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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Vielleicht beides. Vielleicht keins von beidem. Ich weiß es nicht«, sagte er sehr leise. »Das ist die Wahrheit, bei Gott; ich weiß es nicht.«

»Bist du bei dem Steinkreis gewesen?«, fragte sie. Er nickte, ohne sie anzusehen. Er grub in seiner Tasche herum und legte den großen Opal auf den Tisch.

»Ich bin da gewesen. Deshalb komme ich so spät; ich habe lange gebraucht, um ihn zu finden.«

Sie schwieg einen Moment, dann nickte sie.

»Du bist nicht zurückgegangen. Aber du kannst es. Vielleicht solltest du es tun.« Sie sah ihn direkt an, ihr Ausdruck das Abbild von Jamies Gesicht.

»Ich will nicht mit dir zusammenleben, wenn du aus Pflichtgefühl zurückgekommen bist«, sagte sie. Dann sah sie mich an, und ihr Blick war sanft vor Schmerz. »Ich kenne eine Ehe, die nur aus Pflichtgefühl Bestand hatte – und ich kenne eine, die aus Liebe gemacht ist. Wenn ich nicht –« Sie hielt inne und schluckte, dann sprach sie weiter und sah Roger an. »Wenn ich nicht wüsste, wie beides aussieht, dann hätte ich mit dem Pflichtgefühl leben können. Aber ich kenne beides – und ich will es nicht.«

Ich fühlte mich, als hätte mir jemand vor das Brustbein geboxt. Sie meinte meine Ehen. Ich sah mich nach Jamie um und stellte fest, dass er mich mit demselben Ausdruck ansah, von dem ich wusste, dass auch mein Gesicht ihn trug. Er hustete, um das Schweigen zu brechen, räusperte sich und wandte sich an Roger.

»Wann war das Handfasting?«

»Am zweiten September«, antwortete Roger prompt.

»Und jetzt haben wir Mitte Juni.« Jamie blickte stirnrunzelnd von Roger zu Brianna.

»Tja, mo nighean, wenn du diesem Mann per Handschlag versprochen bist, dann bist du an ihn gebunden, da gibt es keine Frage.« Er wandte sich um und warf Roger einen dunkelblauen Blick zu. »Also werdet Ihr hier wohnen, als ihr Ehemann. Und am dritten September wird sie entscheiden, ob sie Euch vor einem Priester getreu der Bibel heiraten will – oder ob Ihr geht und sie in Frieden lasst. So lange habt Ihr Zeit zu entscheiden, warum Ihr hier seid – und sie davon zu überzeugen.«

Roger und Brianna hatten beide zum Sprechen angesetzt, um zu protestieren, doch er bremste sie, indem er den Dolch ergriff, den er auf dem Tisch liegengelassen hatte. Er senkte die Klinge sacht, bis sie den Stoff über Rogers Brust berührte.

»Ihr werdet hier als ihr Ehemann leben. Aber wenn Ihr sie gegen ihren Willen anrührt, dann schneide ich Euch das Herz heraus und verfüttere es an die Schweine. Versteht Ihr mich?«

Roger starrte einen Augenblick auf die glänzende Klinge hinab, ohne dass ein Ausdruck unter seinem dichten Bart sichtbar gewesen wäre, dann hob er den Kopf, um Jamies Blick zu erwidern.

»Ihr glaubt, ich würde eine Frau behelligen, die mich nicht will?«

Eine ziemlich dumme Frage, hatte Jamie ihn doch exakt in dieser irrigen Annahme zu Brei geschlagen. Roger bedeckte Jamies Hand mit der seinen und stieß den Dolch mit der Spitze in den Tisch. Er schob abrupt seinen Stuhl nach hinten, machte auf dem Absatz kehrt und ging hinaus.

Jamie stand ebenso schnell auf, ging ihm hinterher und steckte im Gehen den Dolch in die Scheide.

Brianna sah mich hilflos an.

»Was meinst du, was er –«

Sie wurde durch ein lautes Krachen und ein ebenso lautes Grunzen unterbrochen, als ein schwerer Körper die Außenwand traf.

»Wenn Ihr sie schlecht behandelt, reiße ich Euch die Eier ab und stopfe sie Euch in den Hals«, sagte Jamies Stimme leise auf Gälisch.

Ich sah Brianna an, und sah, dass sie genügend Gälisch beherrschte, um den Sinn dieser Worte zu verstehen. Ihr Mund öffnete sich, doch sie bekam kein Wort heraus.

Draußen erklangen die Geräusche eines raschen Handgemenges, das mit einem noch lauteren Krachen endete, als schlüge ein Kopf gegen die Balken.

