Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
�Gewi� h�tte sich Ihre Frau Gemahlin hier sehr gut unterhalten.� H�fgen machte immer noch die feierliche Miene. In seinen Worten war von Ironie keine Spur zu finden. �Zu schade, da� der F�hrer absagen mu�te. Auch der englische und der franz�sische Botschafter sind verhindert.�
Mit diesen Feststellungen, die er in sanftestem Tone vorbrachte, verriet H�fgen seinen eigentlichen Freund und G�nner - den Ministerpr�sidenten, dem er all seinen Glanz zu danken hatte - an den eifers�chtigen Propagandaminister. Diesen aber hielt er sich f�r alle F�lle in der Reserve.
Der gewandte Klumpfu� fragte vertraulich, nicht ohne Hohn: �Und wie ist hier die Stimmung?�
Der Intendant der Staatstheater sagte zur�ckhaltend: �Man scheint sich zu am�sieren.�
Die beiden W�rdentr�ger f�hrten ihre Unterhaltung leise; denn um sie dr�ngten sich Neugierige, auch mehrere Photographen waren herbeigekommen. Die Kaiio-nenfabi ikantin fl�sterte eben Pierre Larue zu, der in Verz�ckung die bleichen Knochenh�ndchen �ber der Brust gegeneinander rieb: �Unser Intendant und der Minister - sind sie nicht ein herrliches Paar? Beide so bedeutend! Beide so sch�n!� Sie dr�ngte ihren �ppigen, geschm�ckten Leib nahe an das gebrechliche K�rperchen des Kleinen. Der zarte gallische Liebhaber des germanischen Heroismus, der strammen J�nglinge, des F�hrergedankens und der hohen Adelsnamen f�rchtete sich vor der atmenden N�he soviel weiblichen Fleisches. Er versuchte, sich ein wenig zur�ckzuziehen, w�hrend er zirpte: �Exquisit! Ganz charmant! Unvergleichlich!� Die Rheinl�nderin beteuerte: �Unser H�fgen - das ist ein ganzer Mann, sage ich Ihnen! Ein Genie, so etwas gibt es weder in Paris noch in Hollywood! Und so urdeutsch, so gerade, einfach und ehrlich! Ich habe ihn ja schon gekannt, als er noch so klein gewesen ist.� Mit der vorgestreckten Hand deutete sie an, wie klein Hendrik gewesen war, als sie, die Million�rin, seine Mutter auf den K�lner Wohlt�tigkeitsveranstaltungen konsequent geschnitten hatte. �Ein herrlicher Junge!� sagte sie noch und bekam so sinnliche Augen, da� Larue panisch die Flucht ergriff.
Man h�tte Hendrik H�fgen f�r einen Mann von etwa f�nfzig Jahren gehalten; er war aber erst neunund-drei�ig - ungeheuer jung f�r seinen hohen Posten. Seine fahle Miene mit der Hornbrille zeigte jene steinerne Ruhe, zu der sich sehr nerv�se und sehr eitle Menschen zwingen k�nnen, wenn sie sich von vielen Leuten beobachtet wissen. Sein kahler Sch�del hatte edle Form. Im aufgeschwemmten, grauwei�en Gesicht fiel der �beranstrengte, empfindliche und leidende Zug auf, der von den hochgezogenen blonden Brauen zu den vertieften Schl�fen lief; au�erdem die markante Bildung des starken Kinns, das er auf stolze Art hochgereckt trug, so da� die vornehm sch�ne Linie zwischen Ohr und Kinn k�hn und herrisch betont ward. Auf seinen breiten und blassen Lippen lag ein erfrorenes, vieldeutiges, zugleich h�hnisches und um Mitleid werbendes L�cheln. Hinter den gro�en, spiegelnden Brillengl�sern wurden seine Augen nur zuweilen sichtbar und wirksam: Dann erkannte man, nicht ohne Schrecken, da� sie, bei aller Weichheit, eiskalt, bei aller Melancholie sehr grausam waren. Diese gr�ngrau schillernden Augen lie�en an Edelsteine denken, die kostbar sind, aber Ungl�ck bringen; gleichzeitig an die gierigen Augen eines b�sen und gef�hrlichen Fisches. - Alle Damen und die meisten Herren fanden, da� Hendrik H�fgen nicht nur ein bedeutender und h�chst geschickter, sondern auch ein bemerkenswert sch�ner Mann sei. Seine zusammengenommene, vor lauter bewu�ter und berechneter Anmut fast steife Haltung und sein kostbarer Frack lie�en es �bersehen, da� er entschieden zu fett war, vor allem in der H�ftengegend und am Hinterteil.
