Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Krieg und Frieden
1 ... 356 357 358 359 360 361 362 363 364 ... 486
Перейти на страницу:

Auf dem Kudrinskaja-Platz trafen aus der Nikitskaja-Straße, der Prjesnenskaja-Straße und dem Podnowinski-Boulevard noch mehrere solcher Züge wie der Rostowsche zusammen, und in der Sadowaja-Straße mußten die Equipagen und die andern Fuhrwerke schon in zwei Reihen nebeneinander fahren.

Als sie um den Sucharew-Turm herumfuhren, rief Natascha, die schnell und neugierig die vorbeifahrenden und vorbeigehenden Leute betrachtete, plötzlich freudig und erstaunt aus:

»Herrgott! Mama, Sonja, seht mal, das ist er!«

»Wer? Wer?«

»Seht nur, wahrhaftigen Gottes, Besuchow!« sagte Natascha, bog sich aus dem Kutschfenster und blickte nach einem hochgewachsenen, dicken Mann, der zwar einen Kutscherrock trug, dem Gang und der Haltung nach aber entschieden ein verkleideter Edelmann war. In Begleitung eines bartlosen, kleinen, alten Mannes, mit gelblicher Gesichtsfarbe, in einem Friesmantel, ging er eben unter das Gewölbe des Sucharew-Turmes.

»Wahrhaftig, Besuchow, in einem langen Kaftan, mit irgendeinem alten Mann. Wahrhaftig«, sagte Natascha, »seht nur, seht nur!«

»Aber nein, das ist er nicht. Wie kannst du nur solchen Unsinn reden!«

»Mama«, rief Natascha, »ich lasse mir den Kopf abschneiden, wenn er es nicht ist. Ich will es Ihnen beweisen. Halt, halt!« rief sie dem Kutscher zu.

Aber der Kutscher konnte nicht anhalten, weil aus der Mjeschtschanskaja-Straße andere Equipagen und gewöhnliche Fuhrwerke herausgefahren kamen und deren Kutscher ihm zuschrien, er solle weiterfahren und andere nicht aufhalten.

Wirklich erblickten nun alle Rostows, wiewohl in erheblich größerer Entfernung als vorher, Pierre oder einen Menschen, der diesem außerordentlich ähnlich war, in einem Kutscherrock, wie er mit gesenktem Kopf und ernstem Gesicht neben einem kleinen, bartlosen, alten Mann, der wie ein Diener aussah, auf der Straße ging. Der Alte bemerkte, daß sich ein Gesicht aus der Kutsche hinausbog und nach ihnen hinsah; respektvoll berührte er Pierre am Ellbogen, sagte ihm etwas und zeigte auf die Kutsche. Pierre verstand längere Zeit nicht, was sein Gefährte zu ihm sagte; so vertieft war er offenbar in seine Gedanken. Als er endlich verstanden hatte, blickte er nach der ihm gewiesenen Richtung hin, und als er Natascha erkannte, ging er sofort in demselben Augenblick, dem ersten Impuls folgend, schnell auf die Kutsche zu. Aber nachdem er etwa zehn Schritte zurückgelegt hatte, fiel ihm offenbar etwas ein, und er blieb stehen.

Nataschas Gesicht, das sich aus dem Kutschfenster bog, strahlte von spöttischer Freundlichkeit.

»Pjotr Kirillowitsch, kommen Sie doch her! Wir haben Sie ja erkannt! Das ist ja erstaunlich!« rief sie und streckte ihm die Hand entgegen. »Wie kommen Sie hierher? Und warum sehen Sie so aus?«

Pierre ergriff die hingestreckte Hand und küßte sie unbeholfen während des Fahrens, da die Kutsche sich weiterbewegte.

»Was ist denn mit Ihnen vorgegangen, Graf?« fragte die Gräfin in verwundertem, mitleidigem Ton.

»Was vorgegangen ist? Warum ich hier bin? Fragen Sie mich nicht«, erwiderte Pierre und blickte dann wieder zu Natascha hin, deren strahlender, freudiger Blick ihn (das fühlte er, auch während er sie nicht ansah) mit seinem Zauber umfing.

»Was haben Sie denn vor? Bleiben Sie etwa in Moskau?« fragte Natascha.

»In Moskau?« erwiderte er fragend. »Ja, ich bleibe in Moskau. Leben Sie wohl.«

»Ach, ich wollte, ich wäre ein Mann; dann bliebe ich bestimmt mit Ihnen hier. Ach, wie schön das wäre!« sagte Natascha. »Mama, wenn Sie es erlauben, bleibe ich hier.«

Pierre blickte Natascha zerstreut an und wollte etwas sagen; aber die Gräfin ließ ihn nicht zu Worte kommen:

»Wie wir gehört haben, sind Sie bei der Schlacht dabeigewesen?« fragte sie.

