Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Fast so schwer wie der Krieg, aye?«, sagte Jamie trocken. Der Junge lief dunkelrot an; so jung, wie er war, konnte er kaum in ernsthafte Kampfhandlungen verwickelt gewesen sein. Der Franzosenkrieg war schon seit fast zehn Jahren vorbei – und damals hatte der Privatgefreite Ogilvie mit Sicherheit noch in Kilburnie im Sand gespielt.
Ohne die Verlegenheit des Jungen zu beachten, wandte sich Jamie an mich.
»Der Junge sagt«, fügte er hinzu, »dass das Siebenundsechzigste das letzte Regiment ist, das sich noch in den Kolonien aufhält.«
»Das letzte Highlandregiment?«, fragte ich.
»Nein, Ma’am, wir sind die letzten regulären Truppen der Krone. Es gibt natürlich hier und dort noch Garnisonen, aber die stehenden Regimenter sind alle zurück nach England oder Schottland gerufen worden. Wir sind die letzten – und haben sogar schon Verspätung. Wir sollten eigentlich von Charleston aus segeln, aber dort ist etwas schief gegangen, deshalb sind wir jetzt nach Portsmouth unterwegs, so schnell wir können. Es ist schon spät im Jahr, aber der Leutnant hat von einem Schiff gehört, das die Überfahrt noch riskieren würde. Wenn nicht –« Er zuckte philosophisch mit den Achseln. »Dann werden wir wohl in Portsmouth überwintern und uns irgendwie durchschlagen.«
»Dann will England uns schutzlos zurücklassen?« Marsali sah bei diesem Gedanken sehr erschrocken aus.
»Oh, ich glaube nicht, dass Ihr in Gefahr seid, Ma’am«, beruhigte sie der Privatgefreite Ogilvie. »Mit den Franzmännern sind wir ein für alle Mal fertig, und die Indianer werden sich kaum rühren, wenn die Froschfresser sie nicht mehr aufhetzen. Es ist jetzt schon eine ganze Weile friedlich hier, und das wird bestimmt auch so bleiben.« Ich räusperte mich leise, und Jamie drückte mir sacht den Ellbogen.
»Habt Ihr Euch denn schon einmal überlegt, vielleicht hier zu bleiben?« Lizzie hatte beim Zuhören Kartoffeln geschält und gerieben; jetzt stellte sie die Schüssel mit den glänzend weißen Schnitzen neben das Feuer und begann, die Pfanne zu fetten. »In den Kolonien zu bleiben, meine ich. Im Westen gibt es immer noch Land in Hülle und Fülle.«
»Oh.« Der Privatgefreite Ogilvie blickte zu dem weißen Häubchen auf ihrem Kopf hinunter, den sie sittsam über die Arbeit gebeugt hatte, und lief erneut rot an. »Nun, ich muss sagen, dass man mir schon schlechtere Aussichten präsentiert hat, Miss. Aber ich bin leider an mein Regiment gebunden.«
Lizzie ergriff zwei Eier und schlug sie gekonnt am Rand der Schüssel entzwei. Auf ihrem Gesicht, das normalerweise käsebleich war, erstrahlte ein schwacher Widerschein der satten Gesichtsfarbe Ogilvies.
»Ah. Nun, wie schade, dass Ihr schon so bald fortmüsst«, sagte sie und klimperte mit ihren hellblonden Wimpern. »Aber zumindest werden wir Euch nicht mit leerem Magen davonschicken.«
Der Privatgefreite Ogilvie wurde noch ein wenig rosiger um die Ohren.
»Das ist … sehr liebenswürdig von Euch, Miss. Wirklich sehr liebenswürdig.«
Lizzie blickte schüchtern auf und errötete noch tiefer.
Jamie hüstelte und entschuldigte sich. Dann führte er mich vom Feuer fort.
»Himmel«, sagte er leise und bückte sich, damit ich ihn hören konnte. »Dabei ist sie doch noch keine vierundzwanzig Stunden Frau! Hast du ihr Unterricht gegeben, Sassenach, oder ist das bei Frauen einfach angeboren?«
»Naturtalent, schätze ich«, sagte ich umsichtig.
Was unsere sauberen Lappen anging, so war das Einsetzen von Lizzies Menarche gestern nach dem Abendessen der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte, und ich hatte daraufhin meinen Unterrock opfern müssen. Natürlich hatte Lizzie keine Menstrualtücher dabei, und ich wollte nicht, dass sie gezwungen war, die Babywindeln mitzubenutzen.
»Mmpfm. Dann mache ich mich wohl am besten auf die Suche nach einem Mann für sie«, sagte Jamie resigniert.
»Einem Mann! Aber sie ist doch gerade erst fünfzehn!«
»Aye, und?« Er sah sich zu Marsali um, die Fergus das dunkle Haar mit dem Handtuch trocken rieb, und ließ den Blick dann zu Lizzie und ihrem Soldaten schweifen. Er sah mich mit zynisch hoch gezogener Augenbraue an.
