Электронная книга - «Hauch der Verdammnis». Краткое содержание книги:
Michael grinste. »Vielleicht kriegen wir hier einen Ferienjob als Gärtner.«
»Vielleicht«, stöhnte Josh. »Aber ich glaube, hier musst du Landschaftsarchitekt sein, damit du den Rasen mähen darfst.«
Kurz darauf hatten sie das Anwesen verlassen und fuhren auf dem holperigen Weg, der zu der drei Kilometer entfernten Ausgrabungsstätte führte.
Stephen Jameson sah aus dem Fenster seines Büros in dem langen, niedrigen Gebäude, das am anderen Ende des Gartens der Privatresidenz seines Arbeitgebers stand. Er hatte zwar gesehen, dass ein Explorer, gefolgt von einem rostigen Pick-up, durch den Garten gefahren war, aber er hätte wohl nur mit Mühe die Farbe der beiden Fahrzeuge nennen können. Das Problem, mit dem er sich konfrontiert sah, hatte seine gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch genommen.
Auf seinem Schreibtisch lag eine Kopie des Autopsieberichts. Daneben stand das Glas mit der Gewebeprobe von Kioki Santoyas Lunge, die dieser Krankenpfleger aus dem Leichnam geschnitten hatte. Jameson hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, die Leiche des Jungen von dem Krankenhaus auf das Anwesen überführen zu lassen, aber wahrscheinlich würde das nur noch mehr Aufsehen erregen. Außerdem würde es nicht mehr viel bringen. Jameson war sich bereits sicher, was den Tod des Jungen verursacht hatte. Zwar hatte er erst einen flüchtigen Blick durch das Mikroskop in seinem Büro geworfen, aber die Laboranalyse der Gewebeprobe würde, davon war er überzeugt, seine Ergebnisse nur bestätigen.
Die Frage war nur, wie Kioki verseucht worden war. Eine ebenso wichtige Frage lautete: Waren die drei Jungen, die in dem Memo erwähnt wurden, das dem Bericht beilag, ebenfalls verseucht worden?
Stephen Jameson griff zum Telefon, wählte eine vierstellige Rufnummer und begann zu sprechen, kaum dass die Verbindung hergestellt war.
»Hier ist Dr. Jameson. Ich habe drei Namen: Jeff Kina, Josh Malani und Rick Pieper. Alle drei sind sechzehn oder siebzehn Jahre alt. Alle drei müssen beobachtet werden. Wenn irgend etwas mit ihnen sein sollte - wenn sie krank werden -, sollen sie sofort hierher gebracht werden. Haben Sie verstanden?«
Der Mann am anderen Ende der Leitung wiederholte die drei Namen. Stephen Jameson wollte gerade auflegen, als ihm noch etwas auffiel. »Es gibt da noch einen Namen«, sagte er. »Elvis Dinkins. Er hat das Anwesen vor wenigen Minuten verlassen. Es wäre am besten, wenn er nicht in Wailuku ankäme.«
Kaum einen halben Kilometer hinter dem Anwesen Takeo Yoshiharas war Josh Malani bereits zweimal von der Straße abgekommen und hatte sich zweimal von Rob Silver auf den Weg zurückziehen lassen müssen.
»Vielleicht sollten wir deinen Truck besser hier stehenlassen und den Rest des Weges mit dem Explorer fahren«, schlug Rob vor, als er das Abschleppseil von Joshs vorderer Stoßstange losband.
»Ich schaffe das schon«, beharrte Josh. »Ich bin schon auf viel schlechteren Straßen gefahren.«
Rob sah dem Jungen an, dass jedes weitere Argument sinnlos wäre. Er warf das Seil wieder in den Explorer und fuhr weiter, wobei er immer wieder durch besorgte Blicke in den Rückspiegel kontrollierte, ob Josh nicht neuerlich von der Straße abgekommen war.
Doch erstaunlicherweise gelang es Josh tatsächlich, seinen Pick-up in der Spur zu halten, und schließlich erreichten die Wagen die Lichtung, wo die Zeltbahnen heruntergelassen worden waren, um die Arbeitstische vor der Sonne zu schützen. Josh war deutlich die Enttäuschung darüber anzusehen, dass es hier nicht mehr zu sehen gab als ein paar alte Steine. »Das hier ist nicht die eigentliche Stelle«, sagte Katharine, die aus einem der Zelte gekommen war. »Sie ist da oben. Kommt mit.«
Als sie die Jungen den steilen Weg hinauf zu der Schlucht führte, spürte Michael wieder das seltsame Gefühl in der Brust.
Eigentlich war es kein richtiger Schmerz.
Nur ein komisches Gefühl, als bleibe einem die Luft weg. Dabei machte ihm das Atmen keine Schwierigkeiten.
