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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Nur bestand die Schwierigkeit natürlich darin, zehn Scheffel Mais in sechs Schillinge Steuergeld zu verwandeln. Zwar gab es in Drunkard’s Creek Leute, die Abels Mais liebend gern gekauft hätten – doch auch in Drunkard’s Creek hatte niemand Geld. Nein, der Mais musste in Salem auf dem Markt verkauft werden; das war der nächste Ort, wo man an bare Münze gelangen konnte. Doch Salem lag fast vierzig Meilen von Drunkard’s Creek entfernt – eine Wochenreise, hin und zurück.

»Ich hatte fünf Morgen Gerste«, erklärte Abel. »Goldgelb und reif für die Sense. Ich konnte sie nicht verderben lassen, und meine Abby – sie war eine kleine, zierliche Frau und konnte nicht mähen und dreschen.«

Da er seine Ernte nicht für eine Woche im Stich lassen konnte, hatte Abel stattdessen seine Nachbarn um Hilfe ersucht.

»Es sind gute Leute«, beharrte er. »Ein oder zwei von ihnen hatten auch einzelne Pennys für mich übrig – aber sie hatten ja schließlich selbst noch Steuern zu bezahlen, nicht wahr?« Da er immer noch hoffte, das nötige Geld ohne die strapaziöse Reise nach Salem zusammenkratzen zu können, hatte Abel die Sache vor sich hergeschoben – bis es zu spät war.

»Howard Travers ist der Sheriff«, sagte er und wischte unbewusst den feuchten Tropfen weg, der sich an seiner Nasenspitze gebildet hatte. »Er ist mit einem Papier angekommen und hat gesagt, er müsste uns vor die Tür setzen, weil die Steuern nicht bezahlt sind.«

Mit dem Unausweichlichen konfrontiert, hatte Abel seine Frau in ihrer Hütte zurückgelassen und sich eiligst nach Salem aufgemacht. Doch als er mit den sechs Schillingen zurückkehrte, war sein Eigentum beschlagnahmt und verkauft worden – an Howard Travers’ Schwiegervater. Fremde wohnten in seiner Blockhütte, und seine Frau war fort.

»Ich wusste, dass sie nicht weit weg sein konnte«, erklärte er. »Sie hätte die Kinder nicht verlassen.«

Und dort hatte er sie auch gefunden, zitternd und in einen dünnen Quilt gewickelt, auf dem Hügel unter der hohen Fichte, die die Gräber der vier Kinder der MacLennans überschattete – alle im ersten Lebensjahr gestorben. Trotz seines Flehens hatte er Abigail nicht bewegen können, hinunter in die Hütte zu gehen, die ihnen gehört hatte, und Hilfe bei jenen zu suchen, die sie enteignet hatten. Ob es Fieberwahn war oder nur Sturheit, konnte er nicht sagen; sie hatte sich mit der Kraft einer Irren an die Äste des Baumes geklammert und die Namen ihrer Kinder gerufen – und war dort in der Nacht gestorben.

Sein Whiskybecher war leer. Er stellte ihn vorsichtig zu seinen Füßen auf den Boden und ignorierte Jamies Wink in Richtung Flasche.

»Sie hatten ihr gestattet mitzunehmen, was sie tragen konnte. Sie hatte ein Bündel bei sich, und darin waren ihre Totenkleider. Ich erinnere mich noch genau, wie sie sich am Tag nach unserer Hochzeit hingesetzt hat, um das Garn für ihr Grabtuch zu spinnen. Es hatte kleine Blumen am Saum, die sie selbst gestickt hatte; sie konnte gut mit Nadeln umgehen.«

Er hatte Abigail in ihr besticktes Leichentuch gewickelt, sie an der Seite ihres jüngsten Kindes begraben und war dann zwei Meilen die Straße hinuntergewandert – eigentlich, um den Hobsons zu erzählen, was geschehen war.

»Aber als ich zu ihrem Haus kam, fand ich sie alle in Aufregung wie einen Hornissenschwarm – der Sheriff hatte Hugh Fowles einen Besuch abgestattet, um die Steuer einzutreiben, und dieser hatte kein Geld. Travers hat gegrinst wie ein Affe und gesagt, es sei ihm einerlei – und zehn Tage später war er prompt mit seinem Papier wieder da und hat sie auf die Straße gesetzt.«

Hobson hatte das Geld für seine eigenen Steuern zusammengekratzt, und die Fowles’ waren erst einmal beim Rest der Familie untergekommen – aber Joe Hobson schäumte vor Zorn darüber, wie man mit seinem Schwiegersohn umgesprungen war.

