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Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]

Электронная книга - «Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]». Краткое содержание книги:

Kriminalsekretär Joseph Quellen, Angestellter Klasse VII, besitzt eindeutige Beweise für die Existenz der Zeitspringer: Die alten Polizeiakten des Jahres 1979. Sie berichten vom Auftauchen seltsam gekleideter Frauen und Männer, die nach scharfen Verhören gestehen, aus dem 25. Jahrhundert geflüchtet zu sein, um dem hoffnungslosen Leben unter dem Regime der Maschinen zu entgehen. Kriminalsekretär Quellen befindet sich in einer Zwangslage. Er soll die illegale Organisation der Zeitreisenden zerschlagen — darf aber durch sein Eingreifen kein Zeitparadoxon verursachen, das das Regime in seinen Grundfesten erschüttern würde.
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»Schicken Sie mich irgendwohin.«

»Korrekter gesagt — in irgendeine Zeit. Aber bedenken Sie: Ich schicke Sie ins Jahr 1990. Können Sie sich das vorstellen? Sie werden nicht einmal die Sprache richtig verstehen. Sie werden einen komischen Dialekt sprechen, der den anderen unverständlich ist. Ihre Grammatik wird entsetzlich sein. Kennen Sie den genauen Unterschied zwischen den Fällen? Wissen Sie, wann man welche Zeiten verwendet?«

Pomrath spürte, wie ihm das Blut in den Kopf stieg. Er verstand nicht, weshalb Lanoy soviel Worte machte. Er hatte genug Worte gehört.

Lanoy lachte. »Lassen Sie sich von mir keine Angst einjagen. Sie brauchen diese Dinge nicht zu wissen. Schon damals fing man an, die Sprache schlampig zu gebrauchen. So schlimm wie heute war es natürlich noch nicht, aber es liegen ja auch Jahrhunderte der Weiterentwicklung dazwischen. Es wird ein paar Wochen dauern, bis Sie sich verständlich machen können. Und in ein paar Wochen können Sie viele Schwierigkeiten bekommen. Sind Sie darauf vorbereitet, daß man Sie in ein Irrenhaus stecken könnte? Schockbehandlung, Zwangsjacke, die ganze Barbarei unserer Vorfahren?«

»Es ist mir egal, wenn Sie mich nur von hier fortschaffen.«

»Die Polizei wird Sie verhören. Geben Sie nicht Ihren richtigen Namen an, Pomrath. Sie sind nicht in den Listen der Zeitreisenden aufgeführt, und das heißt, daß Sie niemals Ihren Namen genannt haben. Versuchen Sie es ja nicht. Erfinden Sie einen Namen. Wenn Sie im Jahre 1979 oder später landen, können Sie zugeben, daß Sie ein Zeitreisender sind. Wenn Sie früher landen, sind Sie völlig auf sich allein gestellt. Ehrlich gesagt, ich würde es nicht versuchen. Ich glaube nicht, daß Sie das Format für so eine Reise haben. Sie sind intelligent, Pomrath, aber die Sorgen haben Sie aufgerieben. Gehen Sie kein Risiko ein. Machen Sie die normale Zeitreise und geben Sie sich in der Vergangenheit zu erkennen. Dann schaffen Sie es.«

»Was kostet die Sache?«

»Zweihundert Credits. Eine lächerliche Summe. Reicht kaum für die Energiekosten.«

»Ist die Reise sicher?«

»So sicher wie eine Schnellbootfahrt«, lachte Lanoy. »Aber denken Sie noch einmal nach. Keine Hohe Regierung, die über Sie wacht. Dutzende von Nationalstaaten. Lokale Streitereien. Steuerorgane, die einander bekämpfen. Damit müssen Sie fertigwerden. Aber ich glaube, Sie schaffen es.«

»Schlimmer als hier kann es nicht sein.«

»Sind Sie verheiratet, Pomrath?«

»Ja. Ich habe zwei Kinder und liebe sie sehr.«

»Wollen Sie Ihre Familie mitnehmen?«

»Ist das möglich?«

»Ja. Mit einem gewissen Risikofaktor. Wir müssen Sie einzeln schicken. Massenbegrenzung. Sie könnten im Abstand von einem Dutzend Jahren ankommen. Zuerst die Kinder, dann vielleicht Sie und zuletzt Ihre Frau.«

Pomrath zitterte. »Angenommen, ich gehe als erster. Können Sie festhalten, in welche Zeit ich geschickt wurde, damit meine Familie nachkommen kann, wenn meine Frau es wünscht?«

»Natürlich. Wir werden uns darum kümmern. Ich setze mich mit Mrs. Pomrath in Verbindung. Ich werde ihr freistellen, ebenfalls die Reise zu machen. Die meisten Frauen tun es nicht, aber sie soll zumindest die Möglichkeit haben. Nun, Pomrath? Sind Sie immer noch dabei?«

»Das wissen Sie ganz genau.«

Quellen, der die Unterhaltung abhörte, saß wie in Trance da. Er fühlte sich eiskalt. Er konnte Lanoy nicht sehen, er wußte nicht, wo das Gespräch stattfand, aber er erkannte, daß sein Schwager im Begriff war, den Scharen von Zeitreisenden zu folgen. Und er konnte nichts dagegen unternehmen. Wenn nicht Brogg und Leeward das Hauptquartier Lanoys im Handumdrehen fanden und ihn verhafteten …

»Sir, Untersekretär Brogg möchte Sie sprechen«, sagte eine Stimme.

