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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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Im nächsten Moment hörte er leises Surren und einen gellenden, kehligen Schrei. Weitere Schüsse krachten, begleitet von einem lautstarken Röcheln. Unentschlossen, was er tun sollte, sah Theisen sich um. Verdammt, wo blieben Bashtiris Leute? Obwohl sie ihm alles andere als sympathisch erschienen, hätte er sie nun zu gerne in seiner Nähe gehabt.

»Hilfe!« brüllte er noch einmal, so laut er konnte.

Plötzlich standen drei der Soldaten direkt hinter ihm, mitten auf dem künstlich angelegten Weg.

»Glotzt nicht so blöd!«, brüllte er ihnen auf Deutsch entgegen. Fordernd nickte er zwei älteren Kämpfern zu. »Ihr da! Geht in den Wald und sucht euren Kameraden! Da stimmt was nicht! Und du ...«, er schaute einen jungen Soldaten an, »geh und hol Doktor Parlowa! Schnell!«

Wenige Minuten später kamen die beiden Söldner zurück, die auf Theisens Anweisung ihrem Kameraden ins Dickicht gefolgt waren. Sie schleppten einen stattlichen, reglosen Mann hinter sich her. Augenscheinlich handelte es sich um den Soldaten, der den Hund hatte erschießen wollen. Sein Kopf hing vornüber, und seine Beine schleiften über den Boden.

Seine Kameraden gestikulierten wild mit ihren Pistolen und stießen lautstarke Flüche aus. Theisen sah, dass die Kehle des Mannes von einem Pfeil durchbohrt worden war und dass ihm das Blut in Strömen den Hals hinunterlief.

»Verdammte Scheiße!«, brüllte einer der Männer auf Russisch, die Augen weit aufgerissen, seinen entgegenkommenden Kameraden zu. »Holt einen Arzt! Er verreckt uns sonst!« Doch anstatt ihn niederzulegen und abzuwarten, stürmten sie mitsamt dem Schwerverletzten an Theisen vorbei in Richtung Camp.

Frau Doktor Parlowa kam nun den Pfad hinauf und sah sich unversehens mit zwei Patienten konfrontiert. Rasch erteilte sie den uniformierten Männern Anweisungen, den Mann auf die Seite zu legen und ihre Tasche zu öffnen, die sie stets bei sich trug, wenn sie zu einem Einsatz gerufen wurde. Mit geschlossenen Augen prüfte sie den Puls. »Zange!«

Der junge Soldat an ihrer Seite machte ein hilfloses Gesicht, während der andere in ihrer Tasche herumkramte. Es schien Minuten zu dauern, bis endlich die Zange zum Vorschein kam. Doktor Parlowa kappte den hölzernen Pfeil, der so konstruiert war, dass man ihn nicht einfach herausziehen konnte. Die gekerbte Spitze ragte eine Handbreit aus dem Nacken des Opfers heraus und hatte beim Austritt eine stark blutende Wunde hinterlassen.

Inzwischen waren auch Bashtiri und der Kommandeur der Truppe, ein etwa fünfzigjähriger Russe, am Ort des Geschehens eingetroffen.

»Machen Sie mir eine Infusion fertig!«, keuchte Parlowa, die dem Fünfzigjährigen eine solche Assistenz offenbar zutraute.

»Auf den Rücken!«, rief sie dann mit dumpfer Stimme, nachdem sie den Pfeil, der in der Kehle steckte, vorsichtig entfernt hatte. »Luftröhrenschnitt, Herzmassage.« Den starren Blick auf das Gesicht des Mannes gerichtet, hielt sie ihre Hand offen zu den Soldaten hin. Einer von ihnen reichte ihr ein Skalpell. Ein rascher Schnitt und ein passend eingesetztes Röhrchen mussten die Atmung des Mannes ersetzen. Doch sein Herz stand schon eine Weile still, und Doktor Parlowa mühte sich vergeblich, es wieder in Gang zu bringen.

Der Kommandeur, der immer noch die Infusion in Händen hielt, sah sich suchend um. »Männer!«, brüllte er einem Haufen von gaffenden Kerlen zu, die allesamt olivgrüne Uniformen trugen. Auf ihren Brusttaschen hatten sie das GazCom-Emblem - eine dreizüngige Flamme über einem stilisierten G. Bis an die Zähne mit Pistolen und MPs bewaffnet standen sie planlos herum.

