Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Mephisto - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Mephisto

Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:

Mephisto
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ... 76
Перейти на страницу:

�Es scheint also doch Krebs zu sein�, berichtete hinter vorgehaltenem Taschentuch ein Herr von der englischen Presse dem Pariser Kollegen. Bei diesem aber war er an den Falschen geraten. Pierre Larue hatte das Aussehen eines h�chst gebrechlichen, dabei recht t�ckischen Zwerges; schw�rmte aber f�r den Heroismus und f�r die sch�nen uniformierten Burschen des neuen Deutschland. �brigens war er kein Journalist, sondern ein reicher Mann, der verklatschte B�cher �ber das gesellschaftliche, literarische und politische Leben der europ�ischen Hauptst�dte schrieb und dessen Lebensinhalt es bedeutete, ber�hmte Bekanntschaften zu sammeln. Dieser ebenso groteske wie anr�chige kleine Kobold, mit dem spitzen Gesichtchen und der lamentierenden Fistelstimme einer kr�nklichen alten Dame, verachtete die Demokratie seines eigenen Landes und erkl�rte jedem, der es h�ren wollte, da� er Clemenceau f�r einen Schurken und Briand f�r einen Idioten halte, jeden h�heren Gestapobeamten jedoch f�r einen Halbgott und die Spitzen des neudeutschen Regimes f�r eine Garnitur von tadellosen G�ttern.

�Was verbreiten Sie f�r infamen Unsinn, mein Herr!� Das M�nnchen schaute erschreckend boshaft; seine Stimme raschelte d�rr wie gefallenes Laub. �Der Gesundheitszustand des F�hrers l��t nichts zu w�nschen �brig. Er ist nur ein bi�chen erk�ltet.�

Diesem kleinen Scheusal war es zuzutrauen, da� er hinging und denunzierte. Der englische Korrespondent wurde nerv�s; er versuchte, sich zu rechtfertigen: �Ein italienischer Kollege hat mir im Vertrauen so etwas angedeutet�� Aber der schm�chtige Liebhaber prall gef�llter Uniformen schnitt ihm mit Strenge das Wort ab:

�Genug, mein Herr! Ich will nichts mehr h�ren! Das ist alles unverantwortliches Geschw�tz! - Entschuldigen Sie�, f�gte er sanfter hinzu. �Ich mu� den Exk�nig von Bulgarien begr��en. Die Prinzessin von Hessen ist hei ihm, ich habe die Bekanntschaft Ihrer Hoheit am Hofe ihres Vaters in Rom gemacht.� Er rauschte davon, die bleichen und spitzen H�ndchen auf der Brust gefaltet, in der Haltung und mit dem Gesichtsausdruck eines intriganten Abb�s. Der Engl�nder murmelte hinter ihm her: �Damned snob.�

Eine Bewegung ging durch den Saal, es gab ein h�rbares Rauschen: Der Propagandaminister war eingetreten. Man hatte ihn heute abend nicht hier erwartet, alle wu�ten um seine gespannte Beziehung zu dem fetten Geburtstagskind - das sich �brigens seinerseits noch immer verborgen hielt, um aus seinem Entrees dann den ganz gro�en Clou zu machen.

Der Propagandaminister - Herr �ber das geistige Leben eines Millionenvolkes - humpelte behende durch die gl�nzende Menge, die sich vor ihm verneigte. Eine eisige Luft schien zu wehen, wo er vorbeiging. Es war, als sei eine b�se, gef�hrliche, einsame und grausame Gottheit herniedergestiegen in den ordin�ren Trubel genu�s�chtiger, feiger und erb�rmlicher Sterblicher. Einige Sekunden lang war die ganze Gesellschaft wie gel�hmt von Entsetzen. Die Tanzenden erstarrten mitten in ihrer anmutigen Pose, und ihr scheuer Blick hing, zugleich dem�tig und ha�voll, an dem gef�rchteten Zwerg. Der versuchte durch ein charmantes L�cheln, welches seinen mageren, scharfen Mund bis zu den Ohren hinaufzerrte, die schauerliche Wirkung, die von ihm ausging, ein wenig zu mildern; er gab sich M�he, zu bezaubern, zu vers�hnen und seine tiefliegenden, schlauen Augen freundlich blicken zu lassen. Seinen Klumpfu� grazi�s hinter sich her ziehend, eilte er gewandt durch den Festsaal und zeigte dieser Gesellschaft von zweitausend Sklaven, Mitl�ufern, Betr�gern, Betrogenen und Narren sein falschbedeutendes Raubvogelprofil. An den Gruppen von Million�ren, Botschaftern, Divisionskommandanten und Filmstars huschte er, t�ckisch l�chelnd, vor�ber. Es war der Intendant Hendrik H�fgen, Staatsrat und Senator, bei welchem er stehenblieb.

