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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Als wir diesen erreichten, erkannte ich, dass etwas nicht stimmte. Eine unheimliche Stille hing über dem Haus; man hörte keine Dienstboten durch das Haus huschen, es erklang keine Musik im Salon, und man roch kein Abendessen, das aus dem Küchenhaus geholt wurde. Das Merkwürdigste aber war, dass Ulysses nicht da war, um uns zu begrüßen; auf unser Klopfen reagierte mehrere Minuten lang niemand, und als die Tür schließlich geöffnet wurde, war es Phaedre, Jocastas Leibdienerin, die erschien.

Sie hatte furchtbar ausgesehen, als ich sie das letzte Mal gesehen hatte, fast ein Jahr zuvor, nach dem Tod ihrer Mutter. Jetzt sah sie nicht viel besser aus; sie hatte Ränder unter den Augen, und ihre Haut sah verfärbt und runzelig aus wie die Schale einer Frucht, die zu verderben beginnt.

Doch als sie uns sah, leuchteten ihre Augen auf, und ihr Mund entspannte sich in sichtlicher Erleichterung.

»Oh, Mr. Jamie!«, rief sie aus. »Ich habe so gebetet, dass uns jemand zu Hilfe kommt, schon seit gestern; aber ich habe gedacht, es ist bestimmt Mr. Farquard, und vielleicht bekommen wir dann noch größere Schwierigkeiten, weil er doch so auf das Gesetz achtet, auch wenn er ein Freund Eurer Tante ist.«

Jamie zog bei dieser arg verworrenen Erklärung eine Augenbraue hoch, nickte aber beruhigend und drückte ihr die Hand.

»Aye, Kleine. Ich glaube zwar nicht, dass ich je zuvor die Erhörung eines Gebetes gewesen bin, aber ich habe auch nichts dagegen. Ist meine Tante … gesund?«

»O ja, Sir – ihr geht es bestens.«

Sie setzte sich rückwärts in Bewegung, bevor wir weitere Fragen stellen konnten, und dirigierte uns mit einer Geste zur Treppe.

Jocasta saß in ihrem Boudoir und strickte. Beim Klang unserer Schritte hob sie aufmerksam den Kopf, und bevor jemand ein Wort sagen konnte, fragte sie mit zitternder Stimme »Jamie?« und stand auf. Selbst aus der Entfernung konnte ich sehen, dass ihre Strickarbeit Fehler hatte, weil sie einzelne Maschen übersprungen oder fallen gelassen hatte. Das sah ihren üblichen, präzisen Handarbeiten gar nicht ähnlich.

»Aye, ich bin’s, Tante Jocasta. Und Claire. Was ist denn geschehen?« Er durchquerte mit zwei Schritten das Zimmer, trat an ihre Seite, ergriff ihren Arm und tätschelte ihr die Hand.

Ihr Gesicht durchlief dieselbe Veränderung zur Erleichterung, die wir schon bei Phaedre gesehen hatten, und einen Moment lang dachte ich, dass ihr die Knie versagen würden. Doch sie richtete sich gerade auf und wandte sich mir zu.

»Claire? Der Heiligen Bride sei Dank, dass du hier bist, obwohl ich mich frage – nun, das spielt jetzt keine Rolle. Kommst du mit? Duncan ist verletzt.«

Duncan lag im Nebenzimmer im Bett, reglos unter einem Berg von Bettdecken. Im ersten Moment fürchtete ich schon, er könnte tot sein, doch beim Klang von Jocastas Stimme regte er sich.

»Mac Dubh?«, sagte er verwundert. Er steckte den Kopf aus dem Deckenberg hervor und kniff die Augen zusammen, um im Zwielicht des Zimmers etwas zu sehen. »Was in Gottes Namen führt dich denn hier her?«

»Leutnant Wolff«, sagte Jamie etwas sarkastisch. »Kommt dir der Name vielleicht bekannt vor?«

»Aye, das könnte man so sagen.« Duncans Stimme hatte einen etwas merkwürdigen Unterton, doch ich achtete nicht weiter darauf, weil ich damit beschäftigt war, die Kerzen anzuzünden und ihn so weit aus der Bettwäsche auszugraben, dass ich herausfinden konnte, was los war.

Eigentlich war ich auf einen Messerstich oder eine Schusswunde vorbereitet. Doch auf den ersten Blick war nichts dergleichen zu sehen, und ich musste mich erst geistig umstellen, bevor ich entdeckte, dass er ein gebrochenes Bein hatte. Zum Glück war es ein einfacher Bruch im unteren Teil des Schienbeins, der sicherlich schmerzhaft war, jedoch keine große Bedrohung für seine Gesundheit darzustellen schien.

Ich schickte Phaedre los, um Material zum Schienen zu suchen, während Jamie, der sich inzwischen davon überzeugt hatte, dass Duncan nicht besonders gefährdet war, sich hinsetzte, um der Sache auf den Grund zu gehen.

