Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Der General hat befohlen, die Soldaten sofort unter allen Umständen sämtlich von den Läden fortzutreiben. Dieses Benehmen ist ja unerhört! Die Hälfte der Leute ist von der Truppe weggelaufen!«
»Wohin willst du da …? Wo wollt ihr da hin?« schrie er drei Infanteristen an, die ohne Gewehre, die Mantelschöße ein wenig anhebend, nach den Läden zu an ihm vorbeischlüpfen wollten. »Halt, ihr Kanaillen!«
»Ja, versuchen Sie nur, die zusammenzubekommen!« erwiderte einer der beiden andern Offiziere. »Die kriegt man nicht zusammen. Wir müßten schneller marschieren, damit uns die letzten nicht davongehen; das ist das einzige Mittel!«
»Wie sollen wir schneller marschieren? Wir haben dort haltmachen müssen; auf der Brücke ist ein furchtbares Gedränge; man kommt nicht vom Fleck. Oder sollen wir eine Postenkette aufstellen, damit die letzten nicht davonlaufen?«
»Gehen Sie doch einmal hin und jagen Sie sie hinaus!« rief der höchste der Offiziere.
Der Offizier mit der Schärpe stieg vom Pferd, rief einen Tambour heran und ging mit ihm zusammen unter die Arkaden. Ein Haufe Soldaten machte schleunigst, daß er davonkam. Ein Kaufmann mit roten Pusteln auf den Backen neben der Nase und mit einem ruhigen, festen, berechnenden Gesichtsausdruck, trat eilig und in gezierter Manier unter lebhaften Gestikulationen auf den Offizier zu.
»Euer Wohlgeboren«, sagte er, »haben Sie die Gewogenheit und beschützen Sie uns. Auf eine Kleinigkeit soll es uns nicht ankommen; mit dem größten Vergnügen; wenn es Ihnen beliebt, bringe ich sofort, sagen wir, zwei Stücke Tuch heraus, Tuch für einen vornehmen Herrn; mit dem größten Vergnügen; denn wir sehen das ja ein. Aber dies hier, was stellt das vor? Das ist ja der reine Raub! Bitte, haben Sie die Güte! Wenn Sie eine Wache hinstellen wollten, damit man wenigstens die Möglichkeit hätte, den Laden zuzumachen.«
Es drängten sich noch ein paar andere Kaufleute um den Offizier herum.
»Ach was! Unnützes Gebelfer!« sagte einer von ihnen, ein hagerer Mann mit strengem Gesichtsausdruck. »Wem der Kopf abgeschnitten wird, der weint nicht um sein Haar. Mag doch jeder von der Ware nehmen, was ihm gefällt!« Er machte eine energische Handbewegung, als sei ihm das alles gleichgültig, und wendete sich um, so daß er dem Offizier die Seite zukehrte.
»Ja, du hast gut reden, Iwan Sidorowitsch!« sagte der erste Kaufmann ärgerlich. »Bitte, haben Sie die Güte, Euer Wohlgeboren!«
»Was redest du!« rief der Hagere. »Ich habe hier in drei Läden für hunderttausend Rubel Ware. Aber beschützen kann ich die ja doch nicht, da unser Heer abzieht. Ach, ihr Menschen, ihr Menschen! Gottes allmächtigen Willen werdet ihr mit euren schwachen Händen nicht hemmen!«
»Bitte, haben Sie die Güte, Euer Wohlgeboren«, sagte der erste Kaufmann mit einer tiefen Verbeugung.
Der Offizier stand zweifelnd, was er tun sollte, und auf seinem Gesicht malte sich seine Unschlüssigkeit.
»Ach, was geht mich das an!« rief er plötzlich und ging mit schnellen Schritten vorwärts durch die Ladenreihe hin.
Aus einem offenstehenden Laden war Schlägerei und Schimpfen zu hören, und als der Offizier sich ihm näherte, wurde gerade ein Mann in grauem Kittel und mit rasiertem Kopf aus der Tür hinausgeworfen.
Dieser Mensch schlüpfte in gebückter Haltung an den Kaufleuten und dem Offizier vorbei. Der Offizier fuhr die Soldaten an, die sich in dem Laden befanden. Aber in diesem Augenblick erscholl ein furchtbares Geschrei vieler Menschen von der Moskworezki-Brücke her und der Offizier lief auf den Platz.
