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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Das wusste ich. Aber leider ist Wissen nicht zwangsläufig Macht. Und Wünschen hilft auch nicht zuverlässig. Nicht ich würde es sein, die meine kostbare Enkeltochter rettete.

Würde sie jemand retten?, fragte ich mich und ergab mich einen Moment den finsteren Gedanken, gegen die ich mich aus Leibeskräften wehrte, solange jemand in der Nähe war. Es war möglich, dass Jemmy unrecht hatte. Jedes Baby würde nach einem bunten Glitzerding wie dem Rubin greifen – aber dann fiel mir wieder ein, wie sie begeistert nach dem gammeligen Lederbeutel mit dem Rohsaphir gefischt hatte.

Vielleicht. Ich wollte nicht über die Gefahren der Passage nachdenken – oder über die Gewissheit der Trennung für immer, ganz gleich, ob ihnen die Reise durch die Steine gelang oder nicht.

Ich hörte Lärm im Freien und entdeckte weit draußen die Masten eines großen Schiffs. Und noch eines, noch weiter draußen. Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Es waren Ozeansegler, nicht die kleinen Paket- und Fischerboote, die an der Küste auf und ab fuhren. War es möglich, dass sie zu der Flotte gehörten, die man als Antwort auf Gouverneur Martins Bitte geschickt hatte, ihm bei der Niederwerfung und Rückeroberung der Kolonie zu helfen? Das erste Schiff dieser Flotte war Ende April am Cape Fear eingetroffen – doch die Soldaten, die damit gekommen waren, hatten sich bedeckt gehalten und warteten auf den Rest.

Ich beobachtete sie eine Weile, doch die Schiffe kamen nicht näher. Vielleicht blieben sie absichtlich liegen und warteten auf den Rest der Flotte? Vielleicht waren es ja auch gar keine britischen Schiffe, sondern Amerikaner, die der britischen Blockade in New England auswichen, indem sie sich südlich hielten.

Von Prusten und Kichern begleitetes Männergetrampel auf der Treppe lenkte mich von meinen Gedanken ab.

Es waren eindeutig Jamie und Ian, obwohl ich nicht verstehen konnte, was der Grund für so viel Ausgelassenheit war. Als ich sie zuletzt gesehen hatte, waren sie zu den Docks unterwegs gewesen, weil sie den Auftrag hatten, eine Ladung Tabakblätter gegen Pfeffer, Salz, Zucker, Zimt – falls auffindbar – und Nadeln – um einiges schwerer zu finden als Zimt – für Mrs. Bug einzutauschen und irgendeinen großen, essbaren Fisch zum Abendessen zu besorgen.

Den Fisch hatten sie zumindest, eine große Königsmakrele. Jamie trug ihn am Schwanz, denn egal worin er eingewickelt gewesen war, es war offensichtlich bei einer Art Zwischenfall verlorengegangen. Sein Zopf hatte sich aufgelöst, so dass sich lange rote Strähnen über die Schultern seines Rocks breiteten, von dem wiederum ein Ärmel halb abgerissen war, so dass der Stoff seines weißen Hemds durch den Saum lugte. Er war voller Staub, genau wie der Fisch, und während Letzterer seine Augen anklagend aufgerissen hatte, war eines von Jamies Augen fast vollständig zugeschwollen.

»O Gott«, sagte ich und vergrub das Gesicht in meiner Hand, um durch deren gespreizte Finger zu ihm aufzublicken. »Sag’s mir nicht. Neil Forbes?«

»Ach, nein«, sagte er und ließ den Fisch vor mir auf den Tisch klatschen. »Eine kleine Meinungsverschiedenheit mit der Wilmingtoner Marschsozietät.«

»Eine Meinungsverschiedenheit«, wiederholte ich.

»Aye, sie fanden, sie sollten uns in den Hafen werfen, und wir fanden das nicht.« Er drehte mit dem Stiefel einen Stuhl um und setzte sich mit verschränkten Armen rücklings darauf. Er sah geradezu unanständig fröhlich aus, und sein Gesicht war von der Sonne und vom Lachen gerötet.

»Ich will es gar nicht wissen«, sagte ich, obwohl ich es selbstverständlich dringend wissen wollte. Ich sah Ian an, der ebenfalls leise vor sich hin kicherte, und bemerkte, dass er zwar etwas weniger mitgenommen wirkte als sein Onkel, dass er aber den Zeigefinger bis zum ersten Gelenk in der Nase stecken hatte.

»Hast du Nasenbluten, Ian?«

Er schüttelte nach wie vor giggelnd den Kopf. »Nein, Tante Claire. Ein paar von der Sozietät aber schon.«

»Nun, warum hast du dann deinen Finger in der Nase? Hast du eine Zecke darin stecken oder so etwas?«

»Nein, er will nicht, dass sein Gehirn herausfällt«, sagte Jamie und bekam den nächsten Lachkrampf. Ich warf einen Blick auf den Korb, aber Mandy, die an Lärm gewöhnt war, schlief friedlich weiter.

