Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Sonja und Natascha schliefen unausgekleidet im Sofazimmer.
In dieser Nacht wurde noch ein Verwundeter durch die Powarskaja-Straße gefahren, und Mawra Kusminitschna, die am Tor stand, suchte zu veranlassen, daß er zu Rostows hereingebracht würde. Dieser Verwundete war nach Mawra Kusminitschnas Ansicht ein sehr vornehmer Mann. Er wurde in einer Kalesche gefahren, der durch das Vorderleder und das aufgeschlagene Verdeck vollständig geschlossen war. Auf dem Bock saß neben dem Kutscher ein alter, würdig aussehender Kammerdiener. Dahinter fuhren in einem Bauernwagen ein Arzt und zwei Soldaten.
»Bitte, kommen Sie doch zu uns, seien Sie so gut! Die Herrschaft reist ab, das ganze Haus ist leer«, sagte die Alte, sich an den bejahrten Diener wendend.
»Es ist eine schlimme Sache«, antwortete der Kammerdiener seufzend, »wir glauben kaum, daß wir ihn bis an unser Ziel bringen! Wir haben ein eigenes Haus hier in Moskau; aber es ist weit, und es wohnt auch jetzt niemand darin.«
»Nun, dann bitte kommen Sie zu uns; bei unserer Herrschaft ist alles reichlich vorhanden; bitte schön!« sagte Mawra Kusminitschna. »Steht es mit dem Herrn denn so schlimm?«
»Wir fürchten, wir bringen ihn nicht lebend bis zu unserm Haus. Ich muß den Arzt fragen, ob er hierbleiben soll.«
Der Kammerdiener stieg vom Bock und ging zu dem Bauernwagen hin.
»Schön«, sagte der Arzt.
Der Kammerdiener trat wieder an die Kalesche heran, blickte hinein, wiegte bedenklich den Kopf hin und her, befahl dem Kutscher, auf den Hof zu fahren, und ließ den Wagen neben Mawra Kusminitschna halten.
»Herr Jesus Christus!« rief sie beim Anblick des Verwundeten.
Mawra Kusminitschna schlug vor, den Verwundeten in das Hauptgebäude zu tragen.
»Die Herrschaft wird nichts dagegen haben«, sagte sie.
Aber das Hinauftragen auf die Treppe mußte vermieden werden, und daher wurde der Verwundete in das Nebengebäude getragen und in dem bisherigen Zimmer der Madame Schoß einquartiert. Dieser Verwundete war Fürst Andrei Bolkonski.
XV
Moskaus letzter Tag brach an. Es war ein Sonntag mit schönem, klarem Herbstwetter. Wie auch sonst immer an Sonntagen wurde in allen Kirchen zur Messe geläutet. Es schien, als habe noch niemand ein Verständnis dafür, was der Stadt bevorstand.
Nur zwei Anzeichen im sozialen Leben deuteten darauf hin, in welcher Lage sich Moskau befand: das Treiben der ärmeren Bevölkerung und die Preise mancher Gegenstände. Ein gewaltiger Haufe von Fabrikarbeitern, Gutsleuten und Bauern, vermischt mit Beamten, Seminaristen und Adligen, zog an diesem Tag frühmorgens auf die Drei Berge hinaus. Nachdem die Leute dort eine Weile gestanden, vergeblich auf Rastoptschin gewartet und die Überzeugung erlangt hatten, daß Moskau dem Feind überlassen werden würde, kehrten sie in die Stadt zurück und zerstreuten sich in die Schenken und Speisewirtschaften. Die Preise wiesen an diesem Tag gleichfalls auf die Lage der Dinge hin. Die Preise für Waffen, Bauernwagen und Pferde sowie der Kurs des Goldes stiegen immer höher, wogegen der Kurs des Papiergeldes und die Preise für feinere Waren immer mehr sanken. Gegen Mittag kam es vor, daß Fuhrleute für das Herausschaffen teurer Waren, z.B. besserer Tuche, aus der Stadt die Hälfte der Waren erhielten und für ein Bauernpferd fünfhundert Rubel bezahlt wurden: Möbel aber, Spiegel und Bronzen wurden umsonst weggegeben.
