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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Überraschtes Gemurmel trat an die Stelle der angsterfüllten Atmosphäre, die sich bei meinem Erscheinen erhoben hatte, und ich sah, wie Marsali, die mit der einen Hand ihre schlafende Tochter festhielt, hastig mit der anderen in ihrer Tasche herumtastete, um ihren Rosenkranz zum Vorschein zu bringen.

Man beeilte sich, den Nachttisch freizuräumen, der mit Büchern und Papieren übersät war, mit Kerzenstummeln, diversen Köstlichkeiten – sämtlich unangetastet –, die man nach oben gebracht hatte, um Jamie Appetit zu machen, dazu aus irgendeinem unerfindlichen Grund die Griffleiste eines Zimbals und ein halb gegerbtes Murmeltierfell. Ich stellte das Tablett hin, und Brianna, die mit mir nach oben gekommen war, trat vor. Sie trug ihre Erfindung vorsichtig auf beiden Händen wie ein Messdiener, der dem Priester das Brot hinhält.

»Was in Gottes Namen ist das denn?« Jamie warf zuerst dem Instrument, dann mir einen stirnrunzelnden Blick zu.

»Eine Do-it-Yourself-Klapperschlange«, sagte Brianna zu ihm.

Es folgte allgemeines, interessiertes Gemurmel, und alle reckten die Hälse, um es zu sehen – doch das Interesse wandte sich abrupt anderen Dingen zu, als ich die Bettdecke zurückschlug und mich daran machte, unter einem Chor schockierten Gemurmels und mitfühlender Ausrufe sein Bein auszuwickeln.

Lizzie und Marsali hatten ihm pflichtbewusst den ganzen Tag über frische Umschläge mit heißen Zwiebeln und Flachssaat gemacht, und als ich die Umhüllung jetzt entfernte, stiegen Dampfwölkchen auf. Die Haut seines Beins war bis zum Knie knallrot, zumindest an den Stellen, an denen sie nicht schwarz war oder eiterte. Wir hatten die Maden vorerst entfernt, weil wir Angst hatten, dass die Hitze sie umbringen würde; im Augenblick befanden sie sich unten in meinem Sprechzimmer auf einem Teller, wo sie sich an den scheußlichsten Funden der Bugs gütlich taten. Wenn es mir gelang, das Bein zu retten, konnten sie später beim Versäubern helfen.

Ich hatte die Abfälle sorgfältig Stück für Stück durchgesehen, die blauen Schimmelpilze unter dem Mikroskop betrachtet und alles, was ich als Penicilliumträger identifizieren konnte, in eine große Schüssel aussortiert. Dieses bunte Sammelsurium hatte ich mit dem fermentierten Maisschnaps übergossen, das Ganze den Tag über ziehen lassen – und so mit etwas Glück dafür gesorgt, dass sich eventuelles Rohpenizillin aus dem Müll in der alkoholischen Flüssigkeit auflöste.

Unterdessen hatte ich eine Auswahl jener Kräuter getroffen, denen man nachsagte, dass sie sich zur innerlichen Behandlung eitriger Entzündungen eigneten, und sie zu einem kräftigen Tee verarbeitet, den ich mehrere Stunden lang in kochendem Wasser ziehen ließ. Ich goss einen Becher mit dieser stark duftenden Lösung voll und reichte ihn Roger, wobei ich meine Nase sorgfältig abgewandt hielt.

»Sieh zu, dass er das trinkt«, sagte ich. »Ganz«, fügte ich viel sagend hinzu und betrachtete Jamie festen Blickes.

Jamie roch an dem Becher, den Roger ihm hinhielt und erwiderte meinen Blick – doch dann nippte er gehorsam daran und zog zur Unterhaltung seiner Besucher, die anerkennend kicherten, übertriebene Fratzen. Nachdem sich die Stimmung auf diese Weise gelockert hatte, kam ich zur Hauptsache und drehte mich um, um Brianna die improvisierte Spritze abzunehmen.

Die Beardsleyzwillinge, die Seite an Seite in der Ecke standen, drängten sich stolzgeschwellt vor, um besser sehen zu können. Auf Briannas Bitten hin hatten sie sich sofort aufgemacht und waren am frühen Nachmittag mit einer prächtigen Klapperschlange zurückgekehrt, die fast einen Meter lang – und zum Glück tot war. Sie hatten sie mit einer Axt fast halbiert, um den wertvollen Kopf zu bewahren.

Ich hatte die Giftbeutel mit großer Vorsicht herausgetrennt, die Fangzähne abgelöst und dann Mrs. Bug damit betraut, die Zähne mehrmals in Alkohol zu spülen, um eventuelle Giftreste zu beseitigen.

