Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Als sie Akkarin erreicht hatte, klopfte es an der Haupttür, was sie beide erstarren ließ.
»Geh weiter«, murmelte er ihr zu. »Das ist Lorlen. Ich werde Takan bitten, sich um diese Angelegenheit zu kümmern.«
Eine Sekunde lang fragte sie sich, woher er wusste, dass es Lorlen war. Dann begriff sie plötzlich. Der Ring, den Lorlen trug, enthielt tatsächlich einen Stein wie den, den sie in dem Zahn des Spions entdeckt hatten.
Als sie die Treppe hinunterging, hörte sie Schritte aus dem Empfangsraum über ihr. Akkarin zog die Tür des Treppenhauses sachte hinter sich zu und folgte ihr nach unten.
Der unterirdische Raum lag im Dunkeln, wurde jedoch im nächsten Moment von zwei Lichtkugeln erhellt. Sonea betrachtete die beiden Tische, die alte Truhe, die Bücherregale und die Schränke. Im Grunde gab es hier unten nichts, was irgendwie bedrohlich wirkte.
Akkarin schien darauf zu warten, dass sie voranging. Sie machte einige Schritte in den Raum hinein, dann drehte sie sich um. Akkarin blickte zur Decke auf und schnitt eine Grimasse.
»Er ist weg. Ich muss ihm etwas mitteilen, aber das kann warten.«
»Wollt Ihr… sollen wir dies hier auf später verschieben?«, fragte sie zaghaft und hoffte halb, dass er zustimmen würde.
Der Blick, den er ihr zuwarf, war so direkt, so raubtierhaft, dass sie unwillkürlich einen Schritt zurückwich.
»Nein«, sagte er. »Das hier ist wichtiger.« Er verschränkte die Arme vor der Brust, und seine Mundwinkel hoben sich zu der Andeutung eines Lächelns. »Also dann. Wie beabsichtigst du, mir zu helfen?«
»Ich… Ihr…« Sie litt plötzlich unter Atemnot. »Indem ich schwarze Magie lerne«, brachte sie schließlich heraus.
Sein Lächeln erlosch. »Nein.« Er ließ die Arme sinken. »Die kann ich dich nicht lehren, Sonea.«
Sie starrte ihn erstaunt an. »Dann… warum habt Ihr mir dann die Wahrheit gezeigt? Warum habt Ihr mir von den Ichani erzählt, wenn Ihr nicht wolltet, dass ich mich Euch anschließe?«
»Ich hatte nie die Absicht, dich schwarze Magie zu lehren«, erklärte er entschieden. »Ich will nicht, dass du deine Zukunft in der Gilde gefährdest.«
»Dann… wie kann ich Euch dann helfen?«
»Ich hatte die Absicht…« Er zögerte, dann seufzte er und wandte den Blick ab. »Ich hatte die Absicht, dich zu einer willigen Kraftquelle zu machen, geradeso wie Takan eine ist.«
Ein Frösteln überlief sie, doch es war nur eine flüchtige Regung. Natürlich, dachte sie. Das ist es, wohin all diese Dinge führen müssen.
»Die Ichani werden uns vielleicht niemals überfallen«, sagte er. »Wenn du schwarze Magie erlernst, hättest du damit deine Zukunft ganz umsonst aufs Spiel gesetzt.«
»Das ist ein Risiko, das ich einzugehen bereit bin«, erwiderte sie, und ihre Stimme klang seltsam verloren in dem großen Raum.
Akkarin bedachte sie mit einem missbilligenden Blick. »So leicht würdest du also dein Gelübde brechen?«
Sie hielt seinem Blick stand. »Wenn es die einzige Möglichkeit wäre, wie ich Kyralia schützen könnte, dann ja.«
Seine Miene verlor ihre Wildheit. Sonea hätte dem, was sie jetzt in seinen Zügen las, keinen Namen geben können.
»Unterrichtet sie, Meister.«
Beim Klang dieser neuen Stimme drehten sie sich beide um. Takan stand in der Tür des Raums und sah Akkarin durchdringend an.
»Unterrichtet sie«, wiederholte er. »Ihr braucht einen Verbündeten.«
»Nein«, antwortete Akkarin. »Welchen Nutzen hätte Sonea für mich, wenn ich das täte? Wenn ich ihre Kraft nehme, wird sie als schwarze Magierin nichts ausrichten können. Wenn sie eine schwarze Magierin wäre, von wem sollte sie dann Kraft beziehen? Von dir? Nein. Die Last, die du trägst, ist jetzt schon zu groß.«
Takan zuckte nicht mit der Wimper. »Es muss noch jemand außer Euch um dieses Geheimnis wissen, Meister. Sonea braucht es nicht anzuwenden; es würde genügen, wenn sie da wäre, um im Falle Eures Todes Euren Platz einzunehmen.«
Akkarin erwiderte den Blick des Dieners. Lange Zeit sahen die beiden Männer einander schweigend an.
