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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Nun, ich hoffe, nicht, Tante Claire.« Sein ursprünglicher Jubel wich jetzt langsam einem gewissen Ausdruck der Sorge. »Du glaubst doch nicht, dass ich ihn mir ins Gehirn geschoben haben kann, oder?«

»Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Was in aller Welt –«

Doch unten hatte sich die Tür wieder geöffnet und geschlossen, und im Treppenhaus ertönte ein kurzer Ausbruch von Gerede und Gelächter. Jamie nahm zwei Stufen auf einmal und trat wieder ins Zimmer. Er roch nach heißem Brot und Ale, und er hielt eine kleine, zerbeulte Schnupftabaksdose in der Hand.

Diese wurde von Ian dankbar in Empfang genommen. Er streute sich rasch eine Prise schwarzer Staubkörner auf den Handrücken und atmete sie hastig ein.

Ein paar Sekunden lang hielten wir alle drei den Atem an – und dann kam es, ein gigantisches Niesen, das Ians ganzen Körper zurückschleuderte, während sein Kopf nach vorn flog –, und ein kleiner, harter Gegenstand landete mit einem Ping! auf dem Tisch und hüpfte in den Kamin.

Ian nieste in einer Salve hilfloser Explosionen weiter, doch Jamie und ich krochen auf den Knien in der Asche herum, ohne uns um den Schmutz zu kümmern.

»Ich habe ihn! Glaube ich«, fügte ich hinzu, während ich mich aufsetzte und die Asche in meiner Hand anblinzelte, in deren Mitte sich ein kleiner, runder, staubbedeckter Gegenstand befand.

»Aye, das ist er.« Jamie hob die vergessene Pinzette vom Tisch auf, nahm mir den Gegenstand vorsichtig aus der Hand und ließ ihn in mein Wasserglas fallen. Eine zarte Wolke aus Asche und Ruß schwebte an die Wasseroberfläche, um sich dort zu einem staubigen grauen Film zu sammeln. Darunter glitzerte uns der Gegenstand friedlich leuchtend an, und endlich kam seine Schönheit ans Tageslicht. Ein klarer Stein mit Facettenschliff, von der Farbe goldenen Sherrys, halb so groß wie mein Daumennagel.

»Chrysoberyl«, sagte Jamie leise und legte mir eine Hand auf den Rücken. Er warf einen Blick auf Mandys Korb. Ihre seidigen schwarzen Locken bewegten sich sanft im Lufthauch. »Meinst du, er ist brauchbar?«

Ian, dem nun das Wasser aus den Augen lief und der sich ein rotgeflecktes Taschentuch an seinen geplagten Rüssel hielt, trat keuchend zu mir, um mir einen Blick über die Schulter zu werfen.

»Ein Idiot also, ja?«, sagte er im Tonfall tiefster Genugtuung. »Ha!«

»Wo in aller Welt habt ihr ihn her? Oder vielmehr«, verbesserte ich mich, »wem habt ihr ihn gestohlen?«

»Neil Forbes.« Jamie nahm den Edelstein aus dem Glas und drehte ihn langsam zwischen den Fingern hin und her. »Die Jungs von der Sozietät waren ziemlich in der Überzahl, also sind wir über die Straße und um die Ecke gerannt, zwischen den Lagerhäusern hindurch.«

»Ich wusste, wo das von Forbes ist, aye, weil ich dort schon einmal war«, warf Ian ein. Eins von Mandys Füßchen ragte aus dem Korb; er berührte es mit der Fingerspitze an der Sohle und lächelte, als sie reflexiv die Zehen streckte. »Es hatte ein großes Loch an der Rückseite, wo jemand durch die Wand gebrochen war, und es war nur mit einem Stück Segeltuch zugenagelt. Das haben wir abgelöst und sind hineingekrochen.«

Und hatten sich direkt neben dem abgetrennten Raum wiedergefunden, den Forbes als Büro benutzte – und der zu dem Zeitpunkt verlassen gewesen war.

»Er hat in einer kleinen Schachtel auf dem Schreibtisch gelegen«, sagte Ian, der sich jetzt wieder neben uns stellte, um den Chrysoberyl voller Besitzerstolz zu betrachten. »Einfach so! Ich hatte ihn gerade in die Hand genommen, um ihn zu bewundern, als wir den Wachmann kommen hörten. Also –« Er zuckte mit den Achseln und sah mich lächelnd an, und das Glück verwandelte seine gewöhnlichen Gesichtszüge.

»Und ihr glaubt, der Wachmann wird ihm nicht erzählen, dass ihr da wart?«, fragte ich skeptisch. Die beiden waren an Auffälligkeit doch kaum zu übertreffen.

