Congo. Romanvorlage zum Film.
- Автор: Крайтон Майкл
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Congo. Romanvorlage zum Film.». Краткое содержание книги:
Das Nebeneinander von technischen Superwundern und ungebändigter Natur erzeugt eine grandiose Wirkung. Dieses Buch ist Seite für Seite eine Klasse für sich... New York Times
Über den Autor
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin. Alle seine Romane Andromeda, Der große Eisenbahnraub, Jurassic Park, Enthüllung, Die Wiege der Sonne und viele mehr wurden auch als Filme weltweite Erfolge. Crichton ist Autor der weltweit erfolgreichen Fernsehserie ER Emergency Room.
»Kein menschliches Blut?« fragte Karen Ross und warf einen Blick auf Elliot.
»Es ist von einem Tier, das dem Menschen nahe verwandt ist«, sagte der Pathologe und faßte das Muster näher ins Auge. »Aber es stammt nicht vom Menschen. Es könnte von einem Haustier sein -beispielsweise einem Schwein, aber auch von einem Herrentier, einem Primaten. Altweltaffen und Menschenaffen stehen dem Menschen serologisch sehr nahe. Wir werden gleich die Computeranalyse haben.« Auf dem Bildschirm erschien die Computerschrift:
ALPHA- UND BETA-SERUMGLOBULINWERTE STIMMEN UEBEREIN: GOBILLABLUT.
Der Pathologe sagte: »Jetzt wissen Sie, was er unter den Fingernägeln hatte - Gorillablut.«
5. Untersuchung
»Sie tut Ihnen nichts«, sagte Peter Elliot zu dem furchtsamen Pfleger. Sie waren im Fluggastabteil des Jumbo-Frachtflugzeugs. »Sehen Sie, sie lächelt Sie an.«
Amy zeigte ihr gewinnendstes Lächeln, wobei sie darauf achtete, daß sie ihre Zähne nicht entblößte. Doch solche Feinheiten der Gorilla-Etikette waren dem Pfleger aus der Privatklinik in Nairobi nicht vertraut. Seine Hand mit der Spritze zitterte. Nairobi war die letzte Gelegenheit, Amy einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen. Ihr großer, mächtiger Leib ließ leicht vergessen, daß sie von sehr schwächlicher Konstitution war - so Wie man beim Anblick ihres dräuenden Gesichts mit den vorspringenden Augenbrauen ihr sanftmütiges, freundliches Wesen vergessen konnte. In San Francisco wurde Amys Gesundheitszustand von der Projektgruppe ständig gründlich überwacht - jeden zweiten Tag Urinproben, wöchentliche Stuhluntersuchung auf sonst nicht erkennbare Blutungen, jeden Monat eine vollständige Blutuntersuchung und alle drei Monate ein Besuch beim Zahnarzt zur Entfernung des schwarzen Zahnsteins, eine Begleiterscheinung ihrer vegetarischen Lebensweise. All das ließ Amy stets gelassen über sich ergehen, doch wußte der furchterfüllte Pfleger das nicht. Er ging auf sie zu und hielt die Spritze wie eine Waffe vor sich. »Sind Sie sicher, daß er nicht beißt?«
Amy gab hilfsbereit durch Zeichen zu erkennen Amy versprechen nicht beißen. Sie machte die Zeichen langsam und deutlich, wie immer, wenn sie mit jemandem zu tun hatte, der ihre Sprache nicht verstand.
»Sie verspricht, Sie nicht zu beißen«, sagte Elliot. »Das sagen Sie so«, sagte der Pfleger. Elliot machte sich nicht die Mühe zu erklären, daß nicht er, sondern Amy es gesagt hatte.
Nachdem die Blutprobe entnommen war, wurde der Pfleger etwas ruhiger. Beim Zusammenpacken sagte er: »Aber das ist doch ein ziemlich häßliches Untier.« »Sie haben ihre Empfindungen verletzt«, sagte Elliot. In der Tat begehrte Amy heftig zu wissen was häßlich?, was Elliot besänftigend mit »nichts, Amy« beantwortete. »Er hat eben noch nie einen Gorilla gesehen.« Der Pfleger fragte: »Wie bitte?«
»Sie haben ihre Empfindungen verletzt. Es wäre besser, Sie entschuldigten sich.«
Der Pfleger schloß nachdrücklich seine Tasche. Er sah Elliot und dann Amy zweifelnd an. »Bei dem da entschuldigen?« »Es ist eine sie«, sagte Elliot. »Ja. Wie würde es Ihnen gefallen, wenn man Ihnen sagte, Sie seien häßlich?« Es ging Elliot ums Prinzip. Im Verlauf der Jahre spürte er immer deutlicher die Vorurteile von Menschen gegenüber ihren nächsten Verwandten, den Herrentieren:
Schimpansen galten ihnen als süße Kinder, Orang-Utans als abgeklärte Greise und Gorillas eben als dräuende, gefährliche Bestien - Fehleinschätzungen in allen drei Fällen.
Jedes dieser Tiere war einzigartig und entsprach keinem der menschlichen Klischees. Schimpansen zum Beispiel waren weit heimtückischer, als Gorillas das jemals sein konnten. Wegen ihrer extravertierten Veranlagung waren gereizte Schimpansen weit gefährlicher als gereizte Gorillas. Es verblüffte Elliot jedesmal, wenn er im Zoo sah, wie Mütter ihre Kinder näher an den Käfig heranschoben, damit sie sich die Schimpansen ansahen, aber sie beschützend an sich zogen, sobald sie die Gorillas erblickten. Diese Mütter wußten offenbar nichts davon, daß wildlebende Schimpansen Kleinkinder fingen und aßen - was Gorillas niemals taten.