�Ich mu� Ihnen �brigens zu Ihrem Hamlet gratulieren, mein Lieber�, sprach der Propagandaminister. �Eine famose Leistung. Die deutsche B�hne kann stolz auf sie sein.�
H�fgen neigte ein wenig das Haupt, indem er das sch�ne Kinn etwas nach unten dr�ckte: Oberhalb des hohen, blendenden Kragens entstanden zahlreiche Falten am Hals. �Wer vor dem Hamlet versagt, verdient den Namen eines Schauspielers nicht.� Seine Stimme klagte vor Bescheidenheit. Der Minister konnte eben noch konstatieren: �Sie haben die Trag�die ganz gef�hlt� - da ging ein ungeheurer Aufruhr durch den Saal.
Der Fliegergeneral und seine Gattin, die gewesene Aktrice Lotte Lindenthal, waren durch die gro�e Mittelt�re eingetreten: Brausendes Beifallsklatschen und dr�hnender Zuruf begr��ten sie. Durch ein Spalier von Menschen, aus dem Jubel stieg, schritt das erlauchte Paar. Kein Kaiser hatte jemals sch�neren Einzug gehalten. Der Enthusiasmus schien ungeheuer: Jeder von den zweitausend auserlesen feinen Menschen wollte sich, den anderen und dem Ministerpr�sidenten durch m�glichst lautes Geschrei und H�ndeklatschen beweisen, einen wie gl�henden Anteil er am dreiundvierzigsten Geburtstag des Hohen Herrn im besonderen und am Nationalen Staate im allgemeinen nahm. Man br�llte: �Hoch!�, �Heil!� und: �Wir gratulieren!� Man warf Blumen, die von Frau Lotte mit w�rdevoller Grazie empfangen wurden. Die Kapelle spielte gro�en Tusch. Der Propagandaminister bekam ein ha�verzerrtes Gesicht; aber darauf achtete niemand, au�er vielleicht Hendrik H�fgen. Dieser stand unbeweglich: Er erwartete seinen G�nner in zusammengenommener, anmutig steifer Haltung.
Man hatte Wetten dar�ber abgeschlossen, in welcher Phantasieuniform der Dicke heute abend erscheinen w�rde. Es war eine asketische Koketterie von ihm, nun die Gesellschaft durch den allerschlichtesten Aufzug zu verbl�ffen. Die flaschengr�ne Litewka, die er trug, wirkte fast wie eine streng geschnittene Hausjacke. Auf der Brust blitzte ihm nur ein ganz kleiner silberner Ordensstern. In den grauen Hosen wirkten seine Beine - die er sonst gerne unter langen M�nteln verbarg - besonders umfangreich: es waren S�ulen, auf denen er sich langsam dahinbewegte. Die kolossalische Gr��e und Breite seiner monstr�sen Figur waren geeignet, Schrecken und Ehrfurcht um sich zu verbreiten - zumal kein Anla�.bestand, irgend etwas an ihm komisch zu finden: Dem K�hnsten verging das Lachen, wenn er erwog, wieviel Blut schon auf den Wink des Speck-und-Fleisch-Rie-sen geflossen war und wie unerme�lich viel Blut vielleicht noch str�men w�rde zu seinen Ehren. Auf dem kurzen, wulstigen Hals erschien sein massives Haupt wie �berg�ssen von dem roten Safte: das Haupt eines C�sars, von dem man die Haut abgezogen hat. An diesem Gesicht war nichts Menschliches mehr: Es war aus rohem, umgeformtem Fleische ein Klotz.
