Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Um neun Uhr wachte die Gräfin auf, und Matrona Timofjejewna, ihr ehemaliges Stubenmädchen, das jetzt bei der Gräfin sozusagen das Amt eines Polizeiinspektors versah, kam, um ihrer früheren Herrin zu melden, daß Marja Karlowna höchst entrüstet sei und daß die Sommerkleider der jungen Damen unmöglich hiergelassen werden könnten. Auf ihre Frage, warum denn Madame Schoß entrüstet sei, erfuhr die Gräfin dann, der Koffer der Madame Schoß sei vom Wagen wieder heruntergenommen worden; es sollten alle Fuhren wieder aufgeschnürt, die Sachen abgeladen und Verwundete hineingesetzt werden, die der Graf in seiner Gutmütigkeit mitzunehmen befohlen habe. Die Gräfin befahl, ihren Mann zu ihr zu bitten.
»Was hat das zu bedeuten, mein Freund, ich höre, daß die Sachen wieder abgeladen werden?«
»Weißt du, liebe Frau, ich wollte es dir eben sagen … meine liebe Gräfin … Da ist ein Offizier zu mir gekommen; die Verwundeten bitten, ihnen ein paar Wagen zu überlassen. Die Sachen lassen sich ja alle wieder beschaffen; aber wie traurig wäre es für diese armen Menschen, wenn sie hierbleiben müßten, überlege das einmal! Wahrhaftig! Wir haben da Offiziere in unserm Haus, wir haben sie ja selbst zu uns eingeladen … Weißt du, ich glaube, wahrhaftig, liebe Frau, siehst du wohl, liebe Frau … mögen sie doch die Wagen benutzen … mit uns hat es ja keine Not.«
Der Graf sagte das schüchtern, so wie er stets sprach, wenn es sich um Geldsachen handelte. Die Gräfin ihrerseits kannte diesen Ton recht gut, dessen sich der Graf immer bediente, wenn er irgend etwas vorhatte, wodurch der finanzielle Ruin der Kinder beschleunigt wurde, etwa den Bau einer Galerie oder eines Gewächshauses oder die Einrichtung eines Haustheaters oder eines Hausorchesters; die Gräfin kannte diesen Ton und hielt es für ihre Pflicht, immer gegen das anzukämpfen, was der Graf in diesem schüchternen Ton vorbrachte.
Sie nahm also ihre unterwürfige, weinerliche Miene an und sagte zu ihrem Mann: »Höre einmal, Graf, du hast es schon dahin gebracht, daß wir für das Haus nichts bekommen, und nun willst du auch noch unsere ganze bewegliche Habe, die Habe unserer Kinder, zugrunde richten. Du hast ja doch selbst gesagt, daß die Sachen in unserm Hause einen Wert von hunderttausend Rubeln haben. Ich für meine Person, mein Freund, bin darin mit dir nicht einverstanden, durchaus nicht einverstanden. Nimm es mir nicht übel. Für die Verwundeten ist die Regierung da. Die wird schon wissen, was zu tun ist. Sieh nur: da drüben bei Lopuchins ist schon gestern alles, geradezu alles weggeschafft. So machen es alle vernünftigen Leute. Nur wir sind die Dummen. Habe doch wenigstens mit den Kindern Mitleid, wenn du mit mir schon keines hast.«
Der Graf schwenkte resigniert die Arme und ging, ohne ein Wort zu sagen, aus dem Zimmer.
»Papa, worüber haben Sie sich denn gestritten?« fragte ihn Natascha, die nach ihm in das Zimmer der Mutter gekommen war und ihm nun in den Salon folgte.
»Über nichts! Was geht es dich an!« antwortete der Graf ärgerlich.
»Aber ich habe es doch gehört«, sagte Natascha. »Warum will Mama es denn nicht?«
»Was geht es dich an?« schrie der Graf.
Natascha trat von ihm weg ans Fenster und überließ sich ihren Gedanken.
»Papa, Berg kommt bei uns vorgefahren«, sagte sie, durch das Fenster blickend.
XVI
Berg, der Rostowsche Schwiegersohn, war schon Oberst, war mit dem Wladimir- und dem Anna-Orden am Halse dekoriert und bekleidete immer noch denselben ruhigen, angenehmen Posten als Gehilfe des Stabschefs des Gehilfen der ersten Abteilung des Stabschefs des zweiten Armeekorps.
Er kam am 1. September von der Armee nach Moskau.
Zu tun hatte er in Moskau eigentlich nichts; aber er hatte wahrgenommen, daß alle sich von der Armee Urlaub nach Moskau geben ließen, ohne daß er wußte, was sie dort täten, und so hielt er es denn gleichfalls für nötig, sich in häuslichen und Familienangelegenheiten Urlaub geben zu lassen.
Berg fuhr in seinem sauberen Kutschwägelchen, das mit zwei wohlgenährten Hellbraunen bespannt war (genau solchen, wie sie ein gewisser Fürst besaß), vor dem Haus seines Schwiegervaters vor. Aufmerksam blickte er auf den Hof nach den Fuhrwerken hin, zog, als er die Stufen vor der Haustür hinanstieg, sein reines Taschentuch heraus und band einen Knoten hinein.
Aus dem Vorzimmer ging Berg mit schleifendem, ungeduldigem Gang in den Salon, umarmte dort den Grafen, küßte Natascha und Sonja die Hand und erkundigte sich eilig nach dem Befinden der Mama.
