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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Ja, darauf möchte ich wetten, dachte sie, lächelte aber freundlich weiter. Sie konnte spüren, wie Roger an ihrer Seite Lord Johns Gruß kopfnickend und mit einigen Worten erwiderte, während er sich alle Mühe gab, den jungen Mann nicht anzustarren.

»Mein Sohn«, sagte Lord John jetzt. »William, Graf Ellesmere.« Er sah sie scharf an, als verbäte er sich jedes Wort. »Darf ich dir Mr. Roger MacKenzie vorstellen, William? Und seine Frau?«

»Sir. Mrs. MacKenzie.« Ehe sie begriff, was er vorhatte, nahm der junge Mann ihre Hand. Er beugte sich dicht darüber und drückte ihr einen kleinen, formellen Kuss auf den Handrücken.

Fast hätte sie aufgekeucht, als sie seinen Atem so unerwartet auf ihrer Haut spürte, doch stattdessen drückte sie ihm nur die Hand, sehr viel fester, als sie es vorgehabt hatte. Zuerst wirkte er verwirrt, befreite sich dann jedoch einigermaßen elegant. Er war viel jünger, als sie im ersten Moment gedacht hatte; es waren seine Uniform und seine selbstbewusste Ausstrahlung, die ihn älter erscheinen ließen. Seine klaren Gesichtszüge legten sich schwach in Falten, als er sie jetzt ansah – als versuchte er, sie irgendwo einzuordnen.

»Ich glaube …«, begann er zögernd. »Sind wir uns schon einmal begegnet, Mrs. MacKenzie?«

»Nein«, sagte sie und war erstaunt, dass ihre Stimme ganz normal klang. »Nein, ich fürchte, nicht. Daran würde ich mich erinnern.« Sie warf einen vernichtenden Blick zu Lord John hinüber, der leicht grün im Gesicht geworden war.

Doch Lord John war auch einmal Soldat gewesen. Er riss sich mit sichtlicher Mühe zusammen und legte William die Hand auf den Arm.

»Am besten gehst du und siehst nach deinen Männern, William«, sagte er. »Wollen wir später zusammen essen?«

»Ich bin mit dem Oberst zum Essen verabredet, Vater«, sagte William. »Aber ich bin sicher, dass er nichts dagegen hätte, wenn du dich uns anschließen würdest. Allerdings kann es sein, dass es ziemlich spät wird«, fügte er hinzu. »Wie ich höre, ist für morgen früh eine Exekution angesetzt, und meine Männer sollen sich bereithalten für den Fall, dass es Unruhe in der Stadt gibt. Es wird einige Zeit dauern, bis alle untergebracht sind und alles organisiert ist.«

»Unruhe.« Lord John betrachtete sie über Williams Schulter hinweg. »Rechnet man denn mit Unruhe?«

William zuckte mit den Achseln.

»Ich weiß es nicht, Vater. Anscheinend ist es jedoch keine politische Angelegenheit, sondern nur ein Pirat. Ich glaube nicht, dass es Ärger gibt.«

»Heutzutage ist alles eine politische Angelegenheit, Willie«, wies sein Vater ihn ziemlich scharf zurecht. »Vergiss das niemals. Und es ist stets klüger, auf Ärger vorbereitet zu sein, als unvorbereitet darauf zu treffen.«

Der junge Mann errötete schwach, behielt jedoch die Fassung.

»Absolut«, erwiderte er abgehackt. »Ich bin sicher, dass dir die Umstände hier auf eine Weise vertraut sind, wie sie es mir nicht sind. Ich danke dir für deinen Rat, Vater.« Er entspannte sich und wandte sich Brianna zu, um sich vor ihr zu verbeugen.

»Es freut mich, Eure Bekanntschaft gemacht zu haben, Mrs. MacKenzie. Euer Diener, Sir.« Er bedachte Roger mit einem Kopfnicken, wandte sich ab und schritt über den Kai davon. Dabei setzte er seinen Dreispitz auf, um sich die nötige Autorität zu verleihen.

Brianna holte tief Luft und hoffte, dass ihr bis zum Ausatmen etwas einfiel, was sie sagen konnte. Lord John war schneller.

»Ja«, sagte er einfach nur. »Natürlich ist er das.«

Aus dem Wirrwarr der Gedanken, Reaktionen und Emotionen, die sich in ihrem Hirn stauten, fischte sie die eine Frage heraus, die ihr in dieser Minute am wichtigsten erschien.

»Weiß meine Mutter es?«

»Weiß Jamie es?«, fragte Roger im selben Moment. Sie sah ihn überrascht an, und er erwiderte ihren Blick mit hochgezogener Augenbraue. Ja, natürlich konnte ein Mann ein Kind zeugen, ohne dass es ihm bewusst war. Er hatte es ja auch getan.

