Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Rawlings hatte nie Medizin studiert. Und selbst wenn, wären viele seiner Techniken für meine Verhältnisse schockierend gewesen. Mein Mund verzog sich bei dem Gedanken an einige der Behandlungsmethoden, die ich auf diesen dicht gefüllten Seiten beschrieben gesehen hatte – Infusionen von flüssigem Quecksilber, um Syphilis zu heilen, Schröpfen und Blistern bei epileptischen Anfällen, Aderlass bei Beschwerden aller Art, von der Verstopfung bis zur Impotenz.
Und trotzdem war Daniel Rawlings Arzt gewesen. Wenn ich seine Fallbeschreibungen las, konnte ich seine Sorge um seine Patienten spüren, seine Neugier in Bezug auf die Geheimnisse des Körpers.
Impulsiv blätterte ich zu den Seiten mit Rawlings’ Notizen zurück. Vielleicht suchte ich nur Aufschub, um mein Unterbewusstsein eine Entscheidung treffen zu lassen – oder vielleicht hatte ich ja das Bedürfnis, irgendwie mit jemandem zu kommunizieren, mit einem anderen Arzt, jemandem wie mir.
Jemandem wie mir. Ich starrte auf die Seite mit der kleinen, sauberen Handschrift, den ordentlichen Illustrationen, ohne jedoch die Details zu sehen. Wer konnte schon so sein wie ich?
Niemand. Ich hatte mir schon früher darüber Gedanken gemacht, aber nur ganz vage, wie man ein Problem überdenkt, dessen Existenz einem zwar bewusst ist, das aber nicht dringend ist. In der Kolonie North Carolina gab es meines Wissens nur einen einzigen, offiziell designierten »Doktor« – Fentiman. Ich prustete verächtlich und trank noch einen Schluck Tee. Dann doch lieber Murray MacLeod und seine Wunderheilmittel – die waren wenigstens zum Großteil harmlos.
Ich nippte an meinem Tee und dachte an Rosamund. Die schlichte Wahrheit war, dass auch ich nicht ewig leben würde. Mit etwas Glück blieb mir noch reichlich Zeit – aber dennoch würde es nicht ewig sein. Ich musste jemanden finden, dem ich zumindest die Grundzüge meines Wissens weitergeben konnte.
Ein unterdrücktes Kichern vom Tisch, wo die Mädchen über den Sülzetöpfchen, den Schüsseln mit Sauerkraut und gekochten Kartoffeln die Köpfe zusammensteckten. Nein, dachte ich bedauernd. Nicht Brianna.
Sie wäre die logische Wahl gewesen; immerhin wusste sie, was moderne Medizin war. Bei ihr brauchte ich weder Unwissen noch Aberglauben zu überwinden, sie brauchte ich nicht von den Vorteilen der Sterilität zu überzeugen, von den Gefahren der Keime. Doch ihr fehlte die angeborene Neigung, der Heilerinstinkt. Sie war nicht zimperlich und hatte auch keine Angst vor Blut – sie hatte mir schon bei zahlreichen Geburten und kleineren Operationen assistiert –, und doch fehlte es ihr an jener speziellen Mischung aus Mitgefühl und Rücksichtslosigkeit, die für einen Arzt unabdingbar ist.
Vielleicht war sie ja mehr Jamies Kind als das meine, überlegte ich, während ich zusah, wie der Feuerschein in ihrem Haar Wellen warf, wenn sie sich bewegte. Sie besaß seinen Mut, seine große Zärtlichkeit – doch es war der Mut eines Kriegers, die Zärtlichkeit einer Stärke, die zerstören konnte, wenn sie sich dazu entschloss. Es war mir nicht gelungen, ihr meine Gabe mitzugeben; das Wissen um Blut und Knochen, um die geheimen Wirkungsweisen der Kammern des Herzens.
Brianna hob abrupt den Kopf und wandte ihn zur Tür. Etwas langsamer wandte sich auch Marsali um und lauschte.
Im Getrommel des Regens war sie kaum zu hören, doch da ich wusste, dass sie da war, konnte ich sie ausmachen – eine Männerstimme, die sich singend erhoben hatte. Eine Pause, und dann als Antwort ein schwaches Dröhnen, das entfernter Donner hätte sein können, es aber nicht war. Die Männer kamen von der Hütte auf dem Berg herunter.
