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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Sie sagten mir, daß etwas nicht in Ordnung sei«, sagte Dunworthy. »Was war es? Die Verschiebung?«

»Etwas nicht in Ordnung«, wiederholte Badri. Er versuchte sich auf einen Ellbogen zu stützen. »Was ist mit mir nicht in Ordnung?«

»Sie sind krank. Sie haben die Grippe.«

»Ich? Ich bin nie krank gewesen.« Er bemühte sich, aufrecht zu sitzen. »Sie starben, nicht wahr?«

»Wer starb?«

»Ich tötete sie alle.«

»Haben Sie näheren Kontakt mit anderen gehabt, Badri? Das ist wichtig. Sie könnten diese Kontaktpersonen mit dem Virus infiziert haben.«

»Virus?« Aus seiner Stimme war Erleichterung herauszuhören. »Habe ich ein Virus?«

»Ja. Eine Art Influenza. Es ist nicht besonders schlimm. Sie haben alle möglichen Gegenmittel bekommen und werden sich im Nu erholt haben. Können Sie sich denken, wo Sie sich angesteckt haben? Hatte jemand anders in Ihrem Bekanntenkreis die Grippe?«

»Nein.« Er ließ sich ins Kissen zurücksinken. »Ich dachte — oh!« Er blickte erschrocken zu Dunworthy auf. »Da ist was«, stieß er hervor.

»Was ist?« Er streckte die Hand nach der Klingel aus. »Was meinen Sie?«

Badris Augen waren angstgeweitet. »Es schmerzt!«

Dunworthy drückte den Klingelknopf. Gleich darauf kamen die Praktikantin und ein Arzt herein und begannen wieder mit ihrer Routine. Badri mußte aufrecht sitzen, sein Rücken wurde entblößt und er bekam das eisige Stethoskop zu spüren.

»Er klagte über Kälte und daß etwas schmerzt«, sagte Dunworthy.

»Wo schmerzt es?« fragte der Arzt.

»Hier«, sagte Badri und drückte die Hand an die rechte Brustseite. Er fröstelte wieder.

»Rippenfellentzündung unten rechts«, sagte der Arzt.

»Es schmerzt beim Atmen«, sagte Badri durch schnatternde Zähne. »Da ist was nicht in Ordnung.«

Nicht in Ordnung. Er hatte nicht die Fixierung gemeint. Er hatte gemeint, daß etwas mit ihm nicht in Ordnung war. Wie alt war er? In Kivrins Alter? Vor annähernd zwanzig Jahren hatte man angefangen, in größerem Umfang antivirale Medikamente gegen Grippeerkrankungen einzusetzen. Es war denkbar, daß er mit der Bemerkung, er sei nie krank gewesen, gemeint hatte, daß er niemals auch nur eine Erkältungskrankheit gehabt habe.

»Sauerstoff?« fragte die Praktikantin.

»Noch nicht«, sagte der Arzt, schon im Gehen. »Fangen Sie mit zweihundert Einheiten Chloramphenicol an.«

Die Praktikantin legte Badri wieder zurück, richtete ihm die Decke, brachte einen zusätzlichen Plastikbeutel am Tropf an, beobachtete die Temperaturanzeige eine Minute lang und ging hinaus.

Dunworthy blickte aus dem Fenster in die regnerische Nacht. Badri hatte nicht gesagt, daß er sich krank gefühlt habe. Wie war das zu erklären? Jemand, der nie eine Erkältung gehabt hatte, würde nicht wissen, was er von Fieber oder Schüttelfrost halten sollte. Er würde nur bemerken, daß etwas nicht stimmte. So war es mit Badri gewesen; er hatte das Netz verlassen und war zum Pub gelaufen, um es jemandem zu erzählen. Muß es Dunworthy sagen. Etwas ist nicht in Ordnung.

Er nahm die Brille ab und rieb sich die Augen. Das Desinfektionsmittel machte sie brennend. Er fühlte sich erschöpft. Er hatte gesagt, er könne sich nicht entspannen, bis er wisse, daß Kivrin wohlauf sei. Badri war wieder eingeschlafen; die Magie der Ärzte hatte seiner Atmung die Rauheit genommen. Und Kivrin schlief jetzt ach, siebenhundert Jahre entfernt in einem von Flöhen wimmelnden Bett. Oder sie war hellwach und beeindruckte die Zeitgenossen mit ihren Tischsitten und ihren schmutzigen Fingernägeln, oder sie kniete auf einem schmutzigen Steinboden und teilte ihren gefalteten Händen die bestandenen Abenteuer mit.