»Nun, dann steckst du dir am besten gleich zwei Finger in beide Nasenlöcher«, schlug ich vor. »Dann bekommst du wenigstens einmal ein oder zwei Minuten keinen Ärger.« Ich hob sein Kinn, um mir sein Auge besser betrachten zu können. »Du hast doch jemanden mit diesem Fisch geohrfeigt, oder?«

Das Kichern war zu einer unterschwelligen Vibration zwischen den beiden abgeebbt, doch bei diesen Worten drohte es erneut auszubrechen.

»Gilbert Butler«, sagte Jamie, meisterhaft um Selbstbeherrschung bemüht. »Mitten ins Gesicht. Er ist über den ganzen Kai und dann ins Wasser geflogen.«

Ians Schultern schüttelten sich ekstatisch bei dieser Erinnerung.

»Himmel, das hat gespritzt! Oh, was für ein herrlicher Kampf, Tante Claire! Ich dachte, ich hätte mir am Kinn von einem der Kerle die Hand gebrochen, aber jetzt, wo sie nicht mehr taub ist, geht es schon wieder. Es kribbelt nur ein bisschen.« Er wackelte zur Demonstration mit drei Fingern seiner Hand und verzog dabei ein wenig das Gesicht.

»Nimm doch den Finger aus der Nase, Ian«, sagte ich, und meine Aufregung über ihren Zustand wich jetzt der Verärgerung darüber, wie es dazu gekommen war. »Du siehst aus wie ein Idiot.«

Aus irgendeinem Grund fanden sie das beide furchtbar komisch und gackerten los wie die Schwachsinnigen. Schließlich zog Ian seinen Finger jedoch hervor, allerdings mit einer Miene vorsichtigen Argwohns, als rechnete er tatsächlich damit, dass sein Gehirn hinterherkommen würde. Doch es kam gar nichts heraus, nicht einmal die unappetitlichen Exkretbröckchen, die man normalerweise nach einem solchen Manöver erwartete. Ian sah zuerst verwundert aus, dann schwach alarmiert. Er rümpfte die Nase, dann steckte er den Finger wieder in das Nasenloch und bohrte heftig darin.

Jamie grinste weiter, doch seine Belustigung begann nachzulassen, als Ians Nachforschungen zunehmend hektischer wurden.

»Was? Du hast ihn doch nicht verloren, oder, Junge?«

Ian schüttelte stirnrunzelnd den Kopf.

»Nein, ich spüre ihn. Aber …« Er hielt inne und warf Jamie über den vergrabenen Finger hinweg einen panischen Blick zu. »Er steckt fest, Onkel Jamie! Ich kriege ihn nicht heraus!«

Jamie war blitzartig auf den Beinen. Er zog den Finger mit einem feuchten Sauggeräusch aus seinem Versteck, dann kippte er Ians Kopf nach hinten und blinzelte ihm mit seinem unverletzten Auge nervös in die Nase.

»Hol mir ein Licht, Sassenach, ja?«

Auf dem Tisch stand ein Kerzenständer, doch ich wusste aus Erfahrung, dass es nur eine wahrscheinliche Folge gab, wenn man eine Kerze benutzte, um jemandem in die Nase zu schauen, und zwar, ihm die Nasenhaare anzuzünden. Stattdessen bückte ich mich und zog meine Arzttasche hervor, die ich unter der Kaminbank verstaut hatte.

»Ich hole es heraus«, sagte ich mit der Zuversicht eines Menschen, der kleinen Kindern schon alles aus der Nase gezogen hat, von Kirschkernen bis hin zu lebenden Insekten. Ich zog meine längste Pinzette heraus und ließ ihre schmalen Greifer beruhigend aneinanderklicken. »Was auch immer es ist. Halt nur ganz still, Ian.«

In Ians Augen blitzte kurz das Weiße auf, als er jetzt einen alarmierten Blick auf das glänzende Metall der Pinzette warf, und er sah Jamie flehend an.

»Warte. Ich habe eine bessere Idee.« Jamie legte mir kurz die Hand auf den Arm, um mich zu stoppen, dann verschwand er durch die Tür. Er donnerte die Treppe hinunter, und ich hörte eine plötzliche Lachsalve, als sich unten die Tür zum Schankraum öffnete. Genauso plötzlich wurde das Geräusch wieder abgeschnitten, als sich die Tür schloss wie ein zugedrehter Wasserhahn.

»Fehlt dir auch nichts, Ian?« Er hatte einen roten Spritzer auf der Oberlippe; seine Nase fing jetzt an zu bluten, gereizt durch sein Stechen und Bohren.

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