Komisch.
Er bemühte sich, gegen das seltsame Gefühl anzugehen, und ging weiter, bis sie zu dem Vorsprung kamen, auf dem sich die Feuerstelle und das Skelett befanden.
»Mann«, flüsterte Josh, als er auf die Knochen herabblickte, die in ihrer ursprünglichen Position vor ihm lagen. »Was ist das? Ein Schimpanse?«
»Weder ein Schimpanse noch ein Gorilla«, antwortete Katharine. Sie kniete nieder und begann die Besonderheiten des Skeletts zu erklären, aber Michael hörte ihr gar nicht mehr zu. Kaum hatte er das Skelett gesehen, als ihn ein Gefühl überkommen hatte, das noch seltsamer war als das in seiner Brust.
Ein Gefühl, als ob eisige Finger seinen Rücken entlang strichen.
Furcht, aber irgendwie nicht schlimm.
Wie gebannt starrte er auf das Skelett und musste sich schließlich zwingen, den Blick abzuwenden.
Er sah sich um.
Vielleicht erinnerte ihn dies alles nur an etwas anderes - an eine andere Fundstelle, an der seine Mutter gearbeitet hatte, irgendwo in Afrika.
Aber die Orte, die er in Afrika gesehen hatte, ähnelten diesem hier überhaupt nicht. Sie lagen in trockenen Wüstengebieten, wo so selten Regen fiel, dass es praktisch keinerlei Vegetation gab. Hier jedoch umgab sie der Regenwald, dessen Blätterdach sich über ihnen wölbte. Ranken kletterten die Bäume hinauf, Farne sprossen aus Felsspalten, alles war von Moos bedeckt.
Afrika war anders gewesen - jeder Ort, an den er sich erinnerte, war anders gewesen.
Er schaute wieder auf das Skelett. Er beugte sich herab und legte seine Hand auf die steil abfallende Stirn des Schädels.
Warum? dachte er. Warum tue ich das?
»Vorsichtig«, hörte er seine Mutter.
Erschrocken zog er die Hand weg und schaute zu ihr auf. »Was ist das?« fragte er.
Katharine zog die Brauen zusammen und sah ihn halb verwundert, halb belustigt an. »Hast du gar nicht zugehört? Ich habe Josh gerade erklärt, dass es zu nichts zu passen scheint, was ich kenne.«
Michael konnte den Blick nicht von den Knochen abwenden. Erneut spürte er den seltsamen kalten Schauder, die Beklemmung in seiner Brust. Unwillkürlich griff er wieder nach dem Schädel, aber bevor er ihn erneut berührte, drang die Stimme seiner Mutter zu ihm durch.
»Michael? Junge, geht es dir gut?«
Michael zog die Hand zurück und richtete sich auf. Wie konnte er seiner Mutter erzählen, wie er sich fühlte? Wie konnte er es irgend jemandem erzählen, da er es ja kaum selbst verstand? Schließlich gelang es ihm, sich von dem seltsamen Schädel loszureißen. Er sah seine Mutter an.
»Was ist los?« fragte sie. »Irgendwas stimmt doch nicht.«
»Ein Freund von uns ist gestern nacht gestorben«, sagte Josh.
Sie sah ihn fassungslos an. »Ein Freund von euch?« wiederholte sie. Ihr Blick wanderte von Josh zu Michael. »Einer von den Jungen, mit denen du gestern abend zusammen warst?«
Michael nickte. »Kioki Santoya«, sagte er. »Er war im Laufteam.«
Katharine ließ sich auf einem Felsen nieder. »Wie?« fragte sie. »Was ist geschehen?«
Zögernd erzählten Michael und Josh ihr das wenige, das sie über Kiokis Tod wussten.
»Und er ist einfach gestorben?« fragte Katharine, als sie fertig waren. »Mitten im Zuckerrohrfeld?«
Michael und Josh nickten. Katharine erhob sich und legte die Arme um ihren Sohn. »Wie furchtbar«, sagte sie. »Du fühlst dich bestimmt ...«
»Ich bin okay, Mom.« Michael spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht schoß, während er sich aus ihrer Umarmung löste. »Ich ... ich hab' ihn ja kaum gekannt.« Er sah Josh an und merkte sofort, wie seine Worte geklungen haben mussten. »Ich meine...« Er druckste eine Weile herum und stieß dann hervor: »Ach, ich weiß nicht, was ich meine!« Er wandte sich ab und lief den Weg hinauf, bis zu der tiefen Spalte in der Schlucht, der alten Fumarole. Das Blattwerk versperrte ihm fast völlig die Sicht. Er stolperte über einen umgestürzten Baum.