»Ist er hier gewesen? Leutnant Wolff?«, fragte er.

»Aye, das ist er.« Erneut das leichte Zögern.

»Dann ist er also nicht mehr da?«

»Oh, nein.« Ein leiser Schauer durchfuhr Duncan unwillkürlich.

»Tut das weh?«, fragte ich.

»Oh, nein, Mrs. Claire«, versicherte er mir. »Es ist nur – nun ja …«

»Vielleicht erzählst du es mir besser gleich, Duncan«, sagte Jamie im Tonfall leichter Ungeduld. »Ich glaube nicht, dass es eine Geschichte ist, die durch lange Lagerung gewinnt, aye? Und wenn es die Art von Geschichte ist, die ich glaube, dann habe ich dir auch etwas zu erzählen.«

Duncan betrachtete ihn mit zusammengekniffenen Augen, kapitulierte dann aber seufzend und legte sich auf das Kissen zurück.

Der Leutnant war vor zwei Tagen auf River Run eingetroffen, war jedoch nicht wie üblich zum Haupteingang gekommen, um sich anmelden zu lassen. Stattdessen hatte er sein Pferd mit gefesselten Vorderbeinen eine Meile vom Haus entfernt auf einem Feld zurückgelassen und sich zu Fuß angeschlichen.

»Das wissen wir auch nur, weil wir das Pferd später gefunden haben«, erklärte Duncan an mich gewandt, während ich ihm das Bein verband. »Ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass er hier war, bis ich nach dem Abendessen zum Abort gegangen bin und er im Dunkeln über mich hergefallen ist. Ich bin vor Schreck fast gestorben, und dann bin ich fast an einem Schuss gestorben, denn er hat auf mich gefeuert, und hätte ich an der Seite einen Arm gehabt, so hätte er ihn mit Sicherheit getroffen. Ich hatte aber keinen, also ist nichts passiert.«

Trotz seiner Behinderung hatte sich Duncan heftig gewehrt, den Leutnant ins Gesicht geschlagen und ihn zum Zurückweichen gezwungen.

»Er ist gestolpert und über die Ziegelmauer gestürzt, und dann ist er hintenüber gefallen und hat sich fürchterlich den Schädel gestoßen.« Bei der Erinnerung an das Geräusch erschauerte er erneut. »Wie, wenn man mit der Axt eine Melone trifft, so war es.«

»Och, aye. Und ist er sofort tot gewesen?«, fragte Jamie interessiert.

»Nun, nein.« Duncan war während seiner Erzählung etwas lockerer geworden, doch jetzt nahm er wieder ein beklommenes Aussehen an. »Weißt du, Mac Dubh, jetzt kommt das Dumme an der Sache. Denn ich bin auch gestolpert, als ich ihn niedergeschlagen habe, und ich bin in die Steinrinne getreten, die aus dem Abort kommt, und habe mir das Bein abgeknickt, und da lag ich nun stöhnend am Wegrand. Schließlich hat Ulysses mich rufen gehört und ist zu mir gekommen, und Jo hinterher.«

Duncan hatte Jocasta erzählt, was geschehen war, und Ulysses hatte ein paar Stallknechte geholt, die ihm helfen sollten, Duncan ins Haus zu tragen. Und da ihn sein gebrochenes Bein sehr schmerzte und er es überdies gewohnt war, die Lösung von Schwierigkeiten dem Butler zu überlassen, hatte er ihm auch den Leutnant überlassen.

»Es war meine Schuld, Mac Dubh, das weiß ich genau«, sagte er mit verkrampftem, bleichem Gesicht. »Ich hätte irgendwelche Anordnungen erteilen sollen, obwohl mir bis heute nicht klar ist, was ich hätte sagen sollen, und ich habe wirklich genug Zeit gehabt, es mir zu überlegen.«

Der Rest der Geschichte, den er sich widerstrebend entlocken ließ, bestand darin, dass Jocasta und Ulysses offenbar die Angelegenheit beredet hatten und zu dem Schluss gekommen waren, dass der Leutnant nicht länger nur ein Ärgernis war, sondern eine regelrechte Bedrohung darstellte. Und da das so war …

»Ulysses hat ihn umgebracht«, sagte Duncan unverblümt, dann hielt er inne, als sei er von neuem entsetzt. Er schluckte und zog ein zutiefst unglückliches Gesicht. »Jo sagt, sie hat es ihm befohlen – und der Himmel weiß, Mac Dubh, dass es ihr zuzutrauen ist. Sie ist keine Frau, die sich auf der Nase herumtanzen lässt, ganz zu schweigen davon, ihre Dienstboten ermorden, sich selbst bedrohen und ihren Mann überfallen zu lassen.«

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