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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Mm?«

Sinnlos, es hinauszuzögern; besser geradeheraus damit.

»Hör mal – ich versuche mein Bestes. Ich liebe sie, und ich will es ihr zeigen, aber – sie weicht mir aus. Sie kommt, und wir unterhalten uns, und alles ist in Butter, aber dann will ich den Arm um sie legen oder sie küssen, und plötzlich ist sie am anderen Ende des Zimmers und hebt Blätter vom Boden auf. Stimmt irgendetwas nicht, kann ich irgendetwas tun?«

Sie warf ihm einen ihrer enervierenden, gelben Blicke zu; geradeaus und schonungslos wie ein Falke.

»Du warst ihr Erster, nicht wahr? Der erste Mann, mit dem sie geschlafen hat, meine ich.«

Er spürte, wie ihm das Blut in die Wangen stieg.

»Ich – äh – ja.«

»Also dann. Bis jetzt besteht ihre Erfahrung mit den sogenannten körperlichen Freuden darin, defloriert zu werden – und ganz gleich, wie sanft du dabei warst, es tut normalerweise weh –, zwei Tage später vergewaltigt zu werden und dann ein Kind zu bekommen. Meinst du, dass sie sich demzufolge wie von Sinnen in deine Arme fallen lässt und es nicht abwarten kann, dass du deine ehelichen Rechte einforderst?«

Du hast es darauf angelegt, dachte er, und sie hat es dir gegeben. Volltreffer. Seine Wangen brannten heißer als jemals im Fieber.

»Darauf bin ich nicht gekommen«, murmelte er vor die Wand.

»Nun, natürlich nicht«, sagte sie und klang hin- und hergerissen zwischen Ungeduld und Belustigung. »Du bist ein verflixter Mann. Deshalb sage ich es dir ja.«

Er holte tief Luft und drehte sich widerstrebend wieder zu ihr um.

»Und was genau willst du mir damit sagen?«

»Dass sie Angst hat«, sagte sie. Sie legte den Kopf auf die Seite und sah ihn abschätzend an. »Wobei du übrigens nicht derjenige bist, vor dem sie Angst hat.«

»Nicht?«

»Nein«, sagte sie unverblümt. »Sie mag sich eingeredet haben, dass sie wissen muss, warum du zurückgekommen bist, aber das ist es nicht – ein Regiment von Blinden könnte das sehen. Es ist, weil sie Angst hat, dass sie nicht in der Lage ist – mmpfm.« Sie sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an und vermittelte ihm auf diese Weise eine ganze Fülle von Vieldeutigkeiten.

»Ich verstehe«, sagte er und holte tief Luft. »Und was genau soll ich deiner Meinung nach dagegen tun?«

Sie hob ihren Korb auf und hängte ihn sich über den Arm.

»Ich weiß es nicht«, sagte sie mit einem weiteren gelben Blick. »Aber ich denke, du solltest vorsichtig sein.«

Kaum hatte er nach dieser verwirrenden Konsultation seinen Gleichmut wiedergefunden, da verdunkelte ein anderer Besucher seine Eingangstür. Jamie Fraser, mit Geschenken.

»Ich hab Euch Rasierzeug gebracht«, sagte Fraser und blickte ihn kritisch an. »Und heißes Wasser.«

Claire hatte ihm vor ein paar Tagen mit ihrer Arztschere den Bart geschnitten, doch er hatte sich zu zittrig gefühlt, um eine Rasur mit einem jener Messer zu versuchen, die man mit gutem Grund »Halsabschneider« nannte.

»Danke.«

Fraser hatte ihm auch einen kleinen Spiegel und ein Töpfchen Rasierseife mitgebracht. Sehr aufmerksam. Er hätte sich gewünscht, dass Fraser ihn allein lassen würde, anstatt sich in den Türrahmen zu lehnen und die Vorgänge kritisch zu begutachten, doch unter den gegebenen Umständen konnte Roger ihn kaum bitten zu gehen.

Trotz des unerwünschten Zuschauers war es eine grandiose Erleichterung, den Bart loszuwerden. Er juckte bestialisch, und er hatte sein Gesicht seit Monaten nicht mehr gesehen.

»Geht die Arbeit gut voran?« Er versuchte es mit höflicher Konversation, während er zwischen den Rasierbewegungen die Klinge abspülte. »Ich habe Euch heute Morgen dahinten hämmern hören.«

»Oh, aye.« Frasers Augen verfolgten jede seiner Bewegungen mit Interesse – abschätzend, dachte er. »Ich habe den Fußboden fertig und ein Stück von der Decke. Claire und ich werden heute Nacht dort oben schlafen, denke ich.«

»Ah.« Roger reckte den Hals, um die Neigung seines Kinns zu verändern. »Claire hat gesagt, ich kann wieder laufen; sagt mir, welche Aufgaben ich übernehmen kann.«

Jamie nickte mit gekreuzten Armen.

