Электронная книга - «Hauch der Verdammnis». Краткое содержание книги:
Nun fiel ihr ein, dass er barfuß war und den Boden ein dichter Laubteppich bedeckte, der sich durch den Regen der letzten Tage so mit Wasser vollgesogen hatte, dass man selbst mit Schuhen fast lautlos darauf lief.
Sie ging um das Haus herum. Dann trat sie an den Rand der Lichtung und ging auch diese im Kreis ab. Sie leuchtete in das dichte Blattwerk und versuchte so weit wie möglich hineinzuspähen.
Schließlich ging sie zum Haus zurück. Sie stand auf der Veranda und überlegte, was sie tun sollte.
Den Wald absuchen?
Aber wenn sie in den Eukalyptuswald und den dahinter beginnenden Regenwald ging, dann verirrte sie sich womöglich selbst.
Sollte sie die Polizei rufen?
Aber was konnte sie den Polizisten erzählen? Dass ihr asthmatischer Sohn mitten in der Nacht davongelaufen sei? Wenn sie sein Alter erfuhren, würden sie ihr auf alle Fälle raten, am nächsten Morgen wieder anzurufen.
Doch was hatte Michael eigentlich dazu getrieben davonzulaufen?
Offenbar hatte er wieder einen Alptraum gehabt, einen weitaus schlimmeren als den ersten. Sie hatte ihn kaum richtig gesehen, bevor er durch das Fenster geklettert war, aber die Furcht in seinen Augen war ihr nicht entgangen.
Mit vor Angst aufgerissenem Mund hatte er sie angestarrt, als sei sie ein teuflischer Geist, der ihn angriff.
Und dann war er aus dem Fenster hinaus, hatte sich auf der Veranda abgerollt und war wieder aufgesprungen, über die Lichtung gerannt und schließlich in der Dunkelheit der Nacht und des Waldes verschwunden.
Falls der Wald sein Ziel war.
Er trug nichts außer Jockey-Shorts.
Zum erstenmal bereute sie es, ein freistehendes Haus gemietet zu haben. Warum hatte sie das nur getan? Wenn es hier Nachbarhäuser gäbe, wären rings herum auch Straßenlaternen, und dann hätte sie ihn sehen können und zumindest gewusst, in welche Richtung er gelaufen war.
Nachbarn hätten ihn vielleicht auch gesehen, hätten sich Sorgen um den Jungen gemacht, der halbnackt durch die Nacht lief.
Aber hier war nichts als die Dunkelheit, in der er sich verstecken konnte, und an den wenigen verstreuten Häusern konnte er leicht vorüberschleichen, ohne gesehen zu werden.
Vielleicht sollte sie einfach nur warten.
Vielleicht würde er einfach umkehren, wenn ihn der Terror seines Traumes schließlich losgelassen hatte.
Als sich Katharine umdrehte, um wieder ins Haus zu gehen, merkte sie, dass ihre Augen brannten. Als sie mit der Hand darüberrieb, merkte sie noch etwas anderes.
Der Wind hatte sich gelegt, die Blätter der Eukalyptusbäume raschelten nicht mehr. Bis auf das entfernte Quaken von Fröschen und das Zirpen der Insekten war alles still.
Die Luft war schwer von dem Staub und den Gasen, die der Vulkan auf der Großen Insel ausgespuckt hatte.
Wenn schon ihre Augen davon brannten, welche Wirkung hatte dieses Gemisch dann auf Michael? War es das? War er aufgewacht, weil ihm die verschmutzte Luft den Atem genommen hatte? Sie hatte es ja gerade selbst gespürt.
Sie ging ins Haus, schloß hinter sich die Tür und schaltete alle Lichter drinnen und auf der Veranda ein, bis das Haus wie ein Stern in der Dunkelheit strahlte.
So würde Michael das Haus auf jeden Fall auch von weitem sehen.
Dann setzte sie sich hin und wartete. Sie fragte sich, wie lange sie es wohl aushalten würde, allein auf ihn zu warten, und wen sie anrufen sollte, wenn sie es nicht länger aushielte.
Aber sie wusste natürlich, wen sie anrufen würde.
Rob Silver.
Er würde kommen und ihr helfen, und er würde Michael helfen.
Falls sie ihn finden würden.
KAPITEL 16
Michael bewegte sich behende durch die dunklen Schatten der Wälder, welche die Straße säumten. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren und wusste weder, wie lange es her war, seit er von zu Hause geflohen war, noch, wie spät es wohl sein mochte.
