Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Was für Offiziere? Wer ist gebracht worden? Ich verstehe dich nicht«, antwortete die Gräfin.
Natascha lachte, und auch auf dem Gesicht der Gräfin zeigte sich ein schwaches Lächeln.
»Ich wußte ja, daß Sie es erlauben würden … Dann werde ich es also auch so bestellen.«
Natascha küßte ihre Mutter, sprang auf und lief aus der Tür.
Im Saal traf sie ihren Vater, der mit üblen Nachrichten nach Hause zurückgekehrt war.
»Wir sind viel zu lange hiergeblieben!« sagte er mit unwillkürlich hervorbrechendem Ärger. »Der Klub ist geschlossen, und die Polizei verläßt die Stadt.«
»Papa, Sie sind doch damit einverstanden, daß ich Verwundete ins Haus aufgenommen habe?« sagte Natascha zu ihm.
»Selbstverständlich«, antwortete der Graf zerstreut. »Aber jetzt handelt es sich um andere Dinge, und ich muß dich bitten, dich jetzt nicht mit Torheiten abzugeben, sondern beim Einpacken zu helfen; wir müssen morgen abfahren, jawohl, abfahren.«
Auch dem Haushofmeister und der Dienerschaft erteilte der Graf denselben Befehl. Beim Mittagessen erzählte auch Petja, der nach Hause gekommen war, seine Neuigkeiten.
Er berichtete, es seien heute im Kreml an das Volk Waffen verteilt worden, und obgleich es in dem Rastoptschinschen Flugblatt geheißen habe, er werde zwei Tage vorher einen Aufruf erlassen, sei doch bereits fest angeordnet worden, daß das ganze Volk morgen mit den Waffen auf die Drei Berge kommen solle; dort werde eine große Schlacht geliefert werden.
Mit Angst und Schrecken betrachtete die Gräfin das vergnügte, erregte Gesicht ihres Sohnes, während er das erzählte. Sie wußte, daß, wenn sie ihn auch nur mit einem Wort bäte, nicht mit in diese Schlacht zu gehen (auf die er sich, wie sie sah, freute), er etwas von Männern, von Ehre, von Vaterland sagen werde, so etwas Sinnloses, Männliches, Hartnäckiges, worauf sie nichts würde erwidern können, und daß damit ihre Sache vollends verdorben sein würde. Daher griff sie zu einem andern Mitteclass="underline" in der Hoffnung, es so einrichten zu können, daß ihre Abreise schon vorher stattfände und sie dann Petja als Beschützer und Verteidiger mitnähmen, sagte sie zu Petja nichts, sondern rief nach dem Mittagessen den Grafen zu sich und flehte ihn unter Tränen an, sie recht bald wegzuschaffen, wenn es möglich wäre, noch in dieser Nacht. Mit der Schlauheit, die den Frauen die Liebe unwillkürlich eingibt, sagte sie, die bisher eine vollständige Furchtlosigkeit bekundet hatte, sie werde vor Angst sterben, wenn sie nicht noch heute nacht abreisten. Und sie fürchtete jetzt wirklich ohne Verstellung alles, auch das Schlimmste.
XIV
Madame Schoß, die einen Besuch bei ihrer Tochter gemacht hatte, steigerte noch die Furcht der Gräfin durch Erzählung dessen, was sie in der Mjasnizkaja-Straße bei einem Branntweinladen mit angesehen hatte. Als sie beim Rückweg durch diese Straße kam, hatte sie wegen einer betrunkenen Volksmenge, die bei dem Laden tobte, nicht hindurchkommen können. Sie hatte sich eine Droschke genommen und war auf dem Umweg durch eine Seitengasse nach Hause gefahren, und der Droschkenkutscher hatte ihr erzählt, das Volk habe die Fässer in dem Branntweinladen zerschlagen; das sei so befohlen worden.
