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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Na ja, es war nicht die Länge, die das Wunder war«, sagte er und winkte mir, zu schweigen. »Oder nicht nur. In der Stadt erzählt man sich, dass seit tausend Jahren die Leute kleine Stückchen davon als Reliquien abschlagen und der Schwanz immer noch so lang ist wie eh und je.« Er grinste mich an. »Man sagt, ein Mann, der ein Stückchen von St. Guignol in der Tasche hat, kann eine Nacht und einen Tag durchhalten, ohne müde zu werden.«

»Nur nicht mit derselben Frau, schätze ich«, sagte ich trocken. »Man fragt sich aber doch, was er getan hat, um die Heiligsprechung zu verdienen, oder?«

Er lachte.

»Jeder Mann, dessen Gebet erhört worden ist, könnte dir das sagen, Sassenach.« Er schwenkte auf seinem Sitz herum und blickte durch die offene Tür ins Freie. Brianna und Lizzie saßen im Gras, von ihren Röcken wie Blüten umgeben, und sahen dem Baby zu, das nackt auf einem alten Schultertuch auf dem Bauch lag mit einem Hintern, der so rot war wie der eines Pavians.

Brianna Ellen, schrieb ich ordentlich, dann hielt ich inne.

»Brianna Ellen Randall, was meinst du?«, fragte ich. »Oder Fraser? Oder beides?«

Er drehte sich nicht um, doch er zuckte ganz leicht mit den Achseln.

»Spielt das eine Rolle?«

»Vielleicht.« Ich blies über die Seite und sah zu, wie die glänzenden, schwarzen Buchstaben stumpf wurden, während die Tinte trocknete. »Wenn Roger zurückkäme – ob er nun bleibt oder nicht –, wenn er sich dazu entschließt, unseren kleinen Anonymus anzuerkennen, dann wird er wohl MacKenzie heißen. Wenn nicht, dann denke ich, dass das Baby den Namen seiner Mutter bekommt.«

Er schwieg einen Augenblick und sah den beiden jungen Frauen zu. Sie hatten sich am Morgen die Haare im Bach gewaschen; Lizzie kämmte gerade Briannas Mähne durch, und die langen Strähnen schimmerten wie rote Seide in der Sommersonne.

»Sie nennt sich Fraser«, sagte er leise. »Oder sie hat es zumindest getan.«

Ich legte meinen Federkiel hin und langte über den Tisch, um meine Hand auf seinen Arm zu legen.

»Sie hat dir verziehen«, sagte ich. »Das weißt du genau.«

Seine Schultern bewegten sich; kein richtiges Achselzucken, sondern der unbewusste Versuch, seine innere Spannung etwas zu lösen.

»Fürs Erste«, sagte er. »Aber wenn der Mann nicht kommt?«

Ich zögerte. Er hatte völlig recht; Brianna hatte ihm seinen ursprünglichen Fehler verziehen. Doch wenn Roger nicht bald auftauchte, würde sie zwangsläufig Jamie die Schuld daran geben – nicht ohne Grund, das musste ich zugeben.

»Nimm beide«, sagte er abrupt. »Lass ihr die Wahl.« Ich hatte nicht den Eindruck, dass er Nachnamen meinte.

»Er kommt schon noch«, sagte ich mit Bestimmtheit, »und alles wird gut.«

Ich ergriff den Kiel und fügte nicht ganz lautlos hinzu: »Hoffe ich.«

Er bückte sich, um zu trinken. Das Wasser plätscherte über dunkelgrüne Felsen. Es war ein warmer Tag; Frühling diesmal, nicht Herbst, doch das Moos unter seinen Füßen war unverändert smaragdgrün.

Er wusste kaum noch, wie eine Rasierklinge aussah; sein Bart war dicht, und sein Haar hing ihm über die Schultern herab. Er hatte in der vergangenen Nacht im Bach gebadet, aber er machte sich keine Illusionen über seine Erscheinung. Doch sie kümmerte ihn auch nicht, redete er sich ein. Sein Aussehen spielte keine Rolle.

Er wandte sich humpelnd auf den Weg zurück, wo er sein Pferd stehengelassen hatte. Sein Fuß schmerzte, doch auch das spielte keine Rolle.

Er ritt langsam über die Lichtung, auf der er Jamie Fraser zum ersten Mal begegnet war. Die Blätter waren frisch und grün, und in der Ferne konnte er die heiseren Rufe der Raben hören. Nur die wilden Gräser regten sich zwischen den Bäumen. Er holte tief Luft und spürte einen Stich der Erinnerung, ein zerbrochenes Überbleibsel aus einem früheren Leben, einen Splitter so scharf wie Glas.

Er wandte den Kopf des Pferdes zum Gipfel des Berghanges und trieb es an, indem er es sanft mit seinem gesunden Fuß anstieß. Bald. Er hatte keine Ahnung, wie man ihn empfangen würde, doch das spielte keine Rolle.

Das Einzige, was jetzt zählte, war die Tatsache, dass er hier war.

