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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Aber wie du mir, so ich dir.« Ihr Kinn ruhte in der Mulde seiner Schulter. Er roch gut, bitter, nach dem Moschus seines gestillten Verlangens. »Also, erzähl mir einen von deinen Träumen.«

Ein Lachen vibrierte fast geräuschlos in seiner Brust, doch sie spürte es.

»Nur einen?«

»Ja, aber es muss ein wichtiger sein. Kein Traum vom Fliegen, keiner, in dem du von einem Monster gejagt wirst, und keiner von denen, in denen du ohne Kleider in die Schule gehst. Keiner von denen, die jeder träumt – einen, den nur du hast.«

Mit der einen Hand kratzte sie ihm sanft über die Brust, so dass sich seine dunklen, gelockten Haare zuckend aufstellten. Die andere lag unter dem Kissen; wenn sie ihre Finger vorsichtig bewegte, konnte sie die glatten Umrisse des kleinen Weibleins spüren, wie er es nannte. Sie konnte sich vorstellen, wie ihr eigener Bauch anschwoll, rund und hart. Sie konnte das sanfte Anspannen und Entkrampfen in ihrem Unterleib spüren; Nachbeben ihres Höhepunktes. Würde es diesmal geschehen?

Er verdrehte den Kopf auf dem Kissen und überlegte. Seine langen Wimpern lagen auf seiner Wange, so schwarz wie die Umrisse der Bäume im Freien. Dann drehte er sich zurück, hob seine Lider, und seine Augen hatten die Farbe des Mooses, sanft und lebhaft im Schattenlicht.

»Ich könnte jetzt den Romantiker spielen«, flüsterte er. Seine Finger wanderten über ihren Rücken, und sie spürte die Gänsehaut, die ihnen folgte. »Ich könnte sagen, das hier ist mein Traum – du und ich, hier allein … wir und unsere Kinder.« Er wandte den Kopf leicht zur Seite und warf einen prüfenden Blick auf das Rollbett in der Ecke, aber Jemmy schlief tief und fest und war nicht zu sehen.

»Das könntest du«, sagte sie und senkte den Kopf, so dass sich ihre Stirn gegen seine Schulter presste. »Aber das ist ein Tagtraum – kein richtiger Traum. Du weißt schon, was ich meine.«

»Aye, das stimmt.«

Er schwieg eine Minute, und seine Hand lag reglos da, breit und warm in ihrem Kreuz.

»Manchmal«, flüsterte er schließlich, »manchmal träume ich, dass ich singe, und wenn ich dann aufwache, schmerzt mein Hals.«

Er konnte ihr Gesicht und die Tränen, die in ihren Augenwinkeln aufstiegen, nicht sehen.

»Was singst du denn?«, erwiderte sie. Sie hörte das Kissen rascheln, als er den Kopf schüttelte.

»Kein Lied, das ich je gehört hätte oder das ich kennen würde«, sagte er leise. »Aber ich weiß, dass ich es für dich singe.«

Kapitel 106

Das Logbuch des Chirurgen II

27. Juli 1772

Wurde vom Buttern fortgerufen, um nach Rosamund Lindsay zu sehen, die am späten Nachmittag mit einer tiefen Schnittwunde in der linken Hand eintraf, die sie sich beim Ringeln eines Baumes zugezogen hatte. Die Wunde war tief; der linke Daumen war fast abgetrennt, und der Schnitt reichte von der Zeigefingerwurzel bis zu einer Stelle fünf Zentimeter oberhalb des Griffelfortsatzes der Speiche, der oberflächlich beschädigt wurde. Die Patientin hatte sich die Verletzung etwa drei Tage zuvor zugezogen und sie grob verbunden und Schweineschmalz aufgetragen. Schwere Sepsis unübersehbar, Eiterbildung, heftige Schwellung von Hand und Unterarm; charakteristischer, durchdringender Geruch. Rote Streifen im Gewebe deuten auf Blutvergiftung hin und erstrecken sich von der Verletzung fast bis zum Antecubitus.

Patientin mit hohem Fieber vorgestellt (40 Grad C, manuell geschätzt), Austrocknungssymptome, leichte Desorientierung. Deutliche Tachykardie.

