Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er kniete sich hin und bespritzte sich mit Wasser. Dabei versuchte er, das Gefühl abzuschütteln, dass er beobachtet wurde. Schon mehr als einmal hatte er beim Durchwandern eines verlassenen Moors in Schottland erlebt, dass ein ausgewachsener Hirsch aus dem Nichts hochschoss und wie von Zauberhand zu seinen Füßen aus der Heide aufsprang. Jamies Worten zum Trotz war ihm nur zu gut bewusst, dass sich jederzeit ein Stück der stillen Landschaft ablösen und in Form donnernder Hufe oder knurrender Fänge zum Leben erwachen konnte.
Er spülte seinen Mund aus, spuckte aus und trank in tiefen Zügen. Seine Kehle war nach wie vor eng, und er zwang das Wasser hindurch. Er spürte immer noch den steifen, kalten Schweinekadaver, sah den verkrusteten Schlamm, die wunden Augenhöhlen, deren Inhalt die Krähen herausgepickt hatten. Seine Schultern überzogen sich mit Gänsehaut, doch die Kälte rührte nicht nur vom Wasser her, sondern auch von seinen Gedanken.
Kein großer Unterschied zwischen einem Schwein und einem Menschen. Haut zu Haut, Staub zu Staub. Ein Hieb, mehr war nicht nötig. Er reckte sich langsam und freute sich an den Resten seines Muskelkaters.
Über ihm in der Kastanie erscholl lebhaftes Krächzen. Die Krähen, schwarze Flecken im gelben Laub, äußerten ihren Unmut über den Raub ihres Festmahls.
»Was sollen wir essen … sieben Tage lang?«, murmelte er vor sich hin und blickte zu ihnen auf. »Nicht das hier … ihr Schurken. Weg mit euch!« Von Abscheu gepackt, hob er einen Stein vom Ufer auf und schleuderte ihn mit aller Kraft in den Baum. Die Krähen flogen kreischend auf, und von grimmiger Genugtuung erfüllt, wandte er sich zum Feld zurück.
Doch sein Magen war unverändert verknotet, und die spottenden Rufe der Krähen hallten in seinen Ohren wider.
Jamie musterte ihn bei seiner Rückkehr kurz, sagte aber nichts. Jenseits des Feldes hing der Schweinekadaver über dem Feuer, und seine Umrisse verschwammen im Rauch.
Sie hatten die Zaunbalken schon zurechtgesägt, aus Kiefernschösslingen, die sie zuvor entwurzelt hatten; die grobrindigen Balken lagen am Waldrand bereit. Allerdings würde der Zaun steinerne Pfosten bekommen; keiner dieser einfachen, zusammengeschusterten Zäune, mit denen die Leute das Wild fernhielten oder ihre Grundstücke eingrenzten, sondern einer, der stabil genug war, um dem Geschubse von Zweihundert-Kilo-Schweinen standzuhalten.
Im Lauf des nächsten Monats würde es an der Zeit sein, die Schweine zusammenzutreiben, die im Wald ausgesetzt lebten und sich mit den Kastanien mästeten, die überall auf dem Boden lagen. Ein paar davon waren sicher wilden Tieren oder Unglücksfällen zum Opfer gefallen, aber wahrscheinlich waren noch fünfzig oder sechzig zur Schlachtung oder zum Verkauf übrig.
Sie arbeiteten gut zusammen, er und Jamie. Sie waren in etwa gleich groß, und jeder von ihnen hatte einen guten Instinkt für die Bewegungen des anderen. Wenn eine Hand gebraucht wurde, war sie da. Doch jetzt war das nicht vonnöten – dieser Teil der Arbeit war der schlimmste, denn sie hatte nichts Interessantes an sich, das die Langeweile hätte mildern können, sie erforderte keinerlei Können, das die Mühsal hätte erleichtern können. Nur Steine, Hunderte von Steinen, die vom lehmigen Boden aufgehoben und zum Feld getragen, gezerrt, geschleift werden mussten, um dort aufgehäuft und zurechtgeschoben zu werden.
Oft unterhielten sie sich bei der Arbeit, nicht aber heute Morgen. Jeder von ihnen blieb bei der Arbeit mit seinen Gedanken allein, stapfte mit seiner endlosen Ladung hin und her. Der Morgen verstrich in Stille, die nur durch das entfernte Rufen der verärgerten Krähen und das Rumpeln und Knirschen der Steine unterbrochen wurde, die auf den wachsenden Haufen plumpsten.
Es musste sein. Er hatte keine andere Wahl. Es war ihm zwar schon lange klar, aber jetzt, da diese vage Aussicht sich zur Realität verhärtete … Roger warf seinem Schwiegervater einen verstohlenen Blick zu. Ob Jamie wohl zustimmen würde?
