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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Ich helfe ihm vielleicht nicht so, wie ich es erwartet hatte, dachte sie, aber ich helfe ihm.

Dann stieß sie ein klägliches Lachen aus. Ich werde vielleicht nicht mehr gar so glücklich darüber sein, wenn er erst anfängt, mich persönlich in den Kriegskünsten zu unterrichten!

10

Ein unerwarteter Gegner

Während Rothen auf die Ankunft seiner letzten Schüler wartete, blickte er aus dem Fenster. Längere, wärmere Tage verwandelten die Gärten in ein grünes Labyrinth. Selbst die graue Residenz des Hohen Lords wirkte freundlich in dem hellen Morgenlicht.

Jetzt sah er, wie deren Tür geöffnet wurde, und sein Herz setzte einen Schlag aus, als Sonea aus dem Gebäude kam. Es war spät für ihre Verhältnisse, stellte er fest. Tania zufolge stand sie noch immer bei Morgengrauen auf.

Dann wurde eine größere Gestalt sichtbar, und Rothens ganzer Körper verkrampfte sich. Akkarins schwarze Roben wirkten beinahe grau in dem hellen Sonnenlicht. Der Hohe Lord drehte sich zu Sonea um und sagte etwas. Ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Dann machten die beiden sich auf den Weg zur Universität, und ihre Gesichter wurden wieder ernst. Rothen beobachtete sie, bis sie sich seinem Blick entzogen.

Schließlich wandte er sich schaudernd vom Fenster ab. Das Frösteln, das ihn beschlichen hatte, wollte nicht mehr weichen.

Sie hatte Akkarin angelächelt.

Es war kein höfliches, gezwungenes Lächeln gewesen, sondern ein offenes, vorbehaltloses. Außerdem war dieses Lächeln heimlichtuerisch und beinahe verschlagen gewesen.

Nein, sagte er sich. Ich sehe nur das, wovor ich mich am meisten fürchte, weil es das ist, wonach ich schon immer Ausschau gehalten habe. Sie hatte wahrscheinlich nur gelächelt, um Akkarin zu täuschen oder ihn zu besänftigen. Oder aber er hatte eine Bemerkung gemacht, die sie erheitert hatte, und sie hatte sich auf seine Kosten amüsiert…

Aber wenn es nicht so gewesen war? Was, wenn es einen anderen Grund gab?

»Lord Rothen?«

Als er sich umdrehte, sah er, dass seine Klasse vollzählig war und die Schüler geduldig auf den Anfang des Unterrichts warteten. Er brachte ein klägliches Lächeln zustande, dann kehrte er zu seinem Pult zurück.

Er konnte unmöglich aus dem Klassenzimmer stürzen und eine Erklärung von Sonea verlangen. Nein, fürs Erste musste er sie aus seinen Gedanken verbannen und sich auf den Unterricht konzentrieren. Später jedoch würde er noch einmal gründlich darüber nachdenken, was er gesehen hatte.

Und er würde sie genauer beobachten.

Während die Kutsche wieder abfuhr, ging Dannyl mit langen Schritten auf die Tür von Dem Maranes Haus zu und zog an der Glockenschnur.

Er gähnte, dann beschwor er ein wenig Magie herauf, um seine Erschöpfung zu vertreiben. Eine Woche war vergangen, seit Tayend ihm das Buch gezeigt hatte, und es hatte viele geheime Treffen mit Botschafter Errend und anderen elynischen Magiern gegeben, um diesen Abend vorzubereiten. Jetzt würden sie erfahren, ob ihre Pläne Erfolg zeigten.

Schritte näherten sich der Tür, dann wurde sie geöffnet, und der Herr des Hauses verneigte sich anmutig.

»Botschafter Dannyl. Es ist mir ein Vergnügen, Euch wiederzusehen. Bitte, tretet ein.«

»Vielen Dank.« Dannyl folgte der Einladung.

»Wo ist der junge Tremmelin?«, erkundigte sich der Dem.

»Bei seinem Vater«, antwortete Dannyl. »Sie wollten irgendeine Familienangelegenheit besprechen. Er lässt Euch grüßen; außerdem soll ich Euch sagen, dass das Buch sehr aufschlussreich sei und er heute Abend mit der Lektüre fertig werde. Ich weiß, dass er viel lieber mit Euch und Euren Freunden sprechen würde, statt sich um familiäre Belange kümmern zu müssen.«

Royend nickte und lächelte, aber seine Augen verrieten Argwohn. »Ich bedauere, dass er nicht mitkommen konnte.«

»Wie geht es Farand? Keine unbeabsichtigten Zwischenfälle?«, fragte Dannyl und ließ einen Anflug von Sorge in seiner Stimme mitklingen.

