Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Die Giftzähne sind hohl«, sagte sie und berührte das Glas mit dem Finger, genau über der Stelle, an der das Gift in den Leinenstoff gesickert war und einen kleinen, gelblichen Fleck hinterlassen hatte. »Sie sind mit einem Giftbeutel in der Wange des Tiers verbunden, und wenn sie zubeißen, pressen die Wangenmuskeln das Gift aus dem Beutel … und durch den Giftzahn hindurch in die Beute hinein. Genau wie bei einer –«
»Ach du lieber Himmel«, sagte ich.
Sie nickte und wandte endlich den Blick von der Schlange ab, um mich anzusehen.
»Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, es mit einem angespitzten Federkiel zu versuchen, aber das hier würde viel besser funktionieren – es ist schließlich genau dafür gebaut.«
»Ich verstehe«, sagte ich und empfand eine leichte Welle der Hoffnung. »Aber du brauchst eine Art Tank …«
»Zuerst brauche ich eine größere Schlange«, sagte sie praktisch denkend und wandte sich zur Tür. »Lass mich Jo oder Kezzie suchen und sie fragen, ob dieses Tier tatsächlich aus einem Nest stammt – und wenn ja, ob noch mehr davon da sind.«
Sie begab sich prompt auf die Suche und nahm das Glas mit. Ich blieb zurück und konnte mich jetzt meiner Betrachtung der Lage an der Antibiotikafront mit neuer Hoffnung zuwenden. Wenn ich die Lösung tatsächlich injizieren konnte, musste ich sie so weitgehend wie möglich filtern und reinigen.
Ich hätte die Lösung gern abgekocht, traute mich aber nicht; ich wusste nicht, ob rohes Penizillin durch hohe Temperaturen vernichtet oder außer Gefecht gesetzt wurde – wenn sie überhaupt noch rohes Penizillin enthielt. Die Hoffnung, die ich in Folge von Briannas Idee empfunden hatte, wurde ein wenig gedämpft. Es würde mir nicht helfen, einen Injektionsmechanismus zu haben, wenn ich nichts Brauchbares zum Injizieren hatte.
Ich schritt unruhig durch das Sprechzimmer und hob hier und dort einen Gegenstand auf, um ihn dann wieder hinzulegen.
Ich nahm mich zusammen, legte die Hand auf die Säge und schloss die Augen, um mir erneut die Bewegungen und Empfindungen ins Gedächtnis zu rufen und das geradezu unirdische Trancegefühl heraufzubeschwören, das ich beim Erlegen des Büffels empfunden hatte.
Natürlich war diesmal Jamie derjenige, der dem Irdischen den Rücken gekehrt hatte. Nett von dir, ihm die Wahl zu lassen, dachte ich sarkastisch. Ich sehe allerdings, dass du nicht vorhast, es ihm leicht zu machen.
Aber darum hätte er auch nie gebeten. Ich öffnete erschrocken die Augen. Ich hatte keine Ahnung, ob diese Antwort aus meinem eigenen Unterbewussten oder anderswo her kam – doch sie war in meinem Kopf, und ich musste mir eingestehen, dass sie der Wahrheit entsprach.
Jamie war es gewohnt, seine Wahl zu treffen und sich daran zu halten, koste es, was es wolle. Ihm war klar, dass das Weiterleben höchstwahrscheinlich den Verlust seines Beins bedeutete – und alles was damit einherging –, und er hatte dies als selbstverständlichen Preis für seine Entscheidung akzeptiert.
»Nun, aber ich akzeptiere es nicht, verdammt!«, sagte ich mit erhobenem Kinn laut zum Fenster. Ein Zedernseidenschwanz, der am Ende eines Astes hing, warf mir einen scharfen Blick durch seine schwarze Räubermaske zu, kam zu dem Schluss, dass ich zwar verrückt, aber harmlos war und wandte sich wieder seinem Tun zu.
Ich zog die Schranktür auf, öffnete den Deckel meiner Arzneitruhe und holte mir Papier, Feder und Tinte aus Jamies Studierzimmer.
Ein Glas getrocknete Teebeeren. Pipsissewaextrakt. Ulmenrinde. Weidenrinde, Kirschbaumrinde, Flohkraut, Schafgarbe. Penizillin war mit Abstand das wirksamste unter den Antibiotika, die mir zur Verfügung standen, aber es war nicht das Einzige. Die Menschen führten schon seit Jahrtausenden Krieg gegen Bazillen, ohne eine Vorstellung davon zu haben, was sie da bekämpften. Ich wusste es; das war ein kleiner Vorteil.
