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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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Tschirin hatte die Pferde eingespannt. Mit einem knappen Gruß und einem angedeuteten Lächeln versuchte er, die Stimmung ein wenig aufzumuntern.

Kissanka trat auf ihn zu, ihren Bruder an der Hand. Der Kleine machte mittlerweile einen recht stabilen Eindruck. Er konnte laufen, und das Fieber war auch verschwunden, von der schweren Verletzung, die noch gestern an seinem Bein zu sehen war, ganz zu schweigen.

»Sag deinem Vater, dass wir ihm auf ewig dankbar sein werden.«

Kissanka schenkte dem verschüchtert dreinblickenden Tungusen ein Lächeln, das er kaum merklich erwiderte, dabei streifte ihre Hand seinen rechten Arm und drückte ihn sanft.

Tschirin brachte nur ein verlegenes Räuspern zustande, es fiel ihm offenbar schwer, ihren Blick zu erwidern.

»Er ist ein großer Schamane«, sagte er und schaute dabei zu Boden, »Wenn ihr krank seid und seine Unterstützung benötigt, lasst es mich wissen.«

»Wie sollte das gehen?« Aslan hatte Kissankas Worten mit spöttischer Miene gelauscht. »Das würde bedeuten, du weißt, wo man uns hinbringt und kannst dort ein- und ausgehen?«

»Ich kenne jeden Winkel in dieser Gegend«, erwiderte Tschirin mit fester Stimme. Ihm war anzusehen, dass er die Äußerung Aslans missbilligte. »Und ja - ich weiß, wo man euch unterbringt. Ich bin jede Woche dort draußen. Meine Brüder und ich arbeiten ausschließlich für den Zaren und seine Soldaten. Wir sind die einzigen Fremden, die das Lager betreten dürfen. Wir bringen Menschen und Vorräte und andere, merkwürdige Dinge, deren Namen wir nicht kennen. Und glaubt mir, ihr werdet für jegliche Hilfe dankbar sein.«

»Schwatzt nicht herum!«, brüllte der Kosakenkommandeur von ferne. »Seht zu, dass ihr in die Schlitten kommt!«

»Vielen Dank für das großzügige Angebot«, sagte Leonard und klopfte dem jungen Tungusen auf die Schulter.

Das Wetter war noch unwirtlicher als am Tage zuvor. Am Morgen hatte es zu schneien angefangen.

Subbota hatte Wassiljoff und seiner verbliebenen Familie mit strenger Miene erlaubt, in seinem Schlitten Platz zu nehmen. Den Blick, den er dem geheilten Jungen schenkte, war nicht zu deuten. Doch Leonard konnte beobachten, wie er einen Rosenkranz zückte und ihn betrachtete, als ob er sich dessen Anwesenheit versichern wollte, bevor er ihn wieder in die Manteltasche schob.

»Ein echtes Wunder«, bemerkte Pjotr, bevor er Tschirin, der abwartend neben seinem Schlitten stand, einen fragenden Blick zuwarf.

»Der Kleine hustet noch nicht einmal mehr. Bei allen Heiligen, sag mir, wie so etwas möglich ist?«

Tschirin wandte sich lächelnd zu ihm um, während er den Pferden die Futterbeutel abnahm. »Ich will mich ja nicht mit eurem Christengott anlegen, aber mein Vater kann sogar das Wetter beeinflussen und einen Blitz erzeugen, wenn es nötig erscheint. Wie ich gestern schon sagte - er steht mit Ogdy, dem Gott des Lichts, im Bunde.«

»Dann bestell ihm einen schönen Gruß, er soll machen, dass das Thermometer mindestens dreißig Grad in die Höhe klettert«, witzelte Aslan mit ironischer Stimme. Demonstrativ zog er sich die Kapuze vor Mund und Nase, bevor er sich in den Schlitten setzte.

