Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Dann fing er sich wieder. Nein, Jamie wäre noch einen Schritt weiter gegangen und hätte dafür gesorgt, dass man die Christies nicht nur gastlich empfing, sondern ihnen auch ein Dach über dem Kopf zur Verfügung stellte, eine Bleibe, bis sie für ihren eigenen Schutz sorgen konnten. Allerdings nicht hier; nicht, solange Jamie krank und Claire mit seiner Pflege beschäftigt war. Er überlegte einen Moment, dann trat er zur Tür und rief nach Lizzie.
»Ein neuer Pächter ist mit seiner Familie angekommen, a muirninn«, sagte er und lächelte angesichts ihres eifrigen, hilfsbereiten Mäusegesichtes. »Dies sind Mr. Thomas Christie, sein Sohn und seine Tochter. Kannst du deinen Pa fragen, ob er sie zu Evan Lindsays Hütte bringt? Sie liegt in der Nähe der Stelle, wo sie ihr Land haben werden, und vielleicht haben Evan und seine Frau ja Platz für sie, bis sie sich selbst etwas bauen können.«
»Oh, aye, Mister Roger.« Lizzie machte einen raschen Hofknicks vor Christie, der mit einer kleinen Verneigung antwortete. Dann zog sie ihre schmalen Augenbrauen hoch und sah Roger an. »Weiß Ehrwürden schon davon?«
Roger spürte, wie ihm ein Hauch von Röte ins Gesicht stieg, ließ sich jedoch nichts anmerken.
»Keine Sorge«, sagte er. »Ich werde es ihm sagen, sobald es ihm wieder besser geht.«
»Mr. Fraser ist krank? Es tut mir leid, das zu hören.« Die fremde, leise Stimme hinter ihm erschreckte ihn, und als er sich umdrehte, sah er, dass Malva Christie fragend zu ihm aufblickte. Er hatte keine besondere Notiz von ihr genommen, doch jetzt fiel ihm die Schönheit ihrer Augen auf – von einer seltsamen, hellgrauen Farbe, mandelförmig und leuchtend, mit langen, schwarzen Wimpern umrandet. Vielleicht ja auch schon weit vor der Frühjahrsaussaat, dachte er und hustete.
»Ein Schlangenbiss«, sagte er abrupt. »Aber keine Sorge; er ist schon auf dem Weg der Besserung.«
Er hielt Christie die Hand hin, und diesmal war er auf den geheimen Griff vorbereitet.
»Willkommen in Fraser’s Ridge«, sagte er. »Ich hoffe, Ihr werdet mit Eurer Familie hier glücklich.«
Jamie saß aufrecht im Bett, von Kopf bis Fuß von ergebenen Frauen bedient, und machte ein entsprechend verzweifeltes Gesicht. Seine Miene entspannte sich etwas, als er einen Mann entdeckte, und er wedelte seine Leibdienerinnen beiseite. Lizzie, Marsali und Mrs. Bug verließen widerstrebend das Zimmer, doch Claire blieb, mit ihren Fläschchen und Messern beschäftigt.
Roger setzte sich ans Fußende des Bettes, von dem ihn Claire wieder vertrieb. Sie wies ihm einen Hocker zu, bevor sie das Laken anhob, um die Lage darunter zu überprüfen und sich zu versichern, dass seine unüberlegte Handlung keinen Schaden angerichtet hatte.
»Nun gut«, sagte sie schließlich und wies voller Genugtuung auf den weißen Mullverband. Die Maden waren zurückgekehrt und verdienten sich offenbar rechtschaffen ihren Lebensunterhalt. Sie richtete sich auf und nickte Roger zu – wie der Großwesir, der eine Audienz beim Kalifen von Bagdad gewährt, dachte Roger amüsiert. Er sah Jamie an, der die Augen verdrehte und Roger dann mit einem kleinen, ironischen Lächeln begrüßte.
»Wie steht’s?«, sagten sie beide gleichzeitig. Roger lächelte, und Jamie verzog den Mundwinkel. Er zuckte kurz mit den Achseln.
»Ich lebe noch«, sagte er. »Aber glaube ja nicht, dass damit bewiesen ist, dass du Recht hattest. Das stimmt einfach nicht.«
»Dass er womit Recht hatte?«, fragte Claire und blickte neugierig von der Schüssel in ihren Händen auf.
»Oh, ein kleiner, philosophischer Disput«, sagte Jamie zu ihr. »Über freie Entscheidung und Zufall.«
Sie prustete los.
