Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Um zwei Uhr half Roger seiner Frau in ein kleines Ruderboot, das in der Nähe der Lagerhäuser am Kai festgebunden war. Den ganzen Tag über war die Flut gestiegen; das Wasser war jetzt über einen Meter fünfzig tief. Draußen in der Mitte der glänzend grauen Fläche waren die Anlegepfähle zu sehen – und der kleine dunkle Kopf des Piraten.
Brianna war so unnahbar wie eine heidnische Statue, ihr Gesicht war ausdruckslos. Sie hob ihre Röcke, um in das Boot zu steigen, und als sie sich hinsetzte, rumpelte das Gewicht in ihrer Tasche gegen das hölzerne Sitzbrett.
Roger griff nach den Rudern und hielt auf die Pfosten zu. Sie würden keine Neugier erregen; seit der Mittagszeit waren häufig Boote mit Schaulustigen hinausgefahren, die dem Verurteilten ins Gesicht sehen wollten, ihn verhöhnen wollten oder ihm eine Haarsträhne als Souvenir abschneiden wollten.
Er konnte nicht sehen, wohin er fuhr; Brianna wies ihn mit wortlosen Wendungen ihres Kopfes nach rechts und links. Sie konnte sehen; sie saß aufrecht da und hatte die rechte Hand in ihrem Rock versteckt.
Dann hob sie die Linke, und Roger stemmte sich gegen die Ruder und wendete das kleine Boot.
Bonnets Lippen waren aufgesprungen, sein Gesicht ausgetrocknet und salzverkrustet, seine Lider so gerötet, dass er die Augen kaum öffnen konnte. Doch sein Kopf hob sich, als sie näher kamen, und Roger sah einen überwältigten, hilflosen Mann, der sich vor der nahenden Umarmung fürchtete – so sehr, dass er ihre verführerische Berührung beinahe willkommen hieß und sich den kalten Fingern und dem Kuss ergab, der ihm den Atem raubte.
»Du hast dir ja Zeit gelassen, Schätzchen«, sagte er zu Brianna, und seine rissigen Lippen teilten sich zu einem Grinsen, das sie aufplatzen ließ und Blut auf seinen Zähnen verteilte. »Aber ich habe gewusst, dass du kommen würdest.«
Roger paddelte mit einem Ruder, um das Boot dicht heranzufahren, dann noch dichter. Er blickte hinter sich, als Brianna die Pistole mit dem goldverzierten Kolben aus der Tasche zog und Stephen Bonnet den Lauf ans Ohr hielt.
»Geh mit Gott, Stephen«, sagte sie deutlich auf Gälisch und drückte ab. Dann ließ sie die Pistole ins Wasser fallen und wandte sich zu ihrem Mann um.
»Bring uns nach Hause«, flüsterte sie.
Kapitel 118
Bedauerlich
Lord John betrat sein Gasthauszimmer und stellte überrascht – ja, sogar erstaunt – fest, dass er Besuch hatte.
»John.« Jamie Fraser wandte sich vom Fenster ab und schenkte ihm ein kleines Lächeln.
»Jamie.« Er erwiderte das Lächeln und versuchte, sein plötzliches Hochgefühl in den Griff zu bekommen. Er hatte Jamies Vornamen in den letzten fünfundzwanzig Jahren vielleicht dreimal benutzt; es war eine Intimität, die ihn beglückte, aber er durfte sich das nicht anmerken lassen.
»Soll ich uns eine Erfrischung bestellen?«, fragte er höflich. Jamie hatte sich nicht vom Fenster wegbewegt; er blickte hinaus, dann sah er John an und schüttelte, nach wie vor schwach lächelnd, den Kopf.
»Ich danke dir, nein. Wir sind doch Feinde, oder nicht?«
»Wir befinden uns bedauerlicherweise auf entgegengesetzten Seiten eines Konfliktes, bei dem ich fest davon ausgehe, dass er nur kurz sein wird«, verbesserte Lord John.
Fraser sah mit einem merkwürdigen, reuevollen Ausdruck auf ihn nieder.
»Nicht kurz«, sagte er. »Aber bedauerlich, aye.«
»Nun ja.« Lord John räusperte sich und trat ans Fenster. Dabei achtete er darauf, seinen Besucher nicht zu streifen. Er spähte hinaus und entdeckte den wahrscheinlichen Grund für Frasers Besuch.
»Ah«, sagte er und sah Brianna Fraser MacKenzie unten auf dem hölzernen Gehsteig stehen. »Oh!«, hauchte er in verändertem Ton. Denn William Henry Clarence George Ransom, der Neunte Graf von Ellesmere, war gerade aus dem Wirtshaus getreten und hatte sich vor ihr verbeugt.
»Grundgütiger«, murmelte er, und vor Nervosität kribbelte seine Kopfhaut. »Wird sie es ihm sagen?«
Fraser schüttelte den Kopf, ohne den Blick von den beiden jungen Leuten unter dem Fenster abzuwenden.