»Ja, ich bin dort gewesen«, antwortete Pierre. »Morgen wird wieder eine Schlacht stattfinden …«, begann er; aber Natascha unterbrach ihn:

»Aber was ist denn mit Ihnen vorgegangen, Graf? Sie sehen so ganz verändert aus …«

»Ach, fragen Sie mich nicht, fragen Sie mich nicht; ich weiß es selbst nicht. Morgen … Aber nein! Leben Sie wohl, leben Sie wohl«, murmelte er; »es ist eine schreckliche Zeit!«

Er trat von der Kutsche zurück und ging auf das Trottoir.

Natascha blieb noch lange so aus dem Kutschfenster gebeugt und schaute mit einem strahlenden, heiteren, freundlichen und ein wenig spöttischen Lächeln zu ihm hin.

XVIII

Seit Pierre am vorhergehenden Tag aus seinem Haus verschwunden war, wohnte er in der leerstehenden Wohnung des verstorbenen Basdjejew. Das war folgendermaßen zugegangen.

Als Pierre an dem Tag, der auf seine Rückkehr nach Moskau und sein Gespräch mit Graf Rastoptschin folgte, des Morgens aufgewacht war, konnte er lange nicht darüber ins klare kommen, wo er sich eigentlich befand und was man von ihm wollte. Als ihm unter den Namen anderer Personen, die im Wartezimmer darauf warteten, vorgelassen zu werden, auch gemeldet wurde, daß jener Franzose auf ihn warte, der den Brief der Gräfin Helene überbracht hatte, da überkam ihn plötzlich jenes Gefühl der Verwirrung und Hoffnungslosigkeit, dem er so oft und so leicht unterworfen war. Er hatte auf einmal die Vorstellung, jetzt sei alles zu Ende, alles in Verwirrung, alles zugrunde gerichtet, niemand sei schuldlos, niemand schuldig, die Zukunft könne nichts Gutes mehr bieten, und es gebe aus dieser Lage keinen Ausgang. Gezwungen lächelnd und etwas vor sich hinmurmelnd, setzte er sich bald in einer Haltung völliger Hilflosigkeit auf das Sofa, bald stand er wieder auf, ging an die Tür und sah durch die Spalte in das Wartezimmer, bald kehrte er mit einer resignierten Handbewegung zurück und griff nach einem Buch. Der Haushofmeister kam zum zweitenmal, um ihm zu melden, daß der Franzose, der den Brief von der Gräfin gebracht habe, dringend bäte, ihn, wenn auch nur auf einen Augenblick, zu empfangen, und daß jemand von der Witwe Osip Alexejewitsch Basdjejews gekommen sei mit der Bitte, doch die Bücher in Empfang zu nehmen, da Frau Basdjejewa selbst aufs Land gefahren sei.

»Ach ja, sogleich, warte einen Augenblick … oder nein! Nein, geh nur und sage, ich würde sogleich kommen«, sagte Pierre zu dem Haushofmeister.

Aber kaum war der Haushofmeister aus dem Zimmer, als Pierre seinen Hut nahm, der auf dem Tisch lag, und sein Arbeitszimmer durch die Hintertür verließ. Auf dem Korridor war niemand. Pierre durchschritt ihn in seiner ganzen Länge bis zur Treppe und stieg, die Stirn runzelnd und sie mit beiden Händen reibend, bis zum ersten Absatz hinunter. Der Portier stand beim Vorderportal. Von dem Absatz, zu dem Pierre hinuntergestiegen war, führte eine andere Treppe nach dem hinteren Ausgang. Hierher ging Pierre und trat auf den Hof hinaus. Niemand sah ihn. Aber sowie er durch das Tor auf die Straße kam, erblickten ihn die Kutscher, die dort mit ihren Equipagen hielten, sowie der Hausknecht und nahmen vor ihm die Mützen ab. Als er ihre Blicke auf sich gerichtet fühlte, machte es Pierre wie der Strauß, der seinen Kopf in einen Busch steckt, um nicht gesehen zu werden: er senkte den Kopf und ging mit beschleunigtem Schritt die Straße hinunter.

Von allen den Tätigkeiten, die ihn an diesem Morgen in Anspruch nehmen wollten, erschien ihm als die wichtigste die Sichtung der Bücher und Papiere Osip Alexejewitsch Basdjejews.

Er nahm die erste Droschke, die er fand, und befahl dem Kutscher, nach den Patriarchenteichen zu fahren, wo das Haus der verwitweten Frau Basdjejewa lag.

Während er unaufhörlich die von überallher sich vorwärtsbewegenden Wagenzüge der aus Moskau flüchtenden Einwohner betrachtete und sich mit seinem dicken Körper zurechtrückte, um nicht aus der klappernden, alten Droschke herauszurutschen, empfand Pierre dasselbe freudige Gefühl wie ein Schüler, der aus der Schule davongelaufen ist. In dieser Stimmung ließ er sich mit dem Kutscher in ein Gespräch ein.

1 ... 356 357 358 359 360 361 362 363 364 ... 486
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)