Da die Lage der Patientin ausgesprochen ernst war, empfahl ich die sofortige Amputation des Gliedes am Ellbogen. Die Patientin weigerte sich, dies in Betracht zu ziehen und bestand stattdessen auf Anwendung eines Taubenumschlages, bestehend aus dem halbierten Körper einer frisch geschlachteten Taube, der auf die Wunde aufgelegt werden sollte (der Ehemann der Patientin hatte eine Taube mitgebracht, der er gerade den Hals umgedreht hatte). Nahm den Daumen an der Wurzel des Mittelhandknochens ab, band die Überreste der Speichenarterie (die bei dem Unfall zerquetscht worden war) und der superficialis volae ab. Debridement und Drainage der Wunde, oberflächliches Auftragen etwa einer viertel Unze rohen Penizillinpulvers (Herkunft: verrottete Wintermelonenrinde, Partie Nr. 23, zubereit. 15/4/72), gefolgt von zerstampftem, rohem Knoblauch (drei Zehen), Berberitzensalbe – und dem Taubenumschlag, auf Beharren des Ehemannes, jedoch über dem Verband. Flößte der Patientin Flüssigkeit ein; fiebersenkende Mischung aus rotem Tausendgüldenkraut, Blutwurz und Hopfen; Wasser nach Belieben. Injizierte flüssige Penizillinlösung (Partie Nr. 23), IV, Dosierung: eine viertel Unze, gelöst in sterilem Wasser.

Rapide Verschlimmerung des Zustands der Patientin mit zunehmenden Symptomen der Desorientierung und des Deliriums, hohes Fieber. Auf Armen und Oberkörper zeigte sich heftiger Nesselausschlag. Versuchte, das Fieber mit wiederholten Kaltwasseranwendungen zu senken, ohne Erfolg. Da die Patientin inkohärent war, den Ehemann um Erlaubnis zur Amputation gebeten; diese wurde verweigert, da der Tod unmittelbar bevorzustehen schien und die Patientin »in einem Stück beerdigt zu werden wünschte«.

Wiederholte die Penizillininjektion. Die Patientin verlor kurz darauf das Bewusstsein und verstarb kurz vor dem Morgengrauen.

Ich tauchte meinen Gänsekiel frisch ein, zögerte dann aber und ließ die Tinte von seiner geschärften Spitze abtropfen. Wie viel mehr sollte ich sagen?

Meine tief gehende Veranlagung zu wissenschaftlicher Gründlichkeit rang mit meiner Vorsicht. Es war wichtig zu beschreiben, was geschehen war, und zwar so vollständig wie möglich. Gleichzeitig zögerte ich jedoch, schriftlich niederzulegen, was möglicherweise dem Eingeständnis eines Totschlagsdeliktes gleichkam – es war kein Mord, so sagte ich mir, obwohl meine Schuldgefühle da keinen Unterschied sahen.

»Gefühle sind nicht die Wahrheit«, murmelte ich. Auf der anderen Seite des Zimmers blickte Brianna von dem Brot auf, das sie gerade in Scheiben schnitt, doch ich beugte meinen Kopf über das Buch, und sie nahm ihre flüsternde Unterhaltung mit Marsali wieder auf. Es war noch früh am Nachmittag, aber draußen war es dunkel und regnerisch. Ich hatte mir zum Schreiben eine Kerze angezündet, doch die Hände der Mädchen huschten im Zwielicht über den Tisch wie Motten, die hier und dort zwischen den Tellern und Platten landeten.

Die Wahrheit war, dass ich nicht glaubte, dass Rosamund Lindsay an einer Blutvergiftung gestorben war. Ich war mir ziemlich sicher, dass sie an einer akuten Reaktion auf eine ungereinigte Penizillinmixtur gestorben war – kurz, an der Arznei, die ich ihr verabreicht hatte. Natürlich entsprach es genauso der Wahrheit, dass die Blutvergiftung sie umgebracht hätte, wenn sie unbehandelt geblieben wäre.

Außerdem war es die Wahrheit, dass ich nicht im Voraus wissen konnte, welche Wirkung das Penizillin haben würde – aber genau darum ging es doch, oder? Sicherzustellen, dass es jemand anders nach Möglichkeit wusste?

Ich spielte mit dem Federkiel, den ich zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her drehte. Ich hatte über meine Penizillinexperimente akribisch Protokoll geführt – über die Kulturen, die ich auf Medien gezüchtet hatte, die von Brot bis hin zu vorgekautem Paw-Paw und vergammelter Melonenrinde reichten, hatte haargenau beschrieben, wie man die Penicillium-Schimmelarten unter dem Mikroskop und mit bloßem Auge erkannte und welche Wirkung ihre – bis jetzt – ausgesprochen begrenzte Anwendung zeigte.

Ja, natürlich musste ich die Wirkung beschreiben. Doch die eigentliche Frage war – für wen erstellte ich dieses sorgfältige Protokoll?

Ich nagte nachdenklich an meiner Unterlippe. Wenn dies nur ein Nachschlagewerk für meinen eigenen Gebrauch war, dann war es einfach; ich konnte schlicht die Symptome, den zeitlichen Ablauf und die Wirkung festhalten, ohne die Todesursache explizit zu notieren; es war schließlich sowieso nicht sehr wahrscheinlich, dass ich die Umstände je vergessen würde. Doch wenn diese Aufzeichnungen einmal jemand anderem nutzen sollten … jemandem, der keine Ahnung von den Segnungen und Gefahren eines Antibiotikums hatte …

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