»Oh, ich gehe davon aus, dass er das tut.« Jamie beugte sich über Mandys Korb und hielt den Chrysoberyl mit Daumen und Zeigefinger fest. »Sieh nur, was Opa und Onkel Ian dir mitgebracht haben, a muirninn«, sagte er leise.

»Wir haben beschlossen, dass es immer noch ein geringer Ausgleich für das ist, was er Brianna angetan hat«, sagte Ian jetzt ein wenig ernüchtert. »Ich vermute, dass Mr. Forbes das ebenfalls akzeptabel finden wird. Und wenn nicht –« Er lächelte erneut, wenn auch diesmal ohne Freude, und legte die Hand an sein Messer. »Er hat ja schließlich noch ein Ohr.«

Ganz langsam hob sich eine winzige Faust aus dem Netz und krümmte die Finger, die nach dem Stein griffen.

»Schläft sie noch?«, flüsterte ich. Jamie nickte und zog sanft den Stein fort.

Auf der anderen Seite des Tischs starrte der Fisch entsagungsvoll zur Decke, ohne uns zu beachten.

Kapitel 116

Der Neunte Graf von Ellesmere

9. Juli 1776

Das Wasser wird nicht kalt sein.«

Sie hatte es automatisch gesagt, ohne nachzudenken.

»Ich glaube nicht, dass das eine Rolle spielt.« In Rogers Wange zuckte ein Nerv, und er wandte sich abrupt ab. Sie streckte die Hand aus und berührte ihn vorsichtig, als wäre er eine Bombe, die explodieren könnte, wenn man sie anstieß. Er sah sie an und zögerte, dann ergriff er mit einem kleinen, schiefen Lächeln die Hand, die sie ihm hinhielt.

»Tut mir leid«, sagte er.

»Mir tut es auch leid«, sagte sie leise. Sie standen dicht beieinander und sahen mit verschlungenen Fingern zu, wie sich die Flut von dem schmalen Strand zurückzog und mit jedem Schwappen der kleinen Wellen ein Zentimeter mehr freigelegt wurde.

Die Schlammbänke lagen grau und trostlos im Abendlicht, übersät mit Kieseln und rostfleckig vom torfigen Wasser des Flusses. Bei Ebbe war das Wasser des Hafens braun und übelriechend. Wenn die Flut kam, floss das klare graue Wasser des Ozeans herein, strömte den Cape Fear aufwärts und überschwemmte die Schlammbänke und alles, was sich darauf befand.

»Dort drüben«, flüsterte sie, obwohl niemand in ihrer Nähe war, der sie hätte hören können. Sie legte den Kopf schief und wies auf eine Gruppe verwitterter Anlegepfosten, die tief in den Schlamm gerammt waren. An einem war eine Jolle angebunden, an einem anderen zwei der vierrudrigen »Libellen«, die überall im Hafen verkehrten.

»Bist du sicher?« Er verlagerte das Gewicht auf sein anderes Bein und spähte am Ufer auf und ab.

Der schmale Strand senkte sich zu einem kalten Kiesstreifen, der von der Ebbe nackt und glänzend zurückgelassen worden war. Kleine Krebse hasteten darüber hinweg, um keine Sekunde der Futtersuche zu verlieren.

»Ganz sicher. Die Leute im Blue Boar haben sich darüber unterhalten. Ein Reisender hat gefragt, wo, und Mrs. Smoots hat gesagt, bei den alten Anlegern in der Nähe der Lagerhäuser.« Eine tote Flunder lag zerfetzt auf den Felsen, ihr weißes Fleisch sauber gespült und blutleer. Die kleinen Krebse pickten und rupften geschäftig daran herum; ihre winzigen Kiefer klafften und schluckten und schnappten sich das nächste Bröckchen. Sie spürte, wie es ihr bei diesem Anblick hochkam, und schluckte krampfhaft. Es würde keine Rolle spielen, was danach kam; das wusste sie. Aber dennoch …

Roger nickte geistesabwesend. Er kniff die Augen gegen den Hafenwind zu und berechnete die Entfernung.

»Ich nehme an, es wird einen ziemlichen Massenauflauf geben.«

Es war schon recht voll; die Gezeitenwende war erst in einer Stunde, aber überall strömten die Leute zu zweit, zu dritt und zu viert zum Hafen, blieben im Windschatten der Handelshäuser stehen, um ein Pfeifchen zu rauchen, und setzten sich auf Fässer mit Salzfisch, um sich gestikulierend zu unterhalten. Mrs. Smoots hatte recht gehabt; einige zeigten ihren weniger ortskundigen Begleitern die Anlegepfosten.

Roger schüttelte den Kopf.

»Wir werden diese Seite nehmen müssen; von dort kann man am besten sehen.« Er wies kopfnickend auf die andere Seite der inneren Hafenmauer, wo sich drei Schiffe am Hauptkai wiegten. »Von einem dieser Schiffe aus? Was meinst du?«

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