»Was gafft ihr so, ihr Idioten!«, schrie er mit hochrotem Kopf. »Ausschwärmen! Sucht das Gelände ab! Der Täter kann nicht weit sein!«

»Es war eine Selbstschusswaffe alter Bauart, Chef«, bemerkte einer der Soldaten zaghaft. Er hatte den Toten, dessen Wiederbelebung man inzwischen aufgegeben hatte, unter den Sträuchern gefunden. »Eine tungusische Spezialität, so uralt wie die einheimischen Stämme selbst. Ein Holzbogen, gespannt mit einer Sehne und einer Rosshaarschnur, die den Bolzen löst, wenn man versehentlich hineintritt. Normalerweise wird sie zur Jagd von Elchen und Bären genutzt.«

»Die Jagdsaison hat noch nicht angefangen«, gab der Kommandeur ungeduldig zurück.

»Was ist mit Viktoria?«, rief Theisen dazwischen. Da der Soldat nicht mehr zu retten war, galt es nun, ihr zu helfen.

»Viktoria?« Doktor Parlowa schaute verwirrt auf. Da erst registrierte sie, dass die Deutsche auf der Veranda vor dem Waschhaus lag. Theisen hatte sie in eine stabile Seitenlage gebracht.

»Seit wann liegt sie dort?« Parlowa sah ihn fragend an.

»Keine Ahnung. Ich habe sie hier gefunden, nachdem dieser Wolf mich beinahe angegriffen hätte.«

»Wolf?« Der Kommandeur schaute ihn prüfend an, dann fiel sein Blick auf Viktoria. Doktor Parlowa war bereits bei ihr und tastete nach Puls und Herzschlag.

»Sie ist komatös«, befand sie nüchtern.

»Sie kann unmöglich von alleine hierher gekommen sein«, bemerkte Bashtiri. »Außerdem trägt sie fremde Kleidung.«

»Durchkämmt den Wald!«, brüllte der Kommandeur seinen Männern noch einmal zu. »Jeden Zentimeter im Umkreis von fünf Kilometern. Ich will wissen, wer diese Frau hierher gebracht hat und warum einer meiner besten Männer sterben musste. Aber seht euch vor! Wer weiß, was dieses Ewenkenpack sonst noch auf Lager hat!«

»Viktoria muss sofort in die örtliche Krankenstation nach Vanavara!« Die russische Ärztin hatte sie nur kurz untersuchen müssen, um zu entscheiden, dass die kritische Verfassung der jungen Frau dringend nach einer Infusion verlangte.

»Ich lasse sie mit dem Helikopter nach Krasnojarsk fliegen«, erklärte Bashtiri.

Doktor Parlowa schüttelte den Kopf. »Krasnojarsk wäre in ihrem Zustand zu weit. Sie benötigt sofortige Hilfe.«

Leonids Herz hämmerte wie früher, als er sich im Krieg und auf der Flucht befunden hatte. Das Verhalten der Söldner machte ihn zornig. Beinahe hätte Ajaci dran glauben müssen. Ohnmächtig hatte er mit ansehen müssen, wie die Idioten auf den Hund geschossen hatten.

Dabei hatte eine der Kugeln ihn selbst nur knapp verfehlt. Doch dann war plötzlich Ruhe eingekehrt, nur noch ein Röcheln hatte den Wald durchdrungen.

Wenn ihn nicht alles täuschte, hatte eine von Taichins Jagdfallen dem unseligen Treiben ein Ende gesetzt. Leonid hatte nicht sehen können, wer von dem Pfeil getroffen worden und wie schlimm die Verletzung war. Eigentlich galt ein landesweites Verbot, solche Waffen ohne Genehmigung aufzustellen. Doch Taichin war mehr als achtzig Jahre alt, flink wie ein Wiesel und hielt sich nicht an die russischen Gesetze. Tief in seinem Herzen verabscheute er die Zivilisation - oder das, was sich die modernen Ewenken darunter vorstellten.

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