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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Sie sagt, sie hat es benutzt – es aber vielleicht vergessen. Es wirkt aber nicht immer, oder?«

Ich schlang mir die Tasche mit den sterilisierten Bandagen und getrockneten Kräutern über die Schulter und ergriff die Medizintruhe an dem Lederriemen, den Jamie daran befestigt hatte.

»Das Einzige, was immer wirkt, ist Abstinenz«, sagte ich. »Ich nehme aber an, das ist im vorliegenden Fall keine zufrieden stellende Lösung, oder?«

Sie schüttelte den Kopf, den Blick nachdenklich auf eine Gruppe junger Männer gerichtet, die jenseits der Bäume reihum Steine über den Bach warfen.

»Das hatte ich befürchtet«, sagte sie und bückte sich, um den Klapptisch und zwei Hocker aufzuheben.

Ich sah mich auf der Lichtung um und überlegte. Sonst noch etwas? Das unbeaufsichtigte Lagerfeuer war kein Problem, ganz gleich, ob Lizzie einschlief; bei diesem Wetter würde auf dem Berg nichts brennen. Selbst das Zündmaterial und das Brennholz, das wir Tags zuvor in unserem Unterschlupf gelagert hatten, war feucht. Irgendetwas fehlte aber noch, was …? Oh, ja. Ich stellte die Truhe noch einmal ab und ließ mich auf die Knie nieder, um in das Zelt zu kriechen. Ich kramte in den zerwühlten Bettdecken herum und kam schließlich mit meinem kleinen, ledernen Medizinbeutel wieder zum Vorschein.

Ich richtete ein kurzes Gebet an St. Bride und hängte ihn ihr um den Hals, um ihn dann im Leibchen meines Kleides verschwinden zu lassen. Ich hatte mir so sehr angewöhnt, das Amulett zu tragen, wenn ich aufbrach, um zu praktizieren, dass ich mir bei diesem kleinen Ritual fast nicht mehr lächerlich vorkam – fast. Brianna beobachtete mich mit einem sehr merkwürdigen Gesichtsausdruck, doch sie sagte nichts.

Ich schwieg ebenfalls, ergriff meine Sachen und folgte ihr über die Lichtung, wobei ich sorgfältig einen Bogen um die schlammigsten Stellen machte. Momentan regnete es zwar nicht, doch die Wolken hingen dicht über den Baumwipfeln und verhießen jede Minute Nachschub. Nebelschwaden stiegen von umgestürzten Baumstämmen und triefenden Büschen auf.

Warum machte sich Brianna Sorgen um Verhütung?, fragte ich mich. Nicht, dass ich das nicht vernünftig fand, aber warum gerade jetzt? Vielleicht hatte es mit ihrer bevorstehenden Hochzeit mit Roger zu tun. Selbst wenn sie während der vergangenen Monate wie Mann und Frau zusammen gelebt hatten – und das hatten sie –, war die Formalität der vor Gott und den Menschen gesprochenen Gelübde angetan, auch den leichtfertigsten, jungen Menschen zu ernüchtern. Und weder Brianna noch Roger waren leichtfertig.

»Es gibt noch eine andere Möglichkeit«, sagte ich zu ihr, während ich ihr auf dem schlüpfrigen Pfad folgte. »Ich habe sie noch nie bei jemandem ausprobiert, deshalb kann ich nichts über ihre Verlässlichkeit sagen. Nayawenne – die alte Tuscarorafrau, von der ich den Medizinbeutel habe –, sie hat gesagt, es gäbe ›Frauenkräuter‹. Verschiedene Mixturen für verschiedene Zwecke, aber eine Pflanze insbesondere für diesen; sie hat gesagt, die Samen verhindern, dass der Geist des Mannes den der Frau überwältigt.«

Brianna blieb stehen und wandte sich halb um, während ich zu ihr aufschloss.

»Ist das das Verständnis der Indianer von Schwangerschaft?« Ihr Mundwinkel kräuselte sich ironisch. »Der Mann gewinnt?«

Ich lachte.

»Na ja, in gewisser Hinsicht. Wenn der Geist der Frau zu stark für den des Mannes ist oder sich ihm nicht unterwirft, kann sie nicht empfangen. Wenn sich eine Frau also ein Kind wünscht und keins bekommen kann, behandelt der shaman meistens ihren Mann oder sie beide, nicht nur sie.«

Sie räusperte sich leise, teils belustigt – aber nur teils.

»Was für eine Pflanze ist es – das Frauenkraut?«, fragte sie. »Kennst du sie?«

»Ich bin mir nicht ganz sicher«, räumte ich ein. »Zumindest jedenfalls, was den Namen angeht. Sie hat sie mir gezeigt, sowohl die Pflanze in freier Wildbahn als auch die getrockneten Samen, und ich denke, dass ich sie wieder erkennen würde – aber ich kenne keinen englischen Namen für diese Pflanze. Sie gehört aber zur Familie der Umbelliferae«, fügte ich hilfreicherweise hinzu.

