Gliedmaßen, und zu lange geträumte Träume drehen sich auf sich selbst zurück, grotesk wie die Fingernägel eines Mandarins. Im Allgemeinen ist der menschliche Körper nicht auf mehr als sieben oder acht Stunden Schlaf eingestellt – doch was geschieht, wenn die Nächte länger sind?

Es kommt zum zweiten Schlaf. Wenn es dunkel geworden ist, schläft man vor Müdigkeit ein – doch dann erwacht man wieder und steigt an die Oberfläche seiner Träume auf wie eine Forelle, die zum Fressen nach oben schwimmt. Und wenn man einen Bettgefährten hat, der dann gleichzeitig aufwacht – und Menschen, die seit Jahren nebeneinander schlafen, wissen sofort, wenn der andere wach ist –, hat man einen kleinen, zurückgezogenen Ort tief in der Nacht, den man teilen kann. Einen Ort, an dem man sich erheben kann, um sich zu recken und einen saftigen Apfel mit ins Bett zu bringen, den man dann Stück für Stück teilt, während Finger über Lippen streifen. Den Luxus einer Unterhaltung genießen kann, die nicht vom Alltag unterbrochen wird. Sich langsam im Licht des Herbstmondes lieben kann.

Und dann dicht beieinanderzuliegen und die Träume des Geliebten als Liebkosung auf der Haut zu spüren, während man erneut in die Wogen des Bewusstseins zu sinken beginnt, freudig gewiss, dass die Dämmerung noch in weiter Ferne liegt – das ist der zweite Schlaf.

Ich tauchte ganz langsam an die Oberfläche meines ersten Schlafs, um festzustellen, dass mein hocherotischer Traum seine Grundlage in der Wirklichkeit hatte.

»Ich hätte mich ja nie für einen Menschen gehalten, der eine Leiche belästigen würde, Sassenach.« Jamies Stimme kitzelte murmelnd die empfindliche Haut unter meinem Ohr. »Aber ich muss sagen, dass mehr an dieser Vorstellung ist, als ich dachte.«

Ich konnte noch nicht zusammenhängend genug denken, um darauf zu antworten, drückte aber meine Hüften auf eine Weise gegen ihn, die für ihn eine ebenso deutliche Einladung darzustellen schien, als ob sie in kalligraphischen Buchstaben auf Pergament verfasst gewesen wäre. Er holte tief Luft, umfasste mein Gesäß und bescherte mir ein in jeder Hinsicht rauhes Erwachen.

Ich wand mich wie ein Wurm an einem Angelhaken und stieß leise, drängende Geräusche aus, die er korrekt deutete, denn er drehte mich auf den Bauch und machte sich dann daran, keinen Zweifel daran zu lassen, dass ich nicht nur lebte und wach war, sondern auch bestens funktionierte.

Schließlich tauchte ich aus einem Nest aus flachgedrückten Kissen auf – feucht, keuchend, an jedem geschwollenen, schlüpfrigen Nervenende bebend und hellwach.

»Woher kam das denn?«, erkundigte ich mich. Er hatte sich nicht zurückgezogen; wir lagen immer noch zusammen im Licht des großen, goldenen Halbmonds, der über den Wipfeln der Kastanien tief am Himmel stand. Er stieß ein leises Geräusch aus, teils Belustigung, teils Bestürzung.

»Ich kann dich nicht schlafen sehen, ohne dass ich mir wünsche, dich zu wecken, Sassenach.« Seine Hand legte sich um meine Brust, sanft jetzt. »Ich fühle mich wohl einsam ohne dich.«

Seine Stimme hatte einen merkwürdigen Unterton, und ich drehte ihm den Kopf zu, konnte ihn aber in der Dunkelheit nicht sehen. Stattdessen hob ich die Hand und legte sie auf das Bein, das noch halb um mich geschlungen war. Selbst in entspanntem Zustand war es hart, der lange, gefurchte Muskel elegant geschwungen unter meinen Fingern.

»Ich bin doch hier«, sagte ich, und er legte den Arm plötzlich fester um mich.

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