Wiederholt hatte Elliot das menschliche Vorurteil gegenüber Gorillas beobachten können und gemerkt, welche Wirkung es auf Amy hatte. Amy konnte nichts dafür, daß sie groß und schwarz war - und daß aus ihrem gequetschten Gesicht schwere Brauen hervorsprangen. Hinter diesem Gesicht, das den Menschen abstoßend und widerlich erschien, lag ein intelligentes und empfindsames Bewußtsein, das auf die Menschen um sie herum einging. Es tat ihr weh, wenn Menschen vor ihr davonliefen, vor Furcht aufschrien oder unfreundliche Bemerkungen machten. Der Pfleger runzelte die Stirn: »Soll das heißen, daß er Englisch versteht?«
»Ja, sie versteht Englisch.« Auch die Geschlechtsumwandlung gefiel Elliot nicht. Wer Angst vor Amy hatte, meinte immer, es handle sich um ein Männchen.
Der Pfleger schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht.« Elliot sagte: »Amy, führ den Mann bitte hinaus.« Amy beugte sich zur Tür hinüber und öffnete sie dem Pfleger, dessen Augen immer größer wurden. Dann schloß sie die Tür hinter ihm.
Mensch albern, kommentierte Amy.
»Mach dir nichts draus«, sagte Elliot. »Komm, Peter krault Amy.« Und die nächste Viertelstunde lang kraulte er sie, während sie sich hocherfreut auf dem Boden wälzte und grunzte. Elliot merkte nicht, daß die Tür hinter ihm sich geöffnet hatte, und erst als es zu spät war, sah er, daß ein Schatten über den Fußboden fiel. Er wandte noch den Kopf, um aufzublicken, sah den dunklen Zylinder abwärts sausen, dann barst sein Kopf vor wildem, brennendem Schmerz, und um ihn herum versank alles in Nacht.
6. Entführt
Er erwachte vom durchdringenden Kreischen eines elektronischen Geräts.
»Bewegen Sie sich nicht, Sir«, sagte eine Stimme. Elliot schlug die Augen auf und sah genau in den Strahl einer Lampe, die auf ihn niederleuchtete. Er lag auf dem Rücken, immer noch im Flugzeug, und jemand beugte sich über ihn. »Nach rechts sehen ... nach links sehen ... können Sie Ihre Finger beugen?«
Er befolgte die Anweisungen. Die Lampe wurde beiseite genommen, und er sah, daß ein Schwarzer, der einen Straßenanzug trug, neben ihm hockte. Der Mann tastete Elliots Kopf ab. Als er die Finger vom Kopf nahm, waren sie voller Blut. »Nichts Gefährliches«, sagte der Mann, »eine oberflächliche Wunde.« Er sah zur Seite. »Was meinen Sie, wie lange er wohl bewußtlos war?« »Ein paar Minuten, höchstens«, sagte Munro. Wieder hörte er das hohe Pfeifen. Er sah Karen Ross, die etwas über die Schulter gehängt trug und mit einem Stab, den sie vor sich hielt, durch die Fluggastkabine ging. Wieder das Geräusch. »Verdammt!« sagte sie und nahm etwas von der Fensterverkleidung ab. »Das ist schon die fünfte. Sie haben sich wirklich Mühe gegeben.«
Munro sah auf Elliot hinab und fragte ihn: »Wie fühlen Sie sich?« »Er sollte vierundzwanzig Stunden lang beobachtet werden«, sagte der Schwarze. »Eine Vorsichtsmaßnahme, aber wichtig!«
»Vierundzwanzig Stunden!« rief Karen Ross, ohne auf ihrem Weg durch die Kabine innezuhalten. Elliot fragte: »Wo ist sie?«
»Sie haben sie mitgenommen«, sagte Munro. »Sie haben die Hecktür geöffnet, die pneumatische Rutsche aufgeblasen und waren weg, bevor jemand merkte, was geschehen war. Das hier haben wir neben Ihnen gefunden.«
Munro gab ihm ein kleines Glasröhrchen mit japanischen Schriftzeichen. Es war verkratzt und mit Kerben bedeckt, hatte am einen Ende einen Gummikolben und am anderen eine zerbrochene Nadel.
Peter Elliot setzte sich auf. »Sachte, sachte«, sagte der Arzt.
»Mir fehlt nichts«, sagte Elliot. Er spürte, wie sein Schädel dröhnte. Er wendete das Röhrchen in seinen Händen hin und her. »War Reif darauf, als Sie es gefunden haben?« Munro nickte. »Jedenfalls fühlte es sich sehr kalt an.« »CO2«, sagte Elliot. Ein Geschoß aus einem Narkosegewehr. Er schüttelte den Kopf. »Die Nadel ist in ihr abgebrochen.« Er konnte sich Amys wütende Schreie vorstellen. Sie war eine äußerst behutsame Behandlung gewöhnt. Vielleicht hatte er da bei seiner Arbeit mit ihr einen Fehler gemacht, möglicherweise hätte er sie besser auf die rauhe Wirklichkeit vorbereiten sollen. Er roch an dem Röhrchen und bemerkte einen beißenden Geruch. »Lobaxin, schnell wirkendes Betäubungsmittel, die Wirkung tritt nach fünfzehn Sekunden ein. Natürlich arbeiten die mit so etwas.« Elliot war wütend. Man benutzte Lobaxin nicht oft bei Tieren, weil es Leberschädigungen hervorrufen konnte. Und die Nadel hatten sie auch noch abgebrochen ... Er stand auf und stützte sich auf Munro, der einen Arm um ihn legte. Der Arzt protestierte. »Mir fehlt nichts«, sagte Elliot.