Sie warf mir einen strengen Blick zu, der mich erneut an Jamie erinnerte, und drehte sich dann zur Seite, um eine kleine Gruppe weiblicher Campbells vorbeizulassen, die mit leeren Kesseln und Töpfen klapperten. Eine nach der anderen nickten sie höflich oder verbeugten sich, als sie uns auf ihrem Weg hinunter zum Bach passierten.

»Guten Tag, Mistress Fraser«, sagte eine von ihnen, eine adrette, junge Frau, in der ich eine von Farquard Campbells jüngeren Töchtern erkannte. »Ist Euer Mann in der Nähe? Mein Vater sagt, er würde gern ein Wort mit ihm wechseln.«

»Nein, er ist leider unterwegs.« Ich machte eine vage Handbewegung; Jamie konnte überall sein. »Aber ich sage es ihm, wenn ich ihn sehe.«

Sie nickte und ging weiter. Die Frauen, die ihr folgten, blieben einzeln stehen und wünschten Brianna Glück an ihrem Hochzeitstag. Ihre Wollröcke und Umhänge lösten kleine Regenschauer von den Lorbeerbüschen, die an dieser Stelle den Weg säumten.

Brianna nahm ihre Glückwünsche freundlich entgegen, doch ich sah die kleine Falte, die sich zwischen ihren dichten, roten Augenbrauen bildete. Irgendetwas beschäftigte sie, daran gab es keinen Zweifel.

»Was?«, sagte ich unverblümt, sobald die Campbells außer Hörweite waren.

»Was heißt das, was?«, sagte sie erschrocken.

»Worüber machst du dir Sorgen?«, fragte ich. »Und sag nicht ›nichts‹, weil ich es genau sehe. Hat es mit Roger zu tun? Hast du Zweifel wegen der Hochzeit?«

»Eigentlich nicht«, sagte sie und machte ein argwöhnisches Gesicht. »Ich möchte Roger heiraten, ich meine – das ist in Ordnung. Es ist nur … mir ist nur … gerade … ein Gedanke gekommen …« Sie verstummte, und ihre Wangen liefen langsam rot an.

»Oh?«, fragte ich alarmiert. »Und zwar?«

»Geschlechtskrankheit«, platzte sie heraus. »Was, wenn ich eine habe? Nicht Roger, nicht er, sondern – von Stephen Bonnet?«

Ihr Gesicht glühte so rot, dass es mich überraschte, die Regentropfen nicht beim Auftreffen auf ihrer Haut verdampfen zu sehen. Mein Gesicht dagegen fühlte sich kalt an, mein Herz schlug beklommen in meiner Brust. Diese Möglichkeit war mir damals – lebhaft – in den Sinn gekommen, aber ich hatte einen solchen Verdacht gar nicht erst äußern wollen, solange sie nicht selbst darauf kam. Ich erinnerte mich gut an jene Wochen, in denen ich sie unauffällig auf Krankheitssymptome hin beobachtet hatte – doch Frauen zeigten im frühen Infektionsstadium oft keine Symptome. Ich war in mehr als einer Hinsicht erleichtert gewesen, als Jemmy gesund zur Welt kam.

»Oh«, sagte ich leise. Ich streckte die Hand aus und drückte ihr den Arm. »Keine Sorge, Schatz. Das hast du nicht.«

Sie holte tief Luft und stieß dann ein bleiches Atemwölkchen aus. Ihre Schultern entspannten sich ein wenig.

»Bist du sicher?«, sagte sie. »Kannst du das genau sagen? Es geht mir zwar gut, aber ich dachte – Frauen haben doch nicht immer Symptome.«

»Nein«, sagte ich sehr trocken, »aber Männer haben sie eindeutig. Und wenn Roger sich bei dir etwas gefangen hätte, hätte ich längst davon gehört.«

Ihre Gesichtsfarbe hatte sich ein wenig normalisiert, doch bei diesen Worten kehrte die Röte zurück. Sie hustete, und ihr Atem stieg als Nebelwölkchen auf.

»Nun, da bin ich aber erleichtert. Also ist mit Jemmy alles in Ordnung? Ganz sicher?«

»Absolut«, versicherte ich ihr. Ich hatte ihm bei der Geburt Silbernitrat – das ich unter beträchtlichen Mühen und Kosten besorgt hatte – in die Augen geträufelt, nur für alle Fälle, aber ich war mir wirklich sicher. Abgesehen davon, dass er keinerlei spezifische Krankheitszeichen an den Tag legte, strahlte Jemmy eine derart robuste Gesundheit aus, dass der bloße Gedanke an eine Infektion kaum zu glauben war. Er verbreitete Wohlbefinden wie ein Kessel Eintopf.

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