Kaum konnte er sich daran erinnern, wie er aus dem Fenster geklettert und über das Verandageländer gesprungen, über die Lichtung gelaufen und im dunklen Eukalyptuswald verschwunden war, so sehr hatte ihn der Schrecken des Traums gebannt. Er hatte nur vor dem Licht fliehen wollen und vor der Gestalt, die ihm darin erschienen war. Aber selbst nachdem er die schützende Dunkelheit erreicht hatte, war er weiter gerannt, unter Ästen sich hinweg duckend, bis er den Wald hinter sich gelassen hatte und auf eine Wiese gestolpert war. Japsend hatte er sich zu Boden fallen lassen.
Fliehen!
Er musste fliehen.
Aber wohin? Kaum hatte er sich die Frage gestellt, wusste er die Antwort. Er dachte an die Spalte in der Schlucht, wo seine Mutter in der Nähe das seltsame Skelett ausgegraben hatte.
Dorthin würde er gehen.
Nur, wie kam er dorthin?
Während der Schrecken des Traumes langsam von ihm wich, fiel ihm wieder ein, was Josh am Nachmittag gesagt hatte. Irgendwo die Straße hinauf gab es einen Pfad.
Mehr oder weniger folgte er nun der Straße und ihren engen Kurven. Manchmal jedoch kürzte er ab, indem er die steile Böschung hinaufkletterte. Er kam an einem halben Dutzend Abzweigungen vorbei, und eine von ihnen ähnelte auch einem Fußpfad, aber eine innere Stimme sagte ihm, dass er noch weiter aufwärts gehen müsse. Nach einigen weiteren Metern blieb er plötzlich stehen.
Zunächst wusste er gar nicht, warum, aber dann sah er es - einen schmalen Pfad, der in die ungefähre Richtung von Takeo Yoshiharas Anwesen und der Ausgrabungsstelle seiner Mutter führte. Aber wie konnte er sich vergewissern? Was, wenn ihn der Pfad in die falsche Richtung führte?
Trotz seiner Zweifel folgte er dem Pfad. Irgend etwas sagte ihm, dass er in die richtige Richtung ging. Nach zwanzig Minuten mündete der Pfad in einen unebenen Weg. Ohne zu zögern, wandte sich Michael nach links.
Er ging jetzt schneller, und die Gewißheit, den Weg gefunden zu haben, wuchs mit jedem Schritt. Kurz darauf kam er an ein Tor. Er kletterte darüber, ebenso wie über den Zaun, auf den er ein paar Minuten später traf. Es war, als folge er einem Leitstrahl, denn der von vorbeiziehenden Wolken verdeckte Mond spendete nur wenig Licht.
Schließlich betrat Michael die Lichtung, auf der die Arbeitstische unter den Zeltplanen standen. Der letzte Rest Furcht wich von ihm.
Er ging weiter und stand kurz darauf an der alten Lagerstätte, wo das Skelett lag. Er kniete sich nieder. Seine Augen richteten sich auf die Umrisse des bleichen Schädels, und als die Wolkendecke aufriß und ein silbriger Streifen Mondlicht die leeren Augen des toten Wesens erhellten, spürte Michael erneut dieses seltsame Gefühl, das ihn am Nachmittag beschlichen hatte, diese sonderbare Mischung aus Vertrautheit und Furcht.
Dann verschwand der Mond wieder hinter den Wolken. Michael erhob sich und begab sich in den Schutz des seit langem erloschenen Vulkanschlots.
In dieser Nacht war es warm in diesem Schacht - weitaus wärmer als an der frischen Luft -, und Michael fühlte, wie ihn ein sanfter Nebel umhüllte. Er sank nieder und lehnte sich gegen die moosigen Felsen.
Bald darauf versank er in traumlosen Schlaf.
Er wusste nicht, was ihn aufgeweckt hatte - vielleicht ein Geräusch, vielleicht ein sechster Sinn.
Er wusste auch nicht, wie lange er geschlafen hatte.
Aber als er erwachte, waren auch all seine Sinne hellwach. Er kauerte sich zusammen und lauschte mit angehaltenem Atem.
Die Wolkendecke war noch dichter geworden. Dennoch konnte er die Umrisse der Bäume deutlich erkennen. Die schlanke Gestalt eines Mungo glitt auf dem schmalen Pfad vorbei, der ihn zu seinem Versteck geführt hatte.
Michael bewegte sich nicht, denn in das Zirpen der Insekten und das Murmeln schläfriger Vögel mischten sich andere Klänge.
Stimmen.