Lord John seufzte. Nachdem William gegangen war, hatte er sich ein wenig entspannt, und langsam kehrte seine natürliche Gesichtsfarbe zurück. Er war schon lange genug Soldat, um das Unvermeidliche zu erkennen, wenn es ihm begegnete.

»Sie wissen es beide, ja.«

»Wie alt ist er?«, fragte Roger abrupt. Lord John warf ihm einen scharfen Blick zu.

»Achtzehn. Und um Euch das Rückwärtsrechnen zu ersparen, es war 1758. An einem Ort namens Helwater, im Lake District.«

Brianna holte erneut Luft und stellte fest, dass es ihr schon leichter fiel.

»Okay. Es – er – dann war es also, bevor meine Mutter … zurückgekommen ist.«

»Ja. Aus Frankreich, angeblich. Wo Ihr, wie man mir sagt, geboren und aufgewachsen seid.« Er warf ihr einen stechenden Blick zu; er wusste, dass sie kaum ein Wort Französisch sprach.

Sie spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht stieg.

»Dies ist nicht der Zeitpunkt für Geheimnisse«, sagte sie. »Wenn Ihr wissen wollt, was mit meiner Mutter und mit mir ist, erzähle ich es Euch – aber Ihr werdet mir ebenso von ihm erzählen.« Sie wies mit einem wütenden Ruck ihres Kopfes zurück in Richtung des Wirtshauses. »Von meinem Bruder!«

Lord John spitzte die Lippen und betrachtete sie mit zusammengekniffenen Augen, während er überlegte. Schließlich nickte er.

»Es ist wohl nicht zu ändern. Nur eines noch – sind Eure Eltern hier in Wilmington?«

»Ja. Eigentlich …« Sie blickte auf und versuchte auszumachen, wo die Sonne am diesigen Küstenhimmel stand. Sie hing dicht über dem Horizont, eine Scheibe aus brennendem Gold. »Wir waren gerade unterwegs, um uns mit ihnen zum Essen zu treffen.«

»Hier?«

»Ja.«

Lord John drehte sich zu Roger um.

»Mr. MacKenzie. Ihr würdet mir einen großen Gefallen tun, Sir, wenn Ihr sofort Euren Schwiegervater suchen und ihn von der Anwesenheit des Neunten Grafen von Ellesmere in Kenntnis setzen würdet. Sagt ihm, ich verlasse mich darauf, dass ihm sein gesunder Menschenverstand befehlen wird, sich auf diese Nachricht hin sofort aus Wilmington zu entfernen.«

Roger starrte ihn einen Moment mit neugierig gewölbten Augenbrauen an.

»Graf von Ellesmere? Wie in aller Welt hat er das fertiggebracht?«

Lord John hatte nicht nur seine natürliche Farbe zurückerlangt, sondern noch ein wenig mehr. Er war deutlich rot im Gesicht.

»Das spielt jetzt keine Rolle! Würdet Ihr gehen? Jamie muss sofort die Stadt verlassen, bevor sie sich zufällig begegnen – oder bevor jemand beide unabhängig voneinander sieht und laut zu spekulieren beginnt.«

»Ich bezweifle, dass Jamie gehen wird«, sagte Roger, der Lord John jetzt seinerseits spekulierend betrachtete. »Jedenfalls nicht vor morgen.«

»Warum denn nicht?«, wollte Lord John wissen und blickte vom einen zum anderen. »Warum seid Ihr überhaupt alle hier? Es ist doch nicht die Exe– oh, guter Gott, sagt es mir nicht.« Er schlug sich die Hand vor das Gesicht und ließ sie langsam daran hinuntergleiten. Dabei starrte er mit der Miene eines Mannes, der die Grenzen des Erträglichen erreicht hat, zwischen den Fingern hindurch.

Brianna biss sich auf die Unterlippe. Als sie Lord John erspäht hatte, war sie nicht nur froh gewesen, sondern hatte sich sogar in ihrer Sorge ein klein wenig erleichtert gefühlt, weil sie darauf zählte, dass er ihr bei ihrem Plan helfen würde.

Doch angesichts dieser neuen Komplikation fühlte sie sich hin- und hergerissen. Sie fühlte sich nicht in der Lage, auch nur mit einer der beiden Situationen fertigzuwerden oder zusammenhängend darüber nachzudenken. Sie sah hilfesuchend zu Roger hinüber.

Er erwiderte ihren Blick, und es folgte der typische, lange, wortlose Gedankenaustausch Verheirateter. Dann nickte er und fällte die Entscheidung für sie.

»Ich gehe Jamie suchen. Du plauderst ein wenig mit Seiner Lordschaft, ja?«

Er beugte sich vor und küsste sie inbrünstig, dann wandte er sich ab und schritt über das Dock davon. Seine Körperhaltung ließ die Leute unbewusst beiseitetreten, um nicht von seinen Kleidern berührt zu werden.

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