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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Wem? Meinst du Brianna und Roger?«

»Wen denn sonst?«, fragte er, diesmal ohne Beiläufigkeit. »Vertragen sie sich?«

»Oh, ich glaube schon. Sie gewöhnen sich gerade wieder aneinander.«

»Ach ja?«

»Ja«, sagte ich und blickte hinter mich auf das Blockhaus. »Er hat sich soeben in ihren Schoß übergeben.«

Kapitel 67

Zwei Seiten einer Medaille

Roger wälzte sich auf die Seite und setzte sich hin. Es war noch kein Glas in den Fenstern – das war auch nicht nötig, solange das Sommerwetter schön blieb –, und das Sprechzimmer befand sich an der Vorderseite des neuen Hauses, dem Abhang zugewandt. Wenn er den Hals zur Seite reckte, konnte er Brianna den Großteil des Weges zum Blockhaus hinunter nachsehen, bevor sie zwischen den Kastanienbäumen verschwand.

Ein letztes Aufflackern des rostbraunen Stoffes, dann war sie fort. Sie war heute Abend ohne das Baby gekommen; er wusste nicht, ob das ein Fortschritt war oder das Gegenteil. Sie hatten sich unterhalten können, ohne ständig durch nasse Windeln, Quäken, Meckern, Stillen und Spucken unterbrochen zu werden; das war ein seltener Luxus.

Doch sie war nicht so lange wie sonst geblieben – er konnte spüren, wie das Kind sie von ihm fortzog, als wäre sie durch ein Gummiband mit ihm verbunden. Er nahm es dem Giftzwerg nicht übel, redete er sich fest ein. Es war nur, dass … na ja, nur, dass er es dem Giftzwerg übelnahm. Das hieß aber nicht, dass er ihn nicht mochte.

Er hatte noch nichts gegessen; hatte keine Sekunde ihrer kostbaren Zweisamkeit damit verschwenden wollen. Er deckte den Korb ab, den sie mitgebracht hatte, und atmete den warmen, würzigen Geruch von Eichhörncheneintopf und frischem Brot mit Butter ein. Und Apfelkuchen.

Sein Fuß pochte immer noch, und es kostete ihn beträchtliche Mühe, nicht an die hilfsbereiten Maden zu denken, doch sein Appetit war trotzdem mit Macht zurückgekehrt. Er aß langsam und genoss das Essen und die stille Abenddämmerung, die unten über den Berghang kroch.

Fraser hatte gewusst, was er tat, als er den Standort für dieses Haus wählte. Es überblickte den kompletten Bergrücken, und die Aussicht erstreckte sich weithin bis zum Fluss und darüber hinaus, zu den nebelgefüllten Tälern und den dunklen Gipfeln, die den sternenbesäten Himmel berührten. Es war eines der einsamsten, großartigsten, herzerweichend romantischsten Fleckchen Erde, die er je gesehen hatte.

Und Brianna war dort unten und stillte einen kleinen, kahlköpfigen Parasiten, während er hier oben war – allein mit ein paar Dutzend Freunden.

Er stellte den leeren Korb auf den Boden, hüpfte zu dem Nachtgeschirr in der Ecke, dann zurück zu seinem einsamen Bett auf der neuen Sprechzimmerliege. Warum zum Teufel hatte er ihr nur gesagt, er wüsste es nicht, als sie ihn gefragt hatte, warum er zurückgekommen war?

Na ja, weil er es in diesem Augenblick auch nicht gewusst hatte. Er war monatelang in der verdammten Wildnis herumgewandert, halb verhungert und fast wahnsinnig vor Einsamkeit und Schmerzen. Er hatte sie seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen – ein Jahr, in dem er durch die Hölle und zurück gegangen war. Er hatte drei Tage lang ohne Feuer und Wasser auf dem Felsvorsprung über dem verdammten Steinkreis gesessen, über alles nachgedacht und versucht, einen Entschluss zu fassen. Und am Ende war er einfach aufgestanden und losgegangen, weil er wusste, dass dies die einzig mögliche Entscheidung war.

Pflichtgefühl? Liebe? Wie zum Teufel sollte man jemanden lieben, ohne ihm gegenüber auch verpflichtet zu sein?

Er wälzte sich unruhig auf die andere Seite und drehte der glorreichen Nacht voller Düfte und sonnengewärmter Winde den Rücken zu. Das Problem dabei, dass er seine Gesundheit wiederfand, war, dass einige seiner Körperteile inzwischen so gesund waren, dass es nicht mehr schön war – vor allem weil ihre Chance, eine Gelegenheit zu angemessener Betätigung zu bekommen, unter null lag.