»Nein«, sagte Akkarin schließlich. »Aber… falls sie Kyralia überfallen sollten, werde ich noch einmal darüber nachdenken.«
»Bis dahin könnte es zu spät sein«, erwiderte Takan leise. »Sie werden erst angreifen, wenn sie Euch unschädlich gemacht haben.«
»Er hat Recht«, warf Sonea mit zitternder Stimme ein. »Unterrichtet mich und benutzt mich als Kraftquelle. Ich werde keine schwarze Magie anwenden, es sei denn, mir bliebe nichts anderes übrig.«
Er starrte sie kalt an. »Weißt du, welche Strafe auf das Studium und die Anwendung von schwarzer Magie steht?«
Sie zögerte, dann schüttelte sie den Kopf.
»Die Hinrichtung. Kein anderes Verbrechen zieht eine solche Strafe nach sich. Allein das Studium der schwarzen Magie würde zu deinem Ausschluss aus der Gilde führen.«
Ein Frösteln überlief sie. Akkarins Mund verzog sich zu einem grimmigen Lächeln.
»Aber du kannst mir von Nutzen sein, ohne ein Verbrechen zu begehen. Es gibt kein Gesetz, das verbietet, einem anderen Magier seine Kraft zur Verfügung zu stellen. Genau genommen hast du das bereits gelernt – in deinen Lektionen in den Kriegskünsten. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ich die Kraft, die du mir gibst, für einen späteren Zeitpunkt speichern kann.«
Sie blinzelte überrascht. Kein Messer? Kein Aufschneiden der Haut? Aber natürlich – das war gar nicht nötig.
»Nach dem Kampf mit Regin und seinen Gefährten brauchtest du lediglich den Schlaf einer Nacht, um den größten Teil deiner Stärke zurückzugewinnen«, fuhr er fort. »Wir sollten jedoch dafür Sorge tragen, dass du mir nicht allzu viel von deiner Kraft gibst, wenn du am nächsten Tag Unterricht in den Kriegskünsten hast. Und wenn du tatsächlich eines Tages in der Lage sein willst, an meiner Stelle gegen die Spione zu kämpfen, dann sollte ich mich besser persönlich um deine Ausbildung kümmern.«
Ein jähes Schwindelgefühl bemächtigte sich Soneas. Unterricht in den Kriegskünsten? Bei Akkarin?
»Bist du dir sicher, dass du das willst?«, fragte er.
Sie holte abermals tief Luft. »Ja.«
Akkarin runzelte die Stirn und sah sie einen Moment lang an. »Ich werde heute Abend ein wenig von deiner Stärke nehmen. Morgen werden wir dann sehen, ob du mir immer noch helfen willst.«
Er winkte sie zu sich heran. »Reich mir die Hände.«
Sie trat einen Schritt vor und streckte die Hände aus. Als sich seine langen Finger mit ihren verbanden, schauderte sie.
»Sende deine Macht aus, wie du es während des Unterrichts in den Kriegskünsten tust, wenn du einem anderen deine Kraft leihen willst.«
Sonea griff nach ihrer Macht und ließ sie durch ihre Hände hinausströmen. Akkarins Gesichtsausdruck veränderte sich leicht, als er sich der zusätzlichen Energie bewusst wurde und sie in sich aufnahm. Sonea fragte sich, wie er diese Magie aufbewahren mochte. Obwohl sie gelernt hatte, die Kraft anderer Novizen anzunehmen, hatte sie sie doch stets in Angriffe fließen lassen oder sie ihrem Schild hinzugefügt.
»Bewahre dir ein wenig Energie für den Unterricht«, murmelte er.
Sie zuckte die Achseln. »Ich verbrauche kaum Energie. Nicht einmal in den Kriegskünsten.«
»Das wird sich bald ändern.« Akkarins Griff lockerte sich. »Das genügt.«
Sonea hörte auf, ihre Kraft auszusenden. Als er ihre Hände losließ, trat sie einen Schritt zurück. Er sah Takan an, dann nickte er ihr zu.
»Ich danke dir, Sonea. Und jetzt ruh dich ein wenig aus. Gib Takan morgen früh eine Kopie deines Stundenplans, so dass wir dich für deinen Unterricht in den Kriegskünsten nicht allzu sehr schwächen. Wenn du bei deinem Entschluss bleibst, werden wir morgen Abend weitermachen.«
Sonea nickte. Sie durchquerte den Raum und blieb an der Tür noch einmal kurz stehen, um sich zu verneigen.
»Gute Nacht, Hoher Lord.«
Akkarin blickte sie ungerührt an. »Gute Nacht, Sonea.«
Ihr Herz hatte von Neuem zu hämmern begonnen – aber diesmal nicht aus Angst, sondern aus Erregung.