»Ich will kein Wort davon hören.«
»Auch gut. Ich habe sowieso nicht vor, solche Angelegenheiten bei Brot und Milch zu diskutieren.« Jamie blickte mit leisem Abscheu auf eine Schale mit einer nahrhaften, aber breiigen Substanz, die halb gegessen neben ihm auf dem Nachttisch stand. »Hast du dir inzwischen das Geschwür am Bein des Maultiers angesehen, Roger Mac?«
»Ich habe es mir angesehen«, antwortete Claire für ihn. »Es verheilt sehr gut. Roger war damit beschäftigt, Gespräche mit neuen Pächtern zu führen.«
»Oh, aye?« Fraser zog interessiert die Augenbrauen hoch.
»Aye, ein Mann namens Thomas Christie mit seiner Familie. Er sagt, er war mit dir zusammen in Ardsmuir.«
Für den Bruchteil einer Sekunde hatte Roger das Gefühl, als hätte eine Vakuumpumpe jede Luft aus dem Zimmer gesaugt und alles erstarren lassen. Fraser sah ihn ausdruckslos an. Dann nickte er, setzte wie von Zauberhand seine freundlich interessierte Miene wieder auf, und die Zeit setzte sich wieder in Bewegung.
»Aye, an Tom Christie kann ich mich gut erinnern. Wo hat er denn die letzten zwanzig Jahre gesteckt?«
Roger wiederholte Tom Christies Beschreibung seiner Wanderungen und erklärte ihm, welche Vereinbarungen bezüglich seiner Pacht getroffen worden waren.
»Das ist eine sehr gute Regelung«, sagte Jamie beifällig, als er hörte, dass Christie bereit war, sich als Schulmeister zu betätigen. »Sag ihm, dass er sämtliche Bücher benutzen kann, die wir hier haben – und er soll eine Liste der Bücher aufstellen, die er sonst noch braucht. Ich werde Fergus sagen, er soll sich danach umsehen, wenn er das nächste Mal in Wilmington ist.«
Das Gespräch ging zu alltäglicheren Dingen über, und ein paar Minuten später stand Roger auf, um zu gehen.
Alles schien in bester Ordnung zu sein, und doch empfand er diese obskure Beklommenheit. Er hatte sich diesen Moment doch nicht eingebildet? Als er sich umdrehte, um die Tür hinter sich zu schließen, sah er, dass Jamie die Hände ordentlich auf seiner Brust gefaltet und die Augen geschlossen hatte; wenn er auch noch nicht schlief, so verbat er sich doch jede Unterhaltung. Claire hatte den Blick auf ihren Mann gerichtet und ihre gelben Falkenaugen spekulativ zusammengekniffen. Nein, sie hatte es auch gesehen.
Also hatte er es sich nicht eingebildet. Was in aller Welt war los mit Tom Christie?
Kapitel 95
Mittsommer Dämmerlicht
Am nächsten Tag schloss Roger hinter sich die Tür und blieb eine Minute auf der Veranda stehen, um die kalte, klare Luft des späten Morgens einzuatmen – spät, lieber Gott, es konnte nicht später als halb sieben sein, doch es war um einiges später, als er gewöhnlich den Tag begann. Die Sonne war bereits in die Kastanien auf dem höchsten Bergkamm gestiegen, und ihr Umriss leuchtete als flammende Scheibe durch die letzten, gelben Blätter.
Es lag immer noch ein Hauch von Blut in der Luft, auch wenn keine Spur mehr von dem Büffel übrig war, abgesehen von einer dunklen Stelle in den flach gedrückten Kürbisranken. Er sah sich um und führte seine Bestandsaufnahme durch, indem er im Geiste seine Aufgaben für den heutigen Tag auflistete. Auf dem herbstlich schäbigen Hof scharrten die Hühner, und im Kastanienhain hörte er eine kleine Schweineherde nach Futter wühlen.
Er hatte das seltsame Gefühl, nicht vor wenigen Tagen, sondern vor Monaten, ja, Jahren zuletzt auf dem Hof Hand angelegt zu haben. Das Gefühl der Orientierungslosigkeit – das anfangs so stark gewesen war – war eigentlich seit langem von ihm gewichen, doch jetzt war es wieder da, stärker als je zuvor. Wenn er einen Moment die Augen schloss und sie dann wieder öffnete, würde er sich doch mit Sicherheit auf der Broad Street in Oxford wiederfinden, die Nase voller Autoabgase, in Erwartung eines Morgens, den er friedlich büffelnd zwischen den verstaubten Büchern der Bodleian-Bibliothek verbringen würde.
Er klatschte sich mit der Hand auf den Oberschenkel, um das Gefühl zu vertreiben. Nicht heute. Dies war Fraser’s Ridge, nicht Oxford, und seine Aufgaben mochten zwar friedlich sein, doch er würde sie mit den Händen verrichten, nicht mit dem Kopf. Er musste Bäume ringeln und Heu ernten; kein Feldheu, sondern das wilde Heu, das in kleinen Flecken auf den Hügeln verstreut wuchs, die hier und dort einen Arm voll hergaben – genug, um eine zusätzliche Kuh über den Winter zu bringen.