Der Ministerpr�sident schob seinen Bauch, dessen enorme W�lbung in die der Brust �berging, majest�tisch durch die strahlende Versammlung. Der Ministerpr�sident grinste.
Sein Weib Lotte grinste nicht, sondern verschenkte L�cheln, eine K�nigin Luise in jedem Zoll. Auch ihre Robe, deren Kostbarkeit den Gespr�chsstoff der Damen gebildet hatte, war einfach bei allem Pomp: glatt flie�end, aus einem schimmernden Silbergewebe, endend in einer k�niglich langen Schleppe. Das Brillantendiadem aber in der �hrenblonden Frisur, die Perlen und Smaragde auf dem Busen �bertrafen an Gewicht und Strahlenglanz alles, was es sonst noch zu bewundern gab in dieser �ppigen Runde. Das riesenhafte Geschmeide der Provinzschauspielerin repr�sentierte Millionenwerte: Sie verdankte es der Galanterie eines Gatten, der gerne die Prunksucht und Korrumpiertheit republikanische!" Minister und B�rgermeister in �ffentlicher Rede gei�elte, und der Freue einiger wohlsituierter und bevorzugter Untertanen. Sie galt als uneigenn�tzig, unantastbar rein. Sie war zur Idealgestalt geworden unter den deutschen Frauen. Sie hatte gro�e, runde, etwas hervortretende Kuhaugen von einem feuchtstrahlenden Blau; sch�nes blondes Haar und einen schneewei�en Busen. �brigens war auch sie schon ein wenig zu dick - man speiste gut und reichlich im Pr�sidentenpalais. Man erz�hlte sich bewundernd von ihr, da� sie sich gelegentlich bei ihrem Gatten f�r Juden aus der guten Gesellschaft einsetze - die Juden kamen trotzdem ins Konzentrationslager. Man nannte sie den guten Engel des Ministerpr�sidenten; indessen war der F�rchterliche nicht milder geworden, seitdem sie ihn beriet. Eine ihrer ber�hmtesten Rollen war die Lady Milford in Schillers �Kabale und Liebe� gewesen: jene Matresse eines Gewaltigen, die den Glanz ihres Geschmeides und die N�he ihres F�rsten nicht mehr ertr�gt, da sie erfahren hat, womit man Edelsteine bezahlt. Als sie zum letztenmal im Staatstheater auftrat, spielte sie die Minna von Barnhelm: So deklamierte sie, ehe sie in den Palast des Fliegergenerals �bersiedelte, noch einmal die S�tze eines Dichters, den ihr Gemahl und seine Spie�gesellen hetzen und verfolgen lassen w�rden, lebte er heute und hier. In ihrer Gegenwart wurden die schauerlichen Geheimnisse des totalen Staates besprochen: Sie l�chelte m�tterlich. Morgens, wenn sie ihrem Gatten neckisch �ber die Schulter lugte, sah sie Todesurteile vor ihm auf dem Renaissanceschreibtisch - und er unterzeichnete sie; abends zeigte Sie den wei�en Busen und die �hrenblonde Kunstfrisur in Opernpremieren oder an den geschm�ckten Tafeln der Bevorzugten, die ihres Umgangs gew�rdigt wurden. Sie war unber�hrbar, unangreifbar; denn sie war ahnungslos und sentimental. Sie glaubte sich umgeben von der �Liebe ihres Volkes�, weil zweitausend Ehrgeizige, K�ufliche und Snobs L�rm machten zu ihren Ehren. Wie sie dahinschritt, erh�be-; nen Hauptes, �berg�ssen vom Licht und von der allgemeinen Bewunderung, gab es keinen Zweifel in ihrem Herzen an der Haltbarkeit solchen Zaubers. Niemals - so meinte sie zuversichtlich -, niemals w�rde abfallen von ihr dieser Glanz; niemals w�rden die Gemarterten sich r�chen, niemals w�rde die Finsternis nach ihr greifen.