»Nein.« Der Dem zögerte. »Einen beabsichtigten Zwischenfall hat es jedoch gegeben. Da er jung und ungeduldig ist, konnte er der Versuchung nicht widerstehen, etwas auszuprobieren.«

Dannyl machte ein besorgtes Gesicht. »Was ist passiert?«

»Es hat nur einen weiteren kleinen Brand gegeben.« Der Dem lächelte schief. »Ich musste seinem Gastgeber ein neues Bett kaufen.«

»Waren es dieselben Gastgeber wie beim letzten Mal?«

»Nein. Ich habe Farand abermals an einen anderen Ort gebracht. Es erschien mir um unser aller willen klug, ihn aus der Stadt fortzubringen, falls seine kleinen Unfälle so dramatisch werden sollten, dass sie unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich lenken.«

Dannyl nickte. »Das war weise, wenn auch wahrscheinlich überflüssig. Ich hoffe, er ist nicht allzu weit entfernt. Ich kann nur einige Stunden bleiben.«

»Nein, nicht allzu weit«, versicherte ihm der Dem.

Inzwischen hatten sie die Tür des nächsten Raums erreicht. Royends Gattin, Kaslie, erhob sich und kam Dannyl entgegen.

»Seid mir gegrüßt, Botschafter. Es ist schön, Euch wiederzusehen. Glaubt Ihr, dass mein Bruder bald die Kontrolle über seine Kräfte erlangen wird?«

»Ja«, erwiderte Dannyl ernst. »Entweder heute Abend oder beim nächsten Mal. Es kann jetzt nicht mehr lange dauern.«

Sie nickte, offensichtlich erleichtert. »Ich kann Euch gar nicht genug danken für Eure Hilfe.« Sie wandte sich zu Royend um. »Ihr macht Euch dann jetzt am besten auf den Weg.«

In ihrer Stimme schwang ein Anflug von Groll mit. Die Mundwinkel des Dem verzogen sich zu einem schwachen Lächeln. »Farand wird schon bald in Sicherheit sein, meine Liebe.«

Ihr Stirnrunzeln vertiefte sich noch. Dannyl ließ sich nichts von seinen Gedanken anmerken. Tayend meinte, dass Kaslie nur selten glücklich wirke und sich manchmal über ihren Gatten zu ärgern schien. Er vermutete, dass sie Royend für die Situation ihres Bruders verantwortlich machte, weil er den jungen Mann dazu ermutigt hatte, seine Fähigkeiten zu entwickeln.

Der Dem führte Dannyl aus dem Haus und zu einer wartenden Kutsche. Noch bevor sie auf der Bank Platz genommen hatten, setzte sich das Gefährt, dessen Fenster verhängt waren, in Bewegung.

»Zum Schutz von Farands Gastgebern«, erklärte der Dem. »Ich mag bereit sein, Euch meine Identität zu offenbaren, aber andere Mitglieder unserer Gruppe sind weniger vertrauensvoll. Sie nehmen Farand nur unter der Bedingung auf, dass ich diese Vorsichtsmaßnahmen ergreife.« Er hielt inne. »Haltet Ihr mich für einen Narren, weil ich Euch vertraue?«

Dannyl blinzelte überrascht. Er dachte über die Frage nach, dann zuckte er die Achseln. »Ich hätte erwartet, dass Ihr langsamer zu Werke gehen und meine Aufrichtigkeit vielleicht einigen Prüfungen unterziehen würdet. Aber dazu blieb Euch keine Zeit; Farand brauchte Hilfe. Ihr seid ein Risiko eingegangen, aber ich bin davon überzeugt, dass es ein wohlerwogenes war.« Er kicherte. »Gewiss hattet Ihr Pläne für den Fall, dass Ihr hättet fliehen müssen. Wahrscheinlich habt Ihr solche Pläne noch immer.«

»Und Ihr musstet Tayend beschützen.«

»Ja.« Dannyl lächelte gutmütig. »Eines wüsste ich jedoch gern. Wenn ich Farand die Kontrolle über seine Kräfte gelehrt habe, werde ich dann in Eurem Haus nicht länger willkommen sein?«

Der Dem lachte leise. »Das werdet Ihr wohl abwarten müssen.«

»Und ich nehme an, ich brauche Euch nicht an all die wunderbaren Dinge zu erinnern, die ich Farand lehren könnte, sobald er Kontrolle gelernt hat.«

Royends Augen leuchteten. »Ich würde mich sehr freuen, an eben diese Dinge erinnert zu werden.«

Während der nächsten Stunde erörterten sie verschiedene Anwendungsweisen von Magie. Dannyl achtete genau darauf, nur zu beschreiben, was möglich war, und nicht, wie man es anstellte, und der Dem spürte offenkundig, dass er sich mit Absicht vage ausdrückte. Zu guter Letzt verlangsamte sich die Fahrt der Kutsche, und der Wagen blieb stehen.

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