»Wie könnte sie sich jetzt wohlbefinden? Nun, aber erzähle doch«, sagte der Graf, »was macht die Armee? Ziehen sie sich zurück, oder wird noch eine Schlacht geliefert werden?«
»Nur der allmächtige Gott, Papa«, antwortete Berg, »kann über das Schicksal unseres Vaterlandes entscheiden. Die Armee glüht von heroischem Mut, und jetzt sind die geistigen Leiter derselben, um mich so auszudrücken, zur Beratung zusammengetreten. Was geschehen wird, ist noch unbekannt. Aber von dem ganzen russischen Heer kann ich Ihnen sagen, Papa: ein so heldenmütiger Geist, ein so wahrhaft antiker Mannesmut, wie sie … wie es« (verbesserte er sich) »ihn in diesem Ringen am sechsundzwanzigsten gezeigt oder bewiesen hat, läßt sich gar nicht mit würdigen Worten schildern. Ich sage Ihnen, Papa« (er schlug sich ebenso gegen die Brust, wie das vor kurzem in seiner Gegenwart ein russischer General getan hatte, der von der Schlacht erzählte; freilich tat Berg es etwas zu spät, da er sich bei den Worten »das russische Heer« hätte gegen die Brust schlagen müssen), »ich sage Ihnen wahrheitsgemäß: wir Offiziere brauchten nicht nur die Soldaten nicht anzufeuern, sondern wir konnten sogar nur mit Mühe diese, diese … ja, diese mannhaften, des Altertums würdigen Heldentaten mäßigen«, sagte er in schnellfließender Rede. »General Barclay de Tolly hat sein Leben überall vor der Front der Truppen aufs Spiel gesetzt, kann ich Ihnen sagen. Unser eigenes Korps war am Abhang eines Berges aufgestellt. Sie können sich vorstellen, wie es da herging!«
Und nun erzählte Berg alles, was ihm von den verschiedenen Erzählungen, die er diese Zeit her gehört hatte, im Gedächtnis war. Natascha sah ihn unverwandt an, als ob sie auf seinem Gesicht über irgend etwas ins klare zu kommen suchte; dieser Blick machte Berg verlegen.
»Ein solcher Heroismus, wie ihn die russischen Truppen an den Tag gelegt haben, läßt sich überhaupt gar nicht beschreiben, gar nicht genug rühmen«, fuhr Berg fort; er blickte dabei zu Natascha hin und lächelte ihr in Erwiderung auf ihren hartnäckigen Blick zu, als ob er sie damit bestechen wollte. »Es ist ein schönes Wort: ›Rußland ist nicht in Moskau, es ist in den Herzen seiner Söhne!‹ Nicht wahr, Papa?« sagte Berg.
In diesem Augenblick kam die Gräfin mit müdem mißvergnügtem Gesicht vom Sofazimmer in den Salon. Eilfertig sprang Berg auf, küßte ihr die Hand, erkundigte sich nach ihrem Befinden und blieb, durch bedauerndes Hin- und Herwiegen des Kopfes seine Teilnahme zum Ausdruck bringend, bei ihr stehen.
»Ja, Mama, das sage ich Ihnen aus tiefster Seele: es sind schwere, traurige Zeiten für jeden Russen. Aber wozu beunruhigen Sie sich so? Sie werden noch rechtzeitig fortkommen.«
»Ich verstehe gar nicht, was die Leute machen«, sagte die Gräfin, sich zu ihrem Mann wendend. »Es wurde mir soeben gesagt, es sei noch nichts bereit. Es müßte doch jemand das Erforderliche anordnen. Schade, daß wir Dmitri nicht hier haben. Wir werden ja nie fertig!«
Der Graf wollte etwas erwidern, beherrschte sich aber offenbar. Er stand von seinem Stuhl auf und ging zur Tür.
In diesem Augenblick zog Berg, wohl um sich die Nase zu putzen, sein Taschentuch heraus; als er dabei den Knoten erblickte, wurde er nachdenklich und wiegte ernst und trübe den Kopf hin und her.
»Ich habe eine große Bitte an Sie, Papa«, sagte er.
»Hm?« erwiderte der Graf und blieb stehen.
»Ich kam soeben an dem Jusupowschen Haus vorbei«, sagte Berg lächelnd. »Da kam der Verwalter, den ich kenne, herausgelaufen und fragte mich: ›Wollen Sie nicht etwas kaufen?‹ Ich ging hinein, wissen Sie, nur so aus Neugierde, und da fand ich ein Näh-und Putztischchen. Sie wissen, daß Wjera sich eines wünschte und daß wir uns darüber stritten.« (Berg war, als er von dem Näh- und Putztischchen zu sprechen angefangen hatte, unwillkürlich in einen Ton freudiger Erregung über seine kluge Benutzung der Umstände übergegangen.) »Und so allerliebst ist das Tischchen! Zum Herausziehen und mit einem englischen Geheimfach, wissen Sie. Und Wjera hat sich schon lange so ein Tischchen gewünscht. Also möchte ich sie damit überraschen. Nun habe ich bei Ihnen eine solche Menge Bauern auf dem Hof gesehen. Bitte, geben Sie mir einen davon zum Transport des Tischchens; ich will es ihm gut bezahlen und …«