Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ja, deswegen.« Mrs. McGillivray sah nicht länger zu den Männern; sie tätschelte Senga und ließ sie dann los. »Wir gehen jetzt nach Salem, wo meine Familie lebt. Vielleicht finden wir da auch einen guten Mann.«
Myers war jetzt einen Schritt von der Konfrontation zurückgetreten und ließ entspannt die Schultern hängen. Er schob einen Finger unter die Kante seines Lendenschurzes, kratzte sich herzhaft an den Pobacken und sah sich um. Offensichtlich interessierte er sich nicht länger für die Vorgänge. Als er mich in seine Richtung blicken sah, kam er zwischen den Schösslingen zurück geschlendert.
»Kein Grund mehr zur Sorge, Ma’am«, versicherte er Mrs. McGillivray. »Ich wusste, dass Jamie Roy es in Ordnung bringen würde, und so ist es auch. Euer Sohn ist gerettet.«
»Ja?«, sagte sie. Sie blickte skeptisch zu den Baumschösslingen hinüber, aber es stimmte; die Haltung der Männer hatte sich entspannt, und Jamie reichte dem Diebesfänger gerade seine Handschellen wieder. Ich sah die entschiedene Abneigung, mit der er sie anfasste. Er hatte in Ardsmuir in Eisen gelegen.
»Gott sei Dank«, sagte Mrs. McGillivray und seufzte heftig. Ihre massige Gestalt schien plötzlich zu schrumpfen, als ihr der Atem entfuhr.
Jetzt entfernte sich der Diebesfänger und bewegte sich in Richtung des Baches von uns fort. Der Klang der Eisen, die an seinem Gürtel schwangen, erreichte uns als leises, metallisches Klirren, sofern wir ihn zwischen den Aufschreien der Menge hören konnten. Jamie und Rob McGillivray standen dicht beieinander und unterhielten sich, während Fergus dem Diebesfänger mit leicht gerunzelter Stirn hinterherblickte.
»Was hat Jamie denn zu ihm gesagt?«, fragte ich Myers.
»Oh. Nun ja.« Der Bergläufer grinste mich breit an und entblößte seine Zahnlücken. »Jamie Roy hat ihm todernst erzählt, dass es wirklich ein Glück für den Diebesfänger – er heißt übrigens Boble, Harvey Boble – gewesen sei, dass wir genau zur rechten Zeit auf Euch gestoßen sind. Er hat ihm zu verstehen gegeben, dass ansonsten diese Dame hier –« er verneigte sich vor Ute, »– ihn wahrscheinlich in ihrem Wagen mit nach Hause genommen und ihn insgeheim wie ein Schwein geschlachtet hätte.«
Myers rieb sich mit dem Handrücken unter seiner von roten Adern durchzogenen Nase entlang und gluckste leise in seinen Bart hinein.
»Boble hat gesagt, das glaube er nicht, und dass sie doch nur versucht hätte, ihm mit ihrem Messer Angst einzujagen. Aber dann hat sich Jamie Roy dicht über ihn gebeugt, ganz im Vertrauen, und gesagt, dasselbe hätte er wahrscheinlich auch gedacht – wenn er nicht schon so viel von Frau McGillivrays Ruhm als Wurstköchin gehört hätte und die Ehre gehabt hätte, etwas davon zum Frühstück serviert zu bekommen. Da ist Boble langsam blass um die Nase geworden, und als Jamie Roy dann ein Stück Wurst hervorgezogen und es ihm gezeigt hat –«
»Oje«, sagte ich, denn ich konnte mich lebhaft daran erinnern, wie diese Wurst roch. Ich hatte sie tags zuvor bei einem Händler auf dem Berg gekauft und dann feststellen müssen, dass sie nicht fachgerecht gepökelt worden war und nach dem Anschneiden derart nach fauligem Blut roch, dass keiner von uns sie beim Abendessen angerührt hatte. Jamie hatte den Rest der anstößigen Wurst in sein Taschentuch gewickelt und in seinen Sporran gesteckt, um entweder sein Geld zurückzuverlangen oder ihn dem Händler in den Schlund zu stopfen. »Ich verstehe.«
Myers nickte und wandte sich an Ute.
»Und Euer Mann, Ma’am – die gute Seele, Rob McGillivray ist wirklich der geborene Lügner –, hat zu allem Ja und Amen gesagt, mit dem Kopf genickt und gestöhnt, wie viel Arbeit es ist, genug Fleisch für Euch zu schießen.«
Die Mädchen kicherten.
»Das könnte Pa gar nicht«, sagte Inga leise zu mir. »Er kann ja noch nicht einmal einem Huhn den Hals umdrehen.«
Myers zog gutmütig die Schultern hoch, während Jamie und Fergus jetzt durch das feuchte Gras auf uns zukamen.