»Nein«, sagte er leise. »Sie hat mir ihr Wort gegeben.«
Die Erleichterung rauschte wie Wasser durch seine Adern.
»Danke«, sagte er. Fraser tat es schulterzuckend ab. Es war schließlich auch sein Wunsch – vermutete Lord John zumindest.
Die beiden unterhielten sich miteinander – William sagte etwas, und Brianna lachte und warf ihr Haar zurück. Er sah ihnen fasziniert zu. Lieber Gott, sie waren sich so ähnlich! Die kleinen Details ihres Mienenspiels, ihre Haltung, ihre Gestik … Es musste selbst dem beiläufigsten Beobachter auffallen. Tatsächlich sah er gerade ein Pärchen an ihnen vorbeigehen, und die Frau lächelte beim Anblick des hübschen Duos.
»Sie wird es ihm nicht sagen«, wiederholte Lord John, den der Anblick ein wenig bestürzte. »Aber sie stellt sich vor ihm zur Schau. Wird er nicht – aber nein. Wahrscheinlich nicht.«
»Ich hoffe nicht«, sagte Jamie, der seine Augen unverwandt auf die beiden gerichtet hatte. »Und wenn doch – wird er es immer noch nicht wissen. Sie hat darauf bestanden, ihn noch einmal zu sehen – das war der Preis für ihr Schweigen.«
John nickte wortlos. Jetzt kam Briannas Mann dazu. Er hielt ihren kleinen Jungen an der Hand, dessen Haar in der Sommersonne leuchtete wie das seiner Mutter. Er hatte ein Baby auf dem Arm – Brianna nahm es ihm ab und schlug die Decke zurück und zeigte William das Kind. Dieser betrachtete es mit allen Anzeichen der Höflichkeit.
Er begriff plötzlich, dass sich Fraser mit jeder Faser seines Wesens auf die Szene im Freien konzentrierte. Natürlich; er hatte Willie seit seinem zwölften Lebensjahr nicht mehr gesehen. Und die beiden zusammen zu sehen – seine Tochter und den Sohn, den er nie ansprechen, nie als den seinen anerkennen durfte. Er hätte Fraser gern berührt, ihm mitfühlend die Hand auf den Arm gelegt, doch da ihm die wahrscheinliche Wirkung einer solchen Berührung bekannt war, hütete er sich davor.
»Ich bin hier«, sagte Fraser plötzlich, »um dich um einen Gefallen zu bitten.«
»Stets zu Diensten, Sir«, sagte Lord John. Er war furchtbar froh, flüchtete sich jedoch in die Formalität.
»Nicht für mich«, sagte Fraser und sah ihn an. »Für Brianna.«
»Mit noch größerer Freude«, versicherte ihm Lord John. »Ich empfinde extreme Zuneigung für deine Tochter, trotz ihrer charakterlichen Ähnlichkeiten mit ihrem Erzeuger.«
Frasers Mundwinkel hob sich, und er richtete seine Augen erneut auf die Szene im Freien.
»Ist das so«, sagte er. »Nun denn. Ich kann dir nicht sagen, wozu ich ihn brauche – aber ich brauche einen Edelstein.«
»Einen Edelstein?« Lord Johns Stimme klang selbst in seinen Ohren verständnislos. »Was denn für einen Edelstein?«
»Irgendeinen.« Fraser zuckte ungeduldig mit den Achseln. »Es spielt keine Rolle – solange es nur ein reiner Stein ist. Ich habe dir einmal einen solchen Stein gegeben –« Sein Mund zuckte; er hatte den Stein, einen Saphir, unter Druck abgegeben, als Gefangener der Krone. »Obwohl ich nicht davon ausgehe, dass du ihn noch hast?«
Natürlich hatte er ihn noch. Dieser Saphir hatte ihn die letzten fünfundzwanzig Jahre begleitet und befand sich im Moment in seiner Westentasche.
Er richtete den Blick auf seine linke Hand, an der er einen breiten Goldring mit einem leuchtenden, geschliffenen Saphir trug. Hectors Ring. Den ihm seine erste Liebe gegeben hatte, als er sechzehn war. Hector war in Culloden gestorben – am Tag nach Johns erster Begegnung mit James Fraser in der Dunkelheit eines schottischen Bergpasses.
Ohne Zögern, wenn auch mit leichten Schwierigkeiten – er trug den Ring schon lange, und er war ein wenig in die Haut seines Fingers eingesunken – drehte er ihn los und legte ihn Jamie in die Hand.
Fraser zog erstaunt die Augenbrauen hoch.
»Den? Bist du sich–«
»Nimm ihn.« Jetzt streckte er die Hand aus und schloss Jamies Finger um den Ring. Die Berührung war flüchtig, doch seine Hand kribbelte, und er schloss sie zur Faust, um sich das Gefühl zu bewahren.