Kapitel 66

Ein Kind von meinem Fleisch und Blut

Es hatte sich schon wieder ein unternehmungslustiges Kaninchen unter den Zaunpfählen meines Gartens durchgegraben. Ein einziges hungriges Kaninchen konnte einen Kohlkopf bis auf die Wurzeln vertilgen, und so, wie es aussah, hatte dieses hier seine Freunde mitgebracht. Ich seufzte und hockte mich hin, um den Schaden zu beheben, indem ich Steine und Erde in das Loch zurückstopfte. Ians Verlust schmerzte mich ständig; doch in Augenblicken wie diesem vermisste ich auch seinen grässlichen Hund.

Ich hatte eine große Ansammlung von Stecklingen und Samen aus River Run mitgebracht, und das meiste davon hatte die Reise überlebt. Es war Mitte Juni, immer noch – gerade eben – Zeit, um eine neue Möhrenernte anzusetzen. Das kleine Kartoffelbeet war in Ordnung und die Erdnussbüsche ebenfalls; die Kaninchen rührten sie nicht an, und sie hatten auch keine Lust auf die aromatischen Kräuter, bis auf den Fenchel, den sie wie Lakritz vernaschten.

Doch ich wollte aus den Kohlköpfen Sauerkraut machen; wir würden auch mitten im Winter noch etwas essen wollen, das einigermaßen schmeckte und Vitamin C enthielt. Ich hatte noch genug Samen übrig, um einen anständigen Ertrag erzielen zu können, wenn es mir gelang, die verdammten Kaninchen fernzuhalten. Ich trommelte mit den Fingern auf meinem Korb herum und dachte nach. Die Indianer verstreuten Haarbüschel an den Rändern ihrer Felder, doch das war eher zum Schutz gegen das Rotwild als gegen Kaninchen.

Jamie war das beste Abwehrmittel, beschloss ich. Nayawenne hatte mir erzählt, dass der Geruch des Urins von Fleischfressern Kaninchen fernhielt – und ein Mann, der Fleisch aß, war fast so gut wie ein Berglöwe, ganz zu schweigen davon, dass er zahmer war. Ja, das würde funktionieren; er hatte erst vor zwei Tagen einen Hirsch geschossen; der war noch nicht ganz abgehangen. Am besten braute ich noch einen frischen Eimer Sprossenbier zu unserem Wildbret …

Als ich zum Kräuterschuppen ging, um nachzusehen, ob ich noch Passionsfrüchte zur Aromatisierung hatte, fing mein Blick eine Bewegung am anderen Ende der Lichtung auf. In der Annahme, dass es Jamie war, drehte ich mich um, um ihn von seiner neuen Aufgabe in Kenntnis zu setzen, und erstarrte, als ich sah, wer es war.

Er sah schlimmer aus als beim letzten Mal, als ich ihn gesehen hatte, und das wollte einiges heißen. Er trug keinen Hut; Haare und Bart waren ein glänzender Wirrwarr, und seine Kleider hingen ihm in Fetzen am Leib. Er war barfuß, hatte den einen Fuß in ein Bündel schmutziger Lumpen gewickelt und hinkte stark.

Er sah mich sofort und blieb stehen, während ich zu ihm ging.

»Ich bin froh, dass du es bist«, sagte er. »Ich hatte mich schon gefragt, wem ich wohl zuerst begegnen würde.« Seine Stimme klang leise und eingerostet, und ich fragte mich, ob er mit einer einzigen Menschenseele gesprochen hatte, seit wir uns im Gebirge von ihm getrennt hatten.

»Dein Fuß, Roger –«

»Spielt keine Rolle.« Er packte mich am Arm. »Geht es ihnen gut? Dem Baby? Und Brianna?«

»Alles in Ordnung. Sie sind alle im Haus.« Sein Kopf wandte sich zum Blockhaus, und ich fügte hinzu: »Du hast einen Sohn.«

Er fuhr scharf zu mir herum, die grünen Augen vor Überraschung aufgerissen.

»Es ist von mir? Ich habe einen Sohn?«

»Ich nehme es an«, sagte ich. »Du bist doch hier, oder?« Sein Ausdruck der Überraschung – und Hoffnung, erkannte ich – verblasste langsam. Er sah mir in die Augen und schien zu spüren, was ich empfand, denn er lächelte – nicht ohne Schwierigkeiten, nur das krampfhafte Anheben seines Mundwinkels –, doch er lächelte.

»Ich bin hier«, sagte er und wandte sich dem Blockhaus und der offenen Tür zu.

Jamie saß mit aufgerollten Hemdsärmeln am Tisch, Schulter an Schulter mit Brianna, und blickte stirnrunzelnd auf eine Reihe von Zeichnungen des Hauses, auf die sie mit dem Federkiel zeigte. Sie waren beide ausgiebig mit Tinte bedeckt, da sie zu großer Begeisterung neigten, wenn sie über Architektur diskutierten. Das Baby schnarchte friedlich in seiner Wiege vor sich hin; Brianna schaukelte sie geistesabwesend mit dem Fuß. Lizzie spann am Fenster und summte leise vor sich hin, während sich das große Rad drehte.

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