Nach dem Mittagessen machten sich bei Rostows alle Hausgenossen eilig und mit größtem Eifer daran, die Sachen einzupacken und die sonstigen Vorbereitungen für die Reise zu treffen. Der alte Graf, der sich auf einmal gleichfalls der Sache annahm, ging fortwährend vom Hof ins Haus und wieder zurück, indem er die an sich schon eilenden Leute sinnlos anschrie und zu noch größerer Eile anzutreiben versuchte. Petja erteilte auf dem Hof Anweisungen. Sonja wußte infolge der einander widersprechenden Befehle des Grafen nicht mehr, was sie tun sollte, und war ganz wirr im Kopf geworden. Die Leute liefen schreiend, streitend und lärmend in den Zimmern und auf dem Hof umher. Plötzlich machte sich auch Natascha mit der Leidenschaftlichkeit, die ihr bei allem eigen war, ans Werk. Anfangs begegnete ihre Einmischung in die Arbeit des Packens starkem Mißtrauen. Die Leute meinten, sie treibe doch nur Possen, und wollten nicht auf sie hören; aber hartnäckig und leidenschaftlich verlangte sie, daß man ihr gehorche, wurde zornig, weinte beinahe, daß man nicht nach ihrem Willen tat, und erreichte schließlich doch, daß man ihr Vertrauen schenkte. Ihre erste Heldentat, die ihr gewaltige Anstrengungen kostete, aber auch ihre Autorität begründete, war das Einpacken der Teppiche. Der Graf hatte im Haus wertvolle Gobelins und persische Teppiche in ziemlicher Menge. Als Natascha sich ans Werk machte, standen im Saal zwei offene Kisten: die eine war fast bis oben mit Porzellan vollgepackt, die andere mit Teppichen. Eine Menge Porzellan stand noch auf Tischen daneben, und aus der Geschirrkammer wurde immer noch mehr herbeigetragen. Es mußte eine neue, dritte Kiste angefangen werden, und es waren schon ein paar Leute weggegangen, um eine zu holen.
»Warte mal, Sonja, wir schaffen es mit dem Packen auch so«, sagte Natascha.
»Es geht nicht, Fräulein; wir haben es schon versucht«, wandte der Büfettdiener ein.
»Nein, warte doch, bitte, warte mal!«
Damit begann Natascha hurtig aus der Kiste die in Papier gewickelten Schüsseln und Teller herauszunehmen.
»Die Schüsseln müssen hierher, zwischen die Teppiche«, sagte sie.
»Wir wollen Gott danken, wenn wir nur allein die Teppiche in drei Kisten hineinbekommen«, meinte der Büfettdiener.
»Nein, bitte, warte mal.« Und Natascha begann schnell und geschickt das Geschirr zu sortieren. »Das soll nicht mit«, sagte sie mit Bezug auf die Kiewer Teller. »Dies ja; das soll zwischen die Teppiche gelegt werden«, sagte sie von dem sächsischen Porzellan.
»Aber so hör doch auf, Natascha; laß es gut sein; wir werden das Packen schon besorgen«, sagte Sonja vorwurfsvoll.
»Ja, ja, Fräulein«, stimmte auch der Haushofmeister bei.
Aber Natascha hörte nicht darauf; sie nahm alle Sachen heraus und entschied dahin: die schlechteren Teppiche für den Hausgebrauch und das überflüssige Geschirr sollten überhaupt nicht mitgenommen werden. Als alles herausgenommen war, begannen sie von neuem einzupacken. Und wirklich: nach Ausscheidung fast aller geringen Sachen, die des Mitnehmens nicht wert waren, bekamen sie alles Wertvolle in zwei Kisten hinein. Nur wollte der Deckel der Teppichkiste nicht zugehen. Man hätte etwas von den Sachen wieder herausnehmen können; aber Natascha bestand auf ihrem Kopf. Sie packte auf die eine, dann auf eine andere Weise, drückte die Sachen zusammen, ließ den Büfettdiener und Petja, den sie zu der Arbeit des Einpackens mit herangezogen hatte, auf den Deckel drücken und machte selbst verzweifelte Anstrengungen.
»Hör doch auf, Natascha«, sagte Sonja zu ihr. »Ich sehe ein, daß du mit deiner Art zu packen recht gehabt hast; aber nimm doch einen, den obersten, heraus.«
»Nein, das will ich nicht!« schrie Natascha, indem sie mit der einen Hand das aufgegangene Haar an dem schweißbedeckten Gesicht festhielt und mit der andern die Teppiche zusammenpreßte. »So drücke doch, Petja, drücke! Wasiljewitsch, drücke!« rief sie. Die Teppiche ließen sich noch etwas zusammendrücken, und der Deckel ging zu. Natascha klatschte in die Hände und jauchzte vor Freude; die Tränen stürzten ihr aus den Augen. Aber das dauerte nur einen Augenblick. Sofort machte sie sich an eine andere Arbeit und fand nun schon bei den andern volles Vertrauen, und der Graf wurde nicht ärgerlich, wenn ihm gesagt wurde, Natascha Jljinitschna habe einen seiner Befehle abgeändert, und die Gutsleute kamen zu Natascha, um zu fragen, ob eine Fuhre hinlänglich beladen sei und sie sie verschnüren sollten oder nicht. Die Arbeit machte dank Nataschas Anordnungen gute Fortschritte: die entbehrlichen Sachen wurden zurückgelassen und die wertvollen recht eng gepackt.
Aber wie geschäftig auch alle waren, so wurde es doch schon spät in der Nacht, und noch war nicht alles eingepackt. Die Gräfin hatte sich schon zur Ruhe gelegt, und der Graf verschob die Abreise auf den nächsten Tag und ging gleichfalls zu Bett.