Aus einigem Abstand waren die Narben auf seinem Rücken kaum zu sehen, getarnt vom Glänzen des Schweißes. Regelmäßige, harte Arbeit hielt einen Mann straff in Form, und niemand, der Frasers Konturen sah – oder dicht genug bei ihm stand, um die tiefe Furche seiner Wirbelsäule, seinen flachen Bauch und die langen, klaren Linien seiner Arme und Oberschenkel zu sehen –, hätte ihn für einen Mann in den mittleren Jahren gehalten.
Doch Jamie hatte ihm die Narben gezeigt, am ersten Tag, an dem sie sich nach seiner Rückkehr von seiner Vermessungsexkursion gemeinsam an die Arbeit gemacht hatten. Sie hatten neben dem halb fertigen Molkereischuppen gestanden, und Jamie hatte das Hemd ausgezogen, ihm den Rücken zugekehrt und beiläufig gesagt: »Na dann sieh es dir an.«
Aus der Nähe waren die Narben alt und gut verheilt, zum Großteil silberne Halbmonde und Linien, hier und dort von einem silbrigen Netz oder einem glänzenden Knoten unterbrochen, wo ein Peitschenhieb die Haut so weit aufgerissen hatte, dass sich die Wundränder nicht sauber hatten zusammenziehen können. Es gab zwar ein paar unberührte Hautstellen, die sich hell und glatt unter den Schwielen abhoben – aber viele waren es nicht.
Und was sollte er sagen?, hatte Roger sich gefragt. Mein Beileid? Danke für das Privileg dieses Anblicks?
Im Endeffekt hatte er geschwiegen. Jamie hatte sich einfach nur umgedreht, Roger völlig ungerührt eine Axt gereicht, und sie hatten sich mit entblößtem Oberkörper an die Arbeit gemacht. Doch ihm war aufgefallen, dass Jamie sich nie zum Arbeiten auszog, wenn die anderen Männer dabei waren.
Also gut. Jamie würde von allen Menschen am ehesten verstehen, dass die Not, der Drang – die Bürde von Briannas Träumen Roger wie ein Stein im Magen lag. Er würde ihm mit Sicherheit helfen. Doch würde er auch Rogers Wunsch zustimmen, es allein zu Ende zu bringen? Auch Jamie war schließlich direkt betroffen.
Die Krähen krächzten immer noch, doch sie waren jetzt weiter entfernt, ihr Rufen leise und verzweifelt wie die Stimmen verlorener Seelen. Vielleicht war es ja töricht, an einen Alleingang auch nur zu denken. Er ließ einen Arm voll Steine auf den Haufen fallen; kleinere Steine hüpften klickernd davon.
»Priesterjunge.« So hatten ihn die anderen Jungen in der Schule genannt, und das war er, mit allem Zwiespalt, den der Begriff mit sich brachte. Das ursprüngliche Bedürfnis, sich mit Gewalt als Mann zu beweisen, später gefolgt von dem Bewusstsein um die moralische Schwäche der Gewalt. Doch das war in einem anderen Land …
Er schluckte den Rest des Gedankens hinunter und bückte sich grimmig, um einen Felsbrocken von Moos und Schmutz zu befreien. Durch den Krieg verwaist, von einem Mann des Friedens aufgezogen – wie konnte er sich einen Mord zum Ziel setzen? Er wälzte den Stein zum Feld hinunter, rollte ihn langsam vorwärts.
»Du hast doch noch nie etwas anderes als Fische umgebracht«, knurrte er vor sich hin. »Wie kommst du darauf …« Doch er wusste nur zu gut, wie er darauf kam.
Am späten Vormittag hatten sie genug Steine, um mit der ersten Säule zu beginnen; mit einem Kopfnicken und einem gemurmelten Wort machten sie sich ans Werk. Sie zerrten und hievten, stapelten und fügten ein, und dann und wann sorgte ein gequetschter Finger oder ein angestoßener Zeh für einen unterdrückten Ausruf.
Jamie hievte einen großen Stein an seinen Platz, dann richtete er sich keuchend auf.
Roger holte seinerseits tief Luft. Er konnte es genau so gut jetzt tun; eine bessere Gelegenheit würde sich kaum ergeben.
»Ich möchte dich um einen Gefallen bitten«, sagte er abrupt.
Jamie blickte schwer atmend auf und zog eine Augenbraue hoch. Er nickte und wartete auf Rogers Bitte.
»Bring mir das Kämpfen bei.«
Jamie wischte sich mit dem Ärmel über das schweißüberströmte Gesicht und keuchte.
»Du kannst doch ganz gut kämpfen«, sagte er. Sein Mundwinkel zuckte. »Oder meinst du, dass ich dir beibringen soll, wie man mit dem Schwert kämpft, ohne sich den Fuß abzuschneiden?«