Roger besaß nicht Jamies Ausstrahlung stiller Bedrohlichkeit, doch in seiner Stimme hallte Aufrichtigkeit wider. »Fass mich noch einmal an, du verdammtes Schwein, und ich stopfe dir den Kopf in den Hintern zurück, da, wo er hergekommen ist!«

Einen Moment lang herrschte Schweigen, dann erklang das Geräusch sich entfernender Schritte. Einen Augenblick später machte Jamie tief in seiner Kehle ein schottisches Geräusch und entfernte sich ebenfalls.

Briannas Augen waren weit geöffnet, als sie mich ansah.

»Testosteronvergiftung«, sagte ich achselzuckend.

»Gibt es ein Gegenmittel?«, fragte sie. Ihr Mundwinkel zuckte, obwohl ich nicht sagen konnte, ob vor Lachen oder drohender Hysterie.

Ich schob eine Hand durch mein Haar und überlegte.

»Tja«, sagte ich schließlich, »es gibt nur zwei Dinge, die sie in so einer Lage tun, und das eine ist, dass sie versuchen werden, sich gegenseitig umzubringen.«

Brianna rieb sich die Nase.

»A-ha«, sagte sie. »Und das andere …« Unsere Blicke trafen sich in perfektem Einvernehmen.

»Ich kümmere mich um deinen Vater«, sagte ich. »Aber Roger ist deine Sache.«

Das Leben auf dem Berg verlief ein wenig angespannt, da sich Brianna und Roger wie eine in die Falle gegangene Häsin und ein in die Enge getriebener Dachs verhielten. Jamie hielt Roger beim Essen mit brütenden Blicken voll gälischer Missachtung fixiert, während Lizzie sich selbst darin übertraf, sich bei allen Anwesenden zu entschuldigen, und das Baby sich entschloss, dass die Zeit reif war für nächtliche Koliken mit Brüllattacken.

Es waren wahrscheinlich diese Koliken, die Jamie zu hektischen Aktivitäten an dem neuen Haus antrieben. Fergus und einige der Pächter waren so zuvorkommend gewesen, eine kleine Ernte für uns anzubauen, so dass wir zumindest zu essen haben würden, wenn wir auch in diesem Jahr keinen Mais verkaufen konnten. Befreit von der Notwendigkeit, sich um eine große Anbaufläche zu kümmern, verbrachte Jamie stattdessen jeden freien Augenblick hämmernd und sägend auf dem Bergkamm.

Roger assistierte nach Kräften bei den anderen Arbeiten auf dem Hof, obwohl sein Fuß ihn behinderte. Er hatte schon mehrfach meine Versuche abgewiesen, ihn zu behandeln, doch jetzt weigerte ich mich, mich noch länger vertrösten zu lassen. Ein paar Tage nach seiner Ankunft war ich mit meinen Vorbereitungen fertig und informierte ihn bestimmt, dass ich die Absicht hatte, mich am nächsten Morgen als Erstes mit ihm zu befassen.

Als es so weit war, bat ich ihn, sich hinzulegen, und wickelte den Fuß aus den Lumpen aus. Der süßlich gammelige Geruch einer fortgeschrittenen Infektion kitzelte mich in der Nase, doch ich dankte Gott dafür, dass ich weder die roten Streifen einer Blutvergiftung noch die schwarze Verfärbung drohenden Wundbrandes sah. Es war auch so schlimm genug.

»Du hast ein paar chronische Abszesse tief im Gewebe«, sagte ich und drückte prüfend mit dem Daumen zu. Ich konnte spüren, wie die matschigen Eitereinschlüsse nachgaben, und als ich fester zudrückte, brachen die halb verheilten Wunden auf, und ein widerlicher, gelbgrauer Schleim sickerte aus einem entzündeten Riss am Rande der Fußsohle.

Roger erbleichte unter seiner Sonnenbräune, und seine Hände umklammerten den hölzernen Bettrahmen, doch er gab keinen Ton von sich.

»Du hast Glück«, sagte ich, während ich seinen Fuß weiter hin- und herbewegte und die kleinen Gelenke des vorderen Mittelfußes beugte. »Du hast die Abszesse beim Herumlaufen immer wieder aufgebrochen und sie teilweise drainiert. Sie bilden sich natürlich immer wieder neu, aber die Bewegung hat verhindert, dass die Infektion in die Tiefe wandert, und sie hat deinen Fuß flexibel gehalten.«

»Oh, gut«, sagte er schwach.

»Brianna, du musst mir helfen«, sagte ich und drehte mich beiläufig zum anderen Ende des Zimmers um, wo die beiden Mädchen saßen und sich mit Baby und Spinnrad abwechselten.

»Ich könnte es tun; lasst es mich machen.« Begierig zu helfen sprang Lizzie auf. Sie hatte Gewissensbisse wegen der Rolle, die sie bei Rogers Leidensweg gespielt hatte, und sie hatte auf jede erdenkliche Weise versucht, Abbitte zu leisten, indem sie ihm ständig etwas zu essen brachte, ihm anbot, seine Kleider zu flicken, und ihn ganz allgemein mit ihren Äußerungen der Reue zum Wahnsinn trieb.

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