»Was gibt es? Was gibt es?« fragte er; aber der eine seiner Kameraden sprengte schon in der Richtung nach dem Geschrei davon, an der Wasili-Blaschenny-Kirche vorbei.
Der Offizier stieg zu Pferd und ritt ihm nach. Als er zur Brücke kam, sah er zwei abgeprotzte Kanonen dastehen, Infanterie, die über die Brücke marschierte, einige umgeworfene Bauernwagen, erschrockene Gesichter von Einwohnern und lachende Soldatengesichter. Neben den Kanonen stand ein zweispänniges Fuhrwerk. Hinter den Hinterrädern dieses Fuhrwerkes drängten sich vier Windhunde mit Halsbändern zusammen. Auf dem Fuhrwerk lag ein ganzer Berg von Sachen, und ganz obendrauf, neben einem Kinderstühlchen, das die Beine nach oben streckte, saß eine Frau, die ein durchdringendes, verzweifeltes Jammergeschrei ausstieß. Die Kameraden erzählten dem Offizier, weshalb die Menge so gekreischt habe und das Weib so jammere. General Jermolow sei angeritten gekommen, habe gesehen, daß die Brücke durch Haufen von Einwohnern versperrt sei, und erfahren, daß infolgedessen die Soldaten sich in den Läden zerstreuten; da habe er befohlen, ein paar Geschütze abzuprotzen, als ob er auf die Brücke schießen lassen wolle. Die Menge habe, einander halbtot drückend, unter entsetzlichem Geschrei und Gedränge die Brücke geräumt, so daß die Truppen nun hinübermarschieren könnten.
XXII
Die Stadt selbst war unterdessen öde geworden. Auf den Straßen war kaum noch ein Mensch zu sehen. Die Haustore und Kaufläden waren sämtlich geschlossen; an einzelnen Stellen, wo sich Schenken befanden, ertönte vereinzeltes Schreien oder Gesang von Betrunkenen. Niemand fuhr auf den Straßen, und nur selten hörte man die Schritte von Fußgängern. In der Powarskaja-Straße war es völlig still und einsam. Auf dem großen Hof des Rostowschen Hauses lagen Heuüberbleibsel und Mist von den weggefahrenen Gespannen, und keine Menschenseele war zu sehen. Im Innern des Hauses, in welchem fast die ganze bewegliche Habe der Familie Rostow zurückgeblieben war, befanden sich zwei Menschen im großen Salon. Dies waren der Hausknecht Ignati und der Laufbursche Mischka, Wasiljewitschs Enkel, den man bei seinem Großvater in Moskau gelassen hatte. Mischka hatte das Klavier geöffnet und spielte auf diesem mit einem Finger. Der Hausknecht stand, die Arme in die Seiten stemmend und vergnügt lächelnd, vor dem großen Spiegel.
»Das kann ich mal fein! Nicht wahr, Onkelchen Ignati?« sagte der Junge und begann auf einmal mit beiden Händen auf die Tasten zu schlagen.
»Ja, du bist ein Tausendsassa!« antwortete Ignati und wunderte sich gleichzeitig darüber, wie sein Gesicht im Spiegel immer mehr und mehr lächelte.
»So eine unverschämte Bande! Das muß ich sagen, so eine unverschämte Bande!« rief hinter ihnen eine Stimme; Mawra Kusminitschna war leise in den Salon getreten. »Steht so ein dickmäuliger Kerl da und fletscht die Zähne! Dazu seid ihr auch gerade da! Noch nirgends ist aufgeräumt, und Wasiljewitsch kann sich vor Müdigkeit kaum mehr auf den Beinen halten. Na wartet!«
Ignati hörte auf zu lächeln, schob seinen Gürtel zurecht und ging mit niedergeschlagenen Augen gehorsam aus dem Zimmer.
»Tantchen, ich werde nur ganz leise …«, sagte der Junge.
»Ich werde es dir geben mit ›nur ganz leise‹, du Galgenstrick!« rief Mawra Kusminitschna und holte nach ihm mit der Hand aus. »Geh und mach für deinen Großvater den Samowar zurecht.«
Mawra Kusminitschna wischte den Staub ab, machte das Klavier zu, verließ mit einem schweren Seufzer das Zimmer und schloß die Tür zu.
Als sie auf den Hof hinauskam, überlegte sie, wohin sie jetzt gehen sollte: ob zu Wasiljewitsch in das Nebengebäude, um Tee zu trinken, oder in die Vorratsräume, um dort die Sachen der Herrschaft in Ordnung zu stellen.