Kenny Lindsay hatte Roger gebeten, das caithris für Rosamund zu singen; die formelle gälische Totenklage. »Sie war zwar keine Schottin«, hatte Kenny gesagt und sich über die Augen gewischt, die von Tränen und einer langen, durchwachten Nacht gerötet waren. »Nicht einmal gottesgläubig. Aber sie hat so gern gesungen, und Eure Sangeskünste sehr bewundert, MacKenzie.«
Roger hatte noch nie ein caithris gesungen, und ich wusste auch, dass er noch nie eins gehört hatte. »Keine Sorge«, hatte Jamie ihm zugemurmelt und ihm die Hand auf den Arm gelegt, »es reicht, wenn’s schön laut ist.« Roger hatte den Kopf in ernster Zustimmung gesenkt und war mit Jamie und Kenny zum Mälzboden gegangen, um dort mit ihnen Whisky zu trinken und so viel wie möglich über Rosamunds Leben zu erfahren, damit er ihren Tod besser beklagen konnte.
Der heisere Gesang verstummte; der Wind hatte sich gedreht. Es lag an dem Sturm, dass wir sie so früh gehört hatten – sie waren jetzt wohl bergab unterwegs, um die Trauergäste aus den verstreuten Blockhütten abzuholen und sie dann in einer Prozession zum Haus hinaufzuführen, wo sie die ganze Nacht feiern und singen und sich Geschichten erzählen würden.
Bei diesem Gedanken gähnte ich unwillkürlich so herzhaft, dass mein Kiefer knackte. Das würde ich niemals durchhalten, dachte ich bestürzt. Ich hatte am Morgen ein paar Stunden geschlafen, aber nicht so lange, dass es für eine ausgewachsene gälische Totenwache nebst Begräbnisfeier reichen würde. Im Morgengrauen würde der Fußboden mit Schläfern übersät sein, die nach Whisky und feuchten Kleidern rochen.
Blinzelnd gähnte ich erneut, und als ich dann den Kopf schüttelte, um ihn wieder klar zu bekommen, verschwamm es mir vor den Augen. Jeder Knochen meines Körpers schmerzte vor Erschöpfung, und es gab nichts, was ich mir sehnlicher wünschte, als für ein paar Tage ins Bett zu gehen.
In meine Gedanken vertieft, hatte ich nicht bemerkt, dass Brianna zu mir gekommen war und sich hinter mich gestellt hatte. Ihre Hände senkten sich auf meine Schultern, und sie trat noch näher an mich heran, so dass ich die Wärme ihrer Berührung spürte. Marsali war gegangen; wir waren allein. Sie begann, mir die Schultern zu massieren, und ihre langen Daumen bewegten sich langsam an meinen Halsmuskeln aufwärts. »Müde?« fragte sie.
»Mm. Geht so«, sagte ich. Ich schloss das Buch, lehnte mich zurück und gab mich für den Augenblick der schieren Entspannung hin, die ihre Berührung brachte. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich so verkrampft gewesen war.
Das große Zimmer war still und aufgeräumt, bereit für die Totenwache. Mrs. Bug kümmerte sich um das Barbecue. Die Mädchen hatten ein Kerzenpaar angezündet, an jedem Ende des schwer beladenen Tisches eine, und als sich die Kerzenflammen jetzt einem plötzlichen Luftzug beugten, huschten Schatten über die weiß gekälkten Wände und den stillen Sarg.
»Ich glaube, ich habe sie umgebracht«, sagte ich plötzlich, ohne es vorgehabt zu haben. »Es war das Penizillin, woran sie gestorben ist.«
Die langen Finger unterbrachen ihre lindernde Bewegung nicht.
»Ach ja?«, murmelte sie. »Aber dir ist doch nichts anderes übrig geblieben, oder?«
»Nein.«
Ein leiser Schauer der Erleichterung durchlief mich, nicht nur in Folge des direkten Geständnisses, sondern auch, weil sich die schmerzhaften Verspannungen in meinem Hals und meinen Schultern allmählich lösten.
»Schon gut«, sagte sie leise, während sie mich massierte und streichelte. »Sie wäre doch sowieso gestorben, oder? Es ist traurig, aber du hast nichts Falsches getan. Das weißt du doch.«
»Ja, ich weiß.« Zu meiner Überraschung lief mir eine einzelne Träne über die Wange und tropfte auf die Buchseite, deren Papier an der Stelle aufquoll. Ich kniff die Augen fest zu und rang um meine Selbstbeherrschung. Ich wollte Brianna nicht nervös machen.
Sie war nicht nervös. Ihre Hände hoben sich von meinen Schultern, und ich hörte die Beine eines Hockers über den Boden schaben. Dann legte sie die Arme um mich, und ich ließ mich von ihr nach hinten ziehen, bis mein Kopf direkt unter ihrem Kinn ruhte. Sie hielt mich einfach nur fest, überließ mich dem beruhigenden Heben und Senken ihrer Atmung.