»Aye, selber und«, sagte ich ein wenig verärgert. Gut, Marsali war erst fünfzehn gewesen, als sie Fergus geheiratet hatte. Das hieß aber nicht …
»Jedenfalls«, fuhr Jamie fort und ließ das Thema Lizzie erst einmal links liegen, »bricht das Regiment morgen nach Portsmouth auf; sie haben weder Zeit noch Interesse, sich mit dieser Geschichte in Hillsborough zu befassen – das ist Tryons Sorge.«
»Aber Hayes hat doch gesagt –«
»Oh, wenn ihm jemand etwas erzählt, wird er die Aussage auch bestimmt nach New Bern weiterleiten – aber was ihn persönlich angeht, so glaube ich nicht, dass es ihn stören würde, wenn die Regulatoren den Gouverneurspalast in Brand setzen würden, solange es nur seine Abreise nicht verzögert.«
Ich seufzte tief, denn das beruhigte mich. Wenn Jamie Recht hatte, so waren Festnahmen das Letzte, wonach Hayes der Sinn stand, ganz gleich, wie die Beweislage sein mochte. MacLennan drohte also keine Gefahr.
»Was glaubst du denn dann, was Hayes von dir und den anderen will?«, fragte ich und bückte mich, um in einem der Weidenkörbe nach einem Brotlaib zu suchen. »Er ist immerhin persönlich hinter dir her.«
Jamie blickte hinter sich, als rechnete er jede Sekunde damit, dass der Leutnant zwischen den Stechpalmen auftauchen würde. Da sich das stachelige Grün jedoch nicht rührte, wandte er sich mit leicht gerunzelter Stirn wieder mir zu.
»Ich weiß es nicht«, sagte er kopfschüttelnd, »aber es hat jedenfalls nichts mit Tryon zu tun. Wenn es so wäre, hätte er mich gestern Abend darauf ansprechen können – und das hätte er auch getan, wenn ihm selbst etwas an der Sache läge«, fügte er hinzu. »Nein, Sassenach, verlass dich darauf, die Aufrührer sind für unseren Archie Hayes nur eine Pflichtsache. Was er aber von mir will –« Er beugte sich über mich, um mit dem Finger am Rand des Honigtöpfchens entlang zu fahren. »Darüber mache ich mir erst dann Sorgen, wenn ich muss. Ich habe noch drei Fässer Whisky übrig, die ich bis heute Abend in eine Pflugschar, ein Sensenblatt, drei Axtklingen, zehn Pfund Zucker, ein Pferd und ein Astrolabium verwandeln will. Und das ist ein Zaubertrick, der einiger Konzentration bedarf, aye?« Er fuhr mit seiner klebrigen Fingerspitze sanft über meine Lippen, dann drehte er meinen Kopf zu sich hin und neigte den seinen, um mich zu küssen.
»Ein Astrolabium?«, sagte ich und schmeckte Honig. Ich erwiderte den Kuss. »Wozu denn das?«
»Und dann möchte ich nach Hause«, flüsterte er, ohne meine Frage zu beachten. Seine Stirn war an die meine gedrückt, und seine Augen waren blau.
»Ich möchte mit dir ins Bett gehen – in meinem Bett. Und ich möchte den Rest des Tages darüber nachdenken, was ich machen werde, wenn ich dich erst dort habe. Und der liebe Archie kann von mir aus bleiben, wo der Pfeffer wächst, aye?«
»Exzellente Idee«, flüsterte ich zurück. »Möchtest du ihm das gern persönlich sagen?«
Ich hatte am anderen Ende der Lichtung ein Stück grünschwarzen Tartanstoff aufblitzen sehen, doch als Jamie sich jetzt aufrichtete und herumfuhr, sah ich, dass der Besucher doch nicht Leutnant Hayes war, sondern John Quincy Myers, der sich ein Soldatenplaid um die Taille geschlungen hatte, dessen Enden fröhlich im Wind flatterten.
Dies verlieh Myers’ sowieso schon unübersehbarer, modischer Eleganz den letzten Schliff. Er war extrem groß, und ihn zierten (von oben nach unten) ein Schlapphut, in dem mehrere Nadeln und eine Truthahnfeder steckten, zwei zerzauste Fasanenfedern, die in sein langes, schwarzes Haar geknotet waren, eine Weste aus eingefärbten Stachelschweinstacheln, die er über einem Hemd mit Perlenstickereien trug, sein üblicher Lendenschurz und enge Hosen, die mit Bändern voller kleiner Glöckchen umwickelt waren, kurz: Der Waldläufer war schwer zu übersehen.
»James, mein Freund!« John Quincy lächelte breit, als er Jamie erblickte, und eilte mit ausgestreckter Hand und glöckchenklingelnd auf ihn zu. »Dachte ich mir doch, dass ich Euch beim Frühstück antreffe!«