Noch eine Sensation! Intendant H�fgen geh�rte zu den deklarierten Favoriten des Ministerpr�sidenten und Fliegergenerals, der seine Berufung an die Spitze der Staatstheater durchgesetzt hatte gegen den Willen des Propagandaministers. Dieser war, nach einem langen und heftigen Kampf, dazu gezwungen worden, seinen eigenen Proteg�, den Dichter C�sar von Muck, zu opfern und auf Reisen zu schicken. Nun aber ehrte er demonstrativ das Gesch�pf seines Feindes durch seine Begr��ung und durch sein Gespr�ch. Wollte der schlaue Meister der Propaganda auf solche Weise vor der internationalen Elitegesellschaft bekunden, da� es Unstimmigkeiten und R�nke zwischen den Spitzen des deutschen Regimes gar nicht gebe und da� die Eifersucht zwischen ihm, dem Reklamechef, und dem Fliegergeneral ins h��liche Gebiet der Greuelm�rchen geh�re? Oder war Hendrik H�fgen - eine der meistbesprochenen Figuren der Hauptstadt - seinerseits so unerme�lich schlau, da� er es fertigbrachte, zum Propagandaminister ebenso intime Beziehungen zu unterhalten wie zum Fliegergeneral - Ministerpr�sidenten? Spielte er den einen Machthaber gegen den anderen aus, lie� sich von den beiden gro�en Konkurrenten protegieren? Seiner legend�ren Geschicklichkeit w�re es zuzutrauen�

Das war ja alles ungeheuer interessant! Pierre Larue lie� den Exk�nig von Bulgarien einfach stehen und trippelte durch den Saal - von seiner Neugierde dahingeweht wie eine Feder vom Winde -, um dieses sensationelle Renkontre aus der n�chsten N�he mit anzuschauen, C�sar von Mucks st�hlerne Augen kniffen sich mi�trauisch zusammen, die Million�rin aus K�ln st�hnte woll�stig vor lauter Angeregtheit und Freude an der erhabenen Situation; w�hrend Frau Bella H�fgen, die Mutter des gro�en Mannes, allen, die in ihrer N�he standen, gn�dig und gleichsam ermunternd zul�chelte, als wollte sie ihnen bedeuten: Mein Hendrik ist gro�, und ich bin seine distinguierte Mutter. Trotzdem braucht ihr nun nicht gleich in die Knie zu sinken. Er und ich, wir sind auch nur von Fleisch und Blut, wenngleich sonst ausgezeichnet vor den �brigen Menschen.

�Wie geht es Ihnen, mein lieber H�fgen?� fragte der Propagandaminister anmutig l�chelnd den Intendanten. Auch der Intendant l�chelte, aber nicht gleich bis zu den Ohren hinauf, sondern mit einer Vornehmheit, die fast schmerzlich wirkte. �Ich danke Ihnen, Herr Minister!� Er sprach leise, etwas singenden Tones, dabei �u�erst akzentuiert-. Der Minister hatte seine Hand noch immer nicht losgelassen. �Darf ich mich nach dem Befinden Ihrer Frau Gemahlin erkundigen�, sagte der Intendant, und nun mu�te sein hoher Gespr�chspartner endlich ein ernstes Gesicht machen. �Sie ist heute abend ein wenig unp��lich.� Dabei lie� er die Hand des Senators und Staatsrats los. Dieser sagte wehm�tig: �Wie leid mir das tut.�

Nat�rlich wu�te er - was allen hier im Saale bekannt war -, da� die Frau des Propagandaministers v�llig verzehrt und innerlich verw�stet war von Eifersucht auf die Gattin des Ministerpr�sidenten. Da der Diktator selber unverehelicht blieb, war das angetraute Weib des Reklamechefs die Erste Dame im Reiche gewesen, und sie hatte diese ihre gottgewollte Funktion mit Anstand und W�rde erf�llt, ihr Todfeind konnte es nicht bestreiten.

Dann aber kam diese Lotte Lindenthal daher, eine mittt-lere Schauspielerin - jung war sie auch nicht mehr -, und lie� sich heiraten von dem prachtliebenden Dicken. Die Frau des Propagandaministers litt unbeschreiblich. Man machte ihr den Rang der Ersten Dame streitig! Eine andere dr�ngte sich vor! Mit einer Kom�diantin ward ein Kult getrieben1, als ob die K�nigin Luise auferstanden w�re! Immer wenn es eine Veranstaltung zu Lottes Ehren gab, �rgerte sich Frau Reklamechef so ungeheuer, da� sie Migr�ne bekam. Auch heute abend war sie im Bett geblieben.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ... 76
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)