»Joe war außer sich und hat vor Wut nur so gebrüllt. Janet Hobson hat mich eingeladen, mich hinzusetzen und zu Abend zu essen, und dann war da Joe, der brüllte, Travers würde mit seiner Haut für das Land bezahlen, und Hugh saß zusammen gesunken da wie ein getretener Hund, und seine Frau hat geheult, und die Kinder haben nach ihrem Essen geschrien wie ein Wurf Ferkel, und … nun, erst wollte ich es ihnen ja sagen, aber dann …« Er schüttelte den Kopf, als überkäme ihn die Verwirrung erneut.

Er hatte halb vergessen in der Kaminecke gesessen, und eine seltsame Erschöpfung hatte ihn überwältigt und ihn so müde gemacht, dass sein Kopf vornüber fiel und sich die Lethargie über ihn stahl. Es war warm, und ein Gefühl der Unwirklichkeit überkam ihn. Wenn die Beengtheit in der Einzimmerhütte der Hobsons nicht real war, dann waren es auch der stille Hügel und das frische Grab unter der Fichte nicht.

Er schlief unter dem Tisch, und als er vor der Dämmerung aufwachte, stellte er fest, dass das Gefühl der Unwirklichkeit nicht nachgelassen hatte. Alles um ihn herum schien nicht mehr als ein Wachtraum zu sein. MacLennan selbst schien nicht länger zu existieren; sein Körper erhob sich, wusch sich und aß, nickte und redete ohne sein Zutun. Die Außenwelt gab es nicht mehr. Und so war es gekommen, dass Joe Hobson sich erhoben und angekündigt hatte, dass er und Hugh nach Hillsborough gehen würden, um vor Gericht Wiedergutmachung zu suchen, und Abel MacLennan sich mit ihnen unterwegs wiedergefunden hatte. Er hatte genickt und geantwortet, wenn man ihn ansprach, jedoch mit der Willenskraft eines Toten.

»Als wir so die Straße entlangmarschierten, kam mir der Gedanke, dass wir alle tot waren«, sagte er verträumt. »Ich und Joe und Hugh und der Rest. Ich hätte genauso gut dort wie anderswo sein können; ich bewegte mich nur weiter, bis die Zeit kam, meine Knochen an Abbys Seite niederzulegen. Es war gar nicht schlimm.«

Als sie in Hillsborough ankamen, hatte er sich nicht großartig für Joes Absichten interessiert, sondern war ihm einfach gefolgt, gehorsam und ohne nachzudenken. War ihm gefolgt und die schlammigen Straßen entlanggewandert, auf denen die Glasscherben der zerschmetterten Fenster glitzerten, hatte die Fackeln und die tobende Menge gesehen, die Rufe und Schreie gehört – und war völlig ungerührt geblieben.

»Es waren ja alles nur Tote, die mit ihren Knochen aneinander klapperten«, sagte er achselzuckend. Er schwieg kurz, dann richtete er den Blick auf Jamie und sah ihm lange und ernst ins Gesicht.

»Ist es so? Bist du auch tot?« Seine schlaffe, schwielige Hand schwebte von dem roten Tuch empor und hielt an Jamies Wangenknochen sacht inne.

Jamie wich vor der Berührung nicht zurück, sondern ergriff MacLennans Hand und senkte sie wieder, um sie dann festzuhalten.

»Nein, a charaid«, sagte er leise. »Noch nicht.«

MacLennan nickte langsam.

»Aye. Das kommt schon noch«, sagte er. Er befreite seine Hand und blieb noch einen Augenblick sitzen und strich dabei sein Halstuch glatt. Sein Kopf hob und senkte sich sacht nickend, so als sei die Feder in seinem Nacken überdehnt.

»Das kommt schon noch«, wiederholte er. »Es ist gar nicht so schlimm.« Dann stand er auf und legte sich das rote Stoffquadrat auf den Kopf. Er wandte sich mir zu und nickte höflich, sein Blick vage und verstört.

»Ich dank Euch für das Frühstück, Ma’am«, sagte er und ging davon.

Kapitel 3

Vergällte Körpersäfte

Abel MacLennans Aufbruch setzte dem Frühstück ein abruptes Ende. Der Privatgefreite Ogilvie bedankte und entschuldigte sich, Jamie und Fergus begaben sich auf die Suche nach Astrolabien und Sensen, und Lizzie, die in Abwesenheit des Gefreiten Ogilvie zusehends dahinwelkte, ließ verlauten, sie fühle sich nicht gut, und zog sich blass mit einer großen Tasse Tee aus Gänsefingerkraut und Gartenraute bewaffnet in eines der Zelte zurück.

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