»Also hat Jamie Boble sein Wort als Ehrenmann gegeben, ihn vor Euch zu beschützen, und Boble hat sein Wort als … nun ja, er hat gesagt, dass er sich von Manfred fern halten wird.«
»Hmp«, sagte Ute mit ausgesprochen bestürzter Miene. Es machte ihr nicht das Geringste aus, für eine Gewohnheitsmörderin gehalten zu werden, und sie war froh, dass Manfred außer Gefahr war – doch es entrüstete sie, ihren Ruf als Wurstköchin beschmutzt zu sehen.
»Als ob ich solchen Mist herstellen würde«, sagte sie und rümpfte angewidert die Nase über den stark riechenden Fleischklumpen, den Jamie ihr zur näheren Betrachtung entgegen hielt. »Pfui Teufel!« Sie winkte mit einer überlegenen Geste ab, dann wandte sie sich an ihren Mann und sagte leise etwas auf Deutsch.
Schließlich holte sie tief Luft und nahm ihr altes Format wieder an. Sie sammelte all ihre Kinder um sich wie eine Glucke ihre Küken und drängte sie, sich bei Jamie gebührend für seine Hilfe zu bedanken. Er errötete schwach, als sie sich im Chor bedankten, und verneigte sich vor ihr.
»Gern geschehen«, sagte er. »Stets zu Diensten, Frau Ute.«
Sie hatte die Fassung zurückerlangt und strahlte ihn an, während er sich umdrehte, um beim Aufbruch etwas zu Rob zu sagen.
»So ein schöner, großer Mann«, murmelte sie und schüttelte sacht den Kopf, während sie ihn von oben bis unten musterte. Dann wandte sie sich ab und fing den Blick auf, den ich zuerst auf Jamie, dann auf Rob warf – denn mit seinem kurz geschnittenen, dunklen, lockigen Haar und seinen fein gemeißelten Gesichtszügen sah der Büchsenmacher zwar nicht schlecht aus, doch er war so leicht wie ein Sperling und etliche Zentimeter kürzer als seine Frau, der er ungefähr bis an die breite Schulter reichte. Angesichts ihrer offensichtlichen Bewunderung für große Männer weckte dies zwangsläufig meine Verwunderung.
»Ach ja«, sagte sie und zuckte wie zur Entschuldigung mit den Achseln. »Wo die Liebe hinfällt, nicht wahr.« Sie klang, als sei die Liebe ein unglücklicher, aber unvermeidbarer Seelenzustand.
Ich blickte Jamie an, der gerade dabei war, seine Wurst einzuwickeln, bevor er sie wieder verstaute. »Ja, doch«, sagte ich. »Ich weiß.«
Als wir wieder an unserer eigenen Lagerstelle anlangten, waren die Chisholms gerade im Aufbruch begriffen, nachdem die Mädchen sie großzügig bewirtet hatten. Zum Glück hatte Jamie reichlich Lebensmittel aus Jocastas Lager mitgebracht, und ich ließ mich zu einer köstlichen Mahlzeit nieder, die aus Reibekuchen, gebutterten Brötchen, gebratenem Schinken und – endlich! – Kaffee bestand. Dabei fragte ich mich, was uns heute wohl noch bevorstehen mochte. Es war noch Zeit genug; die Sonne war gerade über die Bäume gestiegen und glühte in dumpfem Orange unter einer dahinziehenden Wolkenschicht hervor.
Als ich ein wenig später angenehm gesättigt war und meine dritte Tasse Kaffee in der Hand hatte, raffte ich mich auf und warf die Segeltuchabdeckung über meinem medizinischen Vorratslager zurück. Es war Zeit, mit den Vorbereitungen für meine morgendliche Sprechstunde zu beginnen, die Gefäße mit meinem Nähmaterial herauszusuchen, die Kräuterbehälter in meiner Truhe und die große Alkoholflasche wieder aufzufüllen und diejenigen Arzneien zu kochen, die frisch zubereitet werden mussten.
Zwar drohten mir die gebräuchlicheren Kräuter aus meinem Vorrat auszugehen, doch Myers hatte mir dienstbeflissen ausgeholfen und mir einige seltene und nützliche Dinge aus den Indianerdörfern im Norden mitgebracht, und ich hatte einige kluge Tauschgeschäfte mit Murray MacLeod durchgeführt, einem ehrgeizigen, jungen Apotheker, der sich seinen Weg ins Landesinnere gebahnt und sich in Cross Creek niedergelassen hatte.
Bei dem Gedanken an Murray biss ich mir von innen auf die Wange. Er hegte die gängigen, üblen Vorstellungen, die derzeit als medizinische Weisheit galten – und hatte keine Hemmungen zu verkünden, wie überlegen wissenschaftliche Methoden wie der Aderlass oder das Schröpfen und Blistern der altmodischen Kräuterkunde waren, die von ignoranten Hutzelweibern wie mir praktiziert wurden!