»Könnt Ihr mit Werkzeug umgehen?«

»Hab nicht viel Erfahrung mit Bauarbeiten«, gab Roger zu. Er ging davon aus, dass ein Vogelhaus in der Schule nicht zählte.

»Ich nehme nicht an, dass Ihr eine große Hilfe beim Pflügen seid, oder bei einer ferkelnden Sau?« In Frasers Augen lag definitiv ein belustigtes Glitzern.

Roger hob das Kinn und entfernte die letzten Stoppeln von seinem Hals. Er hatte in den letzten Tagen darüber nachgedacht. Kein großer Bedarf für die Talente eines Historikers oder Folksängers auf einem Bergbauernhof des achtzehnten Jahrhunderts.

»Nein«, sagte er gleichmütig und legte das Rasiermesser hin. »Und ich kann auch keine Kuh melken, keinen Schornstein bauen, keine Schindeln schneiden, kein Gespann fahren, keine Bären schießen, keine Hirsche ausweiden oder jemanden mit dem Schwert aufspießen.«

»Nicht?« Unverhüllte Belustigung.

Roger spritzte sich Wasser ins Gesicht und trocknete es ab, dann wandte er sich Fraser zu.

»Nein. Was ich Euch anbieten kann, ist ein kräftiges Kreuz. Reicht das?«

»Oh, aye. Könnte es kaum besser antreffen, oder?« Frasers Mundwinkel verzogen sich nach oben. »Aber Ihr könnt das eine Ende einer Schaufel vom anderen unterscheiden, oder?«

»So viel weiß ich.«

»Dann kommt Ihr gerade recht.« Fraser schob sich aus dem Eingang. »Claires Garten muss umgegraben werden, die Gerste in der Destillerie muss gewendet werden, und im Stall wartet ein allmächtiger Dunghaufen. Danach zeige ich Euch, wie man eine Kuh melkt.«

»Danke.« Er wischte das Rasiermesser sauber, legte es wieder in den Beutel und reichte das Ganze zurück.

»Claire und ich gehen heute Abend zu Fergus«, sagte Fraser beiläufig, während er es entgegennahm. »Und nehmen das Mädchen mit, damit sie Marsali ein bisschen helfen kann.«

»Ah? Na ja … schönen Abend.«

»Oh, ich denke, den werden wir haben.« Fraser blieb im Eingang stehen. »Brianna wollte lieber hierbleiben; der Kleine hat sich ein bisschen beruhigt, und sie will ihn nicht durch den langen Spaziergang nervös machen.«

Roger starrte den anderen Mann unverwandt an. In diesen blauen Schlitzaugen konnte man alles lesen – oder nichts.

»Oh, aye?«, sagte er. »Wollt Ihr mir damit sagen, dass sie allein sind? Dann passe ich auf sie auf.«

Eine rote Augenbraue hob sich um zwei Zentimeter.

»Oh, da bin ich mir sicher.« Fraser streckte die Hand aus und öffnete sie über der leeren Schale. Es erklang ein leises, metallisches Scheppern, und ein roter Funke glühte auf dem Zinn auf. »Denkt daran, was ich Euch gesagt habe, MacKenzie – meine Tochter braucht keinen Feigling.«

Bevor er antworten konnte, senkte sich die Augenbraue wieder, und Fraser sah ihn gleichmütig an.

»Ihr habt mich einen Jungen gekostet, den ich liebhatte, und ich bin nicht geneigt, Euch dafür zu mögen.« Er blickte auf Rogers Fuß hinab, dann hoch. »Aber ich habe Euch vielleicht mehr als das gekostet. Ich würde sagen, wir sind quitt – oder auch nicht – wie Ihr wünscht.«

Roger nickte erstaunt, dann fand er seine Stimme wieder.

»Abgemacht.«

Fraser nickte und verschwand genauso schnell, wie er gekommen war. Roger blieb zurück und starrte auf die leere Tür.

Er bewegte die Klinke und drückte sacht gegen die Tür des Blockhauses. Sie war verriegelt. So viel zu der Idee, Dornröschen mit einem Kuss zu wecken. Er erhob die Faust, um anzuklopfen, dann hielt er inne. Falsche Heldin. Dornröschen hatte keinen leicht erzürnbaren Zwerg bei sich im Bett gehabt, der nur darauf wartete, bei der geringsten Störung das ganze Haus zusammenzubrüllen.

Er ging um das kleine Blockhaus herum und überprüfte die Fenster, während ihm Namen wie Hatschi und Brummbär in den Sinn kamen. Wie würde man diesen hier nennen. Brülli? Stinki?

Das Haus war so dicht wie eine Trommel – seine Fenster waren mit Ölhäuten verhängt. Er konnte eine davon losboxen, doch das Letzte, was er wollte, war, ihr einen Schrecken einzujagen, indem er hier einbrach.

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