Er konnte es Brianna gegenüber nicht einmal andeuten. Erstens könnte sie glauben, dass er nur deswegen zurückgekehrt war, und zweitens hatte der große Schotte in Bezug auf das Schwein keine Scherze gemacht.

Inzwischen wusste er es. Er war zurückgekommen, weil er nicht auf der anderen Seite leben konnte. Ob es Schuldgefühle darüber waren, die beiden im Stich zu lassen – oder die schlichte Gewissheit, dass er ohne sie sterben würde … eins von beidem oder beides, es war egal. Er wusste, worauf er verzichtete, und nichts davon spielte die geringste Rolle; er musste hier sein, das war alles.

Er warf sich auf den Rücken und starrte zu den schwach sichtbaren, blassen Kiefernbrettern hinauf, die seinen Unterschlupf überdachten. Rumpel- und Rutschgeräusche verkündeten den allnächtlichen Besuch der Eichhörnchen aus dem Hickorybaum neben dem Haus, für die die Zimmerdecke eine willkommene Abkürzung bedeutete.

Wie konnte er ihr das so sagen, dass sie es auch glaubte? Himmel, sie war so scheu, dass sie sich kaum von ihm hatte berühren lassen. Hier mit den Lippen gestreift, dort mit den Händen berührt, und schon machte sie sich davon. Außer an dem Tag, an dem sie ihn festgehalten hatte, während Claire seinen Fuß gefoltert hatte. Da war sie ganz für ihn da gewesen, hatte ihn mit aller Kraft gehalten. Er konnte ihre Arme immer noch um sich spüren, und die Erinnerung versetzte ihm einen leisen Stoß der Genugtuung in der Magengrube.

Wenn er darüber nachdachte, wunderte er sich ein bisschen. Gut, die Verarztung hatte teuflisch weh getan, doch das war nichts gewesen, was er nicht zähneknirschend hätte aushalten können, und nach all ihren Erfahrungen auf dem Schlachtfeld hatte Claire das sicherlich gewusst.

Sie hatte es absichtlich getan, oder? Brianna die Gelegenheit gegeben, ihn zu berühren, ohne sich bedrängt oder verfolgt vorzukommen? Ihm die Gelegenheit gegeben, seine Erinnerung daran aufzufrischen, wie stark die Anziehung zwischen ihnen wirklich war? Er wälzte sich wieder herum, diesmal auf den Bauch, dann lag er mit dem Kinn auf seinen verschränkten Armen da und blickte in die sanfte Dunkelheit hinaus.

Sie konnte gern den anderen Fuß haben, wenn sie es nur noch einmal tat.

Claire sah ein- oder zweimal täglich nach ihm, doch er wartete bis zum Ende der Woche, als sie kam, um den Verband zu entfernen, da die Maden jetzt vermutlich mit der Drecksarbeit fertig waren und – so hoffte er inständig – das Weite gesucht hatten.

»Oh, schön«, sagte sie und tastete mit dem schaudererregenden Entzücken des Chirurgen an seinem Fuß herum. »Granuliert wunderbar; fast keine Entzündung mehr.«

»Toll«, sagte er. »Sind sie weg?«

»Die Maden? Oh, ja«, versicherte sie ihm. »Sie verpuppen sich innerhalb weniger Tage. Haben ihre Sache gut gemacht, nicht wahr?« Sie fuhr vorsichtig mit dem Daumennagel an der Seite seines Fußes entlang, an der es ihn schon kitzelte.

»Das kann ich dir nur glauben. Dann darf ich jetzt also damit auftreten?« Er beugte den Fuß versuchsweise. Es schmerzte ein wenig, war aber kein Vergleich zu vorher.

»Ja. Zieh aber noch ein paar Tage keine Schuhe an. Und tritt um Gottes willen nicht auf irgendetwas Spitzes.«

Sie begann, ihre Sachen einzupacken, und summte dabei vor sich hin. Sie sah glücklich, aber müde aus; sie hatte Ringe unter den Augen.

»Brüllt das Kind nachts noch?«, fragte er.

»Ja, armes Würmchen. Kannst du ihn hier oben hören?«

»Nein. Aber du siehst müde aus.«

»Das überrascht mich nicht. Seit einer Woche hat keiner von uns eine einzige Nacht durchgeschlafen, besonders die arme Brianna, weil sie ihn als Einzige füttern kann.« Sie gähnte kurz und schüttelte blinzelnd den Kopf. »Jamie hat den Fußboden im hinteren Schlafzimmer hier fast fertig; er will nach hier oben ziehen, sobald er fertig ist – dann haben Brianna und das Baby mehr Platz, und nicht ganz zufällig haben wir dann selbst ein bisschen Ruhe und Frieden.«

»Gute Idee. Äh – wo wir von Brianna sprechen …«

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