Ich begann, eine Liste der verfügbaren Kräuter zu erstellen, und schrieb unter jeden Namen die mir bekannten Anwendungsgebiete für die jeweilige Pflanze – ganz gleich, ob ich sie je dazu eingesetzt hatte oder nicht. Jede Heilpflanze, die man zur Entzündungsbekämpfung benutzen konnte, stellte eine Chance dar – ob zum Reinigen von Schürfwunden, Zahnfleischentzündungen, zur Behandlung von Durchfällen und Ruhr … Ich hörte Schritte in der Küche und rief nach Mrs. Bug, damit sie mir einen Kessel kochendes Wasser brachte, so dass ich sofort damit beginnen konnte, einen Aufguss herzustellen.
Sie erschien in der Tür. Ihre Wangen waren von der Kälte gerötet, das Haar hing ihr in unordentlichen Strähnen aus dem Häubchen, und sie hielt einen großen Korb im Arm. Bevor ich etwas sagen konnte, kam sie herbei und stellte den Korb vor mir auf die Arbeitsplatte. Ihr Mann folgte ihr auf dem Fuße. Er trug einen weiteren Korb sowie ein kleines, offenes Fass, dem ein durchdringender Alkoholgeruch entströmte. Die Luft in ihrer Umgebung war von einem schwachen, überreifen Geruch erfüllt, der an den Gestank einer entfernten Müllkippe erinnerte.
»Ich habe gehört, wie Ihr gesagt habt, Ihr hättet nicht mehr genug Schimmel«, hob sie nervös, aber mit leuchtenden Augen an, »also habe ich zu Arch gesagt, wir müssen die Häuser in der Nähe abgehen und schauen, was wir Mrs. Fraser bringen können. Schließlich wird Brot so schnell schlecht, wenn es feucht ist, und der Himmel weiß, dass Mrs. Chisholm eine Schlampe ist, wenn ich mir auch sicher bin, dass sie ein gutes Herz hat, aber ich möchte nicht einmal darüber nachdenken, was sich an ihrem Herd abspielt, und wir –«
Ich hörte ihr gar nicht zu, sondern starrte die Ergebnisse des morgendlichen Plünderungszuges auf die Vorratskammern und Abfallhaufen von Fraser’s Ridge an, den die Bugs unternommen hatten. Brotkrusten, verdorbenes Gebäck, halb verrotteter Kürbis, Kuchenreste, an deren Teig noch die Zahnabdrücke sichtbar waren … eine bunte Mischung klebriger Krümel und gammeliger Bruchstücke – auf denen überall Schimmel spross. Samtblaue und flechtengrüne Stellen wechselten sich mit warzenartigen Klecksen in Rosa und Gelb und mit weiß bestäubten Flecken ab. Das Fässchen war zur Hälfte mit gärendem Mais gefüllt, und auf der Oberfläche der trüben Flüssigkeit, die sich darin gebildet hatte, trieben Inseln aus blauem Schimmelpilz.
»Evan Lindsays Schweine«, erklärte Mr. Bug in einem seltenen Anfall von Redseligkeit. Beide Bugs strahlten mich an, mit dem Schmutz ihrer Bemühungen übersät.
»Danke«, sagte ich erstickt, und das nicht nur von dem Geruch. Ich kniff meine Augen zu, die von den Ausdünstungen des Maisschnapses leicht tränten. »Oh, danke.«
Es war kurz nach Anbruch der Dunkelheit, als ich mich die Treppe hinauf begab. Ich trug das Tablett mit meinen Tränken und Instrumenten vor mir her und empfand eine Mischung aus Aufregung und banger Erwartung.
Jamie hatte seine Kissen im Rücken und war von Besuchern umgeben. Den ganzen Tag über waren Leute zum Haus gekommen, um ihn zu besuchen und ihm alles Gute zu wünschen; viele von ihnen waren einfach geblieben, und bei meinem Eintreten wandte sich eine ganze Schar ängstlicher, im Kerzenschein glänzender Gesichter in meine Richtung.
Er sah sehr schlecht aus; sein Gesicht war errötet und eingefallen, und ich fragte mich, ob ich die Besucher vielleicht besser verjagt hätte. Doch ich sah, wie Murdo Lindsay seine Hand nahm und sie fest drückte, und mir wurde klar, dass ihm die Ablenkung und Unterstützung seiner Gesellschaft im Lauf des Tages wahrscheinlich mehr geholfen hatte als die Ruhe, die er sich am Ende sowieso nicht gegönnt hätte.
»Nun denn«, sagte Jamie mit überzeugend vorgetäuschter Lässigkeit, »ich nehme an, wir sind so weit.« Er streckte seine Beine aus und wackelte unter der Decke kräftig mit den Zehen. Angesichts des Zustandes, in dem sich sein Bein befand, musste ihn das furchtbar schmerzen, doch ich begriff, dass er die seiner Meinung nach letzte Gelegenheit wahrnahm, das Bein zu bewegen, und ich biss mir auf die Lippe.
»Nun, wir sind so weit, dass wir etwas ausprobieren können«, sagte ich und lächelte ihn an, wobei ich mich bemühte, einen zuversichtlichen, beruhigenden Eindruck zu machen. »Sollte jemand dafür beten wollen, bitte.«