Brianna hatte ein Stück der geölten Seide, in die das Astrolabium eingepackt gewesen war, zu einer Röhre zusammengenäht, deren eines Ende sie wie eine Börse mit einer Zugschnur versah. Sie hatte ein dickes Stück von der Flügelfeder eines Truthahns abgeschnitten, es in heißem Wasser aufgeweicht und das zusammengezogene Ende des Seidenröhrchens damit an dem Zahn befestigt. Geschmolzenes Bienenwachs versiegelte die Nahtstellen von Röhrchen, Feder und Zahn. Außerdem hatte sie es sorgfältig auf die Naht aufgetragen, um jedes Durchsickern zu verhindern. Es war gute, saubere Arbeit – doch es sah tatsächlich wie eine kleine, fette Schlange mit einem einzigen, enormen, gebogenen Zahn aus, was unter den Zuschauern für zahlreiche Kommentare sorgte.

Murdo Lindsay hielt immer noch eine von Jamies Händen. Als ich Fergus jetzt mit einer Geste anwies, mir die Kerze zu halten, sah ich, wie Jamie die andere Hand nach Roger ausstreckte. Im ersten Augenblick machte Roger ein erschrockenes Gesicht, griff dann aber nach der Hand, kniete sich neben das Bett und hielt sie fest.

Ich fuhr sacht mit den Fingern über das Bein, wählte eine gute Stelle aus, an der keine wichtigen Blutgefäße entlangliefen, betupfte sie mit reinem Alkohol und stieß den Zahn hinein, so tief ich konnte. Die Zuschauer schnappten nach Luft, und Jamie atmete scharf ein, doch er machte keine Bewegung.

»Nun gut.« Ich nickte Brianna zu, die die Flasche mit dem gefilterten Maisalkohol bereithielt. Die Zähne tief in ihre Unterlippe gebohrt, begann sie vorsichtig zu gießen und füllte das Seidenröhrchen, während ich es festhielt. Dann faltete ich das offene Ende zusammen und presste mit Daumen und Zeigefinger fest nach unten, so dass die Flüssigkeit durch den Zahn in das Gewebe des Beins gedrückt wurde.

Jamie stieß ein leises, atemloses Geräusch aus, und Murdo und Roger beugten sich instinktiv so weit zu ihm hinüber, dass ihre Schultern gegen die seinen drückten und ihn stützten.

Ich wagte es nicht, zu schnell zu drücken, weil ich Angst hatte, die Wachsversiegelung zu zerstören, wenn ich zu großen Druck ausübte, obwohl wir für den Fall des Falles aus dem anderen Zahn eine zweite Spritze hergestellt hatten. Ich arbeitete mich an seinem gesamten Bein entlang; Brianna füllte bei jeder Injektion die Spritze nach, und wenn ich den Zahn herauszog, stieg das Blut glänzend aus den Löchern auf und lief ihm in kleinen Rinnsalen an der Seite des Beins hinunter. Ohne, dass man sie gefragt hätte, griff Lizzie nach einem Lappen, um es sauber zu tupfen, und hatte für nichts anderes mehr Augen.

Es herrschte Schweigen im Zimmer, doch ich spürte, wie alle den Atem anhielten, wenn ich eine neue Stelle auswählte, wie sie seufzend ausatmeten, sobald ich zugestochen hatte – und sich dann unbewusst über das Bett beugten, während ich den beißenden Alkohol tief in das entzündete Gewebe drückte. Jamies Unterarmmuskeln waren zu Knoten geballt, und der Schweiß lief ihm in Bächen über das Gesicht, doch weder er noch Murdo noch Roger machten ein Geräusch oder eine Bewegung.

Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Joseph Wemyss Jamie das Haar aus der Stirn strich und ihm mit einem Handtuch den Schweiß von Gesicht und Hals wischte.

»Weil du mich brauchst«, hatte er gesagt. Und jetzt begriff ich, dass er nicht nur mich damit gemeint hatte.

Es dauerte nicht lange. Als ich fertig war, trug ich sorgfältig Honig auf alle offenen Wunden auf und rieb ihm Fuß und Unterschenkel mit Teebeerenöl ein.

»Das hast du ja wunderbar gefettet und gewürzt, Sassenach. Meinst du, es ist jetzt fertig für den Ofen?«, fragte Jamie und wackelte dabei mit den Zehen. Damit löste sich die Spannung im Zimmer in Gelächter auf.

Schließlich brachen alle auf, klopften Jamie zum Abschied auf die Schulter oder küssten ihn auf die Wange und wünschten ihm schroff viel Glück. Er lächelte und nickte, hob zum Abschied die Hand, tauschte Grüße aus und machte kleine Scherze.

Als sich die Tür hinter dem letzten Besucher schloss, legte er sich auf das Kissen zurück, schloss die Augen und atmete in einem langen, tiefen Seufzer aus. Ich machte mich daran, mein Tablett aufzuräumen, weichte die Spritze in Alkohol ein, verkorkte meine Fläschchen und faltete das Verbandsmaterial zusammen. Dann setzte ich mich neben ihn, und er streckte die Hand nach mir aus, ohne die Augen zu öffnen.

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