Quellen erhob sich vom Monitor. Ein normales Telefon wurde ihm in die Hand gedrückt. Quellen nahm den Hörer auf.

»Wo sind Sie?« fragte er. »Haben Sie Lanoys Spur schon?«

»Wir arbeiten immer noch daran. Es stellte sich heraus, daß Brand den genauen Ort nicht wußte. Er kannte nur jemanden, der ihn über eine weitere Mittelsperson zu Lanoy bringen wollte.«

»Ich verstehe.«

»Aber die geographische Lage steht nun fest. Wir kreisen das Gebiet ein und suchen es per Televektor ab. Es ist jetzt nur noch eine Sache der Zeit, bis wir Lanoy persönlich haben.«

»Wieviel Zeit?« fragte Quellen eisig.

»Etwa sechs Stunden«, erwiderte Brogg. »Plus oder minus neunzig Minuten. Aber heute nageln wir ihn sicher fest.«

Sechs Stunden, dachte Quellen. Plus oder minus. Und dann hatten sie Lanoy verhaftet.

Aber Norm Pomrath hatte inzwischen den Sprung in die Vergangenheit gewagt.

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Brogg sagte freundlich: »Ich muß Sie natürlich verhaften. Das werden Sie einsehen. Die Vorschriften sind nun mal nicht anders.«

»Natürlich«, sagte Lanoy. »Das versteht sich von selbst. Ich wunderte mich schon, weshalb es so lange dauerte, bis mich Ihre Leute aufgespürt hatten.«

»Unsicherheit bei den hohen Stellen. Es gab eine Menge Hin und Her.« Brogg lächelte den kleinen Mann an. »Es ist Ihnen gelungen, die Hohe Regierung ziemlich aufzuregen. Die Leute brennen darauf, Sie zu verhaften, aber gleichzeitig haben sie Angst, ihre Machtstellung durch irgendeine Verschiebung der Vergangenheit aufs Spiel zu setzen. So taten sie vorerst gar nichts. Die klassische Situation: Sie mußten zum Aufhören gezwungen werden, aber niemand wagte den ersten Schritt.«

»Ich bin mir über die peinliche Situation der Regierung im klaren«, sagte Lanoy. »Sogar ganz an der Spitze haben die Leute ein schrecklich kompliziertes Leben, nicht wahr? Nun ja, jetzt sind Sie aber doch hier. Kommen Sie nach draußen. Dann können wir den Sonnenuntergang beobachten.«

Brogg folgte Lanoy aus der Hütte. Es war sehr spät, und Brogg machte bereits Überstunden, aber er widersprach nicht. Den ganzen Tag hatte er zusammen mit Leeward diesen Lanoy eingekreist. Sie hatten Televektorkonstanten berechnet und verschoben, bis der Radius immer enger wurde. Wie Brogg Quellen am Vormittag versprochen hatte, handelte es sich nur um Stunden. Und seit Broggs Anruf waren genau vier Stunden und einige Minuten vergangen. Brogg hatte Leeward vor einer Stunde absichtlich auf eine falsche Spur gesetzt. Und nun befanden sich Lanoy und Brogg allein an der einsamen Hütte. Brogg hatte dem Zeitreise-Unternehmer viel zu sagen.

Eine dicke goldene Sonne hing am dunklen Himmel. Sie warf einen purpurnen Glanz über das verschmutzte Wasser. Das Glitzern wirkte unheimlich, und die schleimigen Geschöpfe, die sich an der Wasseroberfläche wanden, erschienen im sterbenden Licht des Tages plötzlich ganz anders. Lanoy atmete tief ein und sah nach Westen.

»Es ist herrlich«, sagte er schließlich. »Ich konnte dieses Gebiet nie verlassen, Untersekretär Brogg. Ich sehe selbst in der Häßlichkeit das Schöne. Werfen Sie doch einen Blick auf den See. Haben Sie schon einmal so etwas erlebt? Ich stehe jeden Abend ehrfürchtig hier draußen.«

»Bemerkenswert.«

»Ja. In diesem Schlamm steckt Poesie. Sie müssen wissen, daß er fast keinen Sauerstoff mehr enthält. Das organische Leben ist abgewandert, nur die primitiven Formen haben sich erhalten. Ich stelle mir vor, daß die Schlammwürmer bei Sonnenuntergang zu tanzen beginnen. Sie schaukeln durch das Ried. Sehen Sie nur das Farbenspiel an dem großen Algenfleck da drüben. Unsere Algen werden so lang wie Meerestang. Mögen Sie eigentlich Poesie?«

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