Er mußte eingenickt sein. Im Traum hörte er ein Telefon läuten. Es war Finch, der ihm sagte, die Amerikanerinnen drohten das College wegen unzureichender Versorgung mit Toilettenpapier zu verklagen, und daß der Vikar angerufen und auf die Heilige Schrift verwiesen habe. »Es ist Matthäus 2.11«, sagte Finch. »Verschwendung führt zu Mangel«, und in diesem Augenblick öffnete die Praktikantin die Tür und sagte ihm, daß Mary ihn in der Notaufnahme erwarte.

Er sah auf seine Armbanduhr. Es war zwanzig nach vier. Badri schlief noch immer und sah beinahe friedlich aus. Draußen erwartete ihn die Praktikantin mit dem Desinfektionsmittel in ihrer Sprühflasche und wies ihn an, den Aufzug zu nehmen.

Der Geruch des Desinfektionsmittels an seiner Brille half ihm, die Schläfrigkeit abzuschütteln. Als er im Erdgeschoß anlangte, war er beinahe wach. Mary erwartete ihn in Schutzkleidung und mit Atemmaske. »Wir haben einen weiteren Fall«, sagte sie und übergab ihm den nun schon vertrauten Plastikbeutel mit Schutzkleidung. »Es könnte eine Person aus der Menge der Passanten sein. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie versuchten, sie zu identifizieren.«

Er legte die Schutzkleidung so ungeschickt wie beim ersten Mal an und zerriß den Papierkittel beinahe bei den Bemühungen, die Klettstreifen auseinanderzuziehen. »Es waren Dutzende, vielleicht Hunderte von Passanten auf der High Street unterwegs«, sagte er beim Überstreifen der Gummihandschuhe, »und ich beobachtete Badri. Ich bezweifele, daß ich jemanden aus der Menge der Passanten wiedererkennen könnte.«

»Ich weiß.« Mary führte ihn den Korridor entlang und durch die Tür der Notaufnahme. Er hatte das Gefühl, Jahre seien vergangen, seit er zuletzt dort gewesen war.

Weiter voraus umringte eine Gruppe von Gestalten, alle anonym in Papierschutzkleidung, einen Rollwagen mit einer Bahre darauf. Der Stationsarzt, auch in Papier, befragte eine dünne, ängstlich blickende Frau in einem nassen Regenmantel und passendem Regenhut.

»Ihr Name ist Beverly Breen«, berichtete die Frau mit dünner Stimme. »Plover Way 226, Surbiton. Ich merkte gleich, daß etwas mit ihr nicht stimmte. Sie sagte ständig, wir müßten die U-Bahn nach Northampton nehmen.«

Sie trug einen Schirm und eine große Handtasche, und als der Stationsarzt sie um die Krankenversicherungsnummer der Patientin bat, lehnte sie den Schirm gegen den Aufnahmeschalter, öffnete die Handtasche und durchsuchte sie.

»Sie wurde gerade von der U-Bahnstation gebracht«, sagte Mary. »Sie klagte über Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Anscheinend Fieber. Sie wartete in einer Schlange auswärtiger Besucher, die Notunterkünfte zugewiesen bekommen.«

Sie signalisierte dem Personal, den Bahrenwagen anzuhalten, und zog die Decke vom Oberkörper der Frau, damit er sie besser sehen könne, aber es war nicht nötig.

Die Frau im nassen Regenmantel hatte die Karte gefunden und reichte sie dem Stationsarzt, nahm den Schirm, die Handtasche und ein Bündel verschiedenfarbiger Papiere an sich und kam damit zum Bahrenwagen. Der Schirm war groß und bedruckt mit lavendelblauen Veilchen.

»Badri stieß auf dem Rückweg von dem Pub mit ihr zusammen«, sagte Dunworthy.

»Sind Sie ganz sicher?« fragte Mary.

Er zeigte zur Freundin der Frau, die sich inzwischen gesetzt hatte, um Formulare auszufüllen. »Ich habe sie am Schirm erkannt.«

»Und um welche Zeit war das?«

»Ich weiß es nicht genau. Vielleicht halb zwei?«

»Von welcher Art war der Kontakt? Berührte er sie?«

»Er prallte mit ihr zusammen«, sagte er, bemüht, sich die Szene in Erinnerung zu rufen. »Er lief gegen den aufgespannten Schirm, dann entschuldigte er sich, und sie beschimpfte ihn. Er hob den Schirm auf und gab ihn ihr.«

»Hustete oder nieste er?«

»Das kann ich nicht sagen.«

Die Frau wurde weiterbefördert. »Sie muß in die Isolierstation«, sagte Mary und ging den anderen nach.

Die Freundin der Erkrankten stand auf, ließ eines der Formblätter fallen und drückte die anderen unbeholfen an ihren nassen Regenmantel. »Isolierstation?« sagte sie ängstlich. »Was fehlt ihr?«

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