In dem alten, soliden Rostowschen Haus machte sich dieser Zerfall der bisherigen Lebensverhältnisse nur wenig fühlbar. In bezug auf die Leute kam weiter nichts vor, als daß in der Nacht von der großen Dienerschaft drei Mann heimlich davongingen, ohne indes etwas zu stehlen; und was die Veränderungen im Wert mancher Dinge anlangte, so stellte sich heraus, daß die dreißig Fuhrwerke, die von den Gütern hereingekommen waren, einen gewaltigen Reichtum repräsentierten, um welchen Rostows von vielen beneidet wurden; man bot ihnen für diese Fuhrwerke enorme Summen Geldes. Ja, am Abend des vorhergehenden Tages und frühmorgens am 1. September kamen, von den verwundeten Offizieren geschickt, Burschen und Diener auf den Rostowschen Hof, und auch die Verwundeten selbst, die bei Rostows und in den Nachbarhäusern einquartiert waren, schleppten sich hin und flehten die Rostowschen Leute an, ihnen doch zu erwirken, daß sie ein Fuhrwerk bekämen, um Moskau verlassen zu können. Der Haushofmeister, an den sie sich mit solchen Bitten wandten, hatte zwar mit den Verwundeten alles Mitleid, schlug aber die Bitten rundweg ab, indem er sagte, er wage nicht einmal, dem Grafen davon Meldung zu machen. Wie leid ihm auch die zurückbleibenden Verwundeten täten, so sei es doch klar, daß, wenn man ein Fuhrwerk bewilligte, man auch ein zweites nicht wohl abschlagen könne; und so würden schließlich alle hingegeben werden, auch die eigenen Equipagen der Herrschaft. Dreißig Fuhrwerke würden ja auch gar nicht ausreichen, um alle Verwundeten in Sicherheit zu bringen, und bei dem allgemeinen Unglück müsse ein jeder auch für sich und für seine Familie sorgen. So dachte der Haushofmeister für seinen Herrn.
Als Graf Ilja Andrejewitsch am Morgen des 1. September aufgewacht war, ging er leise, um die Gräfin nicht zu wecken, die erst gegen Morgen eingeschlafen war, aus dem Schlafzimmer und trat in seinem lilaseidenen Schlafrock auf die Freitreppe hinaus. Die verschnürten Fuhrwerke standen auf dem Hof, die Kutschen bei der Freitreppe. Der Haushofmeister stand in der Nähe und redete mit einem alten Offiziersburschen und einem jungen blassen Offizier mit verbundenem Arm. Als der Haushofmeister den Grafen erblickte, machte er dem Offizier und dem Burschen ein bedeutsames, energisches Zeichen, daß sie weggehen möchten.
»Nun, wie steht’s? Alles bereit, Wasiljewitsch?« fragte der Graf. Er rieb sich seinen kahlen Kopf, blickte den Offizier und den Burschen gutmütig an und nickte ihnen zu. Der Graf hatte überhaupt stets seine Freude daran, neue Gesichter zu sehen.
»Es kann sofort angespannt werden, wenn Euer Erlaucht befehlen.«
»Nun, das ist ja prächtig. Die Gräfin wird auch bald aufwachen, und dann wollen wir in Gottes Namen fahren! Was wünschen Sie, mein Herr?« wandte er sich an den Offizier. »Sind Sie bei mir im Haus?«
Der Offizier trat näher heran. Sein blasses Gesicht wurde auf einmal von einer hellen Röte übergossen.
»Graf, tun Sie mir den großen Gefallen und erlauben Sie mir, um Gottes willen, mir irgendwo auf einem Ihrer Fuhrwerke ein Plätzchen zu suchen. Sachen habe ich keine bei mir. Wenn es auch auf einem Bauernwagen ist; mir ganz gleich.«
Der Offizier hatte noch nicht ausgesprochen, als sich der Bursche mit derselben Bitte für seinen Herrn an den Grafen wandte.
»O gewiß, jawohl, jawohl«, sagte der Graf eilig. »Es freut mich, freut mich sehr. Wasiljewitsch, ordne das Nötige an; laß da einen oder zwei Wagen leer machen; nun ja, da … schön … soviel wie nötig …«, sagte der Graf, sich bei seinem Befehl recht unbestimmter Ausdrücke bedienend.
Aber in demselben Augenblick machte der Ausdruck heißer Dankbarkeit, der auf das Gesicht des Offiziers trat, gewissermaßen den vom Grafen erteilten Befehl unwiderruflich. Der Graf blickte um sich; auf dem Hof, im Tor, an den Fenstern des Nebengebäudes waren Verwundete und Burschen sichtbar. Alle sahen sie nach dem Grafen hin und setzten sich nach der Freitreppe zu in Bewegung.
»Darf ich Euer Erlaucht bitten, mit nach der Galerie zu kommen? Ich möchte um Ihre Befehle bitten, wie es da mit den Bildern gehalten werden soll«, sagte der Haushofmeister.
Der Graf ging mit ihm ins Haus hinein und wiederholte ihm dabei seinen Befehl, Verwundeten, die mitfahren zu dürfen bäten, solle dies bewilligt werden.
»Nun, warum denn nicht? Man kann ja etwas herunternehmen«, fügte er leise und gewissermaßen heimlich hinzu, als ob er fürchtete, von jemand gehört zu werden.