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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Eines Tages wurde Farand versehentlich Zeuge einer Unterredung des Königs mit einem der mächtigen Dems seines Landes. In diesem Gespräch trafen die beiden Männer die Vereinbarung, den politischen Rivalen des Dem ermorden zu lassen, und als der König Farands Anwesenheit bemerkte, musste der Junge ihm schwören, Stillschweigen zu bewahren. Als Farand sich später um einen Platz in der Gilde bemühte, wurde er abgelehnt. Erst in den folgenden Jahren erfuhr er den Grund für diese Ablehnung: Der König wusste, dass die geheime Vereinbarung während des Unterrichts im Gedankenlesen offenbar werden würde, und hatte deshalb verhindert, dass der Junge Magier wurde.

Es war eine unglückliche Situation, und sie hatte Farands Träume zunichte gemacht. Dannyl verspürte echtes Mitgefühl mit ihm. Jetzt, da das Geheimnis offenbar geworden war, ließ Farand sich nicht länger ablenken. Ohne große Mühe fand er die Quelle seiner Kraft. Dannyl versuchte einige Male, ihm zu zeigen, wie er seine Magie beeinflussen konnte, dann verließ er den Gedankenraum des anderen Mannes und schlug die Augen auf.

»Das war es?«, fragte Farand. »Kann ich meine Magie jetzt beherrschen?«

»Nein.« Dannyl kicherte und ging um den Stuhl herum, so dass er Farand gegenüberstand. »Das bedarf einiger weiterer Übungsstunden.«

»Wann werden wir es das nächste Mal versuchen?« In Farands Stimme schwang ein panischer Unterton mit.

Dannyl wandte sich zu Dem Marane um. »Ich werde morgen wiederkommen, wenn Euch das recht ist.«

»Das ist es«, erwiderte der Dem.

Dannyl nickte Farand zu. »Trinkt keinen Wein und nehmt keine anderen Dinge zu Euch, die auf den Geist einwirken. Im Allgemeinen erlernen Novizen binnen ein oder zwei Wochen, wie sie ihre Magie kontrollieren können. Wenn Ihr Ruhe bewahrt und Euch bemüht, keine Magie zu benutzen, dürfte Euch keine weitere Gefahr drohen.«

Farand wirkte erleichtert, und in Royends Augen flackerte Erregung auf. Der Dem ging zur Tür hinüber und zog an einer Kette, die von einem kleinen Loch in der Decke herabhing.

»Wollen wir jetzt zu den anderen zurückkehren, Botschafter? Sie werden froh sein, von unseren Fortschritten zu hören.«

»Wenn Ihr wünscht.«

Der Dem führte Dannyl nicht in den Raum zurück, in dem sie zuvor gesessen hatten, sondern in einen anderen Teil des Hauses. Sie kamen in eine kleine Bibliothek, in der Tayend und die anderen Mitglieder der Gruppe in bequemen Sesseln saßen. Royend nickte Kaslie zu, und die Frau schloss die Augen und stieß einen Seufzer der Erleichterung aus.

Tayend war in die Lektüre eines großen und sehr abgenutzten Buches vertieft. Als er zu Dannyl aufblickte, leuchteten seine Augen vor Begeisterung.

»Sieh nur«, sagte er und deutete auf eins der Regale. »Bücher über Magie. Hier werden wir vielleicht etwas finden, das uns bei unseren Nachforschungen weiterhilft.«

Dannyl konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. »Es ist gut gelaufen. Danke der Nachfrage.«

»Was?« Tayend blickte von dem Buch auf. »Oh, das. Ich weiß, dass du auf dich aufpassen kannst. Was hat er dir gezeigt?« Bevor Dannyl antworten konnte, wandte sich Tayend zu dem Dem um. »Darf ich mir dieses Buch für eine Weile ausborgen?«

Royend lächelte. »Ihr könnt es heute Abend mit nach Hause nehmen, wenn Ihr wollt. Der Botschafter wird uns morgen noch einmal besuchen. Und Ihr seid uns selbstverständlich ebenfalls willkommen.«

»Vielen Dank.« Tayend wandte sich zu der Gattin des Dem um, die neben ihm saß. »Habt Ihr jemals vom König von Chakan gehört?«

Dannyl achtete kaum auf ihre gemurmelte Antwort. Er betrachtete die aufgeregten Gesichter des Dem und seiner Freunde. Noch würden sie ihm nicht vertrauen. Nicht bevor Farand sichtbare Fortschritte in der Beherrschung seiner Magie gemacht hatte. Sobald dies geschah, würde Farand jedoch gefährlich sein. Er würde imstande sein, magische Fähigkeiten bei anderen freizusetzen und sie die Kontrolle darüber zu lehren. Dann würde die Gruppe Dannyl nicht länger benötigen. Möglicherweise würden sie zu dem Schluss kommen, dass es sicherer sei, zu verschwinden, statt weiterhin Umgang mit einem Magier der Gilde zu pflegen.