Die Tungusen hatten zwei zusätzliche Rentierschlitten zur Verfügung gestellt, damit man die verbliebenen entlasten konnte. Zudem musste man die zurückgebliebenen Leichen bergen, um sie nach Nasi-mowsk zu bringen, wo spätestens mit einsetzendem Tauwetter ein christliches Begräbnis auf sie warten würde.

Die alte Goldgräberstadt war in wenigen Stunden erreicht. Der windige Ort bestand nur aus ein paar Blockhütten, ein paar Tungusenzelten und einer hölzernen Kirche. Dazu gab es ein Warenlager in einem abbruchreifen Schuppen, das angefüllt war mit Proviant für Abenteurer und Pelztierjäger und deshalb außerordentlich gut bewacht wurde. Den ganzen Tag über patrouillierten Bewaffnete um das Gebäude herum.

»Ich möchte der Frau des alten Wassiljoff die letzte Ehre erweisen und ihn und seine Familie in die Kirche begleiten.« Leonard richtete diese Bitte mit ausdrucksloser Miene an Subbota, der daraufhin mit einer unwirschen Geste die Ketten lockerte.

»Es wird wohl nicht lange dauern«, fügte Leonard hinzu. »Und doch empfinde ich es als notwendig, den Trauernden beizustehen.«

»Was hast du vor?«, raunte ihm Aslan zu, als Subbota beiseite getreten war und zu den Schlitten ging. »Hast du es auf die Kleine abgesehen und willst schönes Wetter bei ihrem verrückten Vater machen? Ich glaube kaum, dass er sie dir freiwillig zur Frau gibt. Aber so, wie es aussieht, ist sie ein durchtriebenes Luder. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie den Kosaken zufällig in die Arme gelaufen ist. Wahrscheinlich hatte sie auch ihren Spaß dabei.«

»Halt die Klappe, du Idiot!«, zischte Leonard. Er verspürte den Drang, dem Gefährten eine handfeste Lektion zu erteilen, unterdrückte diesen Impuls aber, auch weil Subbota in der Nähe stand und eine Reitpeitsche in Händen hielt.

In einem Nebenraum des kleinen Gotteshauses wurden die Leichen der Verunglückten aufgebahrt, unter denen sich auch Kissankas Mutter befand. Das Erdreich war zu dieser Jahreszeit bis in den Grund gefroren. Erst im nächsten Sommer würde es möglich sein, den Toten die letzte Ehre zu erweisen. Daher mussten eine hastig gelesene Messe und ein unaufgeräumter Schuppen ausreichen, bevor die Seelen der Verstorbenen endlich ihre allerletzte Reise antreten konnten.

10.

Juni 2008, Tunguska - GazCom

Blinzelnd, wie durch einen dichten Nebel kämpfte sich Viktoria an die Oberfläche ihres Bewusstseins. Die Gestalt an ihrer Seite erschien ihr wie eine Figur, die von einem durchscheinenden Vorhang umgeben war. Das Atmen fiel ihr schwer, und ein heftiger Kopfschmerz setzte ein.

»Viktoria - können Sie mich hören?« Die Stimme war dunkel, und im ersten Moment wusste sie nicht, ob es ein Mann war oder eine Frau, die sie auf Russisch ansprach.

Unter großer Anstrengung versuchte Viktoria ihre Lider zu heben. Verschwommen erkannte sie die imposante Erscheinung von Doktor Parlowa.

»Kann ich etwas trinken?« Es war mehr ein Flüstern, das Viktoria da zustande brachte. Sekunden später spürte sie eine Hand, die ihr den Kopf anhob und ein Glas Wasser an die Lippen setzte. Schluck für Schluck trank sie. Der Hals tat ihr weh, doch wenn sie sich recht besann, schmerzte ihr ganzer Körper. »Wo bin ich?« Sie hielt die Augen lieber geschlossen. Das Licht machte das Pochen in ihrem Schädel nur noch schlimmer.

»In Sicherheit«, sagte die Ärztin und legte ihre große, warme Hand auf Viktorias Rechte, die kraftlos auf der Bettdecke lag.

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Главный герой
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