Er konnte die Lektionen über einige Wochen ausdehnen, aber nicht länger. Sobald Farand seine Kräfte beherrschte, sollte Dannyl ihn und die anderen in Haft nehmen. Aber bis zu diesem Zeitpunkt würde er vielleicht noch nicht alle Mitglieder der Gruppe kennen. Je länger er in ihrer Gesellschaft blieb, umso mehr Gefangene würde er machen können. Er hätte sich gern mit dem Hohen Lord beraten. Aber Farands Fähigkeit, Gedankenrede zu belauschen, machte das unmöglich, und Dannyl blieb keine Zeit, um schriftlich Kontakt zu Akkarin aufzunehmen.

Dannyl nahm ein frisches Glas Wein an. Als der Dem ihn darüber auszuhorchen begann, welche Dinge er ihnen beizubringen bereit sei, drängte Dannyl jeden Gedanken daran, diese Leute in Haft zu nehmen, beiseite und konzentrierte sich ganz auf seine Rolle als rebellischer Magier der Gilde.

Sonea stand am Fenster ihres Zimmers und sah zu, wie graue Wolkenfetzen über den Nachthimmel jagten. Die Sterne blinkten auf, nur um alsbald wieder hinter weißen Schwaden zu verschwinden, und der Mond war umringt von bleichem Nebel. Die Gärten waren leer und still.

Sie war todmüde. Obwohl sie in der vergangenen Nacht nicht geschlafen und nach dem Unterricht stundenlang Bücher für Lord Jullen geschleppt hatte, fand sie keine Ruhe. Sie hatte noch immer viele Fragen, aber indem sie sie in Gedanken auflistete, so dass sie sie für ihre nächste Begegnung mit Akkarin parat hatte, ließen sie sich nach und nach in den Hintergrund drängen. Eine Frage jedoch kehrte immer wieder mit Macht in ihre Gedanken zurück.

Warum hat er diese Dinge ausgerechnet mir erzählt?

Er hatte gesagt, dass noch jemand Bescheid wissen müsse. Das war eine vernünftige Antwort, aber irgendetwas nagte dennoch an ihr. Akkarin hätte seine Geschichte niederschreiben und an einem Ort verstecken können, an dem Lorlen sie finden würde, falls er jemals getötet werden sollte. Warum also hatte er mit ihr gesprochen, einer bloßen Novizin, die nicht in der Position war, Entscheidungen zu treffen oder an seiner Stelle zu handeln?

Es musste einen Grund geben, doch der einzige Grund, der ihr einfiel, war einer, der sie frösteln ließ.

Er wollte, dass sie den Kampf übernahm, falls er starb. Er wollte, dass sie schwarze Magie erlernte.

Sie wandte sich vom Fenster ab und begann, im Raum auf und ab zu gehen. Er hatte mehrmals gesagt, dass er sie nicht in schwarzer Magie unterweisen würde. Hatte er das nur gesagt, um sie zu beruhigen? Wollte er abwarten, bis sie älter war, vielleicht bis sie ihren Abschluss gemacht hatte und allen anderen klar wäre, dass sie einen solchen Entschluss aus freien Stücken getroffen haben musste?

Sie biss sich auf die Unterlippe. Es wäre schrecklich, etwas Derartiges von irgendjemandem zu verlangen. Etwas zu lernen, das die meisten Magier für grundböse hielten. Gegen ein Gesetz der Gilde zu verstoßen.

Und ein Verstoß gegen dieses Gesetz war keine Kleinigkeit, die ihr irgendeine niedere Arbeit oder den Verlust irgendwelcher Vergünstigungen eintragen würde. Nein, die Strafe dafür würde wahrscheinlich viel, viel schlimmer ausfallen. Die Verstoßung aus der Gilde vielleicht, nachdem man ihre Kräfte gebunden hatte, oder möglicherweise Einkerkerung.

Aber nur, wenn das Verbrechen entdeckt würde.

Akkarin war es gelungen, sein Geheimnis über Jahre verborgen zu halten. Aber er war der Hohe Lord. Das ließ ihm großen Spielraum für rätselhaftes, seltsames Verhalten. Was bedeutete, dass es für sie nicht schwierig sein würde, sich ihm anzuschließen.

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